Friedrich II.                                    Pfalzgraf von Sachsen (1056-1088)
---------------                                   Graf von Goseck
vor 1000-27.5.1088
               Barby

Begraben: Goseck
 

Jüngerer Sohn des Pfalzgrafen Friedrich I. von Sachsen aus dem Hause GOSECK und der Agnes von Weimar, Tochter von Graf Wilhelm II.
 

Schwennicke Detlev: Tafel 147
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

9. FRIEDRICH II.
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        + Barby 27.V.1088

Begraben: Goseck

1056 PFALZGRAF
1075 nach Pavia verbannt

  oo vor 1063
       HEDWIG "ex Bavaria oriunda"
                 +



Thiele Andreas: Tafel 165
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

FRIEDRICH II.
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    + 1086

1056 Pfalzgraf von Sachsen usw.

Folgte 1056 seinem ermordeten Bruder Dedials Pfalzgraf von Sachsen, zog 1063 mit nach Ungarn und regierte weniger im Sinne der Wahrung von Reichsinteressen, sondern von eigener Hausmachtpolitik und Territorialstaatlichkeit, wobei er die Schwäche der Zentralgewalt nach 1056 rigoros ausnutzte. Er blieb kaiserlich bis zum Tode seines Brudes Adalbert, geriet seit 1066 gegen Kaiser HEINRICH IV. wegen dessen Rekuperationspolitik. Er erhielt unter anderem das Salzregal und Münzregal für Sulza und nahm 1070 an der Absetzung Herzog Ottos von Northeim teil. Sein Streit mit dem Kaiser machte den typischen Wandel vom Inhaber kaiserlicher Ämter in abhängiger Position zum partikuklaristischen Territorialpolitiker deutlich. Er stritt auch mit den Bischöfen von Halberstadt und deren Vasallen, den Grafen von Supplinburg, war Mitführer der sächsischen Opposition und mußte sich 1075 nach der Schlacht bei Homburg an der Unstrut unterwerfen und wurde bis 1077 inhaftiert. Er machte die Schlacht bei Mellrichstädt (7.8.1078) mit, unterwarf sich endgültig 1085 und zog sich danach zurück. Er war auch Vogt von Hersfeld.



GENEALOGIE DER WETTINER: Seite 232
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Sein zweiter Sohn Dedi <II.> erhielt <nach dem Tode Ekkehards II. 1046> die Mark des Markgrafen Odo [Hodo] <Markgraf der Ostmark 1030-1032>, der keinen Erben hatte, und heiratete <1069> Oda, die Mutter des Markgrafen Otto [Otho] von Orlamünde <richtig: des Grafen Otto von Orlamünde und 1062-1067 Markgrafen von Meißen, Witwe des Grafen Wilhelm III. von Weimar, dieser 1003-1039> und zeugte mit ihr Dedi den Jüngeren <III., siehe aber weiter unten>, der in seiner Jugend starb, nachdem er <1069> von hinten tödlich durchbohrt <also ermordet> worden war, sowie zwei Töchter; deren eine, Adelheid heiratete den Markgrafen Ernst [Hernestum] von Bayern <richtig: Markgraf von Österreich 1056-1975> und gebar ihm den Markgrafen Leopold [Luppoldus] <II., Markgraf von Österreich 1075-1095>; die zweite, Agnes <die Agnes betreffenden Angaben gestört>, heiratet Graf Friedrich <von Goseck, + 1036> und gebar ihm drei Söhne: Erzbischof Adalbert [Adelbertus] <von Hamburg-Bremen, 1043-1072> und die Pfalzgrafen Dedo <+ 1056> und Friedrich <II., + 1088> sowie eine Tochter namens Oda, die ein Adliger namens Adalbert [Adelbertus] mit dem Beinamen Seveke <Schenk? so die Altzeller Annalen> von Sommerschenburg [Sumerschenburc] zur Frau nahm.

