Die Chronik des Otto von St. Blasien:
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Kapitel 2.

Im  Jahre 1147 seit der göttlichen Fleischwerdung verlieh König Counradus (III.), nachdem sein Bruder Friderich, der Schwaben Herzog, gestorben war, dem Sohne desselben gleichen Namens das Herzogthum und trat, nachdem er gleicher Weise mit ihm das Kreuz der Pilgrimschaft angenommen hatte, den Weg nach Jerusalem an. Außerdem machten sich Herzog Welf (VI.), Heinrich, der Baiern Herzog und viele andere Fürsten und Bischöfe unseres Volkes nebst einem unzähligen Heere von Leuten verschiedenen Standes auf den Weg, nahmen ihren Marsch durch Ungarn und Griechenland und vereinigten sich mit Ludwig, dem König der Franken, der mit vielen Fürsten seines Volkes  ebendorthin eilte. Nachdem sie nun unterwegs vielerlei Gefahren bestanden hatten, und sehr viele auf verschiedene Weise um's Leben gekommen waren, landete der König Counradus mit den Seinen
in Ptolomais, nachdem er das Meer durchmessen. Von da gelangt er auf dem Landwege nach Jerusalem und wird mit größtem Jubel vom Patriarchen, vom König und allen Bürgern empfangen. Und als bald darauf Ludwig, der Franken König, mit dem Rest des Heeres gleich ehrenvoll empfangen worden war, führen sie das Heer gegen die Saracenen. Sie verwüsten nun das Land der Heiden auf allerlei Weise mit Feuer und Schwert, umschließen Damaskus mit Belagerung und bestürmen die Stadt selbst mit voller Macht, während die Heiden nach Kräften Widerstand leisten. Die Heiden nun, welche den Andrang der Christen nicht aushielten, stellten unter Vermittelung der Tempelritter die Bedingungen nach dem Willen der Fürsten auf, und so ging nach Aufhebung der Belagerung das Heer der Christen auseinander und wird bei seiner Ankunft in Jerusalem mit Triumph empfangen.

In diesen Tagen trachtet Petrus Bajulardus, der über die Dreieinigkeit verkehrte Ansichten hat und dem katholischen Glauben entgegengesetzte Lehren verkündet, die Arianische Ketzerei wieder zu erwecken; gegen ihn hat sich der ehrwürdige Abt Bernhard wie gegen einen Feind der Kirche erhoben, ihn durch sein lebendiges Wort und seine Schriften großartig widerlegt und als Ketzer  erwiesen, und er hat ihn, nachdem seine Schriften auf einer Synode vom Papst geprüft und verurtheilt worden sind, hinfort Stillschweigen auferlegt.

Kapitel 6.

Im  Jahre 1154 seit der göttlichen Fleischwerdung stritt Heinrich, der Herzog von Sachsen, der Sohn des Oheims des König Friderich, der Sohn Heinrichs (X.) von einer Tochter des Kaisers Lothar, um das bairische Herzogthum, das er aus der väterlichen Erbschaft für sich beanspruchte, mit Heinrich, dem Sohne Leopalds (III.), dem Oheim des Königs Friderich, welcher dasselbe Herzogthum als Lehen vom König Counrad empfangen hatte, mit aller Kraft, während Heinrich mit nicht geringerem Ehrgeize sich ihm widersetzte. Beseelt von dem Wunsche, ihren Streit zu schlichten, entschied König Friderich, dem beide blutsverwandt waren, auf den Rath der Fürsten in der Weise, daß die Ostmark, welche früher dem bairischen Herzogthum nach Lehnrecht unterworfen war, vom Herzogthum getrennt, selbständig und in keiner Rechtsbeziehung dem Herzoge Baierns unterthan, mit dem Rechte und Namen eines Herzogthums bestände und daß damit Heinrich, Leopalds Sohn, zu dem Recht eines Fürsten und Namen und Ehre eines Herzogs erhöht, sich zufrieden gäbe, das Herzogthum Baiern aber Heinrich, dem Herzoge von Sachsen, zufiele. Da beide dem beistimmten und so der Streit entschieden war, wurde der, welcher früher Markgraf hieß, seitdem Herzog von Oestreich genannt. Und so erlangte Heinrich, der Neffe Welfs, das Herzogthum in Baiern und Sachsen und erhielt die väterliche Erbschaft.

