Liudolf                                           Graf von Zütphen
----------                                          Vogt von Brauweiler, Münster und Borghorst
ca 995-11.4.1031                           Herr von Waldenberg
 

Ältester Sohn des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen und der Mathilde, Tochter von Kaiser OTTO II.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Spalte 713
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Zutphen
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I. GRAFEN

Statt des älteren, frühverstorbenen Bruders Gebhard wurde Otto II. um 1064 Nachfolger seines Vaters Gottschalk in Zutphen. Seine Schwester Mathilde war möglicherweise mit Ludolf, Sohn des Pfalzgrafen Ezzo, verheiratet. In einer ebenfalls gefälschten Urkunden von 1103 wird Otto II. zum ersten Mal als Graf von Zutphen aufgeführt.

Literatur:
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A. Wirtz, Die Gesch. des Hamalandes, AHVN 173, 1971 - P. Schiffer, Die Gf.en v. Geldern im HochMA (1085-1229), 1988.



Glocker Winfrid: Seite 317
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VII, 10. LIUDOLF
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* c 995, + 1031 IV 11

Vogt von Brauweiler
 

oo Mathilde, Tochter Graf Ottos von Zutphen

Die Heirat des Pfalzgrafen-Sohnes Liudolf mit Mathilde von Zutphen bezeugt die Brun. mon. fundat. actus c. 8, SS XIV 130.
Den Todestag nennt das Brauweiler Nekrolog (Bader, Brauweiler S. 240f, Stammtafel III, und Oediger, Regesten der Erzbischöfe von Köln Bd. 1, Nr. 770); zum Todesjahr vgl. Bresslau, Jbb. Konrad II. Bd. 2, S. 127.



Thiele, Andreas: Tafel 24
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

LUDOLF
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    + 1031

Graf von Zuetphen, Vogt von Brauweiler, Münster und Borghost
Herr von Waldenburg, erzbischöflicher Feldherr

  oo MATHILDE VON ZUETPHEN
                 + nach 1931

Tochter und Erbin des Grafen Otto I.



Liudolf war erzbischöflicher Feldherr und vermählte sich mit einer Gräfin von Zütphen, die ihm Güter in Twente und Westfalen samt Vogteirechten im Bistum Münster und in der Klostergrundherrschaft Borghorst zubrachte.

Steinbach Franz: Seite 859
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"Die Ezzonen"

Der älteste Sohn Ludolf - der Name weist in die Familie der Mutter - sollte die Nachfolge des Vaters antreten und wurde dafür ausgebildet: quod erat animo acerrimus et corpore robustissimus, militarique prorsus aptissimus praeter parentum glorias et divtias comitatum seu praefectum adeptsu est. Zu Lebzeiten des Vaters stand er an der Spitze des Kölner Kriegeraufgebotes und war bereits Vogt des Klosters Brauweiler.
Ludolf starb drei Jahre vor seinem Vater.

Lewald Ursula: Seite 139
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"Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes"

Der älteste Sohn Ludolf starb noch vor dem Vater 1031, und zwei Jahre später verschied auch dessen Onkel Heinrich. Beide wurden in Brauweiler bestattet. Man nimmt an, dass Ludolf aus seiner Ehe mit Mathilde von Zutphen noch eine Tochter hatte, von der die Fundatio nichts weiß, möglicherweise ist sie mit dem Alzeyer Erbe abgefunden worden. Jedenfalls finden wir im Jahre 1107 das einst pfalzgräfliche Reichslehen Alzey im Besitz des Grafen Heinrich von Zutphen, von dem es HEINRICH V. für das Reich eintauschte.

Kimpen Dr. Emil: Seite 12
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"Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft"

Dass Ludolf auch noch Töchter gehabt haben könnte, ist nicht deshalb ausgeschlossen, weil der Brauweiler Mönch nur von zwei Söhnen Heinrich und Kuno spricht. Denn ihm kam es, wie noch der Fall von Ezzos Sohn Otto zeigen wird, nur darauf an, über den männlichen Nachwuchs zu berichten.

