ZUTPHEN GRAFEN VON
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 713
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Zutphen
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I. GRAFEN

Seit Mitte des 11. Jh. war Zutphen in den Händen von Gottschalk, des Grafen in Twente und Hetter, und seinen Nachkommen. Zutphen muß als Immunität im nördlichen Teil der alten Grafschaft Hamaland betrachtet werden, die 1064 König HEINRICH IV. dem Bischof von Utrecht schenkte. Gottschalk, der in einer gefälschten Urkunde von 1059 'domini Sutphaniensis oppidi' genannt wird, gilt als Stammvater des Grafengeschlechts, das nur zwei Grafen zählte: Otto II. (1064-1113) und dessen Sohn Heinrich I. von Zutphen (+ vor 1127). Statt des älteren, frühverstorbenen Bruders Gebhard wurde Otto II. um 1064 Nachfolger seines Vaters Gottschalk in Zutphen. Seine Schwester Mathilde war möglicherweise mit Ludolf, Sohn des Pfalzgrafen Ezzo, verheiratet. In einer ebenfalls gefälschten Urkunden von 1103 wird Otto II. zum ersten Mal als Graf von Zutphen aufgeführt. Heinrich I. führte bereits 1105 diesen Titel. Otto und sein Sohn Heinrich wurden mit der Vogtei über Corvey betraut, die sie ihrer Verwandtschaft mit den Grafen von Northeim verdankten. Heinrich heiratete eine Tochter des Grafen Konrad (Kuno) von Beichlingen, eines älteren Bruders des Grafen Heinrich von Northeim, der die königlichen Lehen Ooster- und Westergo besaß. Nach dessen Tod tauschte Heinrich I. das Reichslehen Alzey 1107 gegen die beiden friesischen Grafschaften. Heinrich I. war 1114 am Aufstand gegen Kaiser HEINRICH V. beteiligt. Er wird 1118 zum letzten Mal erwähnt. Das Aussterben der männlichen Linie seines Geschlechts hatte den Heimfall Zutphens an den Bischof von Utrecht zur Folge. Bischof Godebold, der gerade den Kaiser bekämpfte, verlieh Zutphen seinem Vertrauten Konstantin van den Berghe, unter Umgehung Gerhards III. von Wasserburg-Geldern (+ um 1133), Sohn des Grafen von Geldern, der als Gemahl Ermgards, der einzigen Tochter Ottos II., zwar der nächste Erbe war, aber zur kaiserlichen Partei hielt. Um den Eindruck einer ununterbrochenen Erbfolge aufrechtzuerhalten, wurde in zwei der von den Utrechter Bischöfen angefertigten Fälschungen Dietrich von Winzenburg, Bischof von Münster (1118-1127), als Bruder und Erbe des verstorbenen Grafen Heinrich I. angeführt. 1138 vertraute der Bischof das Lehen Heinrich II., einem Sohn von Gerhard III. und Ermgard von Zutphen, an, nachdem er mit dessen Hilfe auf betrügerische Weise die Grafschaften Ooster- und Westergo der deutschen Krone entzogen hatte. Nach dem Tode Gerhards II., Grafen von Geldern, wurden 1138 die Grafschaften Zutphen und Geldern unter der Herrschaft seines Enkels und Erben Heinrich II. vereint.

Literatur:
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A. Wirtz, Die Gesch. des Hamalandes, AHVN 173, 1971 - P. Schiffer, Die Gf.en v. Geldern im HochMA (1085-1229), 1988.