Rudolf                                            Graf im Elsaß
----------                                          Dux
937/38-26.1. um 973
 

Jüngerer Sohn des Königs Rudolf II. von Hoch-Burgund aus dem Hause der RUDOLFINGER und der Bertha von Schwaben, Tochter von Herzog Burchard II.
 

Diener, Ernst: Seite 77
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"Könige von Burgund aus dem Hause der Welfen"
in: Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte I. Band: Hoher Adel Zürich 1900-1908

8. RUDOLF
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Nach einer unkontrollierten Angabe der Mauriner geb. nach 937 VII. 11.: ne posthume (vgl. Gisi im Anz. f. Schw. Gesch. V 129). - 949 VIII 15. signum Rodulfi filli regis (Cartulaire de l'abbaye de Savigny, in: Collection de docum. inedits sur l'hist. de France, 1853, p. 37); 962 IV. 1. als Rodulfus dux unter den Söhnen der Königin Berta (s. 3)
962 IV. 8. Bruder König Konrads (Cartul. de l'abbaye de Savigny p. 37)
Bruder der Kaiserin Adelheid von HEINRICH III. 1049 genannt (Hibder, Schweiz. Urk.-register 1347)
Auf Scheinbeweise und unbegründete Hypothesen hin macht Gisi (Anz. f. Schw. G. V (1887) 25 ff. und 121 ff.) Rudolf zu einem unehelichen Sohn der Königin Berta und Lothars II., Grafen von Waleck, sowie zum Stammvater der Häuser RHEINFELDEN und SAVOYEN und durch eine - angebliche - Tochter auch der HABSBURGER. Daß aber Rudolf ein echter Sohn Rudolfs II. und Bertas war, zeigt G. v. Wyss im Anz. VI 357 ff. Wohl mag seine (1. oder 2.?) Gattin dem Hause WALBECK angehört haben.
Höchst wahrscheinlich ist er der Rodulfus dux, der nach dem Merseburger Necrolog (Zeitschrift für Archivkunde I 118) an einem VII. 26. starb. - Was den Ursprung des Hauses SAVOYEN anlangt, so ist jedenfalls mit Carutti, Archivio storico italiano IVa serie, I., II., X., Bresslau, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Konrad II. II 60 ff. und neustens Hellmann, Die Grafen von Savoyen und das Reich bis zum Ende der staufischen Periode, Innsbruck 1900, p. 1 ff., einheimischer Ursprung - vermutlich von der  Grafschaft Maurienne - anzunehmen.



Althoff Gerd: Seite 368
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„Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferun“

                                                           H 24

Me:  26.7.   Rodulfus dux   Bruder der Kaiserin Adelheid

Bei Rudolf handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den Bruder Königs Konrads I. von Burgund (K 38) und der Gemahlin OTTOS DES GROSSEN, Adelheid (K 49), die dafür Sorge trug, dass ihre Verwandten im ottonischen Gedenken bewahrt wurden, siehe dazu ausführlich oben Seite 163f.
Allg. zu Rudolf und zur Burgundpolitik OTTOS DES GROSSEN vgl.Poupardin, Le royaume de Bourgogne, S. 499 (Register); Mayer, Peterlinger Urkundenfälschungen, S. 41; Miscoll-Reckert, Kloster Petershausen, S. 51; Die Urkunden der burgundischen Rudolfinger, historisch-diplomatische Einleitung, S. 15 und 18.
Im 19. Jh. wurde Rudolfs Eintragung ins Merseburger Necrolog sehr spekulativ mit verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Walbecker Grafen interpretiert, vgl. dagegen Wyss, Herzog Rudolf, der Sohn Rudolfs II. und der Königin Berta, S. 357ff.



Büttner Helmut: Seite 165
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"Geschichte des Elsaß"

Der burgundische Herzog Rudolf wurde von seinem Schwager OTTO I. gemeinsam mit den Grafen Hugo und Eberhard zum Vogt des Klosters Lüders bestimmt. Wenige Tage nach der Urkunde für Lüders am 14. April 959 übergab OTTO I. Rudolf die von Guntram konfiszierten Güter im Elsaß mit Ausnahme des an Lorsch gelangten Brumath. Herzog Rudolf trat im Bereich des Elsaß und auch in Lüders an die Stelle des von OTTOS I. Ungnade getroffenen Grafen Guntram. Bedeutungsvoll aber ist vor allem noch, dass Herzog Rudolf, der wohl im Doubsgebiet und um Besancon herrschte, ein Bruder des Burgunder-Königs Konrad war, also ein Verwandter OTTOS I. selbst, auf dessen Treue dieser sich verlassen konnte.

