Fenske Lutz: Seite 34-36,70
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Ein erster mit den Waffen ausgefochtener Konflikt zwischen HEINRICH IV. und Angehörigen der führenden ostsächsischen Adelsschicht kam 1069 zum Ausbruch, als sich Markgraf Dedi von der Nieder-Lausitz und Graf Adalbert von Ballenstedt zur gemeinsamen Fehdeführung gegen die Reichsgewalt entschlossen. Hervorgerufen wurde die Auseinandersetzung durch die kurz zuvor geschlossene zweiten Ehe des Markgrafen. Der WETTINER Dedi, einer der Söhne des 1034 ermordeten Markgrafen Dietrich von der Nieder-Lausitz, hatte sich mit Adela, der Witwe des 1067 gestorbenen Markgrafen Otto von Meißen aus dem Geschlecht der Grafen von Weimar-Orlamünde, vermählt. Lampert beschreibt sie als schöne, ihres politischen Ehrgeizes wegen aber gefährliche Frau. Nach seiner Eheschließung mit Adela bemühte sich Dedi um Lehnsgut aus dem Besitz ihres verstorbenen ersten Gatten, ein Bestreben, das durch das Erlöschen der engeren Linie der Grafen von Weimar beim Tode Ottos 1067 einen zusätzlichen Anreiz erfahren haben dürfte. Als Dedi bei diesem Versuch der Besitzerweiterung der Erfolg versagt blieb, erhob er sich mit seinem Schwiegersohn Graf Adalbert, der ihm in dieser Frage durch Übereinstimmung des Interesses verbunden gewesen sein dürfte, gegen den König. Zwar erwähnt Lampert, es habe sich bei den umstrittenen Lehen um praedia gehandelt, welche der Verstorbene a diversis dominis beneficii loco innehatte, jedoch legt die feindliche Haltung Dedis gegenüber dem König die Vermutung nahe, dass ihm von HEINRICH IV. Reichslehen Markgraf Ottos verweigert worden waren, auf welche der WETTINER durch seine Eheschließung mit dessen Witwe ein Anrecht zu haben glaubte. Lampert berichtet sogar, Adela sei die treibende Kraft zum Aufstand gewesen, weil sie den an sich ruhigen, schon etwas älteren WETTINER dazu gedrängt habe, gegen den König die Waffen zu erheben.
Zunächst waren auf Seiten der beiden Empörer auch thüringische Kreise in den Aufstand einbezogen. Wegen der Zehntstreitigkeiten zwischen Erzbischof Siegfried und den Thüringern lag eine solche Koalition im Bereich des Möglichen, da der König beschuldigt wurde, in dieser Auseinandersetzung den Mainzer Erzbischof zu begünstigen. In letzter Konsequenz konnten sich aber die Thüringer nicht zum Aufstand gegen den König entschließen, sondern suchten mit diesem einen friedlichen Ausgleich.
In den anschließenden Kämpfen blieben die beiden Fürsten isoliert, so dass sie nach der Eroberung der Burgen Beichlingen und Burgscheidungen durch königliche Truppen wegen der Aussichtslosigkeit ihres Unternehmens zur Unterwerfung genötigt wurden, die für den Markgrafen ein zeitlich begrenzte Haft und Besitzminderung nach sich zog.
Für den einflußreichsten der sechs Söhne Dietrichs, Markgraf Dedi, bestanden nach der Niederlage von 1069, die auch seine Besitzstellung nicht unangetastet gelassen hatte, sicherlich genügend Gründe, um sich 1073 erneut an der Verschwörung gegen den König zu beteiligen. Auch seine Gemahlin Adela wird als aktive Gegnerin König HEINRICHS hervorgehoben. So findet an Dedi unter den Teilnehmern der Versammlung von Hötensleben, wo er darüber Klage führte, dass der König ihm Besitzungen entzogen habe. Nach dem Gerstunger Abkommen hielt er sich von weiteren Feindseligkeiten gegen HEINRICH IV. zurück und ist mit Sicherheit nicht an der Schlacht bei Homburg beteiligt gewesen, da er im Oktober 1075 nach langer Krankheit starb. Das seit 1074 erneuerte Vertrauensverhältnis zwischen ihm und dem König fand seinen Ausdruck auch in den Gastgeberpflichten, die der Markgraf mit königlicher Billigung gegenüber dem russischen Fürsten Izjaslaw erfüllte, als sich dieser zu Beginn des Jahres 1075 als Vertriebener am deutschen Königshof einfand.