Wido I. (Guido)                              Graf und Herzog von Spoleto-Camerino
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    - um 860                                     Vogt von Kloster Mettlach
 

Ältester Sohn des Grafen Lambert I. von Nantes und Angers
 

Lexikon des Mittelalters: Band IX Seite 67
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Wido I., Herzog von Spoleto 842-ca. 859
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Wohl 834 mit seinem Vater Graf Lambert I. von Nantes als Anhänger Kaiser LOTHARS I. nach Italien gekommen, folgte er nach LUDWIGS DES FROMMEN Tod (840) LOTHAR in die nordalpine Francia, wo er das Kloster Mettlach als alten Familienbesitz zurückerhielt. 842, schon als Herzog von Spoleto, mußte er darauf verzichten. Er wandte sich fortan dem Ausbau einer festen Stellung in Mittelitalien zu und heiratete Ita, die Tochter des Herzogs Siko I. von Benevent. Um 843 griff er in die zwischen seinem Schwager Herzog Sikonulf und dem Prätendenten Radelgis aufgebrochenen beneventanischen Wirren ein, in denen er - bis zur Teilung des Landes in die Fürstentümer Benevent und Salerno 849 - mehrmals gegen hohes finanzielles Entgelt vermittelte. Er nahm bald eine Stellvertretung des Kaisers in Rom wahr und war auch 846 an der Vertreibung von Sarazenen aus Rom und Latium beteiligt. Um 858 unterstützte er den Fürsten Ademar von Salerno bei inneren salernitanisch-capuanischen Auseinandersetzungen, wobei  er seinem auf die Gebiete westlich des Apennin konzentrierten Spoletiner Dukat im Süden mehrere Orte im oberen Liri-Tal hinzugewann. 860 ist bereits sein Sohn Lambert in Spoleto tätig.



Thiele, Andreas: Tafel 389
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

WIDO I. (GUIDO)
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    +um 860

Graf in Lothringen und Vogt von Mettlach

Wido I. machte 841 die Schlacht bei Fontenay mit, wurde nach Italien verjagt und durch Kaiser LOTHAR I. 842 Herzog und Graf von Spoleto-Camerino und damit Herr der Abruzzen. Er mischte sich jahrelang in die blutigen und zerstörerischen Thronkriege in Benevent ein, half den Fürsten von Salerno gegen die von Capua und gewann unter anderem Sora, Arpino, Atina und Vico-Albo. Er hielt sich weitgehend unabhängig von den kaiserlichen KAROLINGERN und stand als rücksichtloser Hausmachtpolitiker auch gegen die Päpste. Er wurde 842/44 von Kaiser LOTHAR in den Besitz des Klosters Mettlach gesetzt.

  oo um 834
       ITANA VON SALERNO
               +

wohl Tochter des Herzogs Sico, Schwester Herzog Siconulfs



Hlawitschka, Eduard: Seite 164-177
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"Die Widonen im Dukat von Spoleto", in: Stirps Regia