Black-Veldtrup Mechthild: Seite 130,144,179,195,200
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien"

Die Schwächung der BILLUNGER, BRUNONEN und der Vorfahren Kaiser LOTHARS steht die gezielte Förderung anderer Familien durch den König gegenüber: Er verhalf den Grafen von Goseck zu einem Aufstieg, indem er die Brüder Dedi und Friedrich nacheinander zu sächsischen Pfalzgrafen machte und den dritten männlichen Sproß der Familie, Adalbert, zum Erzbischof von Hamburg-Bremen erhob.
In Naumburg förderte HEINRICH das Bistum und die EKKEHARDINER, in Merseburg das Bistum und die neue Pfalzgrafenfamilie, die Grafen von Goseck [Zu ihnen Starke, Pfalzgrafen von Sachsen, Seite 30-62; Ahlfeld, Herkunft.]. Deren erster faßbarer Vertreter ist Graf Friedrich, Vater der beiden Pfalzgrafen Dedi und Friedrich. Wo die Grafschaft des ersten Friedrich lag, bleibt im Dunkeln [Die Gosecker Chronik, Buch I, Kap. 2 Seite 15, sagt von ihm lediglich, er sei der erste seines Namens und de nobilissima antiquorum Saxonum et Francorum prosapia gewesen.].
Im Jahre 1041 gründete die Familie das Hauskloster Goseck; 1042 erhielt Dedi die Pfalzgrafschaft als Belohnung für seinen Einsatz im Ungarnfeldzug des Jahres; 1043 erhob HEINRICH III. Dedis Bruder Adalbert zum Erzbischof von Hamburg-Bremen. Der steile Aufstieg der Grafen verläuft zeitlich parallel mit der Förderung des Merseburger Bistums durch den König.
Der Besitz lag im Schwabengau, der damals geteilt war - als Gaugrafen werden Esicho von Ballenstedt und Graf Dedi genannt -, und im Hassegau, den Pfalzgraf Dedi, der GOSECKER, innehatte.
Als Adalberts Bruder Dedi, der Pfalzgraf von Sachsen, 1056 ermordet wurde, ließ der Kaiser ihn, der St. Simon und Juda reich beschenkt hatte, im salischen Familienstift in Goslar beisetzen [Gosecker Chronik, Buch 1, Kapitel 9 Seite 19; Lampert, Seite 70; Annalista Saxo, Seite 690; O.H.May, Regesten 1, Nr. 248 Seite 59. Siehe dazu Ahlfeld, Herkunft Seite17.]. Daß die Bindung der GOSECKER an das Herrscherhaus sich nicht allein auf Adalbert beschränkte, zeigen auch drei Schenkungen des Königs: Eine erhielten im Jahre 1052 die drei Brüder Erzbischof Adalbert, Pfalzgraf Dedi und Friedrich gemeinsam [D H III 283 vom 5. März 1052. Dazu Starke, Pfalzgrafen bis 1088, Seite 40], zwei weitere sind für Pfalzgraf Dedi bezeugt [D H III 366 vom 6. Februar 1056 sowie eine Schenkung, die wohl noch vor der Kaiserkrönung HEINRICHS vollzogen wurde (Gosecker Chronik, Buch I, Kap. 9 Seite 20: Huic etiamisdem H. rex uillam Scieruence, que ad regnum peertinuit in proprium tradidit).].
Wenige Tage später erhielten die drei GOSECKER Brüder Erzbischof Adalbert, Pfalzgraf Dedi und Friedrich auf Intervention von Agnes und des sechzehn Monate alten HEINRICH IV., der in diesem Diplom erstmals als Intervenient auftritt, eine Besitzung vom Kaiser verbrieft [D H III 283 vom 5. März 1052, ausgestellt in Kaiserswerth; Reg. Imp. H IV, Nr. 8 Seite 5. Zur Intervention HEINRICHS IV. Struve, Interventionen, Seite 203.].

Fenske Lutz: Seite 79
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Auch der Bruder des Bremer Erzbischofs Adalbert, der sächsische Pfalzgraf Friedrich von Goseck, ist von Beginn an unter den Gegnern des jungen Königs zu finden. In Hötensleben klagte er HEINRICH IV. wegen ungerechtfertigten Lehnsentzuges an. Bald darauf leitete er die Belagerung der Heimburg. 1075 verbannte ihn der König nach Pavia, wo er anderthalb Jahre festgehalten wurde. Bei dem ersten größeren bewaffneten Aufeinandertreffen der beiden Könige HEINRICH und RUDOLF in der Schlacht bei Mellrichstädt 1078 ist der Pfalzgraf als einer Befehlshaber der sächsischen Truppen anzutreffen.

