Adela von Hamaland                     Gräfin von Drenthe
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um 955-vor 6.8.1028
             Köln

Begraben: Köln
 

Jüngere Tochter des Grafen Wichmann von Hamaland und der Liutgard von Flandern, Tochter von Graf Arnulf I.
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 141
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Adela von Hamaland
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* um 955, + vor 6. August 1028

Sie war seit etwa 970 in 1. Ehe mit Graf Immad (W-Sachsen) und seit etwa 996 in 2. Ehe mit Balderich, 1003/06 Graf von Drenthe, nach 1006 Nachfolger des praefectus Godefrid, verheiratet.

Kinder:
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Graf Theoderich von Westsachsen
Meinwerk, Bischof von Paderborn
Glismod
Azela
Emma (alle aus 1. Ehe)

Über ihre Mutter Liutgard, Tochter Graf Arnulfs I. von Flandern, war Adela karolingischer Abkunft, was die Aussage der Vita Meinwerci, der Bischof sei "stirps regia genitus" erklärt. Adelas Vater, Wichmann, Graf von Hamaland, gründete kurz vor 968 das Stift Elten und stattete es mit reichem Eigen- und Lehnsbesitz aus. Erste Äbtissin wurde Adelas ältere Schwester Liutgard. Nach Wichmanns Tod focht Adela die Schenkung des Vaters an, da sie ohne ihre Zustimmung erfolgt sei. OTTO II. versuchte vergeblich, den von beiden Schwestern mit Heftigkeit geführten Streit beizulegen. Nach Liutgards Tod - Gerüchte wollen, dass sie auf Anstiften Adelas vergiftet wurde - usurpierte Adela mit Unterstützung ihres zweiten Gatten Balderich das väterliche Erbe. Am 18. Dezember 996 beendete OTTO III. den Streit um Elten. Dem Stift wurden Besitz und Königsschutz bestätigt, aber Adela gelang es, ihre Ansprüche auf einen Teil von Wichmanns Erbe durchzusetzen.
Die von den Zeitgenossen als nicht standesgemäß angesehene Ehe mit Balderich, vor allem aber das skrupellose Vorgehen des Paares bei der territorialen Auseinandersetzungen am Niederrhein brachten Adela in den Ruf einer "zweiten Herodias".
Ihren Lebensabend verbrachte Adela in Köln, wo sie von Präbenden des Domes und der Abtei Deutz lebte. Vor dem Dom fand sie auch die letzte Ruhe. Doch soll ihr Leichnam, als die Stadt durch einen Sturm bedroht war, ausgegraben und in den Rhein geworfen worden sein.

Literatur:
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S. Hirsch, H. Pabst und H. Bresslau, Jbb. des Dt. Reiches unter Heinrich II., II, 1864, 345ff.; III, 1875, 42ff. und 311ff. - R. Holtzmann, Gesch. der sächs. Kaiserzeit (900-1014), 1961, [Neudr. 1967], Niederrhein 155/156, 1954, 67-85 [Repr. Ders., Vom Leben am Niederrhein, 1973, 217-235] - A. Wirtz, Die Geschichte des Hamalandes, Annalen Niederrhein 173, 1971, 39-68



Brandenburg Erich: Tafel 5 Seite 10
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

VIII. 42. ADELE
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*ca. 955, + 1017

Gemahl:
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a)
IMMED (IV.), Graf in W-Sachsen
           + 983 29. I.

b) vor 996 18. XII.
BALDERICH, Graf im Tubaldo, abgesetzt 1016
           + 1021

Anmerkungen: Seite 127
40.-42

Alpert S. S. 4, 702 f., 715 f. Vita Meinwerci ed Tenckhoff cap. 2 und 132, 996 18 XII., D. D. 2, 649. Graf Immed wird meist für einen Nachkommen des Bruders des Grafen Dietrich, Vater der Königin Mathilde gehalten. Doch ist dies nicht sicher. [VIII 55-57]