Friese Alfred: Seite 120
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"Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels"

Ein Verwandter Adelheids, der Getreue (fidelis) Rudolf, erhielt 952 nicht nur einen Teil der konfiszierten Güter des gleichzeitig rebellierenden ETICHONEN Guntram dives im Elsaß, sondern auch Besitz in O-Franken, in der Umgebung Hammelburgs, Kissingens und Bambergs. Möglicherweise befanden sich diese Liegenschaften in der Nähe jener, die OTTO DER GROSSE in Francia, Thuringia ... Slavonia als Wittum an seine zweite Gemahlin gab. Der Besitz Rudolfs und seiner Söhne Adalbert und Liubold stammt jedenfalls zum größten Teil aus den Fuldaer Schenkungen der Grabfelder und Schweinfurter Tradentenkreise.

Hlawitschka Eduard: Band I Seite 184,186,190,207
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"Zur Herkunft und zu den Seitenverwandten des Gegenkönigs Rudolf" in: Die Salier und das Reich,

Der ungenannte RHEINFELDENER hingegen wird von Wilhelm Gisi über das Prinzip der Namensvererbung vom Großvater auf den Enkel und über die (aus dem ZÄHRINGER-Besitz - als Rheinfeldener Erbe - in Burgund vermutbare burgundische Besitzverankerung der RHEINFELDENER als ein in den Urkunden des letzten Burgunder-Königs Rudolf III. (993-1032) häufig auftretender Intervenient und Fürsprecher Graf Rudolf erschlossen. Dieser Rudolf sei wohl ein Bruder des wiederholt neben ihm genannten Grafen Berthold gewesen, und beide seien als Stiefsöhne Irmengards, der zweiten Gemahlin König Rudolfs III., aufzufassen, weswegen sie so häufig am burgundischen Königshof anzutreffen seien. Irmengard wiederum sei früher schon einmal mit einem dux Rudolf, einem Bruder König Konrads von Burgund und Kaiserin Adelheids vermählt gewesen, der diese Söhne Rudolf und Berthold von einer früheren Frau empfangen und sie dann in die Ehe mit Irmengard eingebracht hätte. Der dux Rudolf sei aber freilich nur ein Halbbruder König Konrads und Adelheids gewesen; er stamme nicht von König Rudolf II. von Hoch-Burgund ab, sondern sei ein uneheliches Kind der Königin Berta gewesen, den diese kurz nach dem Tode ihres Mannes König Rudolf II. von einem sächsischen Grafen Liuthar aus dem Hause WALBECK empfangen habe usw. Diese "abenteuerliche Geschichte" ist bar jeder soliden Quellenbasis.
Emil Kimpen hat den Ansatz Gisis übernommen, dabei aber den dux Rudolf nicht von Liuthar von Walbeck hergeleitet, sondern als regulären Sohn der Königin Berta und ihres Gemahls König Rudolf II. von Hoch-Burgund belassen, ihm dafür aber eine WALBECKERIN N.N. als Gemahlin zugesprochen
Und jener quidam de Rinvelden habe Rudolf geheißen und sei seinerseits ein Sohn eines in den Urkunden König Rudolfs III. von Burgund öfter (zusammen mit einem Berthold) auftretenden Grafen Rudolf gewesen, wobei man in letzterem wiederum den bislang unbekannten Gemahl Mathildes, einer Tochter König Konrads von Burgund bzw. Schwester König Rudolfs III., vor sich haben. Der Gegen-König RUDOLF erscheint dadurch als direkter Nachkomme der burgundischen Königsdynastie.
Deshalb ist dem weiteren Bruder König Konrads, "Herzog" Rudolf, den König Rudolfs II. Gemahlin Berta erst nach dem Tod ihres Mannes (+ 11.VII. 937) zur Welt gebracht haben soll, wie eine unkontrollierbare Angabe der Mauriner besagt, der aber sonst gut bezeugt ist, hier Aufmerksamkeit zu zollen. Er war auf alle Fälle jünger als König Konrad (* 926/27), da nicht er, sondern Konrad die Thronfolge antrat. Daß Rudolf verheiratet war und Nachkommen hatte, ist schon aus der Tatsache zu erschließen, daß in der von Abt Odilo verfaßten Lebensbeschreibung der Kaiserin Adelheid nicht nur der Burgunder-König Rudolf III., sondern auch die Bischöfe von Genf (Hugo, c. 990-c. 1020/25) und Lausanne (Heinrich I., 985-1018/19) als Adelheids nepotes bezeichnet sind, wobei zu beachten ist, daß Hugo von Genf noch einen Bruder Liutard hatte, dem der dux Ruodolfus Besitztum im Waadtland in proprium dedit. Einen Sohn dieses 937/38 (oder auch - wenn man Maurinerangabe nicht akzeptiert - wenig vorher) geborenen und später in Anbetracht seiner hohen Geburt mit dem dux-Titel ausgestatteten Rudolf konnte ohne weiteres ca. 965 zur Welt gekommen sein, die Pfalzgrafenwürde als Äquivalent zur väterlichen Stellung erhalten und dabei auch die beiden letztgenannten Bischöfe sowie Liutard zu Brüdern gehabt haben; von der Chronologie her steht dem nichts entgegen. Ein um 995 geborener Sohn (Kuno von Rheinfelden) schlösse sich dem gut an. Von diesem dux Rudolf wissen wir aber auch, wie soeben bei der Nennung seiner Söhne Bischof Hugo von Genf, Heinrich I. von Lausanne und Liutard gezeigt, daß er über Besitz im Waadtland verfügen konnte, wozu sich bei dieser Zusammenordnung der Bausteine andererseits wiederum fügt, daß dem Herzog bzw. Gegen-König RUDOLF 1077 Besitztümer im Wallis und Waadtland abgesprochen werden konnten. Eine Verbindung Rudolfs von Rheinfelden zurück zum burgundischen Königshaus hat sich damit aufgetan, die nunmehr außerdem verständlich macht, weshalb dieser Mann für die Kaiserin Agnes ein - dem Rang und Ansehen seiner Vorfahren nach - durchaus akzeptabler Schwiegersohn sein konnte und weswegen ihm Burgund gleichsam anspruchsmäßig nicht vorzuenthalten war.