Kapitel 16.

Im  Jahre 1162 seit der göttlichen Fleischwerdung vereinigen sich die Kaiserin, begleitet von Counrad, dem Bischof von Augsburg, und Herzog Welfo und viele Edle aus unseren Ländern, mit Heeresmacht über die Alpen kommend, mit dem Kaiser. Nachdem das ganze Heer zu einem Ganzen vereinigt worden war und eine Zählung an 100.000 Streiter ergeben hatte, wird Mailand von Neuem mit Belagerung umschlossen und durch verschiedene Maschinen mit allem Fleiß bestürmt. Die Bürger aber widerstehen unter dem Drucke des Zwanges - nichts nämlich macht kriegerischer als der Zwang - im Kampfe für Vaterland, für Eltern, für Kinder und Gattinnen, endlich für ihr Leben, öfters in den kühnsten Ausfällen hervorbrechend, tapfer, indem sie mit Wurfgeschossen, obendrein mit Pfeilen und Wurfspießen, die sie von den Zinnen ihrer Mauern schleudern, die Feinde fernhalten. Der Kaiser aber greift sie, nachdem er überall gegen ihre Ausfälle Posten aufgestellt hatte, mit verschiedenen Wurfmaschinen, mit Widdern und Geschossen jeder Art an, indem das Kriegsvolk im Angesicht des Kaisers für Ruhm, Ehre, Belohnung, für Befriedigung ihres Ehrgeizes und ihrer Prahlsucht muthig kämpft und viele hier wie dort fallen. Endlich bitten die unglücklichen Bürger, durch verschiedene Niederlagen mürbe gemacht, um Frieden und obwohl sie den Zorn des Kaisers auf vielerlei Weise zu  besänftigen suchten, erlangen sie ihn doch nur unter dieser einzigen Bedingung, daß sie nämlich nach Uebergabe der Waffen die Stadt verlassen sollten, indem ihnen nur das Leben und die nöthige Habe, freilich in geringem Maße, nachgelassen wurde. Nach Annahme dieses Vertrages zogen sie mit größter Trauer hinaus, überlassen den Feinden die Stadt und sehen zu, wie unter ihren Augen die geliebten Wohnstätten auf alle Weise zerstört werden. Denn der Kaiser plünderte nach seinem Einzuge mit dem gesammten Heere die unermeßlichen und sehr reichen Schätze in den kirchlichen Schatzkammern und andere Werthgegenstände, ließ die Reliquien der Heiligen, durch welche diese Stadt herrlich berühmt war, in den Kirchen sammeln und mit großer Ehrfurcht wegschaffen; die drei Magier,  welche unter Darreichung von Geschenken, geführt von einem Sterne, Christus in der Wiege angebetet hatten und welche man dort fand, gab er dem Reginold, dem Kölner Erzbischof,  der sich bei dieser Belagerung mit seiner Schaar besonders rühmlich hervorgethan hatte, zum Geschenk. Der ehrwürdige Bischof brachte dieselben über die Alpen nach der Kölner Kirche und indem er ganz Germanien durch diese Schutzheiligen verherrlichte, hat er das ganze Volk der Deutschen großartig erhöht. Denn unversehrt und  gleichsam wie noch lebend werden sie jeder in einem Sarkophag von werthvollem Metall in derselben Kirche bis auf den heutigen Tag aufbewahrt. Nachdem also der Kaiser, wie oben geschrieben worden ist, in Mailand eingezogen war, die Mauer zerstört, die Thürme herabgeworfen hatte, machte er die ganze Stadt von Grund aus und allseitig unbewohnbar, verbrannte schließlich mit Feuer alle Ueberreste, theilte die Bürger in vier Abtheilungen, wies ihnen eine unbebaute Strecke als Wohnplatz an, hieß sie vier Flecken  erbauen und ließ sie selbst, getheilt, wie gesagt, in Abtheilungen, dieselben bewohnen.

