Burchard II.                                    Markgraf der sorbischen Mark (892-908)
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      -3.8.908 (+ 909 Lex. d. MA)
 

Sohn des Comes Burchard I. im Grabfeld
R. Wenskus macht Verwandtschaft zu den KONRADINERN wahrscheinlich
 

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 942
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Burchard, Graf und Markgraf von Thüringen
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     + 909

Burchard, dem nach der Absetzung des BABENBERGERS Poppo II. im Jahre 892 die Sorbische Mark übertragen worden war, wurde der Dukat über Thüringen übertragen, als Graf Konrad der Ältere, der Vater KONRADS I., sich 897 aus dem westlichen Teil des Landes nach Hessen zurückgezogen hatte. Auch außerhalb Thüringens trat Burchard in Erscheinung, viermal gemeinsam mit Erzbischof Hatto von Mainz. Als die BABENBERGER in der sogenannten Babenberger Fehde gegen die KONRADINER 906 endgültig unterlegen waren, trat Burchard 908 als Graf auch im Grabfeld, einem Schwerpunkt Babenbergischen Besitzes, in Erscheinung. In der Babenberger Fehde begegnet Burchard auf Seiten König Ludwigs IV. und Bischof Rudolfs von Würzburg, eines KONRADINERS, mit dem er 909 (dux Thuringorum) gegen die Ungarn fiel. Als Burchards Söhne gelten Burchard (II.) und Bardo, einer von ihnen war mit König KONRAD I. verschwägert. Letztere wurden von Herzog Heinrich von Sachsen, dem späteren König, aus Thüringen vertrieben und ihre Güter unter den Parteigängern des LIUDOLFINGERSaufgeteilt. Der gelegentlich angenommene genealogische Zusammenhang Burchards mit dem späteren Hause WETTIN besteht wahrscheinlich nicht.

Literatur:
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O. Posse, Die Wettiner, 1897, 37f. - W. Schlesinger, Die Entstehung der Landesherrschaft I, 1941, 169 - R. Schölkopf, Die sächs. Gf.en, 1957, 98ff. - H. Patze, Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen I, 1962, 65-67.


Burchard wird von manchen Forschern als Stammvater des Hauses WETTIN angesehen. Stefan Pätzold, Die frühen Wettiner, S. 8-10 macht es wahrscheinlich, dass die WETTINER väterlicherseits von den schwäbischen BURCHARDINGERN und mütterlicherseits von den immedingischen Harzgrafen herzuleiten sind.

Burchard II. gehörte einem an der Grenze Thüringens nach Franken hin ansässigem Geschlecht an. Er war Graf im Gau Grabfeld und wohl schon im Besitz der Grafschaft im Thüringer Gaue Husitin. 892 wurde er mit der Verwaltung der Sorbischen Mark betraut. Burchard mußte sich den Ungarn entgegenstellen, als sie im Jahre 908 vom Sorben- und Sachsenlande her auch in Thüringen einfielen. In dieser blutigen Schlacht ist Burchard gefallen. Er hinterließ zwei Söhne, doch die Thüringer schlossen sich im Augenblick größter Not Otto von Sachsen an. Seine Söhne Burchard V. und Bardo wurden 913 aus Thüringen vertrieben; HEINRICH I. teilte ihr Allod an seine Kampfgefährten auf, um ihre Rückkehr unmöglich zu machen.

Friese Alfred: Seite 96
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"Zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels"

Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der 903 als marchio Thuringionum, 908 als dux bezeichnete Burchard, der im Jahre 908 zusammen mit dem Bischof Rudolf von Würzburg und Egino (II), dem Grafen im Badanachgau, im Kampf gegen die Ungarn fiel, ein Sohn oder Neffe des ersten Burchard. Über seine Teilnahme an Reichsangelegenheiten zur Zeit Ludwigs des Kindes: D LdK 13,15,20,44, 53,60,61,82 spur. Aus einer Stelle bei Widukind von Corvey (I, 22), die von der Vertreibung der Söhne des thüringischen Amtsherzogs, Burchard und Bardo (Graf im Husitingau), durch König HEINRICH I. zum Jahre 912 berichtet, erfahren wir von einer Schwägerschaft mit König KONRAD I.: Burchardum quoque et Bardonem, quorum alter gener regis erat, in tantum afflixit et bellis frequentibus contrivit, ut terra cederent eorumque omnem possessionem suis militibus divideret. Die Schwägerschaft beruht wohl auf einer Verwandtschaft der ostfränkisch-thüringischen BURCHARDE mit KONRADS I. Gemahlin, Kunigunde, einer Tochter des schwäbischen Pfalzgrafen Erchanger (D KI 11). Dessen Vaters-Mutter Reginswint (comitissa) war im Rangau, Sualafeld und Volkfeld begütert und vielleicht mit einem alemannischen Großen verheiratet. - Die rätischen BURCHARDE (HUNFRIDINGER) erreichten mit Burchard II. um 924 den alemannischen Dukat. Sein Nachfolger wurde der KONRADINER Hermann. Auch das thüringische Amtsherzogtum ( = Markgrafschaft) erhielten nach dem Tode Burchards ein KONRADINER, zuerst KONRAD, der spätere König, nach ihm sein Bruder Eberhard, aber wohl nur für kurze Zeit, da er dem Sachsen-Herzog Heinrich weichen mußte.

