Wilhelm II. der Große                     Graf von Weimar (963-1003)
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um 930/35-24.12.1003
 

Begraben: Naumburg
 

Sohn des Grafen Wilhelm I. von Weimar
 

Schwennicke Detlev: Tafel 144
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I, 1"

WILHELM II. DER GROSSE
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    + 24.XII.1003

Begraben: Naumburg

965 GRAF im HELMEGAU
967 GRAF im ALTGAU
974 GRAF im VIESICHGAU (Weimar)
1002 HERZOG in THÜRINGIEN (Thuringiorum tunc potentissimus)



Thiele Andreas: Tafel 167
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

WILHELM II.
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    + 1009

Seit 963 greifbar, wird von Thietmar von Merseburg erstmals zum Jahr 984 mit Weimar in Verbindung gebracht und als mächtigster Graf in Thüringen bezeichnet; gilt in markgräflicher Position daher als Reichsfürst; anerkennt 1002 Kaiser HEINRICH II. entscheidet damit die Haltung ganz Thüringens und erreicht dafür das Ende des alten Schweinezolles der Thüringer aus dem 6. Jahrhundert (MEROWINGER-Zeit), steht gegen die EKKEHARDINER in Meißen, die im Thronkrieg Weimar plünderten.



Wilhelm II. der Große verfügte ebenfalls über Grafenrechte im Helmgau und im Visichgau. Trotz zahlreicher Begünstigungen durch die Königsfamilie, stand er 984 als mächtigster Graf in Thüringen offen an der Seite Heinrichs des Zänkers. Durch seine Parteinahme, mit der er in Sachsen und Thüringen vereinzelt stand, kam es zur Belagerung Weimars durch königstreue Truppen. Bei der Vorwahl zur Königswahl von 1002 stand er erneut auf bayrischer Seite und entschied damit die Haltung ganz Thüringens und erreichte dafür das Ende des alten Schweinezolles der Thüringer aus dem 6. Jahrhundert. Die Grafen von Weimar waren die stärksten Rivalen der EKKEHARDINGER in Thüringen, die 1002 die Burg Weimar belagerten. Wilhelm empfing den König noch bei seinem Umritt und starb wenig später in hohem Alter.

Patze Hans: Seite 101,104-105
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"Die Entstehung der Landesherrschaft in Thüringen"

Aus der Tatsache, dass OTTO I. 947 von den Gandersheimer Gütern in Tennstedt, Großenehrich und Bliederstedt sagt, sie lägen im Gau S-Thüringen, in der Grafschaft, der damals (Herzog) Otto vorstand, und daraus, dass diese Güter 956 im Komitat Wilhelms liegen, schließt Schölkopf mit Recht, die WEIMARANER seien "durch die Gunst der LIUDOLFINGER zu Amt und Würden gekommen. Im pagus Husitin ist Wilhelm wahrscheinlich der Nachfolger Bardos II. Ihn und (seinen Bruder) Burchard hat HEINRICH I. als Herzog (ca. 913) vertrieben und ihren Besitz "unter seine Mannen ausgeteilt". Einer von den milites könnte Wilhelm oder seine Vorgänger gewesen sein.
Ihm folgte 963 Wilhelm II., wohl sein Sohn. Er und sein Bruder Poppo sind die ersten des Geschlechts, welche die Überlieferung mit Weimar in Verbindung brachte. Wilhelm II. hat durch Mäßigung die von seinem Vater errungene Stellung halten können. Von den 967 genannten drei Orten Keula, Urbach und Bernterode, die in die Grafschaft Wiggers und Wilhelms gehörten, ist vermutlich der letzte Wilhelm zuzuweisen. Vogelsberg im Wischigau war 974 ein Ort seiner Grafschaft. Tennstedt, Großenehrich und Bliederstedt im Südthüringgau wurden bereits als ihm zugehörig genannt.
Der Tod Ekkehards I. befreite die Grafen von Weimar von dem Druck, der vom Norden her auf ihrer Grafschaft gelastet und sich schließlich im offenen Kampf entladen hatte. Wilhelm II., den Thietmar den Thuringiorum tunc potentissimus nennt, erkannte HEINRICH II., als er von Franken heranzog, mit den thüringischen Großen als König an. Bei dieser Gelegenheit erließ HEINRICH den bekannten Schweinezins. 1003 ist Wilhelm II. gestorben.

Holtzmann Robert: Seite 282,284,367,372
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"Geschichte der sächsischen Kaiserzeit"

Von den weltlichen Hern schlossen sich dagegen nur sehr wenige ihm an, keiner der Herzöge und nur ein paar Grafen, so Wilhelm II. von Weimar, dessen Vater sich einst am Liudolfingischen Aufstand beteiligt hatte. Es ist augenscheinlich, daß Heinrich bei den weltlichen Fürsten unbeliebt, ja seines skrupellosen Ehrgeizes wegen gefürchtet war.
Von Osten her wollte Heinrich jetzt in Thüringen einfallen und seinen alten Freund Wilhelm von Weimar, der in seiner Hauptstadt von den Sachsen belagert wurde, entsetzen. Alsbald wandten sich die Sachsen auch gegen ihn, zogen ihm über die Saale entgegen, und beinahe wäre es südlich von Leipzig, wo die Sachsen bei Eythra, Heinrich bei Magdeborn standen, zu einer großen Schlacht gekommen. Doch wiederum zog Heinrich Verhandlungen vor.
In Thüringen stand der alte Graf Wilhelm von Weimar, der einst zu den Freunden Heinrichs des Zänkers gehört hatte, jetzt auf der Seite seines Sohnes. Mit Ekkard, seinem Rivalen und Herzog, war er in manchen Konflikt geraten, und Ekkards Sohn Hermann hatte ihn sogar einmal in Weimar belagert und zu einer Buße ezwungen.
Durch Mainfranken gelangte HEINRICH zunächst nach Thüringen, wo seit Ekkards Tod der Graf Wilhelm von Weimar, HEINRICHS Anhänger, der mächtigste Fürst war. Wilhelm huldigte sofort, dann folgte eine Königswahl durch die Thüringer, worauf HEINRICH ihnen auf ihre Bitten den Schweinezins, den sie dem Reiche schuldeten, erließ.