Nach Beendigung des ligurischen Krieges dankte der Kaiser den Fürsten für ihren Eifer, gab dem Heere nach Verdienst  freigebig Geschenke und kehrte in rühmlichem Triumphe zurück. Nach vielen Tagen sah er das seiner Gegenwart so lange beraubte Germanien mit unvergleichlicher Freude des ganzen Heeres endlich wieder, und eine Zeit lang diesseit der Alpen bleibend, hatte er verschiedene Unterredungen mit den Fürsten an verschiedenen Orten des Reiches in Geschäften des Kaiserthums, ordnete Alles wohl nach seiner Willkür und übte Recht.

Kapitel 18.

Im  Jahre 1164 seit der göttlichen Fleischwerdung wird nach dem Tode Victors, eines der Päpste, zu Rom Paschalis von denen, von welchen auch Victor früher erwählt worden war, erhoben, während noch Alexander auf dem päpstlichen Stuhle saß. In demselben Jahre nahm Pfalzgraf Hugo von
Tübingen (Tuingin) drei Räuber, von denen zwei seine Lehnsleute waren, der dritte ein Lehnsmann des Herzogs Welf (VI), bei Mähringen (Moringin) gefangen und ließ seine Lehnsleute frei, während der den, welcher Welf gehörte, hängen ließ. Darüber erzürnt, entbrannte der jüngere Welf (VII) in größtem Zorn gegen den Pfalzgrafen und rächt mit Feuer und Schwert das ihm angethane Unrecht. Der Pfalzgraf nun, vom Herzoge bedrängt, begab sich zum Herzog Friderich von Rotenburg, dem Sohne des Königs Counrad, und erlangt dessen Hilfe gegen Welf. Welf aber rief Bertold (IV), den Herzog von Zäringen, zum Beistande herbei, und nachdem von beiden mit größtem Eifer ein Heer  zusammengebracht worden war, führen sie den Heerbann gegen den Pfalzgrafen und den Herzog Friderich und greifen sie selbst bei Tübingen an. Von diesen aber werden sie unverzagt mit wohlgerüsteten Truppen empfangen und in der Schlacht, die sich entspann, werden die Herzöge vom Pfalzgrafen in die Flucht geschlagen und 900 Ritter ihres Heeres gefangen genommen. Durch solches Mißgeschick des Sohnes aufgestachelt, rüstet der ältere Welf ein Heer, und da ihm Herzog Bertold mit seiner Mannschaft zu Hilfe kommt, verwüstet er alles Eigenthum des Pfalzgrafen mit Feuer und Schwert, belagert die Burg Kelmünz (Chelmunz), eroberte sie nach einigen Tagen und zerstörte sie von Grund aus. Darauf wandte er sich zur Burg Hildrizhausen (Hildratshusin, eroberte und zerstörte sie in ähnlicher Weise und vernichtete darauf, über Gültstein (Gilstin)  einherziehend, die Thürme der Kirche, welche wie eine Burg befestigt waren, von Grund aus. Dann umschloß er die Burg Weiler (Wilare) mit Belagerung, wo er ein wenig verweilte, die Burg durch tapfern Angriff nahm und zerstörte; nach vollständiger Verwüstung alles dem Pfalzgrafen gehörenden Landes kehrte er als Sieger nach Schwaben zurück, nachdem er den Herzog Bertold entlassen hatte. Unterdeß verfolgt Herzog Friderich von Rotenburg mit dem böhmischen Heere den Herzog Welf, weckte ihn, als er bei Gaisbeuern (Gaiziburron) lagerte, in der ersten Nachtwache durch einen plötzlichen Angriff und trieb ihn mit den Seinen in die Burg Ravensburg. Aber nicht straflos ging ihnen dieser kecke Angriff hin. Denn einer von den vornehmsten Großen Böhmens wird von Heinrich von Landsberg beim Angriffe selbst getödtet und eben dort mit dem größten Schmerz von den Seinen bestattet; nachdem sie darauf einige Besitzungen Welfs in Brand gesteckt, kehren sie in die Heimath zurück.

Kapitel 19.