Persönlicher Einwurf:

Obwohl die Angehörigen des GOSECKER Geschlechtes durch Quellen eindeutig belegt sind, habe ich Probleme mit den Altersangaben des genannten Personenkreises. Erzbischof Adalbert von Bremen wird in den Quellen als dritter Sohn des um 1042 verstorbenen Pfalzgrafen Friedrich I. und der Agnes von Weimar bezeichnet und soll um 1000 geboren sein. Diese Angabe würde auch mit dem für eine kirchliche Laufbahn üblichen Alter in Übereinstimmung stehen. Wenn diese Angabe für Adalberts Geburtsjahr als richtig betrachtet werden muß, dann sind seine Brüder Dedi und Friedrich II. vor ihm, da Adalbert als dritter Sohn bezeichnet wird, oder ebenfalls um 1000 geboren. Ich kann mir nur schwer vorstellen daß Friedrich II. mit ungefähr 80 Jahren als Heerführer noch aktiv war und mit fast 90 Jahren starb. Friedrich III., der Sohn Friedrichs II., soll bei seiner Eheschließung im Jahre 1081 mit Adelheid von Stade kaum dem Knabenalter entwachsen sein, was ein Geburtsjahr um 1065 wahrscheinlich macht. Damit wäre Friedrich II. im Alter von 65-70 Jahren Vater eines Knaben geworden und hätte mit beinahe 60 Jahren geheiratet. Der Pfalzgraf Dedi ist 1043 als Pfalzgraf bezeugt und wurde 1056 ermordet. Sein illegitimer Sohn Friedrich ist seit 1062 als Abt von Goseck bezeugt und starb im Jahre 1090, was ein Geburtsjahr um 1030 wahrscheinlich macht. Die Schwester der drei Brüder, Oda, starb im Jahr 1088. Ihr Sohn Adalbert von Sommerschenburg starb erst um 1120. Wenn Oda ihren Brüdern altersmäßig nicht viel nachstand, dann müßte ihr Sohn spätestens um 1035 geboren sein und hätte ebenfalls wieder ein beinahe biblisches Alter erreicht.
Entweder handelt es hier wirklich um eine Familie, deren Angehörige fast alle ein stattliches Alter erreichten, oder es sind Fehler bei der Deutung der Quellen aufgetreten, vielleicht durch die Häufung des Namens Friedrich.
Die Daten zu Friedrich II. passen weit besser, wenn dieser erst um 1025/30 geboren wurde.
 
 
 
 

 vor 1063
  oo Hedwig von Bayern
               -
 
 
 
 

Kinder:

  Friedrich III. Graf von Goseck
  um 1065-5.2.1085 ermordet
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik - Assing Helmut: Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997 Seite 286 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 34,130,144,195,200,201,243,246 - Boshof Egon: Die Salier, Verlag W. Kohlhammer Suttgart Berlin Köln 1987 Seite 100, 242 - Brunos Buch vom Sächsischen Kriege. Übersetzt von Wilhelm Wattenbach, Phaidon Verlag Essen 1986, Kapitel 2,13,26, 45 - CHRONIK VOM PETERSBERG nebst der GENEALOGIE DER WETTINER, fliegenkopf verlag Halle 1996 Seite 232 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 283,290/Band II Seite 98 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 79,243,247, 348 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 163,168 - Lampert von Hersfeld: Annalen, Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000, Seite 68,180,194,196,278,322,368 - Pätzold, Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln 1997, Seite 278 - Posse, Otto: DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zentralantiquariat Leipzig GmbH 1994 Seite 38 - Sächsische Weltchronik - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 147 - Starke, Heinz-Dieter: Die Pfalzgrafen von Sachsen bis zum Jahre 1088, in: Braunschweigisches Jahrbuch Band 36 Seite 38,40-47 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 165 - Wies, Ernst W.: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft, Bechtle Esslingen 1996, Seite 99,119,125 -