Konrad                                                     Graf von Paris
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    -22.3.882
 

Sohn des Grafen Rudolf im Gau Ponthieu und der Roduna
 

Schneidmüller Bernd: Seite 62,66,68-70,117
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."

Beide Brüder der Kaiserin Judith, Konrad und Rudolf, benannten ihre vier Söhne gleich: Konrad, Hugo, Rudolf und Welf.
Im Jahre 866 starben mit Robert dem Tapferen (ROBERTINER) und Rudolf dem Älteren (WELFE) zwei Grafen, die für lange Zeit die politischen Geschicke des westfränkischen Reichs mitbestimmt hatten. Während Rudolfs Söhne Konrad (Grafschaften in Franzien: Paris, Langres, Verberie), Hugo, Rudolf (vermutlich Graf im Zürichgau und Augstgau, dux in Rätien) und Welf (Abt von Ste-Colombe/Sens) in die Positionen einrücken konnten, wußte KARL DER KAHLE die Herrschaftsnachfolge der beiden Söhne Roberts des Tapferen zu verhindern.
Hugos Hoffnung, die Politik des unmündigen Thronfolgers allein gestalten zu können, erfüllte sich freilich nicht. Adlige aus Franzien um Gauzlin und Graf Konrad von Paris, dem Vetter Hugos Abbas, boten dem ostfränkischen König Ludwig III. dem Jüngeren die Herrschaft im Westen an.
Auch ihre Stabilität wurde erschüttert, als eine franzische Adelsopposition im Winter 879/880 erneut Kontakte mit dem ostfränkischen König aufnahm. Sein Engagement im Westen konnte erst im Vertrag von Ribemont (bei St-Quentin; Februar 880) beendet werden, der nun das ganze lotharingische Mittelreich endgültig den ostfränkischen KAROLINGERN zuwies und Hugos Gegnern um Gauzlin und Konrad von Paris wieder Einfluß verschaffte.
Nach dem frühen Tod Ludwigs III. am 5. August 882 und der Nachfolge Karlmanns im gesamten westfränkischen Reich konnte Hugo Abbas auf die Ausdehnung seines Einflusses hoffen. Mit innerwelfischer Rivalität wie 879/80 mußte er auch nicht mehr rechnen. Hugos welfische Vettern Welf (Guelfo), Abt von Ste-Colombe/Sens, und Konrad, Graf von Paris, waren nämlich am 14. November 881 und am 22. März 882 ohne männliche Erben verstorben. Daß ihre Herrschaftsrechte nur teilweise an Hugo Abbas fielen, markiert deutlich die Erosion eines adligen Familienverbands just im Zenit seiner Wirkmächtigkeit.
Bald nach dem Tod seines Rivalen Gauzlin verstarb Hugo Abbas am 12. Mai 886 in Orleans. Beigesetzt wurde er in dem welfischen Zentralort des Frühmittelalters, im Kloster St-Gernmain/Auxerre. Hier endete die westfränkische Herrschaft der WELFEN, die einst vielleicht als Bayern von Auxerre aus ihren Weg in die Geschichte angetreten hatten. Mit den adligen Zugriffsrechten erlosch das Gedächtnis.
 
 
 
 

Literatur:
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Ay, Karl-Ludwig/Maier, Lorenz/Jahn Joachim: Die Welfen. Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft. Universitätsverlag Konstanz GmbH 1998 Seite 59,64 - Jahrbücher von St. Bertin. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VI Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1972 Seite 250,276-280 - Jahrbücher von St. Vaast. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VI Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1972 Seite 294,296 - Jahrbücher von Fulda. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1969 Seite 146 - Regino Chronik. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1969 Seite 214,280 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 180 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 62,66,68-70,117 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 27 -