Mühlbacher Engelbert: Band II Seite 463
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"Deutsche Geschichte unter den Karolingern"

908
Jetzt war den Ungarn auch der Weg nach dem beutereichen Westen eröffnet. Vorerst wandten sie sich nochmals gegen Sachsen; am 3. August 908 wurden in einem Treffen der Bischof Rudolf von Würzburg, jener KONRADINER, der zumeist den Anlaß zur Babenberger Fehde gegeben, Graf Egino, derselbe, welcher Adalbert von Babenberg in seiner Not schmählich verlassen hatte, und Markgraf Burchard von Thüringen erschlagen, Sachsen und Thüringen weit und breit verwüstet und geplündert.

Schölkopf, Ruth: Seite 98
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Burchard war ursprünglich ein in Franken üblicher Name. Sabine Krüger wies nach, dass ein Graf Burchard von Ludwig dem Deutschen in Sachsen eingesetzt wurde, was mit der Reichsgutrevindikation Ludwigs zusammenhing. Dieser Graf Burchard wurde urkundlich in einem 858 ausgestellten Diplom erwähnt. Ob sein unmittelbarer Nachfolger jener Burchard war, der 892 dem abgesetzten BABENBERGER Poppo als Markgraf der sorbischen Mark folgte, läßt sich zwar nicht mit Sicherheit beweisen, ist aber wahrscheinlich. Der Markgraf fiel 908 im Kampf gegen die Ungarn. Die Annalen, die seine Todesnachricht überlieferten, bezeichneten ihn als dux Thuringorum.
Als Söhne des Gefallenen gelten Burchard und Bardo. Widukind nannte sie in seiner Sachsengeschichte in einem Atemzuge, bezeichnete sie aber nicht ausdrücklich als Brüder. Auf einen von ihnen traf die Bezeichnung gener regis (CONRADI) zu. Das Vorgehen der LIUDOLFINGER gegen sie dient als Beweis dafür, dass sie Nachkommen des Markgrafen waren. Der Sohn des Sachsen-Herzogs Otto des Erlauchten - der spätere deutsche König HEINRICH I. - vertrieb sie 913 aus ihrem Herrschaftsbereich und machte ihnen durch Aufteilung ihres Allods an seine Kampfgefährten unmöglich, wieder eine Machtposition im thüringischen Raume aufzubauen. In der Folgezeit nahmen die LIUDOLFINGER de facto die Stellung eines Herzogs der Thüringer ein. Zur Ausbildung eines stammeseigenen Herzogtums kam es vorerst nicht mehr. Auch der Aufstieg Ekkehards I. von Meißen zum Herzog auf Grund eines Wahlvorganges, blieb nur Episode.

Wenskus Reinhard: Seite 280
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"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel."

