Gerburg von Meißen                      Äbtissin von Quedlinburg
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      -30.10.1022
 

Tochter des Markgrafen Rikdag von Meißen
 

Althoff Gerd: Seite 356
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                            A 65

Lü:     20.10.   Gerberg abb.

Wedekind, Noten 3, Seite 334 schlägt vor: Ricdagi march. filia? + 1002.
Schölkopf, Die sächsischen Grafen, Seite 86, hält diese fälschlich für eine Quedlinburger Äbtissin. Der Vorschlag Wedekinds beruht auf Angaben der Ananales Quedlinburgenses (Seite 88), Ricdagi marchionis praecltra filia, Gerburg nomine sei an den 3. Kalenden des November (30. Oktober) gestorben. Sie wird nicht als Äbtissin bezeichnet, jedoch wird ihre Bildung und ihre Tugend gerühmt. Auf Grund der unterscheidlichen Todestage und der fehlenden Kennzeichen als Äbtissin ist der Vorschlag fraglich.
Zu Verwandten Ricdags im Lüneburger Necrolog siehe Kommentar G 26 und 134.



Posse, Otto: Tafel 1
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"DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin."

GERBURG
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         + 30. Oktober 1022

Äbtissin von Quedlinburg



Annalen von Quedlinburg
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Das Jahr 1022.

Indem er darauf von Stadt zu Stadt reiste, führte er seine Kriegshaufen gegen die Mauern von Troja, einer sehr festen Sadt, deren Einwohner, wie er durch eine Botschaft  ihrer Landsleute erfahren, dem Gebote des Königs ungehorsam waren; freilich erst nach langer Belagerung und nach großen  Anstrengungen der Seinen hatte er die Freude, sie vollkommen nach Art seiner königlichen Ahnen und Urahnen zu besiegen  und mit Gottes Hülfe diejenigen, deren hartnäckigen Widerstand er beklagt hatte, wieder seiner Herrschaft zu unterwerfen, indem er die Einwohner entweder dem Tode preisgab oder als Gefangene fesseln ließ. Aber durch diese Erfolge nicht übermüthig, sondern mit der Weisheit und dem Wissen von Gott  begabt, rechnete er einen derartigen Sieg nicht sich an, sondern der Güte Gottes und den Verdiensten der Apostel, und demüthig in seiner Freude, ehrfurchtsvoll in seinem Ruhmgefühle, eilte er zum hohen römischen Stuhle. Einige Zeit blieb er dort; als er aber die Fürsten jenes Reiches in Frieden und  Gnade wiedergewonnen, überschritt er eilenden Laufs der Alpen schneeige Gipfel, weil ihn nämlich eine so große Sterblichkeit verfolgte, daß sie auf keine Weise weder mit gesprochenem Wort  noch mit Hülfe der Feder geschildert werden kann. Der  erhabene Kaiser entkam zwar derselben, weil der Himmel ihn schützte, aber nur von wenigen Leuten begleitet, diejenigen ausgenommen, welche ihm das mütterliche Europa entgegengeschickt hatte, gelangte er in die deutschen Grenzen und hielt dann in  den westlichen Gebieten eine große Synodalversammlung, zu  welcher von allen Seiten die Bischöfe der verschiedenen Landestheile und andere zahlreiche Volksmassen herbeiströmten. Als  nun dies, wie Zeit und Umstände erforderten, beendet war, zog man an einen Grona genannten Ort, wo in Gegenwart des Fürsten zwischen den beiden Bischöfen Gero und Arnulf ein gottloser und von jedem Frommen zu verwünschender Streit entstand; ich nenne ihn gottlos, weil er verderblich war, verderblich, nicht weil er verderben, sondern weil er jene verderben sollte und den Tod beider überdauerte, o Jammer! darauf zu warten. Darnach verbreitet sich das Gerücht, daß Bernward, der Bischof von Hildesheim, aus dem menschlichen Leben geschieden sei. Erispa, eine Klosterfrau seligen Angedenkens, wird dem Irdischen genommen und dem Himmelspalaste zugezählt. Propst Liudolf vom Leibe erlöst gab froh seine Seele Gott zurück. Des Markgrafen Ricdag erlauchte Tochter Namens Gerburg, welche seit der ersten Blüthe der Jugend sich mit der ehrenwerthesten Ausübung der freien Künste beschäftigt hatte und mit mannigfachen Tugenden geziert war,  brachte am 30. Oktober der Erde das Ihre und Gott sein Eigenthum dar.

Schölkopf, Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Markgraf Ricdag hatte außer diesem Sohn zwei Töchter. Von einer berichtete Thietmar, dass sie die Gattin Herzogs Boleslaw von Polen wurde, der sie bald verstieß. Seine zweite Tochter, die in den Quedlinburger Annalen Ricdagi marchionis praeclara filia Gerburg hieß, war Äbtissin zu Quedlinburg. Ihr gelehrter Eifer und ihre Tugend werden lobend hervorgehoben. Sie starb am 30. Oktober 1022.
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 Seite 356 - Annalen von Quedlinburg ad a. 1022 - Eckhardt Karl August: Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte. Deutschrechtlicher Instituts-Verlag Witzenhausen 1963 Seite 164-190 - Posse, Otto: DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zentralantiquariat Leipzig GmbH 1994 Tafel 1 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens Seite 86 -