Wido                                                Laienabt von St. Wandrille
-------
    -   739 hingerichtet
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 72
********************
WIDONEN (LAMBERTINER)
---------------------------------------

Herausragendes, seit dem Ausgang des 7. Jh. nachweisbares salfränkisches Adelsgeschlecht, das im Bereich der mittleren Mosel, Saar und Nahe beheimatet war, auch bei Verdun über Besitz verfügte und im Reichsdienst in viele andere teile des Frankenreiches ausgriff. In der Frühzeit sind ihm zuzuzählen der zuerst als dux, dann als Bischof von Trier (ca. 705-722/23) tätige Gründer des Klosters Mettlach, Liutwin, mit seinen erst spät bezeugten Eltern Gerwin und Gunza (ihr Bruder war der 705 verstorbene Bischof Basin von Trier) und seinen Söhnen Graf Wido und Bischof Milo von Trier und Reims (722/23-761/62), letzter besonders bekannt als Opponent des Heiligen Bonifatius. Sie wirkten als Helfer Pippins des Mittleren und Karl Martells. Ob der 739 wegen Hochverrats hingerichtete Laienabt Wido von St. Wandrille, ein propinquus Karl Martells, mit Milos Bruder zu identifizieren ist, bleibt ungewiß. Unsicher ist auch, ob den Brüdern Milo und Wido noch die beiden Grafenbrüder Warnharius, Gründer des Klosters Hornbach (vor 742), und Adalhard - beide stellten sich 771 nach König Karlmanns Tod entschlossen auf die Seite KARLS DES GROSSEN und verhinderten so drohende Auseinandersetzungen - als Geschwister oder Schwäger oder einem von ihnen als Söhne zuzuordnen sind.



Hlawitschka Eduard: Seite 130
*****************
"Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte."

