Heinrich II. der Jüngere                  Markgraf von Meißen (1103-1123)
-----------------------------                 Graf von Eilenburg
1103- Sept./Okt. 1123
 

Einziger und nachgeborener Sohn des Markgrafen Heinrich I. von Meißen aus dem Hause der WETTINER und der Gertrud von Braunschweig, Tochter von Markgraf Ekbert I.
 

Brandenburg Erich: Tafel 26 Seite 52
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"Die Nachkommen Karls des Großen"

XII. 234. HEINRICH II., Markgraf von Meißen
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* nachgeboren 1103/04, + 1123

Gemahlin:
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ADELHEID
      +

Tochter des Markgrafen Lothar Udo III. von der Nordmark (siehe XII. 94.)



Thiele Andreas: Tafel 182
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

HEINRICH II.
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* postum 1103, + 1123

(unehelich?), da nicht Sohn Heinrichs I. (?)

Folgte 1103/17 in Meißen-Lausitz; treue Stütze des kaiserlichen Schwagers, erbitterter Gegner des Cousins Konrad I. von Wettin, den er 1122 inhaftierte und der ihn 1125 beerbte.

  oo ADELHEID VON STADE
                +

Tochter des Markgrafen Lothar Udo III. von der Nordmark



Schwarz Hilmar: Seite 161
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"Die Wettiner des Mittelalters und ihre Bedeutung für Thüringen"

Generation E

(29) HEINRICH II.
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* 1103 oder 1104, + 1123

Sohn von Heinrich I. (17) und der Gertrud, Gräfin von Eilenburg



Heinrich II. der Jüngere stand unter der Vormundschaft seiner Mutter bis zu deren Tode 1117 und war eine treue Stütze seines kaiserlichen Schwagers. Es ging das Gerücht, dass Heinrich der Sohn eines Kochs sei, das von seinem Vetter Konrad genährt wurde. In der folgenden Fehde besiegte Heinrich seinen Vetter Konrad, nahm ihn gefangen und hielt ihn seit 1121 auf der Feste Kirchberg gefangen. Da Heinrich kinderlos starb, fielen die Allode an Konrad den Großen, den einzigen Sproß des Hauses WETTIN. Um die erledigten Marken Meißen und Nieder-Lausitz entbrannte in der Folge ein heftiger Kampf, da Kaiser HEINRICH V. beide als heimgefallene Lehen an den Grafen Wiprecht II. von Groitzsch, die Mark Eilenburg an den Grafen Hermann von Winzenburg übertrug. Graf Konrad sah sich in seinen Rechten beeinträchtigt und verband sich mit Herzog Lothar von Sachsen gegen den Kaiser. Dieser gab ihm 1123 die Mark Meißen zurück, die Mark Eilenburg kam aber an Albrecht von Ballenstedt, der nach Wiprechts Tode (1124) sich auch der Nieder-Lausitz bemächtigte, aber die Mark Eilenburg an Konrad abtrat.

CHRONIK VOM PETERSBERG: Seite 13-15
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1126
Zwischen dem Grafen Konrad <I.> von Wettin und dem Markgrafen Heinrich <II.> von Meißen, auch "von Eilenburg" [Ileburgk] genannt, einem seiner Verwandten, kam es neben anderen Gründen vor allem aus folgenden Anlaß zu einer Auseinandersetzung. Gelegentlich erwähnte jemand, als er in Gegenwart des Grafen Konrad etwas erzählte, den Markgrafen Heinrich und nannte ihn dabei Konrads Verwandten. Der Graf aber entgegnete voller Verachtung, wer Sohn eines Kochs sei, der sei nicht sein Verwandter. Der Hintergrund für diese Äußerung war folgender:
Als Markgraf Heinrich <I.> von Eilenburg, der Vater des jüngeren Heinrich, <im Jahre 1103> fiel, soll er seine Frau <Gertrud> schwanger hinterlassen haben. Diese nun teilte den Sachverhalt noch beim Begräbnis den Anwesenden mit und zeigte ihnen ihren geschwollenen Leib. Da nun Graf Konrad der Erbe des verstorbenen Markgrafen geworden wäre, wenn dieser keinen Sohn hinterlassen hätte, verbreiteten einige Ministerialen Konrads das Gerücht, Heinrichs Witwe habe sich nur ein Federkissen auf den Bauch gebunden und mit dieser List sich fälschlich für schwanger ausgegeben. Als ihr das zu Ohren kam, rief sie auf einen bestimmten Tag alle Ministerialen ihres Gatten zusammen und stellte sich in ihre Mitte an eine erhöhte Stelle. Dann ließ sie ihren Mantel von den Schultern bis zum Gesäß hinabgleiten, zeigte sich nackt und sagte, sie sollten selbst urteilen, ob sie tatsächlich schwanger sei. Nachdem sie nun niedergekommen war, streuten die Ministerialen Konrads wieder ein Gerücht aus, nämlich: sie hätte ein Mädchen geboren und es vertauscht gegen den Sohn einer armen Frau, deren Mann Koch war und die gleichzeitig mit ihr niedergekommen war. Aus diesem Grund nannte der Graf den Markgrafen "Sohn eines Kochs". Gelegentlich einer Unterredung, die zwischen dem Grafen Konrad und dem Markgrafen Heinrich von Eilenburg auf dieser Burg stattfand, umschlang einer der Ministerialen des Grafen namens Heldolf, der Großvater Simeons und Gebhards von Zörbig [Zeurbeke], in der Burgkapelle des heiligen Petrus <zu Eilenburg> den Altar, um so die Behauptung zu bekräftigen, daß Markgraf Heinrich gegen ein Mädchen ausgetauscht worden sei, und er schwor, er wolle die Unversehrtheit seines Leibes verlieren, wenn Heinrich der Sohn des Markgrafen sei. Als der Markgraf dies erfuhr, geriet er derart in Erregung, daß er all seine Getreuen beschwor, die ihm angetane Schmach zu rächen. Zwei von ihnen stellten jenem Heldolf lange heimlich nach. Endlich trafen sie ihn bei günstiger Gelegenheit auf einem Ritt und griffen ihn an. Heldolf sah, wie sie auf ihn losritten. Zwar schienen sie ihm verdächtig, doch vertraute er auf sein Pferd und entschloß sich nicht zur Flucht, solange er sie nicht erkannt hatte. Aber als sie ihm bereits nahegekommen waren, er fliehen wollte und seinem Pferd die Sporen gab, vermochte er es nicht von der Stelle zu bewegen. Da stürzten sich die beiden auf ihn, ergriffen ihn, stachen ihm die Augen aus und schnitten ihm Nase, Lippen, Zunge und Ohren ab. Und so hatte er durch die Wirkung seiner eigenen Schmähung offenkundig erwiesen, daß Markgraf Heinrich nicht gegen ein Mädchen ausgetauscht worden war. Der Ausspruch Konrads <Heinrich sei der Sohn eines Kochs> ging von Mund zu Mund, und so kam er auch dem Markgrafen zu Ohren. Schon zuvor waren sie keine Freunde gewesen, nun aber griff Heinrich den Grafen in höchster Empörung an, nahm ihn gefangen und warf ihn auf der Burg Kichberg <über Jena, am Fuchsturm> in den Kerker. Hier quälte er ihn mit einem Bett aus Eisen und vielen anderen Leiden und hielt ihn bis zu seinem eigenen Tod fest.
1127 starb Markgraf Heinrich <II.>. Als sein Tod nach der Burg Kirchberg gemeldet worden war und Graf Konrad ihn aus der Trauer des Gesindes erschlossen hatte, überredete er seine Wächter, wurde freigelassen und eilte sogleich zu König LOTHAR. Auf Fürsprache der Königin Richenza, deren Verwandter [Persönlicher Einwurf: Graf Konrad war über seine Mutter Ida Enkel Ottos von Northeim; Königin Richenza war über ihren Vater Heinrich den Fetten Enkelin Ottos von Northeim. Graf Konrad war also Cousin der Königin Richenza.] er war, erhielt er die Mark Meißen. Außerdem wurde er zum Erben des gesamten Eigenguts von Markgraf Heinrich eingesetzt.

