Wido II.                                          Herzog von Spoleto (879/80-882)
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um 860/65- nach August 882/vor Juli 883
 

Einziger Sohn des Herzogs Lambert I. von Spoleto-Camerino aus dem Hause der WIDONEN
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 69
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Wido III., Herzog von Spoleto 879/80-882
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Sohn Herzog Lamberts, führte die Politik seines Vaters gegen das von Kaiser KARL DEM KAHLEN 887/76 zugesagte Einbeziehen Spoletos in den Kirchenstaat fort, wurde dabei aber von König KARL III., dem es mehr um die rasche Gewinnung der Kaiserkrone (12. Februar 881) ging, nicht voll unterstützt, indessen auch nicht ganz fallengelassen. Noch 882 beklagte sich Papst Johann VIII. beim Kaiser "de Widone Rabia, invasore et rapaci". Bei seinem frühen Tod (eher Ende 882 als erst 883) hinterließ Wido zwei noch unmündige Kinder, den zukünftigen Herzog Wido IV. und Ita, die spätere Gemahlin des Fürsten Waimar von Salerno.



Thiele, Andreas: Tafel 389
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

WIDO II.
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    + schon 882/83

Sohn des Herzogs Lambert I.



Hlawitschka, Eduard: Seite 211,213-217,219-222,226
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"Die Widonen im Dukat von Spoleto", in: Stirps Regia