Im  Jahre 1165 der göttlichen Fleischwerdung kehrt Kaiser Friderich, als er durch die Fürsten von den Verwüstungen des Reiches diesseit der Alpen hörte, aus Italien zurück und nachdem auf seinen Befehl die gefangenen Ritter Welfs vom Pfalzgrafen entlassen worden waren, wird ein allgemeiner
Reichstag in Ulm in der Fastenzeit den Fürsten angesagt. Dorthin kam Herzog Welf mit seinem Neffen Heinrich, Herzog von Sachsen und Baiern, und Bertolf, Herzog von Zäringen, und vielen anderen Großen des Landes und wird vom Kaiser mit dem Sohne ehrenvoll aufgenommen; dem Pfalzgrafen wird vom Kaiser befohlen, daß er ohne jede Bedingung sich in ihre Hände gäbe für das Unrecht, das er ihnen angethan, oder aus dem Reiche weiche. Zu dreien Malen warf er sich nun vor dem Herzog Welf zur Erde, dieser aber verschmähte es, seine Unterwerfung anzunehmen; endlich wird er angenommen und gefangen in die Verbannung nach Kurrhätien in die Burg Neuenburg gebracht. Als so Welf besänftigt war, brach der Kaiser von dort wieder auf.

Kapitel 20.

Im  Jahre 1166 seit der göttlichen Fleischwerdung sammelte Kaiser Friderich, nachdem er, wie erwähnt, den Streit der Fürsten ausgeglichen und die Verhältnisse in Germanien gut geordnet hatte,
aus allen Theilen des Reiches ein Heer und führte, schon zum vierten Male die Alpen überschreitend, den Heerbann nach Italien. Dann überschritt er den Apennin und wandte sich, sein Heer durch
Tuscien führend, nach der Mark Ancona und umschloß die aufständische Stadt Ancona mit Belagerung. Unterdeß wandte sich Reginold, der Kölner Erzbischof, der vorher in Reichsgeschäften
sich von ihm getrennt hatte, während er mit seiner Heerschaar zum Kaiser zurückkehrte, gegen die Burg Tusculanum bei Rom, um dort einiges zu erledigen. Als man dies von Kundschaftern zu Rom vernahm, brachen die Römer, deren Zahl man auf 30.000 Bewaffneter berechnete, aus der ganzen Stadt hervor und schließen den Erzbischof in der Burg zur Schmach des Kaisers plötzlich durch Belagerung ein. Sobald dies dem Kaiser zu Ancona gemeldet worden war, berief er die Fürsten und fragte sie, ob man dem Erzbischofe unter Aufgabe der Belagerung Ancona's zu Hilfe kommen müsse oder nicht. Das wurde von einigen Fürsten und zumeist von Laienfürsten, welche von einer Aufhebung der Belagerung die Verbreitung ungünstiger Gerüchte fürchteten, widerrathen. Ueber diese Abmahnung der Fürsten erzürnt und ärgerlich, weil die Laienfürsten ihn und seines Gleichen so gering  achteten und in Gefahr verließen, beriet der herrliche Erzbischof von Mainz Christian alle die Seinen und andere, welche er durch Bitten oder Lohn erlangen konnte, sammelte 500 Ritter und 800 Söldner,  zum Kriege trefflich gerüstet, und nahm seinen Weg gegen die Römer nach Tusculanum zur Befreiung des Erzbischofs. Als er dort  ankam und das Lager jenen gegenüber aufgeschlagen hatte, suchte er bei
den Römern nur für diesen Tag um der Rast seines Heeres willen durch Zwischenhändler um Frieden nach, indem er die Tugend edler Denkweise, wie sie den alten Römern eigen war, ihnen ins Gedächtniß zurückrief, wodurch er seine Forderungen von ihnen zu erlangen meinte. Sie selbst aber, in diesem und allem andern den Alten durchaus unähnlich, antworten, sie wollten in sein Begehren