GENEALOGIE DER WETTINER: Seite 233
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Mit Adela zeugte er Dedi <III., siehe aber weiter oben>, den Markgrafen Heinrich <I.> von Eilenburg und den Grafen Konrad, der von den Heiden <genauer: den Wenden> erschlagen wurde. Ebendieser Markgraf Heinrich zeugte mit Getrud, die aus Braunschweig [Bruneswich] stammte <Tochter Ekberts I. von Braunschweig, 1067-1068 Markgrafen von Meißen>, den Markgrafen Heinrich den Jüngeren <II.>.

Hildebrand Ruth: Seite 85
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"Herzog Lothar von Sachsen"

Aber einige Fürsten Sachsen empfanden dieses Vorgehen Lothars als illegal: Markgraf Heinrich von Stade, Markgraf Heinrich von Eilenburg, Lothars Neffe, Ludwig von Thüringen und Markgraf Rudolf. Sie unterstützten den überfallenen Bischof von Halberstadt mit Waffen. Die Gegnerschaft wird wohl von dem etwa 20-jährigen Heinrich von Eilenburg ausgegangen sein, dem der Onkel Lothar sicher Schwierigkeiten machte, wenn er das BRAUNSCHWEIGER Erbe seiner Mutter in Besitz nehmen wollte. Er war mit Adelheid von Stade, Schwester des Markgrafen Heinrich und Base Rudolfs II. von Stade, verheiratet.
Im September oder Oktober 1123 war der WETTINER Heinrich II. von Eilenburg plötzlich jung verstorben, - man vermutete Gift. Verheiratet mit Adelheid, der Tochter des Markgrafen Udo II., war diese Ehe noch ohne Kinder. Die Marken Meißen und Lausitz waren frei.
 
 
 
 

  oo Adelheid von Stade, Tochter des Grafen Lothar Udo III.
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Literatur:
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Annalen von Magdeburg ad a. 1123 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 113,128,129 -
Böhmenchronik des Cosmas von Prag mit zwei Fortsetzungen ad a. 1123 - Boshof Egon: Die Salier, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 Seite 301 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 26 Seite 52 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 38 - Chronik des Albert von Stade ad a. 1144 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 263,343,348 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Vierter Band Staufer und Welfen. Braunschweig 1877 Seite 15 - Hildebrand Ruth: Herzog Lothar von Sachsen. Verlag August Lax Hildesheim 1986 Seite 85 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 28,31,34,218 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 17,27, 30-32,98,141,191,246,259,279,283,307-311,334,341,346,363,365 - Posse, Otto: Die Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem Grossen. Giesecke& Devrint Verlag Leipzig 1881 Seite 167,210,247,249,263,268,272,273,276-280,282-285,296,300 - Posse, Otto: DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zentralantiquariat Leipzig GmbH 1994 Tafel I Seite 44 - Schwarz Hilmar: Die Wettiner des Mittelalters und ihre Bedeutung für Thüringen, Kranichborn Verlag Leipzig 1994 Seite 161 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 150 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 182 -