Starke, Heinz-Dieter: Seite 37-38
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"Die Pfalzgrafen von Sachsen bis zum Jahre 1088"

Pfalzgraf Wilhelm (1042-1042/44)

Diese Pfalzgraf Wilhelmist nur durch eine einzige Urkunde bekannt. Im Gegensatz zu Kurze gleuben wir, daß er kein GOSECKER war, sonst hätte der sonst so vortrefflich unterrichtete Gosecker Chronist Wilhelm irgendwie erwähnt. Außerdem sagte er zum Amtsantritt des nachfolgenden Pfalzgrafen Dedo "primus stirpis suae monarciam palatii a rege promeruit". trifft diese Behauptung auch nur begrenzt zu, da der Vater, Friedrich I., bereits Pfalzgraf war, so sprechen doch diese Worte dafür, daß der unmittelbare Vorgänger Dedos nicht vom gleichen Geschlecht war. Schließlich zählt Spergau, das 1042 im Burgward Merseburg im Komitat des Pfalzgrafen Wilhelmliegt, 1066 zur Vogtei des Markgrafen Otto im Burgward. Bis 1066 treten im Burgward Merseburg die GOSECKER nicht auf. Da der Markgraf Otto von Weimar-Orlamünde das Erbe seines Bruders, des Markgrafen Wilhelm von Meißen übernahm, muß man annehmen, daß der Markgraf Wilhelm aus dem Hause WEIMAR und der gleichnamige Pfalzgraf identisch sind.
Höchstwahrscheinlich erhielt eben dieser Wilhelm, der durch die Schwester seines Vaters zu dem verstorbenen Pfalzgrafen Friedrich I. als Neffe in einem verwandtschaftlichen Verhältnis stand, nach dem Tode des GOSECKERS die Pfalzgrafenwürde und gab sie nach kurzer Zeit an seinen Vetter Dedo ab.Unter welchen Bedingungen Wilhelm diese Würde empfing, wieso er sie wieder verlor und warum zunächst Dedo als Nachfolger übergangen wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Vielleicht bestand nur ein vormundschaftliches Verhältnis. Wenn wir nicht irren, muß man feststellen, daß zur damaligen Zeit die Pfalzgrafenwürde noch nicht beständig vererbt wurde, wie man auch die Markgrafenwürde nicht als festen Erbtitel betrachtete.