Schaab Meinrad: Seite 25
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"Geschichte der Kurpfalz."

Der älteste Sohn Ludolf, Erbe von Alzey, heiratet die Erbtochter der Zütphener Grafen. Er war Bannerträger und damit wohl auch Vogt von Köln und vielleicht sonst noch im niederrheinsichen Raum ausgestattet, starb aber bereits vor dem Vater und hinterließ nur einen Sohn, Konrad.

Einige Gedanken zum Thronwechsel 1002
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4.3. Nachkommen OTTOS II.

L Liudolf Vogt von Brauweiler
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   um 995-11.4.1031

Als ältester Enkel OTTOS II. und Neffe OTTOS III. war Liudolf der nächste Verwandte des
verstorbenen Königs, auch wenn dies in der Fachliteratur kaum zur Kenntnis genommen wird. Selbst
die Minderjährigkeit des eventuellen Thronkandidaten wäre kein Hindernis gewesen, da sowohl der
Vater als auch seine Mutter Mathilde noch lebten.

Daß eine Kandidatur Liudolfs nirgends auch nur andeutungsweise erwähnt wird, zeigt, daß 1002 keine
Wahl nach Geblütsrecht stattfand. Auch 1024 wäre Liudolf der Topkandidat für den Thron gewesen;
seine Wahl stand aber meines Wissens niemals zur Diskussion.
 
Hlawitschka, Eduard: Seite 27
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"Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput."

So werden nacheinander Liudolf 'das Kind' (der älteste Sohn des Pfalzgrafen Ezzo und der als Schwester OTTOS III. bekannten Mathilde), Otto von Worms (der SALIER und Herzog von Kärnten, Sohn von OTTOS DES GROSSEN Tochter Liutgard) und sein Sohn (Herzog) Konrad von Kärnten, dann Herzog Heinrich von Bayern, Herzog Otto von Nieder-Lothringen (Enkel von OTTOS DES GROSSEN Schwester Gerberga); Herzog Dietrich von Ober-Lothringen (Enkel von OTTOS DES GROSSEN Schwester Hadwig) sowie König Robert II. von Frankreich, König Rudolf III. von Burgund und Herzog Otto-Heinrich von der Bourgogne, dazu dann  weiterhin Graf Brun von Brauschschweig und Markgraf Ekkehard von Meißen in Bezug auf ihre Thronansprüche abgehandelt.
Der kritisch durchmusternde Historiker muß auch hier Einwände erheben: so etwa im Falle Liudolfs 'des Kindes', dem von Wolf ein beachtliches, aber nicht überzeugendes Kronprätendenten-Nachleben konstruiert wird [5 Wolf, Quasi hereditatem Seite 73f, meint nämlich, es gäbe ein "bisher übersehenes Zeugnis dafür, daß Liudolf, der älteste Sohn des Pfalzgrafen Ezzo und der Kaisertochter Mathilde, in seinem engsten Verwandtenkreis als nächster Erbe des ottonischen Königthrones angesehen wurde. Im Essener Nekrolog [ed. Konrad Ribbeck, Ein Essener Necrologium aus dem 13. und 14. Jahrhundert, in: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen 20, 1900, Seite 78] wurde er unter dem 12. April als Ludolphus rex eingetragen. Im Jahre seines Todes (1031) war Sophia, die Schwester von Kaiser OTTO III. und von Liudolfs Mutter Mathilde, Äbtissin von Essen. Auf den EZZONEN-Sohn bezieht sich offenbar auch der Eintrag im, Merseburger Nekrolog [MGH Libri mem. et Necrol. NS 2, Tafel 4] zum benachbarten 14. April: Liudolfus infans. Die Bezeichnung infans (in Merseburg) statt rex (In Essen) wird so zu verstehen sein, daß Liudolf im Jahre 1002, als seine nächsten Verwandten in ihm den geborenen Nachfolger OTTOS IIII. sahen, ja wirklich noch ein Kind von etwa sieben Jahren war und daher einen solchen Beinamen bekommen hatte", der ihm sein Leben lang geblieben sei. - Nun ist der EZZONE Liudolf tatsächlich am 11. April 1031 verstorben, wie das Brauweiler Totenbuch zeigt; vgl.Friedrich Wilhelm Oediger, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Band I Lfg. 3, Bonn 1956, Seite 226 nr. 770: "zu III. Ydus Apr.: Obiit Ludolfus comes, filius fundatorum, cui pulsabitur". Deshalb hat Ribbeck die zum 12. April im Essener Nekrolog gegebene Eintragung Ludolphus Rex auch schon auf diesen EZZONEN bezogen (vgl. ebd. Seite 78 Anm. 9:"... auf den unsere Notitz wohl auch zu beziehen ist", auch ebd. Seite 34), ohne freilich als Rex ausdrücklich als Abschreibfehler zu bezeichnen oder anderweitig zu erklären. Und er verwies auch schon auf den Merseburger Liudulfus-infans-Eintrag zum 14. April. Die Einschreibung im Merseburger Totenbuch gehört indessen einer bereits 1017/18 vorgenommenen Eintragsschicht an zu deren datierung vgl. Althoff, Adels- und Königsfamilien Seite 153-156), ja: dieser Liudolf wurde offenbar bereits vor 932/935 im ottonischen Gebetsgedenken memoriert (vgl. Gerd Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger, in: DA 32 (1976) Seite 401, Listendatierung dort Seite 376). Ein Bezug zumindest der infans-Kennzeichnung auf den erst 1031 verstorbenen EZZONEN ist damit ganz illusorisch, womit wiederum die Stütze für die angenommene Nachwirkung der Thronanssprüche von 1002 entfällt und die spätmittelalterliche Rex-Kennzeichnung nicht mehr im Sinne Wolfs erklärt werden muß. Daß dagegen mit "Abschreibeversehen" im späten Essener Nekrolog zu rechnen ist, zeigt Ribbeck, a.a.O. Seite 36, an einem Beispiel.].
 