nicht willigen, sondern drohen höchst anmaßend, sie würden an diesem Tage ihn selbst und sein ganzes Heer den Vögeln des Himmels und den wilden Thieren auf der Erde zur Speise geben, und so führen sie, die Belagerung aufhebend, 30.000 Streiter gegen 500 deutsche Ritter in die Schlachtreihe vor. Der  Erzbischof aber keineswegs erschrocken über die Antwort, welche er von ihnen empfangen hatte, - denn er war auch vorher nicht  unerfahren in den Mühen des Krieges - ermuntert die Seinen, obwohl im Vergleich mit jenen sehr wenige, aber doch sehr erprobte Streiter, zum Kampfe durch Versprechungen und Drohungen mit allem Fleiß und redet vor ihnen in hochherzigen Worten der Mahnung, sie möchten ihre Hoffnung nicht auf die Flucht setzen, da sie ja vom Vaterland und dem Heere des Kaisers zu weit entfernt seien, als daß sie fliehen könnten, sondern, eingedenk ihrer angebornen Tapferkeit und der den Feinden von Natur eingepflanzten Feigheit, sollten sie für ihr Leben mit allen Kräften streiten.
Als er aber die Ritter von deutschem Zorn erfüllt sah - denn durch seine Mahnung war ein gewissermaßen unbesiegbarer Muth in ihr Herz gefallen - ordnet er die Reihen, und bestimmt  genau, welche zuerst kämpfen, welche in die kämpfenden Feinde von der Seite einbrechen, welche den unter der Last des Treffens sich Mühenden Hilfe bringen sollen, indem er sich selbst aufstellte, um mit der auserlesensten Mannschaft Hilfe zu bringen. Und nun rückt er mit erhobenen Fahnen und weit ausgedehnten Cohorten, auf Gott seine Hoffnung setzend, gegen die Römer in den Kampf. Der Kölner Erzbischof aber rüstete sich mit der Burgmannschaft und all den Seinen, welche auf 300 mit Waffen wohlgerüstete Ritter geschätzt wurden, um auf alle Weise Hilfe leistenzu können, und blieb ruhig in der Burg bis zum Ausbruch des Kampfes. Nachdem nun also die Schlacht begonnen hatte, und beim ersten Zusammenstoß der Heere die Lanzen zerbrochen  waren, wird der Kampf mit den Schwertern geführt, während die Bogenschützen beider Parteien mit ihren Pfeilen das Licht des Tages nach Art
der Schneeflocken verdunkeln. Und siehe, der Kölner greift, mit schlagfertigen Rittern aus der Burg hervorbrechend, die Römer vom Rücken an und drängt auf sie tapfer ein, und so werden sie von allen Seiten umringt, von vorn und vom Rücken bestürmt. Während die Römer also nur mit der Wucht der Menge kämpften, bricht der Bischof Christian mit den Seinen von der Seite in ihre Schlachtreihe ein, reißt sie in der Mitte auseinander und haut an drei Stellen auf die künstlich getrennten Feinde ein. Nachdem viele getödtet, mehrere gefangen genommen worden waren, ergreifen die Römer überwunden die Flucht, und bis zur Stadt von den Siegern verfolgt, werden sie in blutigstem Morde hingeschlachtet. Die Bischöfe nun kehren, nachdem sie die Ritter vom Morden zurückgerufen hatten, zum Schlachtfelde zurück und brachten mit größter Freude triumphirend jene Nacht zu.