Die Nachfolge in Spoleto trat nicht Lamberts Bruder WIDO II. an, der seit 876 in Camerino tätig war, sondern Lamberts Sohn Wido III. [196 Vgl. unten Anm. 216]. Dieser änderte die auf Unabhängigkeit Spoletos vom Papsttum gerichtete Politik seines Vaters nicht. Und ihm, dem Widone, Lamberti filio, kam dabei das nach wie vor bestehende Mißtrauen KARLS III., der ab Herbst 879 die Anrechte seines todkranken Bruders Karlmann auf Italien übernommen hatte und der am 6. Januar 880 von Papst Johann VIII. in Ravenna zum rex Italiae gesalbt und gekrönt worden war, gegen alle bisherigen Maßnahmen seines westfränkischen Onkels KARLS DES KAHLEN und entgegen den bislang auf die westfränkischen KAROLINGER ausgerichteten Papst Johann VIII. entgegen. Beauftragte doch KARL III. nach seiner Ravennater Krönung gerade wieder die beiden Rom benachbarten marciones - obgleich Johann VIII. in den voraufgegangenen Jahren soviel über beide (auch bei ihm) geklagt hatte [198 Siehe oben bei Anm. 178.] und sich selbst noch in Ravenna über sie beschwerte [199 MG Epp. VII Seite 199 nr. 224 (Brief Johanns VIII. an KARL III. von Februar-März 880): ... relicta nostra ecclesia inter sevas hostium non solum paganorum, sed etiam malorum Christianorum manus ad vos Ravennam pervenimus ... Daß mit den mali Christiani der Spoletiner Markgraf und sein Anhang gemeint sind, kann kaum zweifelhaft sein, zumal es im folgenden Brief an KARL III. - Seite 200 nr. 225 vom April 880 - von den mali Christiani heißt: quos ipsi procul dubio scitis. Das kann sich nicht auf kleine, unbekannte Leute beziehen!] - mit dem notwendigen Schutz des Papsttums und Roms, also mit seiner speziellen Vertretung [200 Vgl. unten bei Anm. 203.]. Die Politik Lamberts und Karlmanns ging also auch unter KARL III. weiter.
Seinen Standpunkt in der Frage seiner Weisungsgewalt gegenüber dem Herzog von Spoleto war aber, da KARL III. in der Paktumsfrage nachgiebiger geworden zu sein scheint, bald schon nicht mehr bereit aufzugeben. Im Juli 880 bestand er vielmehr darauf, daß Wido III. und seine Grafen das Gebiet des Hl. Petrus vor allen Feindeinfällen nostro pariter instructi mandato defendere debeant. Vor allem vor den Sarazenen hätten sie zu schützen. Auf Vermittlung Wibods hätte er, Johann, sich auch gerade wegen zu einer Unterredung mit Wido auf einen seiner Höfe begeben; aber dieser sei nicht erschienen. Deutlicher konnte jener wohl kaum zum Ausdruck bringen, daß er sich nicht in mandato Johanns stehend betrachtete!
Man sieht: die Verbindung des Herzogs bzw. Markgrafen von Spoleto mit dem ostfränkischen Königtum überdauerte auch den Tod König Karlmanns und Herzog Lamberts. Der Lambert-Sohn Wido III. stand also sofort über Boten auch mit KARL III., dem neuen Regenten und künftigen Kaiser, in fortdauerndem Kontakt und fand auch offensichtlich Gehör.
Als KARL III. dann - im Oktober/November 880 nach Italien zurückgekehrt - zu Jahresbeginn 881 gegen Rom vorrückte und in aller Eile - ohne zu einem vorherigen Paktum gezwungen zu sein - die Kaiserkrönung zu erlangen versuchte, schien der Spoletiner-Herzog Wido III. zu seinem erhofften Erfolg zu kommen. Aber nun wechselte der Papst seine Sprache von der so oft gezeigten zuvorkommenden Höflichkeit zur gleichsam ultimativen Drohung. KARL habe das, was die päpstlichen Legaten ihn (bezüglich des Paktums) mündlich wie punktweise schriftlich formuliert übermitteln, zu erfüllen, bevor er das Gebiet des Hl. Petrus betrete, andernfalls er das tun werde, was die Ehre der Hl. Römischen Kirche gebiete und wovon ihn auch keine Bedrängnis schlechter Menschen abbringen werde. Da est scheint KARL III. in dieser vor allem für den Herzog von Spoleto so wichtigen Frage eingelenkt zu haben: kein Zeichen der Enttäuschung findet sich jedenfalls in den nachfolgenden Briefen Johanns an KARL, den er auch am 12. Februar 881 zum Kaiser krönte.
Fallengelassen waren damit die WIDONEN nicht gänzlich. Im November 881 mußte der Papst schon seinen neuen Kaiser KARL III. bitten, daß er selbst de Uuidone Rabia, invasore scilicet et rapaci ... subveniat et eum de finibus nostris ... eicere iubeat. Daß KARL III. eingeschritten wäre, ist indes nicht bekannt. Und im März 882 mußte der Papst die gleiche Bitte wiederholen, weil beide Markgrafen Wido, also der jüngere Wido III. von Spoleto und sein Onkel WIDO II. VON CAMERINO, in der Pentapolis gelegene Kirchenlehen unrechtmäßig wiederbehielten, obwohl sie beim Reichstag von Ravenna die Rückgabe durch symbolische Reinvestitur gelobt hätten [212 MG Epp. VII Seite 263f. nr. 304: ... de omnibus immobilibus rebus territorii sancti Petri, quas nobis Ravenne consistentibus in presentia serenitatis vestre uterque Uuido marcio per reinvestitionem reddidit, nec unum recepimus locum ... Da im folgenden nur von einem Wido gesprochen wird, der sich neuerlichen Gerichtstagen entzog und die Rückgabe der Güter verweigerte, so darf man sich vielleicht den Vorgang so erklären, daß es sich bei den vom Papst reklamierten Besitzungen um Familiengut bzw. Lehen aus der Zeit Widos I. und seiner Frau Ita handelet, das tatsächlich im Gebiet von Ravenna bzw. in der Pentapolis nachweisbar ist vgl. oben Anm. 36) und an dem beide WIDONEN (WIDO II. und Wido III.) gleichermaßen Erbanteile hatten und auf das nur ein Wido - offenbar Wido III. - hartnäckig weiterbestand, während der andere - wohl WIDO II. (zu dessen allgemeiner Haltung in jenen Jahren siehe unten Seite 83f.) - nach der symbolischen Reinvestitir aus dem Streit heraushielt.]. Die letzte Klage über Wido III. stammt vom August 882. Ein Lehnsmann Widos III. hätte in Narni 83 Menschen an den Händen verstümmelt [213 Ebd. Seite 269 nr. 310.], er hat also das kaiserliche Strafrecht im Kirchenstaat zu schroff wahrgenommen. Noch 882 (kaum erst 883) dürfte dann Wido III. verstorben sein [214 Eine genauere Einengung ist nicht möglich. Jedoch ist sicher, daß WIDO II. im Juli 883 bereits die Nachfolge im Spoletanischen Bereich angetreten hatte; vgl. Liber largitorius vel notarius monasterii Pharphensis, ed. G. Zucchetti, (= Regesta Chartarum Italiae 11), Roma 1913, Seite 61 nr. 59. Vgl indessen auch in Anm. 224.], - und zwar offenbar unter Hinterlassung zweier damals noch unmündiger Kinder, nämlich eines Sohnes Wido, den wir zwischen 888 und 897 als Markgraf Wido IV. und zugleich als letzten WIDONEN in Spoleto und Camerino wiederfinden können, und dessen Schwester Ita, die mit dem Fürsten Waimar von Salerno vermählt wurde. Sein Onkel WIDO II., der Bruder Herzog Lamberts, vereinte nun beide Dukatsteile, den von Spoleto und den von Camerino, in seiner Hand.
 
 
 
 

  oo N.N.
              -
 
 
 
 

Kinder:

  Wido IV. Herzog von Spoleto
          - 897

  Ita
      -

  oo Waimar I. Fürst von Salerno
               -   901
 
 
 
 

Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 837 - Hlawitschka, Eduard: Die Widonen im Dukat von Spoleto, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 179,211, 213-217,219-222,226,240 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 181 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 389 -