 
 
 

  oo Mathilde von Zütphen, Erb-Tochter des Grafen Otto I.
             - nach 1031
 
 
 
 

Kinder:

  Heinrich
         -31.10. nach 1031(1033?)

  Konrad I. Herzog von Bayern (1049-1053)
  um 1020 -5.12.1055

  Adelheid Erbin des Bruders
         -

  oo Gottschalk Graf von Zütphen
              - um 1065
 
 
 

Literatur:
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Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 Band II Seite 127 - Die Salier und das Reich. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band II Seite 4 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 317 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 27,68,72 - Kimpen, Emil: Ezzonen und Hezeliniden in der rheinischen Pfalzgrafschaft, in: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, XII. Ergänzungsband, Innsbruck 1933 Seite 12 - Lewald Ursula: Die Ezzonen. Das Schicksal eines rheinischen Fürstengeschlechtes. In: Rheinische Vierteljahresblätter 43,1979, Seite 139 - Schaab Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Verlag W. Kohlhammer 1988 Seite 25,220 - Schiffer, Peter: Die Grafen von Geldern im Hochmittelalter (1085-1229). Ein Beitrag zur Geschichte des unteren Rheingebietes, Geldern 1988 - Steinbach, Franz: Die Ezzonen. Ein Versuch territorialpolitischen Zusammenschlusses der französischen Rheinlande, in "Das erste Jahrtausend " Düsseldorf 1964 Seite 859 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 24 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 374,426 - Wolf Armin: Zur Königswahl Heinrichs II. im Jahre 1002. Verwandtschaftliche Bedingungen des Königswahlrechts. in: Genealogisches Jahrbuch Band 42 Verlag Degener & Co. Neustadt a.d.Aisch 2002, Seite 10-14,26,75,76,79,80,85 -