Am Morgen eilten die Römer auf das Schlachtfeld hinaus, um die Leichname der Gefallenen aufzuheben; sie werden durch die Bischöfe, welche die Ritter gegen sie entsendeten, in die Flucht  geschlagen und entkommen, nach der Stadt zurückkehrend, kaum dem Tode. Endlich bitten sie durch Boten, welche sie an die Bischöfe sandten, flehentlich, daß ihnen aus Liebe zum heiligen Petrus und
aus Achtung vor dem Christenthum gestattet werde, ihre Todten aufzuheben. Das wurde von den Bischöfen unter der Bedingung gewährt, daß sie die Zahl der in diesem Treffen auf ihrer Seite getödteten oder gefangen genommenen zusammen rechneten und unter eidlicher Versicherung der Wahrheit ihnen selbst schriftlich überreichten, und daß sie erst nach Erfüllung dieser Bedingung in
Frieden ihre Todten zum Begräbniß aushoben. Als sie diese Zählung vornahmen, fanden sie die Zahl von etwa 15.000 in diesem Treffen ihrerseits Gefallenen oder Gefangenen, und sie begruben, nach gegebener Erlaubniß, die Leichen der Getödteten, die sie unter lautem Wehklagen aufhoben.

Als der Kaiser und das Heer in Ancona von diesen Vorgängen gehört hatte, eilen sie, nach Unterwerfung Ancona's und Aufhebung der Belagerung gegen die Stadt Rom mit den Truppen und bestürmen dieselbe mit tapferem Angriffe. Die Bürger nun, durch den früheren Kampf erschöpft und an Kräften geschwächt, vertheidigen anfangs ihre Mauern, so gut sie können; als aber der Kaiser mit voller Kraft gegen die Stadt andringt, weichen sie nach einer gewaltigen Niederlage der Ihrigen und
suchen in den Kirchen und an geschützten Orten Zuflucht, und vor allem in Sancta Maria vor St. Peter und in der Kirche des seligen Petrus geschaart, welche sie wie wie eine Burg befestigt hatten, widerstehen sie von Neuem nach Kräften. Die Ritter des Kaisers aber greifen die Kirchen mit bewaffneter Hand an, warfen die Thorflügel der Kirche des seligen Petrus mit Beil und  Zimmeraxt nieder, und befleckten sie unter Führung Friderichs von Rotenburg, der die feindlichen Fahnen bis an den Altar trug, mit dem Blute Vieler; aber auch die Kirche der seligen Maria, welche sie in Brand steckten, haben sie nach Tödtung oder Gefangennahme derer, welche man dort fand, entweiht, indem sie viele Beute raubten, so daß jenes Wort des Psalmisten auf den Buchstaben erfüllt zu sein scheint: "Man siehet die Aexte oben her blicken, wie man in einen Wald hauet; und zerhauen alle seine Tafelwerke mit Beil und Barten. Sie verbrennen dein Heiligthum, sie entweihen die Wohnung deines Namens zu Boden."
Dieser Einbruch in die Stadt durch Kaiser Friderich erfolgte im Monat Juli, im Jahre 1166 seit der Fleischwerdung des Herrn.

Der Kaiser also, nachdem er diesen Sieg davon getragen - ach hätte er ihn doch nicht gewonnen - kehrte nach Krönung der Kaiserin der Stadt den Rücken, und alsbald vernichtete eine Pest das damit geschlagene Heer fast vollständig. Denn von den Großen beginnend - nach jenem Worte Ezechiels:  "Fanget an an meinem Heiligthum" - wüthet sie zuerst unter den Fürsten, und nachdem sie in den Fürsten das Haupt verzehrt hat, tobt sich die schreckliche Pest an dem übrigen Körper aus. Denn Reginold, der Kölner Erzbischof,  die Bischöfe Eberhard von Regensburg und Godefrid von Speier starben. Außerdem erlagen in Tuscien Herzog Friderich von Rotenburg, der Sohn des Königs  Counrad, Berengar, der Fürst von Sulzbach, und vorher bei Siena der jüngere Welf, der Sohn des Herzogs Welf, mit anderen Fürsten, Grafen, Freien und Ministerialen der Fürsten, mit einer Menge Volkes vom Heere, getroffen von dieser Pest. Die Gebeine Welfs nun wurden nach Alemannien vom Vater Welf und allen Großen dieses Landes gebracht und in Steingaden  (Staingadin) mit großer Trauer bestattet, und in ähnlicher Weise werden die des Herzogs Friderich von Rotenburg in Hebera beerdigt.

Als nun die Mailänder sahen, daß die Macht des Kaisers durch die Vernichtung des Heeres zusammengebrochen sei, schaarten sie sich, durch den Wechsel der Dinge mit neuem Muth erfüllt,
während der Kaiser in ihrer Nachbarschaft sich befand, aus allen Orten, in welche sie zerstreut waren, zusammen, kehrten zu den Trümmern ihrer Stadt zurück und bauten sie wieder auf mit aller Anstrengung und großen Kosten. Der Kaiser, obwohl durch den Tod der Seinen sehr verwundet, ließ doch nicht eine solche, von den Mailändern ihm angethane Verhöhnung in Rücksicht auf die Noth der Zeit hingehen, sondern er zog durch ihr Bisthum und verwüstete alles mit Feuer und Schwert. Sie aber, die für die erlittene Unbill sich zu rächen wünschten, verfolgen bewaffnet den Kaiser, als er den Alpen zu eilte. Darum ergriff der Kaiser die Geiseln, welche er von ihnen empfangen hatte, als er ihre Stadt Mailand zerstörte, und ließ sie an verschiedenen Orten aufhängen. Als sie diese bei der Verfolgung des Kaisers erhängt fanden, gaben sie es, von großem Schrecken durchbebt, auf, den Kaiser weiter zu verfolgen, und jeder trug den Leichnam seines Lieben mit Klagen heim.

