Berthold III.                                              Graf im Breisgau
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um 985-15.7.1024
 

Sohn des Grafen Berthold II. im Breisgau und der Berta von Büren, Tochter von Graf Sieghard IV.
Nach Gewin Sohn des Grafen Berthold von Reisenburg und einer namentlich unbekannten Tochter von Herzog Friedrich I. von Ober-Lothringen
 

HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER


Gewin Dr. J.P.J.: Seite 106
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V. 10. Berthold

999-1024 (+), Graf im Ortenau, erhielt 999 ein Marktprivileg für Villingen (Schwaben). Schon durch König HEINRICH II. dessen Stiefbruder Arnold F. 6. ein Neffe des Grafen Berthold E. I. 10. war, erwarben die BERTHOLDE einen großen Teil der bambergischen Güter in Schwaben. Er ist der Stammvater der Grafen von Zähringen.
Die ZÄHRINGER erscheinen als Grafen im Thurgau, Albgau, Breisgau und in der Ortenau und als Besitzer auf beiden Seiten des Schwarzwaldes.

Literatur:
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Neue Deutsche Biographie Bd. II. Berlin 1955.

Note:
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Die Verleihung der bambergischen Güter in Schwaben war ohne Zweifel eine große Gunstbezeigung König HEINRICHS II. F. 5. Als Sohn Herzog Heinrichs II. von Bayern stand er durch dessen uneheliche Verbindung mit einer Schwester des Grafen Berthold mit diesem in nahem Familienverhältnis: Diese Umstände werden zweifelsohne dabei eine große Rolle gespielt haben, besonders weil des Königs Vater Heinrich F. 4. und Bertholds Vater E. I. 9. in der Politik treue Bundesgenossen waren.


Berthold III. folgte dem Vater in Besitz und Titeln und wurde noch Graf der Ortenau. Er trat 1010 das Kloster Sulzburg, vom Vater 992 als Hauskloster gestiftet, an das Hochstift Basel ab. Er war eine treue kaiserliche Stütze.

Heyck Dr. Eduard: Seite 10-16
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"Geschichte der Herzöge von Zähringen"