Diese Auffassung wäre nicht ohne Bedeutung auch für die ostfränkischen POPPONEN. Immer wieder taucht auch in ihrer Umgebung der Name Burchard auf. Ein erster Graf Burghard wird 857 und 866 als Zeuge für den Grafen Christian im Grabfeld und für einen Vasallen des Grafen Hessi in fuldischen Urkunden genannt. Über eine Grafschaft Burghards in Franken haben wir zu dieser Zeit noch keine Nachricht. Angesichts der eingangs beschriebenen Verbindungen der EKBERTINER zu den POPPONEN wäre die Annahme, daß es sich um dem gleichzeitig bezuegten ekbertinischen Grafen im Dreini und Threcwiti handeln könnte, nicht absurd. Neben den Söhnen Poppos II., Adalbert und Poppo III., ist im Grabfeld dann ein weiterer Burchard bezeugt [MGH DLdD 61 (908)], der wohl mit dem Markherzog identisch ist, dem nach der Absetzung Poppos II. (892) und einem konradinischen Zwischenspiel die Sorbenmark und der thüringische Dukat übertragen wurde [Regino von Prüm ad a. 892. Bereits 889 erscheint Graf Burkhard als Zeuge in einer Urkunde, die sich auf die Grafschaft des POPPONEN Adalbert bezieht: CDFuld. 631.] und der am 2. August 908 im Kampf gegen die Ungarn fiel. Als seine Söhne gelten allgemein Burchard und Bardo, von denen einer gener des Königs KONRAD war und die von dem späteren König HEINRICH I. 913 aus ihrem Machtbereich an der Saale vertrieben wurden [Widukind I 22; vgl. W. Schlesinger (wie Anm. 658) Seite 366f.]. Nun hat S. Corsten auf eine bisher unbeachteet Urkunde des Bonner St. Cassius-Stifts hingewiesen [Bonner Jbb. 136/37 (1932) Nr. 22 (911/18) = Rhein. UB (ed. E. Wisplinhoff) I (1972) Nr. 80. Dazu S. Corsten, Rheinische Adelsherrschaft im ersten Jahrtausend, in: Rhein. Vjbll. 28 (1963) Seite 122 ff.], die ein Graf Burchard, der sich als Bruder (frater) des Königs KONRAD bezeichnet, ausgestellt hat. Da der Markherzog Burkhard noch zu Zeiten Ludwigs des Kindes gefallen war, kann dieser nicht gemeint sein. Aber da der Name Burchard durch diese Urkunde als im konradinischen Haus vertreten bezeugt ist, wird auch die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen sein, daß schon der Markherzog ein KONRADINER war, zumal er in Thüringen die Stellung Konrads des Älteren übernommen hatte. Möglicherweise ist er jedoch ein mit den KONRADINERN verschwägerter EKBERTINER gewesen. Der mit Bardo zusammen genannte Burchard kann sowohl Sohn des Markherzogs als auch der gleichnamige Bruder König KONRADS gewesen sein, denn der Bericht Widukinds (Burchardum quoque et Bardonem, quorum alter gener regis erat) zwingt uns nicht dazu, in ihnen mit der bisherigen Literatur Brüder und nicht Schwäger zu sehen. Durch diese Verschwägerung mit den KONRADINERN erst ist der Name Bardo aus Sachsen heraugekommen. Der Erzbischof Bardo von Mainz (1031-1051) war Verwandter der KONRADINERIN Gisela, der Gemahlin KONRADS II., wie seine Vita berichtet.

Schulze Hans K.: Seite 119,124,129
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"Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier."

Die KONRADINER waren eben in jenen Jahrzehnten bestrebt, ihren Einflußbereich nach verschiedenen Richtungen hin auszudehnen. Es ging um die Vorrangstellung im Herzogtum Franken, die sie sich durch die Ausrottung ihrer schärfsten Rivalen, der BABENBERGER, sichern konnten, aber auch um Einfluß auf Thüringen, wo nach dem Schlachtentod des Markherzogs Burchard 908 ein Machtvakuum entstanden war, das der sächsische Herzog Otto der Erlauchte geschickt auszunutzen wußte.
Ähnlich war es in Thüringen, wo die Ansätze zur Ausbildung eines Herzogtums nach dem Tode des "Markherzogs" Burchard verkümmerten.
Die ostfränkischen POPPONEN, die in spät-karolingischer Zeit auch einmal die thüringische Sorbenmark verwaltet hatten, betrachteten offenbar den Thüringer Wald und das Saaletal als ihren Einflußbereich, und auch die Familie des Markgrafen Burchard war nocht nicht ganhz ausgeschaltet; seine beiden Söhne Burchard und Bardo verwalteten thüringische Grafschaften. Einer von ihnen war ein Schwager KONRADS I. Beide standen in den folgenden Auseinandersetzungen auf der Seite des Königs.
 
 
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Burchard V.
         -   936

  Er war der Schwager von König KONRAD I.

  Bardo Graf im Gau Husitin
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Literatur:
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Diwald, Hellmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches. Bastei Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach 1987, Seite 116,176,191 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 114 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Seite 357,498,518,523,532, 549,568 - Friese Alfred: Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels. Der mainländisch-thüringische Raum vom 7. bis 11. Jahrhundert. Klett-Cotta Stuttgart 1979 Seite 96 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 36 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Band II Seite 463 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 542, 554,560,562,563,577,606,610,629 - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen, Böhlau Verlag Köln/Graz 1962 Teil I Seite 65-67 - Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967 - Posse, Otto: DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zentralantiquariat Leipzig GmbH 1994 Seite 37 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens Seite 98 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 119,124,127,129 - Stingl, Herefried: Die Entstehung der deutschen Stammesherzogtümer am Anfang des 10. Jahrhunderts, Scientia Verlag Aalen 1974 Seite 173 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 280 -