Da nun der Kaiser in die Stadt Susa kam, welche am Fuße der Alpen gelegen ist, suchten die Bürger ihn durch Hinterlist zu tödten. Er selbst aber, von seinem Wirth gewarnt, entkam ihren Ränken auf folgende Weise. In derselben Nacht nämlich, als er gegen Morgen von den Bürgern zur Ermordung gesucht werden sollte, ließ er einen ihm ähnlichen Lehnsmann, mit Namen Hartmann von Siebeneichen, in sein Bett legen und zog selbst im Gewand eines Dieners mit zwei anderen davon. Am Morgen kamen die Bürger und suchten den Kaiser, und als sie von den Kämmerern die Antwort empfangen, er schlafe, erbrechen sie, längern Aufschub nicht ertragend, die Thüren und erkannten, da
sie ihn selbst nicht fanden, daß er entflohen sei. Sie verbargen nun aus Furcht vor dem entronnenen Kaiser ihren Zorn und ließen das Heer weiterziehen. So entkam der Kaiser und führte über die Alpen das durch Tod, Krankheit und alles Ungemach  geschwächte Heer in das Vaterland zurück. Und als er nachmals nach Italien zurückgekehrt war, zerstörte er eben genannte Stadt Susa von Grund aus.

 Kapitel 21.

Im  Jahre 1167 der göttlichen Fleischwerdung wird nach dem Tode des Papstes Paschalis, Calixtus (III) von denen, von welchen zuvor Paschalis und Victor gewählt worden waren, erhoben, während Alexander noch in der Vollgewalt seines Rechtes sich befand. Um dieselbe Zeit nahm Kaiser Friderich, nach diesseit der Alpen zurückgekehrt, alles Land und alles Vermögen Friderichs von Rotenburg, seines Getreuen, der an Landbesitz unter den Fürsten am reichsten war, seines Vetters, durch erbliche Nachfolge in Besitz und brachte die Besitzungen vieler Barone nachmals in seine Gewalt. Der Herzog Welf (VI) aber, in dem verlornen Sohne eines Erben beraubt und im Innern seines Herzens vom Schmerz getroffen, nahm Heinrich, den Herzog von Sachsen und Baiern, seinen Neffen, als Erben an, und verlangte von ihm dafür eine Summe Geldes, wird aber, während er sie zu erlangen meint, um das betrogen, was ihm versprochen war. Denn Herzog Heinrich zögerte auf den Rath einiger schlechter Gesellen, da er auf den baldigen Tod des schon hochbejahrten Welf rechnete, das Geld der Bestimmung gemäß zu zahlen. Darüber erzürnt, übergab Welf dem Kaiser Friderich, seinem Schwestersohne, nachdem er von ihm zuvor Geld nach seinem Begehr erhalten hatte, zuerst die Lehen, auf welche er Verzicht geleistet, nämlich das Herzogthum Spoleto, die Mark Tuscien, die Hoheit über Sardinien, dann alle seine Güter, und er behielt diese bis zum Ende seines Lebens,  vermehrt durch mehrere andere. In ähnlicher Weise übergab Graf Roudolf von Phullendorf, der Schwestersohn des Grafen Roudolf von Bregenz, alle seine Güter dem Kaiser an Erben Statt. Dafür
verlieh der Kaiser dem Grafen Albert von Habisburg, welcher eine Tochter des Grafen Roudolf zur Frau hatte, die Grafschaft über Zürich und die Vogtei der Kirche von Sechingen (Säckingen) mit
den erworbenen Gütern von Biedertan. Außerdem erwarb er die Güter vieler Vornehmer, welche erbenlos waren, durch Schenkung oder Kauf, wie die des Herrn von Schwabegg, derer von  Warthausen, von Bibrach, Horningen, Schweinhausen, Biedertan, von Lenzburg und von Werde (Donauwörth) und vieler anderer in anderen Gegenden, welche uns unbekannt sind. Alle diese Güter
nämlich hatte er nur in Alemannien erworben.