Mit dem Vater ging offenbar nur ein Teil der Familie ins Exil, nämlich der Sohn Wido, den wir ab 842 als dux Spolitanorum antreffen, und dazu anscheinend nochnein weiterer Sohn, vielleicht Haimo, der 837 als LOTHARS consilarius auftrat [33 Ein weiterer ins Exil gegangener Bruder Widos I. von Spoleto wird durch ein Diplom der Kaiser WIDO und LAMBERT vom 1. Mai 892 nahegelegt. Mit dieser Urkunde (L. Schiaparelli, I. Diplomi di Guido e di Lamberto, Roma 1906, Seite 34ff. nr. XIII) überließen die beiden Regenten an Cohunradum dilectum patruum ac patruelum nostrum illustrem marchionem und dessen Frau Ermengund die curtis Almenno in der Grafschaft Bergamo. Im Unterschied zu avunculus bezeichnet patruus den Onkel väterlicherseits und patruelis den Vetter über den Vatersbruder. Einen in dieser Weise deutbaren Sinn ergibt die Urkunde aber nur dann, wenn man die Bezugsetzung von patruus und patruelis nicht - entsprechend der Ausstellerreihenfolge - auf WIDO und LAMBERT, sondern umgekehrt auf LAMBERT und WIDO bezieht. (Ein Onkel WIDOS kann ja doch niemals zugleich Vetter des Wido-Sohnes sein!). Demnach mußten Markgraf Konrads Vater und Kaiser WIDOS Vater, Wido I. von Spoleto, Geschwister gewesen sein. (Die Deutung "Mutterbruder" als patruus scheidet auch schon bei der Beobachtung aus, daß in der Nachkommenschaft Konrads das widonische Namengut - Radald, Wibert, Wido - auftritt; vgl. E. Hlawitschka, Franken (wie Anm.6) Seite 213ff., 247f., 283ff., 140). Wie Konrads Vater hieß, ist freilich unbekannt. (Die Interpretation des WIDO-LAMBERT-Diploms durch Th. Wüstenfeld, Herzoge (wie Anm. 10) Seite 413, die zu Wido I. von Spoleto als Konrads Vater führt, ist ganz abwegig; sie läßt das patruelis ganz außer acht.) Doch könnte hier eine Beobachtung am genannten Diplom einen Hinweis liefern. Von dieser curtis heißt es nämlich sicut a sanctae memoriae Hludovico quondam imperatore concessa fuit (eine Verbindung mit den dazwischenstehenden Pertinenzen ist nicht möglich, weil es sonst concessae fuerunt heißen müßte), woraus zu folgern ist, daß dieser Hof schon einmal an Konrad - und zwar von Kaiser LUDWIG II. - gegeben worden war; und Konrad muß ihn in der Zwischenzeit verloren haben. Dazu fügt sich sehr genau, daß König Ludwig der Deutsche am 26. Februar 975 - das heißt noch vor LUDWIGS II. Tod, gerade als Ludwig der Deutsche mit seinen Söhnen für die Nachfolge in Italien vorgesehen wurde und dabei LUDWIGS II. Familienangehörige wirtschaftlich sicherstellen mußte - diesen Hof und andere Güter an LUDWIGS II. Tochter Irmingard schenkte; MG D LdD 157 (Original!). LUDWIGS II. frühere Schenkung Almennos an Konrad war also tatsächlich wieder rückgängig gemacht wrden. Nun wissen wir, daß 871 des späteren Kaisers WIDO älterer Bruder, namens Lambert, zusammen mit einem anderen Grafen Lambert (von Camerino), der in den Quellen auch als Lambert der Kahle bezeichnet worden ist (siehe unten Seite 57), in ein Komplott des Herzogs Adelgis von Benevent gegen Kaiser LUDWIG II. verwickelt schien und daß die beiden Lamberte ihre Ämter verloren und nach Benevent flüchten mußten. Offensichtlich hat sich nun diese Strafaktion LUDWIGS II. von 8971 auch auf Konrad ausgewirkt. Wenn Konrad aber in die Bestrafung der beiden Lamberte von Spoleto und Camerino einbezogen wurde, dann muß er - was ja auch die patruus- und patruelis-Bezeichnungen schon zu erkennen gaben - ein naher Verwandter zumindest des Spoletiner Herzogs, vielleicht auch beider Lamberte, gewesen sein. Und das stützt die schon oft geäußerte Annahme, daß auch die beiden Lamberte nahe Verwandte waren, obgleich dies nicht ausdrücklich mitbezeugt ist. War Konrad villeeicht ein Bruder Lamberts des Kahlen? (Ein Bruder Lamberts von Spoleto kann er nicht gewesen sein, denn dann hätte er im zitierten Kaiserdiplom auch als Widos frater, nicht patruelis, bezeichnet werden müssen.). Nun ist Lamberts des Kahlen Vater bekannt: er hieß Haimo (siehe unten Anm.118). Ein Haimo ist zum 27.10.837 als LOTHARS fidelis consilarius und Inhaber des Klosters Montamiata bezeugt; MG D Lo I 33. War dieser nicht nur der Vater Lamberts des Kahlen, sondern auch der des Markgrafen Konrad (von Lecco)? In einem solchen Falle dürfte Haimo als Bruder Widos I. angesehen werden.].
Es folgt daraus, daß Widos I. von Spoleto Gemahlin namens Ita, eine beneventranische Fürstentochter, nämlich eine Tochter des 832 gestorbenen Fürsten Siko I. von Benevent, war. So hat also Widos I. Aufstieg in Spoleto nicht mit einer Eheverbindung zum karolingischen Königshaus, sondern durch Verheiratung mit einer Fürstentochter aus dem benachbarten Herzogtum Benevent begonnen.
 
 
 
 

um 843
  oo Itana von Salerno, wohl Tochter des Herzogs Sico I.
            -
 
 
 
 

Kinder:

  Lambert I. Herzog von Spoleto
  um 845/50- 880 vor 8.7.

  WIDO I. (III.)
  855-12.12.894

  Ita
       -

  oo Waimar Fürst von Salerno
              -   901

  Rothild
        -

  oo Adalbert I. Herzog von Lucca, Markgraf von Tuszien
              - nach 884
 
 
 
 

Literatur:
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Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band I Seite 290/Band II Seite 18 - Hlawitschka, Eduard: Die Widonen im Dukat von Spoleto, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 161,164-177,179,183,189,192,216 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 59,221 - Hlawitschka, Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der Deutschen Geschichte, Anton Hirsemann Stuttgart 1968, Seite 129-131 - Hlawitschka Eduard: Stirps Regia. Forschungen zum Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze. Festgabe zu seinem 60. Geburtstag. Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 136,558 - Hlawitschka, Eduard: Waren die Kaiser Wido und Lambert Nachkommen Karls des Großen?, in Stirps Regia von Eduard Hlawitschka, Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 236,239,244 - Jahrbücher von Fulda. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1969 Seite 106 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 398 -