Ähnliches konnte von dem anderen Verwandten in der Provence, dem 890 erhobenen LUDWIG, gelten, während hingegen die beiden alieni de stirpe regali, WIDO und Rudolf [59 Daß WIDO karolingisches Blut in seinen Adern hatte, ist von der genealogischen Forschung wiederholt zu erweisen versucht worden. Nachdem G. C. Crollius in den Acta Academiae Theodoro-Palatinae tom. VI hist. (Mannheim 1789) Seite 216 die These aufgestellt hatte, daß Ita, die Gemahlin des von Kaiser LOTHAR I. in Spoleto eingesetzten Herzogs Wido I., jene ungenannte Tochter des Kaisers LOTHAR I. gewesen sein müßte, die 841 eine nicht näher bezeichnete Persönlichkeit ehelichte, spielte diese Verbindung immer wieder in den genealogischen Kombinationen eine Rolle. Vgl. etwa E. Kimpen, Die Abstammung Konrads I. und Heinrichs I. von Karl dem Großen, in: Historische Vierteljahresschriften 29 (1935) Seite 723 und Seite 760ff.; H. Schreibmüller, Die Ahnen Kaiser Konrads II. und Bischof Brunos von Würzburg, in: Herbipolis Jubilans (1952) Seite 201; u.a. - In jüngster Zeit hat J. Sydow, La dignita imperiale di Guido e Lamberto duchi di Spoleto, in: Spoletium, Rivista di arte, storia, cultura III (1956) Seite 7-11, und Ders., Die Gegenkaiser Arnulfs von Kärnten, in: Verhandlungen des Historischen Vereins Oberpfalz und Regensburg 96 (1955) Seite 431ff., die Argumente noch einmal zusammengefaßt. Sie seien hier kurz zusammengestellt, um sie in ihrem Aussagewert zu prüfen.
1)  841 heiratet eine ungenannte Tochter LOTHARS I. (Ann. Fuldens. ad 841 Seite 32)
2)  der Name Ita, den die Gemahlin Widos I. von Spoleto trug (M. Fantuzzi, Monumenti Ravennati I
     (1801) Seite 73 nr. 153 - Uuido comes et Itana iugales, ca. 847-850), ist ein alter
      KAROLINGER-Name
3)  in einem von Flodoard als Regest überlieferten Brief des Erzbischofs Fulco von Reims an Kaiser
     WIDO (Herbst 893) heißt es: Exorat autem (Fulco), ut (Wido) regi suo Karolo (sc. der
     Einfältige) suffragium impendat, et talis erga ipsum existat, qualem eum erga propinquum
     existere decet (MG SS XIII Seite 565)
4) Liudprand von Cremona (Antapod. I c. 17, MG SS rer. Germ. Seite 18) berichtet, daß WIDO
     traxerat sane et a Francis quandam affinitatis lineam
5)  Ita, die Gemahlin Waimars von Spoleto und Cousine Kaiser WIDOS, sagte 896/97 - nach dem
     Bericht des Chron. Salernit. c. 153, MG SS III Seite 547 -: Ego sum ex regali stegmate orta
6)  886 wurde Wido von Spoleto, der spätere König und Kaiser, von Papst Stephan V. adoptiert
     (MG SS XIII Seite 556), was auf sein karolingisches Blut hinweise. -
Von diesen Argumenten ist
1)  das erste in seinem Wortlaut ohne Bezug auf die WIDONEN und somit ohne speziellen
     Beweiswert
2)  Der Name Ita ist bei den KAROLINGERN seit Ita/Iduberga (+652) nicht mehr nachzuweisen;
     vgl. E. Hlawitschka, Die Vorfahreen Karls des Großen, in: Karl der Große I (1965), Tafel bei Seite
     73, und E. Brandenburg, Die Nachkommen Karls des Großen (1935) Tafel I. (Die hl. Ida von
     Sachsen, die man den KAROLINGERN gelegentlich anzugliedern versucht, ist nicht als
     KAROLINGERIN gesichert! Sie kann allenfalls vermutungsweise dem Bruder KARL DES
     GROSSEN, Karlmann und dessen Frau Gerberga als Tochter zugeschrieben werden, wobei
     indes der Name Ida von Gerbergas Seite herzustammen scheint; vgl. K.A. Eckhardt,
     Genealogische Funde, 2. Auflage 1963, Seite 33-37). Der Name Ita weist also nicht ohne weiteres
     auf karolingische Abkunft hin.
3)  Zu der Fulco-Briefstelle hat schon W.B. Wencke, Die Erhebung Arnulfs und der Zerfall des
     karolingischen Reiches (1852) Seite 95, betont, daß das ipsum nicht auf die regi suo Karolo zu
     beziehen ist, sondern sich auf den Schreiber Fulco selbst zurückbezieht.
4)  Die Liudprand-Stelle besagt nur, daß Wido 888 Verwandte aus dem Westreich mit nach Italien zu
     ziehen bewog.
5)  Da Ita von Salerno ihre Äußerung zu einer Zeit tat, als ihr Vetter WIDO und dessen Sohn
     LAMBERT schon die Königs- und Kaiserwürdeerworben hatten, brauchen ihre Worte nicht auf
     Abstammung aus karolingischem Geblüt gedeutet werden.
6)  Die Adpotion WIDOS (886) durch den Papst spricht wohl nur für ein besonderes Ansehen dieses
      Mannes schon vor dem SturzeKARLS III.; doch beweist sie nicht, daß er karolingischen
     Geblütes gewesen sein muß. Auch Boso, der 878 von Papst Johann VIII. adoptiert worden war
     (vgl. oben Seite 34 Anm. 30) hatte selbst kein karolingisches Blut, sondern nur eine Tochter
     Kaiser LUDWIGS II. zur Gemahlin. -
So bleibt eigentlich kein stichhaltiges Argument für Blut KARLS DES GROSSEN bei den WIDONEN übrig. Zur Zeit Karl Martells indessen wird einmal ein Wido, der 739 wegen Hochverrats hingerichteteLaienabt Wido von St. Wandrille, als propinquus des KAROLINGER-Geschlechtes, und zwar Karl Martell, bezeichnet (Gesta abb. Fontanell. c. 11, MG SS II Seite 284f.). Über die Einreihung dieses Wido in das WIDONEN-Geschlecht wie über die Art der propinquitas zu Karl Martell ist jedoch nichts Näheres bekannt.], sich gegen ihn verbündet hatten.

Hlawitschka, Eduard: Seite 242
******************
"Waren die Kaiser Wido und Lambert Nachkommen Karls des Großen?", in: Stirps Regia

[56 Vgl. hierzu schon E. Hlawitschka, Lotharingien und das Reich Seite 129ff. Anm. 59, und auch R. Hiestand, Byzanz und das Regnum Italicum im 10. Jahrhundert (1964) Seite 55f. - An der erstgenannten Stelle wird auch der Hinweis darauf gegeben, daß ein Wido einst Laienabt von St. Wandrille und propinquus Karl Martells war und 739 wegen Hochverrats hingerichtet worden ist. Über die Einreihung dieses Mannes unter die frühen WIDONEN ist indessen nichts Sichers bekannt.]
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Hlawitschka, Eduard: Waren die Kaiser Wido und Lambert Nachkommen Karls des Großen?, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 242 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 130 -