Balderich                                        Graf im Tubalo
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    -5.6.1021
     Burg Heimbach

Begraben: Kloster Zyfflich
 

Vermutlich Sohn einer Schwester des Grafen Gottfried aus einer unebenbürtigen Verbindung
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1364
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Balderich, Graf von Drenthe seit 1003/06
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     + 5. Juni 1021

Begraben: Kloster Zyfflich

Das Kloster Zyfflich hatte er zwischen 1014 und 1016 gegründet. Er war seit ca. 996 mit Adela von Hamaland verheiratet. Balderich dürfte einer unebenbürtigen Verbindung seiner Mutter, der Schwester des praefectus Godefrid, entstammen. Gestützt auf Eigenbesitz und Heiratsgut im Hamaland, in der Veluwe, der Betuwe, Teisterbant und Düffelgau, konnte Balderich nachdem er 1006 gegen die Ansprüche Graf Wichmanns, Godefrids Schwiegersohn, die Nachfolge in Godefrids Präfektur angetreten hatte, in die territorialen Auseinandersetzungen am Niederrhein eingreifen. 1016 wurde Graf Wichmann, angeblich auf Anstiften Adelas, ermordet und Balderich 1018 auf dem Reichstag zu Nijmwegen als für die Tat verantwortlich erklärt. Seiner Güter verlustig, fand Balderich Schutz bei Erzbischof Heribert von Köln, einem seiner Verbündeten.


Trillmich Werner: Seite 139
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Getrieben von seiner machtgierigen Gemahlin Adela gehörte seit OTTOS III. Zeit Graf Balderich von Drenthe, der links des Stroms Burg Zyfflich und Streubesitz zwischen Köln und der Betuwe innehatte, zu den unruhigsten Glücksrittern. Um die Allodien seiner Frau, die Hinterlassenschaft von deren Vater in Hamaland, um Zütphen, um Stift Elten und Burg Uflach, kam es zu langwierigen Auseinandersetzungen mit ihrem Sohne aus 1. Ehe, dem IMMEDINGER Dietrich, dem der Kaiser die gräflichen Rechte übertragen hatte. Auch um den Hattuariergau an der Niers mit den Burgen Gennep und Geldern entstanden Erbstreitigkeiten. Dort hatte HEINRICH II. zum Vormund für den schwachsinnigen Grafen dessen Schwager, den verläßlichen Grafen Wichmann vom Düffelgau um Kleve und Monterberg ernannt, einen BILLUNGER, der Burggraf der Reichspfalz Nymwegen gewesen sein dürfte. Balderich, der sich als Vetter des Entmündigten zu Unrecht übergangen fühlte, protestierte mit juristischen Mitteln und Waffengewalt, bis er sich um 1010 endlich durchsetzte, denn er besaß Rückhalt an Lambert von Löwen, Graf Gerhard von Metz, dem Kölner Erzbischof Heribert und Adalbold von Utrecht. Als dann im Jahre 1014 Dietrich von Hamaland ermordet wurde, hielt man dessen Mutter mitschuldig an der ruchlosen Tat, denn Balderich und Adela bemächtigten sich seiner Güter und Burgen. Ein weiterer Todesfall im Jahre 1015 verschaffte ihnen Burg Aspel bei Rees und dem Grafen Gerhard die Feste Heimbach an der Roer, an deren Belagerung und Einnahme sich Balderich beteiligte. Als er, nachdem Lambert von Löwen gefallen war, im Herbst heimkehrte, wurde er von seinen Feinden gefangen nach Monterberg gebracht, mußte auf Aspel verzichten, Urfehde schwören und sich freikaufen. Im Januar 1016 verurteilte das kaiserliche Gericht ihn und Adela zu weiteren Güterabtretungen. Wenige Monate später ließen die beiden den Grafen Wichmann ermorden. Nun endlich entschlossen sich dessen mächtige sächsische Verwandte, Burg Uflach zu belagern und zu zerstören. Adela entfloh zu Erzbischof Heribert und starb in Köln. Balderich suchte bei Graf Gerhard Schutz, der ihm Heimbach anvertraute. Balderich fiel 1017 in die Hände seiner Feinde, kam allerdings schnell wieder frei. Balderich, dem freies Geleit zugesichert worden war, verlor 1018 als überführter Mörder Wichmanns alle seine Ämter und Güter. Auf Burg Heimbach ist er im Jahre 1021 gestorben.
Nach dem Scheitern seiner Hausmachtpläne stiftete er Kloster Zyfflich bei Nimwegen. Die Überlieferung bezeichnet ihn und seine Frau als gemeine Verbrecher, doch verursachte adliges Machtstreben auch anderwärts blutige Fehden.
 
 
 
 

8.12.996
   oo 2. Adela von Hamaland, Tochter des Grafen Wichmann
   x       955-   1017 (vor 6.8.1028)
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 Seite 119 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter.Verlag C. H. Beck München 1994 Seite 82-83 - Hlawitschka Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes  Nolte OHG Saarbrücken 1969 Seite 96 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 437-443,480,490 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 404,406,422,448,460 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 139 -