Die Grafschaft ihres zweiten Gatten Balderich, der ihr gefügiges Werkzeug war, lag im niederlothringischen Gau Drenthe. Adelas Leben erfüllte sich in dauerndem Kampf. Zunächst focht sie die Schenkungen ihrer Familie an das Kloster Elten unter dem Vorwand an, sie seien ohne ihre Einwilligung geschehen. Als ihre Schwester Liutgard ihr Erbgut dem Eigenkloster zuwandte, setzte sich Adela mit Gewalt in den Besitz der Güter. Erst auf Veranlassung des Königs gab sie das Angeeignete wieder heraus. Nachdem dieser Plan gescheitert war, stellte sie sich gemeinsam mit ihrem Gatten gegen Graf Wichmann III. aus der gräflichen Linie der BILLUNGER und ließ ihn am 5.10.1016 ermorden. Zuvor hatte sie schon die Ermordung ihres ältesten Sohnes aus 1. Ehe, des Stammhalters des IMMEDINGER-Hauses, Dietrich (+ 7.4.1014) veranlaßt. Das 1016 zu Dortmund durch die kaiserliche Untersuchung gefällte Todesurteil hob der Kaiser auf und entzog ihr nur die sächsischen Güter, die er ihrem Sohn Meinwerk zum Ausbau seiner Kathedrale schenkte.

Althoff, Gerd: Seite 119
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung."

Noch deutlicher zeigte sich die Konsequenz der kaiserlichen Politik gegen die BILLUNGER, als 1016 Wichmann III. (G 136) im westlichen Sachsen ermordet wurde. Der BILLUNGER Herzog Bernhard II. übernahm nicht nur die Vormundschaft über den unmündigen Sohn Wichmanns, sondern strebte mit allen Mitteln nach der Bestrafung der Mörder und ihrer Auftraggeber, zu denen neben Adela auch ihr Gemahl Balderich gerechnet wurde. Durch die Zusammenarbeit HEINRICHS II. und Erzbischof Heriberts von Köln, der der Lehnsherr Balderichs war, wurde jedoch die Bestrafung Balderichs trotz der nachhaltigen Bemühungen Bernhards verhindert [Vgl. Hirsch, Jbb.. Heinrichs II. 3, Seite 44 ff.; Müller, Heribert von Köln, Seite 242].

Weinfurter, Stefan: Seite 121
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten"

Meinwerks Vater, Graf Immad, besaß eine Grafschaft in der Diözese Utrecht. Die Mutter Adela kam aus einer vornehmen sächsischen Adelsfamilie. Sie wird in den Quellen als eitel, herrschsüchtig und skrupellos beschrieben. Ihr Vater, der Sachse Wichmann, hatte im Gebiet zwischen Rhein und Maas eine Herrschaft aufgebaut und die Grafschaft Hamaland im Bereich der heutigen Provinz Gelderland verwaltet. Er hinterließ zwei Töchter, von denen die jüngere, Adela, die ältere, Lutgard, vergiftet haben soll, um das väterliche Erbe möglichst vollständig an sich zu bringen. Entsprechend soll sie 1016 auch mit dem BILLUNGER Grafen Wichmann III. verfahren sein, der ihr im Wege stand. Die Folge waren Prozesse und scharfe Maßregeln gegen sie.
 
 
 
 

     970
  1. oo Immed IV Graf in Westsachsen.
           um 945-29.1.983

  8.12.996
  2. oo Balderich Graf im Tubalgo
           um 950/60-5.6.1021
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Dietrich Graf
  um 970/75-7.4.1014 ermordet

  Meinwerk Bischof von Paderborn (1009-1036)
  975-5.6.1036

  Athela Nonne in Elten
        -

  Emma
          -3.12.1038

  oo Liudger Billung Graf
              -26.2.1011

  Glismod
         -

  oo Reding Graf
              -
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 Seite 119 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 5 Seite 10 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 82-84,236,257,277 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II., Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 Band II Seite 345, Band III Seite 42,311 - Hlawitschka Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes  Nolte OHG Saarbrücken 1969 Seite 96 - Hlawitschka, Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987 Seite 96 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 171,438-443,480,490 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 406,408 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Puset Regensburg 1999, Seite 121 -