Engels Odilo: Seite 125,126,157
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"Stauferstudien"

Der Anspruch auf die ausgebliebene Wiedereinsetzung in alte Rechte ging wie ein Erbe auf die Nachkommen Heinrichs des Löwen über und entwickelte sich zu einem politischen Druckmittel ersten Ranges. Heinrich der Jüngere, der Sohn des Herzogs, soll HEINRICH VI. 1191 nach Italien in der Hoffnung begleitet haben, dafür die seinem Vater abgesprochene Würde zurückzuerhalten. Die angeblich heimliche, auf jeden Fall hochpolitische Hochzeit der Erbtochter des rheinischen Pfalzgrafen Konrad von Staufen mit Heinrich von Braunschweig um die Jahreswende 1193/94 entzog HEINRICH VI. den wichtigen politischen Rückhalt am Rhein und erzwang (und nicht allein schon die Zahlung des Lösegeldes) die Freilassung des englischen Königs Richard Löwenherz.
Pfalzgraf Heinrich von Braunschweig stand im Thronkrieg auf Seiten seines Bruders König OTTOS IV., sein Aufgabenfeld aber lag während der Auseinandersetzung mit PHILIPP VON SCHWABEN im östlichen Sachsen, und die Pfalzgrafschaft war von seinen Gegnern besetzt. Als ihm 1201 eine vorübergehende Rückgewinnung seiner pfalzgräflichen Hausmacht gelang, machte sich bezeichnenderweise auch ein Einbruch der welfischen Königsgewalt in der Parteinahme des benachbarten Adels bemerkbar.