Pabo                                                 Graf in Karantanien 838/39- um 860
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nach 860
 

Enkel des Grafen Graman im Traungau von einem unbekannten Sohn aus dem Hause der WILHELMINER; Bruder des Grafen Wilhelm I. im Traungau


Mitterauer Michael: Seite 44,74,87,88,109,115,125,129,132,138,139,144,154,158,160-162,168,176,180,185,187,247,248,250
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"Karolingische Markgrafen im Südosten."

Bei einer Tradition des jüngeren Cundpato in Grimmelbach (BA Mühldorf) begegnen wir 845 unter den Zeugen einigen schon oft gehörten Namen wie Papo, Adalperht, Rihholf, Rihhelm, Fridaperht und Cotahelm [149 Bitterauf 670.].
Unter den Zeugen der zwei Urkunden von Alprihs Sohn Cundpato finden sich einige Personen, die eindeutig Beziehungen zum Markengebiet haben. Der erste Zeuge der Verzichterklärung von 845 ist zum Beispiel der karantanische dux Pabo [14 Bitterauf 670.].
Auf Bitten der Grafen Werinhar und Babo schenkte nämlich König Ludwig damals dem Priester Dominicus Besitz am Zöbernbach an der Grenze der Grafschaften Ratpots und Rihheris [10 MG Dipl. Kar. 1, 49.].
In Karantanien war auf den letzten slawischen Herzog Graf Helmwin gefolgt. Seine Tätigkeit dürfte nur kurz gewesen sein, ebenso wie die seines Nachfolgers Graf Albgar, der um 839/40 wegen seiner Stellungnahme in den Kämpfen zwischen den Söhnen LUDWIGS DES FROMMEN abgesetzt worden sein dürfte. Auf ihn folgte als dux Karantaniens Graf Pabo, der dieses Amt durch längere Zeit innehatte.
Für die Annahme, daß dem dux Karantaniens mehrere Untergrafen unterstellt gewesen wären - etwa entsprechend den drei kirchlichen Zentren Maria Saal, Lurn und Ingering -, finden sich in den Quellen keine Anhaltspunkte. Die Nachricht der Salzburger Jahrbücher, in der von Pabo cum sociis comitibus die Rede ist [20 MGSS 30/2, 744.], scheint eher anzudeuten, daß mehrere ihm gleichrangige Grafen unter der Oberleitung des Präfekten im Markengebiet tätig waren. Zu diesen gehörte wohl jener Graf Witagowo, der auf Pabos Bitte 859 Besitz im Admonttal erhielt.
Die Beziehungen der WILHELMINER zu Salzburg sowie zum Gebiet an der oberen Isen und um Ebersberg erlauben es, die Zugehörigkeit eines weiteren Pabo zu dieser Familie wahrscheinlich zu machen. Bei einer Verzichtserklärung Cundpatos, des Enkels der Kepahilt aus dem Verwandtenkreis Graf Gramans, wird 845 als erster Zeuge ein Papo comes genannt [33 Bitterauf 670.]. Es handelt sich bei ihm wohl kaum um einen Grafen dieser Gegend, da er sonst gewiß mit oder ohne Amtstitel in anderen Freisinger Urkunden begegnen würde. Viel wahrscheinlicher ist es, daß wir es hier mit dem seit 844 nachweisbaren dux Karantaniens zu tun haben [34 MG Dipl. Kar. 1, 50.]. Dieser zog sich nach seiner Vertreibung durch Prinz Karlmann um 860 nach Salzburg zurück [35 MGSS 9, 565.]. Seine Eigengüter lagen also offensichtlich in dieser Gegend. Hier wird daher auch seine Familie zu suchen sein. Der Name Pabo weist auf die WILHELMINER. Es ist bemerkenswert, daß auch ein späterer Angehöriger dieses Geschlechts in Karantanien als Graf tätig war, nämlich Ruodperht, der Sohn Graf Wilhelms II., von dem noch zu sprechen sein wird. Ebenso verwalteten im zehnten und elften Jahrhundert die jüngeren WILHELMINER eine Grafschaft in Kärnten [36 Vgl. dazu E. Klebel, a.a.O., 204.]. Graf Pabo wird es wohl gewesen sein, der diese Stellung seiner Familie in Karantanien begründete. Nach ihm dürfte Graf Engilschalks ältester Sohn benannt sein. Wie Graf Wilhelm I. wird man auch ihn am ehesten als Enkel des Traungau-Grafen Graman und als Groß-Neffen Pabos von Dorfen einreihen dürfen.
Die Beziehungen der WILHELMINER zu Pabo und Graman werden durch einige Eintragungen in den Verbrüderungsbüchern von St. Gallen und Reichenau bestätigt. Vor allem die Reihe Pabo Aragoz Cundrat Gebahart Engilscalh Trusun Craman Hungund zeigt diese Zusammenhänge deutlich auf [37 MG Libri confraternitatum, Reichenau 457.]. Hier werden einige Frauennamen genannt, die uns aus urkundlichen Zeugnissen nicht bekannt sind, jedoch sicher in den Kreis der ältesten WILHELMINER gehören. Das beweisen die Eintragungen Drusun Engilscalh Gundarat [38 St. Gallen 106.], Ruodperht Ruodperht Drusan [39 Reichenau 74.]  Engilscalh Isanrih Drusun Tungund [40 Reichenau 547. Die Eintragung wurde von Freising übernommen. Tugund ist wohl verschrieben statt Hungund. Beide Namen kommen in den Verbrüderungsbüchern nur ein einziges Mal vor.] und die geschlossene Gruppe Pabo Drusun [41 St. Gallen 38.]. Auch Aragoz dürfte in den Kreis der Graman-Sippe gehören, wie die Notizen Walpret Aragoz [42 Reichenau 206.] und Argoz Fridabert [43 Reichenau 417.] andeuten. Die Eintragungen Isanrih Graman und Engilscalh Isanrih [44 Reichenau 545 und 547. Beide von Freising übernommen!] lassen Beziehungen zu den ARIBONEN erkennen, bei denen dieser seltene Name vorkommt.


 
 


Literatur:
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Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./ Graz-Wien-Köln 1963 Seite 44,74,87,88,90,109,115,125,129,132,138,139,144,154,158,160-162,168,176,180,185,187,247,248,250 -