Schölkopf Ruth: Seite 56
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"  1957

In den Folgejahren amtierte im gleichen Amtsbereich wiederum ein Graf Wilhelm, den wir wohl als seinen Sohn betrachten können. Der Gandersheimer Klosterbesitz, der vorher im Comitat seines Vaters lag, befindet sich nun in seiner Grafschaft. Wilhelm verfügte ebenfalls über Grafenrechte im Helmegau, aus dem die königlichen Höfe Wallhausen und Berga dem Nonnenkloster zu Quedlinburg zufielen. Außerdem wurde aus Thüringen die civitas nostre proprietatis Riede, die Wilhelmunterstanden, zugunsten Magdeburgs eximiert. Eine Tauschurkunde für Fulda bestätigte, dass die Orte Keula, Urbach und Berchtelrode (wüst im Altgau) in den Comitaten der Grafen Wigger und Wilhelm lagen.
Nicht ausdrücklich bezeugt war sein Vater im Visichgau, aus dem das königliche Gut Vogelsberg an das liudolfingische Kloster Nordhausen vergabt wurde. Da sich dieser Gau im Gebiet von Weimar erstreckte, darf man wohl annehmen, dass er auch hier die Nachfolge seines Vaters angetreten hatte und es sich somit um keine Vergrößerung seines Amtsbereiches handelte. Graf Wilhelm von Weimar war auch mit dem Grafen Wilhelm identisch, aus dessen Comitat der Ort Roßla an das Kloster Würzburg vergabt wurde.
Trotz dieser sichtbaren Begünstigungen seiner Familie durch die OTTONEN hielt ihnen der jüngere Graf Wilhelm ebensowenig die Treue wie sein Vater. 984 trat er offen auf die Seite Herzog Heinrichs von Bayern gegen die Herrschaftsansprüche des jungen Königs OTTO III. Er stand mit dieser Parteinahme in Sachsen und Thüringen vereinzelt, was die Belagerung Weimars durch die Königstreuen zeigt. Die Folgen seiner Untreue waren nicht einschneidend. Seine Amtsstellung wurde ihm - wenn überhaupt - höchstens kurzfristig aberkannt. Schon 985 ist er wieder urkundlich als Graf belegbar.
Bei der Vorwahl zur Königswahl von 1002 schloß er sich wiederum der Anhängerschaft Heinrichs von Bayern an. Hierfür gab kaum eine nachbarliche Fehde mit den EKKEHARDINGERN den Ausschlag. Thietmar berichtet nämlich, dass Wilhelms gleichnamiger Sohn zwei Vasallen der EKKEHARDINGER erschlug, die daraufhin unter der Führung Hermanns die Burg Weimar belagerten. Der Belagerungszustand wurde vorzeitig durch die Ermordung Ekkehards I. von Meißen abgebrochen.
Die Gegnerschaft der beiden Häuser war tiefer begründet. Ihre Interessengebiete überkreuzten sich mannigfach in Thüringen, wo sie sich als die beiden stärksten Pole rivalisierend gegenüberstanden. Keine andere Familie konnte hier mit ihnen konkurrieren. Thietmar brachte das klar zum Ausdruck, als er den älteren Grafen Wilhelm, den er senectute ac omni bonitate proficuus kennzeichnet, nun nach der Ermordung Ekkehards I. von Meißen Wilhelmus Turingorum tunc potentissimus nannte. Die Vita Heinrici sagt dasselbe: Wilhelmus princeps Toringorum.
Graf Wilhelm starb im hohen Alter kurz nach dem Regierungsantritt  HEINRICHS II., den er noch als König bei seinem Umritt empfing, am 24. Dezember 1003, zu welchem Datum in den Annales Necrol. Fuld. der Tod eines Wilhelmus comes Wimariensis verzeichnet steht.
Der verstorbene Graf Wilhelm hatte einen Bruder Poppo, der ihm vermutlich im Tod vorausging. Poppo war Kaplan bei OTTO DEM GROSSEN, was wiederum ein Zeichen für die guten Beziehungen der WEIMARANER zum Königshaus ist. Der Sächsische Annalist (a. 965) bezeugte sie als duo fratres de loco, qui Wimmeri dicitur, in Thuringia Wilhelmus comes et Poppo, ipsius (OTTONIS I.) capellanus. Er charakterisierte Poppo als venerabilis sacerdos, quam iuste et sancte vixerit, Deus in fine ipsius declaravit. Das Todesjahr Poppos läßt sich nicht ermitteln.
Nachfolger des Graf Wilhelm (+ 1003) wurde sein schon erwähnter Sohn Wilhelm (III.).