Bernhardi, Wilhelm: Seite 385-388
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"Jahrbücher der Deutschen Geschichte Konrad III."

1144
Wahrscheinlich fand diese Feierlichkeit am 15. Oktober statt, zu welcher sich außer dem König udn dem Erzbischof von Mainz viele angesehene Fürsten und Herren des Reiches eingefunden hatten; so die Bischöfe Buco von Worms, Bernhard von paderborn und Wiger von Brandenburg, die Äbte Wibald von Stablo, Aleholf von Fulda, Konrad von Helmershausen und reinhard von reinhausen; Markgraf Albrecht der Bär, Landgraf Ludwig von Thüringen als Klostervogt, die Grafen Hermann von Winzenburg und sein Bruder Heinrich von Asle, Sizzo von Käfernburg, Ernst von Tanne, Gottfried und Poppo von Ziegenhagen, Ludwig von Lara und Rudger.
Hermann von Winzenburg und sein Bruder Heinrich von Asle waren nicht allein deshalb nach Hersfeld gekommen, um die Angelegenheit des Klosters Reinhausen fördern zu helfen, ein viel wichtiger Grund trieb sie dazu, den König und den Erzbischof von Mainz aufzusuchen und ihre Gunst zu gewinnen.
Graf Siegfried von Bomeneburg, ein Enkel Ottos von Nordheim, war am 27. April 1144 gestorben und bei seinen Ahnen zu Nordheim beigesetzt worden. Ob seine Ehe mit Richenza, deren Herkunft nicht bekannt ist, kinderlos blieb, läßt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Die Gräfin Guda von Arnstein kann seine Tochter oder seine Schwester gewesen sein. Sehr ansehnlich war Siegfrieds Eigentum in Allodialgütern gewesen, von denen er einen Teil zur Stiftung des Zisterzienserklosters Amelungsborn verwendet hatte. Nicht weit davon lag seine Besitzung Homburg, von der er öfter den Namen führte. Außerdem gehörten ihm noch Nordheim, Hitfeld, Ninover in der späteren Grafschaft Dassel, Elrichshofen und zahlreiche kleinere und größere Güter. Vom Reich trug er die südlich von Eschwege in Hessen gelegene Bomeneburg zu Lehen sowie die Vogtei über das Kloster Korvei, die in der Familie erblich gewesen zu sein scheint. Andere Lehen besaß er vom Erzbistum Mainz und vom Bistum Hildesheim.
Nach dem Erwerb nun dieser Allodialgüter und Lehen des verstorbenen Siegfried trachteten Graf Hermann von Winzenburg und sein Bruder Heinrich. Die Reichslehen konnte sie nur vom König empfangen; aber auch ein Wort von ihm zu ihren Gunsten bei den übrigen Lehnsherren sowie bei den Erben Siegfrieds mußte sehr ins Gewicht fallen.
In der Tat zeigte sich der König ihren Wünschen geneigt. Denn ihre Absicht erreichten sie fast vollkommen. Die Bomeneburg allerdings kam nicht in ihre Hände, KONRAD scheint sie vorläufig an das Reich zurückgezogen zu haben; wohl aber gewannen die Grafen von Winzenburg und Asle die meisten übrigen Lehen des Grafen Siegfried, insbesondere diejenigen, welche er von Erzbistum Mainz und vom Bistum Hildesheim gehabt hatte.
Die Übertragung derselben wurde aber wohl dadurch sehr erleichtert, daß Heinrich von Asle die Witwe des Grafen Siegfried nicht lange nach dessen Tode heiratete [144 In der Urkunde des Erzbischofs Heinrich von Mainz datiert: Acta sunt a.d.i. 1144, ind. 7, rgnte rege Cunrado huius nominis III. Data in Rostorph. V. Kal. Dec. (Guden, Cod. dipl. I, 160 ff.) heißt es: Noverint ... zuniversi ... qualiter comite Sigfrido de Buomeneburc sine heredibus defuncto, dum beneficium olim sibi consessum vacaret, ... tractabamus ... ut eccleise ... provideremus ... Item in loco ... quilingua vulgata Heligstat nuncupatuer, constituimus, ubi vidua defuncti comitis cum marito nuper sibi coniuncto Heinrico comite et Herimanno fratre ipsius de Plesse in hoc convenium, ut investitit beneficio memorato abbatiam in Norteheim (die dem BOMENEBURGER gehört hat, vgl. Anm. 42) et in Reinhausen Deo beatoque Martino (das heißt Mainz) ...extenderent ... et hoc precipue ob receptum a nobis beneficium collaudaverunt. - Hieraus folgt, daß die Ehe zwischen Heinrich und der Witwe Siegfrieds, als deren Namen Schrader, Dynastenst. Seite 130f., Richenza mit Wahrscheinlichkeit nachweist, vor dem 27. November 1144 vollzogen war. Vermutlich hielt die Witwe nur sechs Monate, also bis zum 27. Oktober (vgl. Anm. 40), Trauerzeit.] .
Durch Kauf brachte Hernmann von Winzenburg ferner einen bedeutenden Teil der Allodien des verstorbenen Siegfried, darunter die Abtei Nordheim an sich [145 Nordheim hatten die WINZENBURGER schon vor der Hochzeit Heinrichs mit der Witwe Siegfrieds erworben. Siehe die vorige Anmerkung. Herzog Heinrich der Löwe sagt in einer Urkunde von 1153 (Orig. Guelf. IV, 528): Notum sit ... quod Hermannus comes, qui hereditatem Sigfridi comitis a legitimis heredibus emptam possedit, villam quandam ... ad usus pauperum Christi tradidit. - Die legitimi heredes waren der Abt Heinrich von Korvei, dié Äbtissin Judith von Kemnade und Guda, die Gemahlin des Grafen Ludwig von Arnstein. Siehe oben Anm. 7 und 40.].
Da zu den Erben, von denen Hermann die Güter erstand, auch der Abt Heinrich von Korvei gehörte, verursachte die Wahl des WINZENBURGERS zum Vogte dieses Klosters wohl keine Schwierigkeit, und der König gab seine Zustimmung.
So gelangte das Geschlecht der WINZENBURGER zu einem ungeahnten Aufschwung. Hermann und sein Bruder Heinrich zählten durch diesen bedeutenden Machtzuwachs nunmehr zu den einflußreichsten Männern im Herzogtum Sachsen. Indem der König ihnen so erhebliche Förderung zuteil werden ließ, trat seine politische Absicht klar hervor: er wollte sich in Sachsen einen zuverlässigen Anhang schaffen.