Darauf wandte er sich nach Burgund und brachte das Land seines Schwiegervaters, des Grafen Reginald, welcher schon gestorben war, in seine Botmäßigkeit, und erpreßte das Königreich Burgund mit dem Erzstuhl von Arles, welches die Herzöge von Zäringen, freilich ohne Nutzen, nur mit der Ehre des Namens schon lange vom Reiche zu Lehen getragen hatten, vom Herzog Bertolf, indem er ihm dagegen die Vogtei über drei Bisthümer mit dem Recht der Verleihung der Regalien gewährte, nämlich über Lausanne, Genf und Sitten. Auch alle Lehen der oben Genannten und anderer, deren Güter in den Rechtsbesitz des Kaisers übergegangen waren, nahm er, soweit sie solche von kirchlichen Fürsten, Bischöfen oder Aebten unter Lehnspflicht gehabt hatten, friedlich in Besitz, indem er sie seinen Söhnen übertragen ließ, und alle seine Kinder ließ er aufs Beste in den Wissenschaften unterweisen und erhöhte sie angelegentlich durch Zuweisung von Einkünften und ausgezeichneten Ehrenstellen in den gewonnenen Provinzen. Denn während er Friderich, welcher der zweitälteste der Söhne war, das Herzogthum Schwaben mit der Erbschaft Welfs und den  Gütern des Grafen Roudolf von Phullendorf verlieh, den Counrad aber mit den Würden, Lehen und Gütern des Herzogs Friderich von Rotenburg bereicherte, und Otto auf den Erzstuhl von Arles mit Burgund, dem Lande seines Großvaters Rainald, beförderte, ernannte er Heinrich, welcher der älteste Sohn war, zum König und  Nachfolger; Philipp aber war noch ein kleines Kind. Außer alledem eignete er sich die von den Bischöfen oder Aebten ihm verliehenen Besitzthümer der Kirchen zu unter dem Rechte der Lehnspflicht, und brachte vieles aus Liebe zu seinen Söhnen zusammen, von denen er jeden einzelnen mit der ihnen übertragenen Würde sehr bereicherte.
 

Kapitel 41.

Im  Jahre 1195 der göttlichen Fleischwerdung beschloß Kaiser Heinrich, der in Tarent sich befand, nachdem er die mit einem Ueberfluß an nothwendigen Dingen belasteten Schiffe über das Meer dem Heere der Christen nachgesendet hatte, heimzukehren, und sandte die gefangenen Edlen, die er zum Triumph aufsparte, nach Germanien voraus und befahl sie an geeigneten Orten in der Verbannung zu halten. Denn König Tancreds Sohn, der noch ein Knabe war, ließ er nach Kurrhätien bringen und dort der Augen berauben und in der Burg Amis zu beständiger Gefangenschaft verurtheilt, bewachen. Als dieser zu männlichem Alter gekommen war, verzweifelte er an vergänglichen Gütern und strebte, wie man erzählt, durch gute Werke nach dem ewigen, trachtend nach dem himmlischen, weil er nach irdischem nicht trachten konnte. Denn dem thätigen Leben durch Zwang entzogen, widmete er sich einem beschaulichen Leben, hoffentlich sich zum Verdienst. Die verlobte aber desselben, die Tochter des Kaisers von Constantinopel, verlobte der Kaiser seinem Bruder Philipp und die Königin von Apulien, Tancreds Gemahlin, Sibilia mit Namen, und ihre Tochter hielt er in einem Nonnenkloster im Elsaß, welches Hohenburg heißt, in Haft. Den Erzseeräuber Margarita aber und den Grafen Richard, den Vetter der Kaiserin, entsandte er, der Augen beraubt, wie schon gesagt, zu ewiger Gefangenschaft nach Trifels;  und so kehrte der siegreichste, zu Wasser und zu Land mächtige Kaiser, nach Germanien zurückkehrend, heim.

Der Herzog Welf starb. Auch Leopald, der Herzog von Oestreich, endete in Folge eines am Bein entstandenen Geschwüres, nachdem das Bein selbst wegen des unerträglichen Schmerzes  abgeschnitten worden war, bei wachsendem Schmerze sein Leben mit Schmerz. Um dieselbe Zeit wird der vorher genannte König der Engländer Richard bei der Belagerung einer Burg durch einen Pfeil getödtet, und es folgte ihm in der Herrschaft sein Bruder Johann.