Zur Zeit der Erteilung dieses Privilegs lebte Graf Bertold noch, er wird darin als der Breisgaugraf genannt. Am 14. Juli 1006 aber erscheint ein anderer Graf im Breisgau und Bertolds Hinterlassenschaft an Gütern findet sich in jüngeren Händen. Er ist also in der Zwischenzeit gestorben; ich werde der Bequemlichkeit wegen hinfort sagen: "ca. 1005".
Die nunmehrigen Vertreter des zähringischen Hauses heißen der eine wieder Birchtilo (nicht Graf), der andere Gebhard. Birchtilo mit Gebhard zusammen und mit in dessen Namen schenkt am 28. März 1010 zu Basel dem Kloster Sulzburg ihre Erbanteile an den Gütern zu Rinken, Buggingen, Weiler, Rimsingen, Reuthe, Vörstetten und Holzhausen. Das ist also, da nur Holzhausen damit neu oder schon inzwischen dazugekommen ist, nur eine bestätigende Erneuerung der Schenkung Graf Bertolds, vorgenommen durch dessen Erben. Nach der Bestätigung geschieht dann das Neue: Birchtilo schenkt Sulzburg nebst diesen ihm neu verbrieften Besitzungen dem Hochstift Basel und der Bischof Adalbero fügt daraufhin zu diesen aus seinen besonderen Bischofseinkünften die breisgauischen Orte Bischofflingen und Seefelden hinzu.
Dass man ihn, da er mit seinem Bruder gemeinsam dem Vater nur im Eigengut nachfolgte, nach dem bedeutendsten Orte desselben, dem mit Marktrecht begabten Villingen zubenannte, ist nicht verwunderlich. Indessen sollte er, der Sohn eines unter dem Vorgänger des jetzt regierenden Königs verdienten Mannes nicht lange ohne ein Grafenamt bleiben; er hat mindestens eine Grafschaft seinem Hause neu erworben und diejenigen, die sein Vater innegehabt hatte, vielleicht schon wieder an sich selbst gebracht. Jedenfalls ist der Breisgau, in welchem leider zwischen 1010 und 1028 kein Graf genannt wird, in dem letzteren Jahre im Besitz von Bezelins Sohn; also Adalbero, sicher von 1006 bis 1010 dort Graf, fügt sich mitten zwischen Grafen aus dem zähringischen Hause hinein.
Im Jahre 1016 ergibt sich aus den noch vorhandenen Urkunden eine Gelegenheit, den Ortengaugrafen zu nennen und das ist unser Bezelin. So hat denn Bezelin diese Erhöhung anscheinend nur dem Verhältnis seines Hauses zur Krone, das er selber ganz besonders pflegte, verdankt. Schon 1003 ist einmal ein vir nobilis Bezelinus mit König HEINRICH II. in Nimwegen; aber es ist doch wegen des "vir" und der sonst vorkommenden BEZELINE sehr fraglich, ob das schon der junge Sohn des ca. 1005 verstorbenen Grafen Bertold war. Später jedenfalls stand der Graf dem freundschaftlichen Verhältnis nicht fern, das Kaiser HEINRICH II. und den bekannten Bischof Meinwerk von Paderborn verband; denn zweimal ist um 1020 herum Graf Bezelin "aus Schwaben" beim Kaiser Intervenient für Meinwerk gewesen und schon diese Beziehung wie andererseits die Ausstellungsorte der erwirkten Urkunden zeigen, dass Bezelin zu mehreren Malen  des Kaisers Fahrten durch das Reich begleitete.
Zwischen jenen beiden Fürbitten Bezelins für Meinwerk liegt zeitlich eine andere Erwähnung seiner Anwesenheit in HEINRICHS II. Gefolge. Im April 1020 wird unter anderem "Signum Bezelini comitis" zu dem in Bamberg abgeschlossenen Vertrag zwischen Kaiser und Papst Benedikt VIII. gegeben. Dass die betreffende Urkunde mit gutem Grund angefochten wird, macht für jene Erwähnung Bezelins nicht viel aus: jedenfalls war den Herstellern der Urkunde Graf Bezelin selbst und sein Aufenthalt beim Kaiser bekannt. Dann hat ferner Bezelin den Kaiser auch auf der Anfang Dezember 1021 angetretenen Heerfahrt nach Unteritalien begleitet. Im Februar 1022 wurde zu Campo Pietra im beneventinischen Gebiet ein Hofgericht gehalten, das seine Entscheidung gegen einen Grafen Otto zu Gunsten des Klosters S. Vincenzo di Volturno fällt. Als vom Kaiser ausdrücklich herbeigezogene Urteilssprecher sind der Kanzler Dietrich, der bekannte Bischof Leo von Vercelli, der Bischof Ulrich von Trient und Graf Bezelin ausdrücklich unterfertigt. Dem Schrecken der Seuche, die auf der Heimkehr im Sommer desselben Jahres in der Lombardei die Begleiter und Truppen des Kaisers so entsetzlich heimsuchte, ist Bezelin entronnen.
Aber zu alten Tagen ist auch er nicht gekommen, denn er ist am 15. Juli 1024 gestorben und sein Sohn hat ihn um 54 Jahre überlebt. Das Jahr seines Todes geben wiederum die Mönche von Einsiedeln, den Tag ein Totenbuch aus dem der ortenauischen Grafschaft Bezelins so benachbarten Straßburg. Vielleicht ist er, wie auch sein sonst ganz im Dunkel verbleibender Bruder Gebhard in Straßburg begraben worden.
Die Einsiedler haben sich wohl für Bezelin interessiert, weil sie selbst breisgauischen Besitz hatten, vielleicht aber auch einer verwandtschaftlichen Beziehung des Grafen wegen. Der Einsiedler "Liber Heremi", in sehr später Fassung gute alte Nachrichten bergend, meldet zu 970 eine Schenkung, die diesem Kloster "Graf Landold von Zähringen, Großvater Graf Bertolds von Zähringen, des Vaters des Herzogs Bertold von Kärnten" gemacht habe. Aus dieser Nachricht ist nur zunächst festzuhalten: Landold Großvater des Grafen Bertold. Landold aber war der Gemahl einer Liutgard, die als NELLENBURGERIN erkannt worden ist, und den Namen Liutgart haben in der Tat die ZÄHRINGER später ihren Töchtern beigelegt.
Nun wird in einer zweiten Quelle, einer Urkunde von 1056 von einem avus des damaligen Grafen und baldigen Herzogs Bertolds I. gesprochen, der zugleich der patruus des Nellenburger Grafen Eberhard des Seligen ist. Der Nellenburger Graf beurkundet zusammenfassend seiner für seinen Vater und für seine Brüder im Kloster Reichenau gemachten Seelgerätstiftungen und flicht dabei ein, dass auch Bertold I. (so bezeichne ich den Grafen und erster Herzog aus der zähringischen Familie, also den Sohn Bezelins) eine Mitstiftung und zwar, wie gesagt, für seinen, Bertolds Großvater, einen patruus des NELLENBURGERS gemacht habe. In diesem avus Bertolds I. hat man aber den Sohn Landolds und der NELLENBURGERIN zu sehen. Nun ist die Frage, an welche Stelle man diesen Großvater Bertolds I. zu stellen hat. Da paßt es nun doch am besten, in ihm den Vater von Bertolds I. Mutter, also den Schwiegervater Bezelins zu sehen. Dann hätte also der Liber Heremi in seiner ausführlichen Angabe eine Versehen gemacht, nämlich als er erfuhr, dass "Graf Bertold" von Landold abstamme, an die Stelle des ihm nicht als Grafen, sondern nur als Herzog bekannten Bertold I. dessen Vater Bezelin als Grafen Bertold gesetzt, hätte aber doch das Generationenverhältnis richtig gewahrt, indem er Landold in der richtigen Entfernung (als Urgroßvater) von Bertold I. beließ.
 
 
 
 
 
 


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  oo (Lütgard?) von Nellenburg
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Kinder:

  Berthold I.
  um 1000-5.11.1078