Schneidmüller Bernd: Seite 89,91,92
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"Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung."

Konrads Bruder, Herzog Rudiolf, empfing 959 als Gefolgsmann OTTOS I. Güter im Elsaß um Colmar und Hüttenheim, die er dann der welfischen Familienstiftung Payerne schenkte.
Noch bevor die Klöster Moutier-Grandval und Romainmotier in direkten königlichen Besitz zurückgenommen wurden, entstand in Payerne ein neues geistliches Zentrrum der welfischen Familie. Die Gründung ging von König Konrad, seinem Bruder Herzog Rudolf, seiner Mutter Königin Berta und seiner Schwester Adelheid aus.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Adalbert
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  Liubold
        -

Kinder: nach Hlawitschka, Seienverwandte Seite 209

  Hugo Bischof von Genf (990-1025)
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  Heinrich Bischof von Lausanne (985-1019)
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  Liutard 1005
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  Kuno Pfalzgraf
  um 965- um 1000
 
 
 
 

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 158,164,380 H 24 - Büttner, Heinrich: Geschichte des Elsaß I. Politische Geschichte des Landes von der Landnahmezeit bis zum Tode Ottos III. und Ausgewählte Beiträge zur Geschichte des Elsaß im Früh- und Hochmittelalter, Jan Thrbecke Verlag Sigmaringen 1991 Seite 165 - Diener, Ernst: Könige von Burgund aus dem Hause der Welfen. in: Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte I. Band: Hoher Adel Zürich 1900-1908 Seite 77 - Friese Alfred: Studien zur Herrschaftsgeschichte des fränkischen Adels. Der mainländisch-thüringische Raum vom 7. bis 11. Jahrhundert. Klett-Cotta Stuttgart 1979 Seite 120 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 89,99 - Hlawitschka Eduard: Zur Herkunft und zu den Seitenverwandten des Gegenkönigs Rudolf, in: Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 184,186,190,207 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 88,89,91,92 -