Schmidt Roderich: Seite 137
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"Königsumritt und Huldigung in ottonisch-salischer Zeit"

Was ereignte sich eigentlich 1002 in Thüringen und Lothringen? HEINRICH kam in das thüringische Gebiet [Vgl. Hirsch, Jb. I Seite 221], nicht mehr als Thronanwärter, sondern als gesalbter und gekrönter König, rechtens, wenn auch nicht von allen, gewählt. Die thüringischen Großen waren jetzt vor die unausweichliche Frage gestellt, ob sie ihn ebenfalls als König anerkennen sollten oder nicht. Die Entscheidung fiel, als der nach dem Tode Ekkehards mächtigste Mann des Landes [So Thietmar V, 14 (9), Seite 236], Graf Wilhelm von Weimar, sich für HEINRICH entschied und ihm huldigte (regis efficitur). Daraufhin wurde HEINRICH von den Grafen und von den Großen kollaudiert.

Lange Peter: Seite 184
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"Zur Geschichte der Grafschaft Weimar-Orlamünde"

Sein Sohn Wilhelm II. folgte ihm im Grafenamt, während ein weiterer Sohn Poppo Kaplan am Hofe König OTTOS I. war. Von Wilhelm II. von Weimar wissen wir, daß er zeitweise (um 985) Grafenrechte im Helmegau ausgeübt und Ländereien im Nabelgau (zwischen Helme und Wipper) sowie im Ohmgebirge bei Bleicherode besessen hat.
Da er aber nach dem Tode König OTTOS II. im Jahre 983 den Herzog von Bayern, Heinrich den Zänker, als Nachfolger im Königsamt unterstützute, haben Anhänger von König OTTO III. seine Burg Weimar im Jahre 984 belagert. Diese Belagerung wurde abgebrochen, weil man das Vordringen Heinrichs des Zänkers nach Norden verhindern wollte, was schließlich durch dessen Gefangennahme in Eythra bei Leipzig auch gelungen ist.
In dieser Zeit wurde ein Nachbar der Weimarer Grafen, Markgraf Ekkehard, mit der Mark Meißen belehnt. Er stieg damit zu den Großen des Reiches auf und bewarb sich nach dem Tode König OTTOSIII. um die deutsche Königswürde. Wilhelm II. von Weimar unterstützte in der Frage der Nachfolge aber nicht Ekkehard, sondern wiederum den Herzog von Bayern, der schließlich als HEINRICH II. deutscher König wurde. Sicherlich ist die Belagerung der Burg Weimar durch Ekkehards Sohn Hermann im Jahre 1002 auch auf diese Haltung des Weimarer Grafen und nicht allein auf den Totschlag zweier Vasallen Ekkehards durch Wilhelm II. zurückzuführen.
Die Belagerung der Burg Weimar hat Hermann kurz nach der Ermordung seines Vaters Ekkehard in der Pfalz Pöhlde am 30.4.1002 aufgegeben. Dank der Parteinahme für König HEINRICH II. konnte Graf Wilhelm II. von Weimar unmittelbar nach der Königskrönung (7.6.1002) auf dem Merseburger Hoftag wohl auch erreichen, daß Thüringen der Schweinezehnt erlassen wurde, der seit der Unterwerfung der Thüringer unter das Frankenreich an die fränkischen und später deutschen Könige zu entrichten war.
Nachdem Wilhelm II. von Weimar am 24. Dezember 1003 hochbetagt verstorben war, folgte ihm sein Sohn Wilhelm III. im Grafenamt.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Wilhelm III.
         -16.4.1039

  Poppo
          -13.7. vor 1044

  Agnes
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  oo Friedrich I. Graf von Wettin-Goseck
             -   1042
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 24,41,65 - Baaken, Gerhard: Königtum, Burgen und Königsfreie. Schmidt Roderich: Königsumritt und Huldigung in ottonisch-salischer Zeit. Vorträge und Forschungen Band VI, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1981 Seite 137 - Görich Knut: Otto III. Romanus Saxonicus et Italicus. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995 Seite 154 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 282,284, 367,372 - Lange Peter: Zur Geschichte der Grafschaft Weimar-Orlamünde, in: Thüringen im Mittelalter Die Schwarzburger. Beiträge zur schwarzburgischen Kunst- und Kulturgeschichte Band 3 Seite 184 - Patze, Hans: Die Entstehung der Landesherrschaft Thüringen, Böhlau Verlag Köln/Graz 1962 Seite 101,104-105 - Posse, Otto: Die Markgrafen von Meissen und das Haus Wettin bis zu Konrad dem Grossen. Giesecke& Devrint Verlag Leipzig 1881 Seite 126-132,151,154 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 117 - Schölkopf, Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024, Göttingen 1957 Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens Seite 56 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I, 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 144 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 50,120,200,208 -