Annalista Saxo: Seite 24
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"Reichschronik"
 

Das Jahr 965.
 

Zu den Zeiten desselben Kaisers gab es zwei Brüder aus dem Orte Thüringens, der Wimmeri heißt: Graf Willehelm und Poppo, der Kapellan des Kaisers. Wie gerecht und heilig dieser ehrwürdige Priester gelebt, bezeugte Gott an seinem Ende. Sein Bruder Willehelm aber lebte in ehrwürdigem
Greisenalter bis zu den Zeiten des Kaisers Heinrich von Bavenberch.

Johann [XIII] vollendete in Magdaburg, was sein Vorgänger begonnen.

In demselben Jahre sandte der obengenannte Kaiser denLeib der heiligen Jungfrau Justa mit Ehren nach Sachsen.

Am 31. März dieses Jahres stürzte die Basilika der Halberstädter Kirche ein.

Der Bruder des Markgrafen Gero, Sigefrid, übergab einen Theil seines Erbgutes dem heiligen Vitus, indem er demselben an dem Orte, der Gronigge heißt, ein Kloster erbaute. Ihre Schwester, eine heilige Frau Namens Hidda, welche der Anbetung wegen nach Jerusalem zog und daselbst starb, gebar
den Markgrafen Thietmar und Gero, den Kölner Erzbischof, welche auf ihrem Gute am Flusse Sala eine Abtei erbauten zur Ehre der heiligen Gottesmutter und des heiligen Märtyrers Ciprian, als Otto II Kaiser war.
 

Das Jahr 1002.

 
[Herimann empfing die Leiche des Vaters mit außerordentlicher Trauer und ließ sie in seiner Burg Namens Gene bestatten,] in der Mainzer Parochie, an der Stelle, wo Sala und Unstrod zusammenfließen. Nach mehreren Jahren jedoch wurde er mit vielen Anderen von demselben Geschlechte versetzt in die Stadt Nuenburh, nicht weit von dem früheren Platze am weiteren Laufe des Flusses Sala, eine Stadt, welche die nachfolgenden Erben sammt ihrem sämmtlichen  Erbgute in Demuth zum Dienste Gottes und seiner Mutter und des heiligen Petrus und anderer Heiligen hergaben, da leibliche Nachkommenschaft fehlte. Seit dieser Zeit ward der Bischofsitz, der bisher in der Stadt Ciz gewesen, in selbige Stadt versetzt. [Nachdem aber der dreißigste Tag vorüber war, reiste Frau Suanehild mit ihren Söhnen nach Misni. Sie war die Tochter Herimanns des Herzogs von Liuniburch, die Schwester des Herzogs Benno oder Bernhard, des Grafen Liudiger und der Gräfin Machtildis, welche den Grafen Baldwin von  Flandern und nach dessen Tode den Herzog Godefrid geheirathet hatte. Suanehild selbst aber hatte zuerst den Markgrafen Thetmar geheirathet, des Kölner Erzbischofs Gero Bruder, und von ihm gebar sie den Markgrafen Gero, später aber gebar sie von dem genannten Markgrafen Ekkihard den Herimann, Ekkihard und Gunter.  -
 
[Herzog Heinrich wird am 7. Juni zum Könige gewählt, mit Beifall aufgenommen und vom Erzbischofe Willegis geweiht und gekrönt. Die Mannschaft des Fürstenthums der Franken und Musellenser erwarb sich durch ihren damaligen Anschluß an den König seinen Dank]. Dieser Heinrich war der Sohn des Herzogs Heinrich, der ein Sohn von dem Bruder Ottos I, Herzog Heinrich, war. Als er einst in der Regensburger Kirche betete, hörte er eine Stimme, welche zu ihm sagte: "Lies die Schrift an der Wand." Es war aber geschrieben: "Nach sechs." Als er dies gelesen hatte, er hatte nämlich lesen gelernt, ging er mit innerer Verwunderung fort, und da er fürchtete am sechsten Tage zu sterben, mühte er sich  inzwischen mit Gebeten, Fasten und Almosen ab. Wie nun? Die sechste Woche, den sechsten Monat, das sechste Jahr  beobachtete er also. Als nun im sechsten Jahr Otto III gestorben war, wird er, wie oben erzählt, zum Könige erhoben. -
Dieser hat die Frau Kunigunde, eine Jungfrau seligen Andenkens, die Schwester des Bischofs Theoderich von Metz und des spätern bairischen Herzogs Heinrich, welche die Genossin der Regierung geworden, scheinbar zur Ehe mit sich verbunden, aber nach einem Gelübde der Keuschheit, welche beide beschlossen hatten, niemals erkannt, sondern wie eine Schwester geliebt.  -
 
[Der König wird von dem Grafen Willehelm von Thüringen und von den Großen dieses Landes und von allem Volk gebeten, ihnen den Schweine-Zins zu erlassen, und das hat er auch gethan.] Dieser Zins wurde von der Zeit Theoderichs, des Sohnes des Clodoveus, der auch Lodowich hieß, bis auf
diesen König jedes Jahr in die königliche Kasse gezahlt, fünfhundertzweiundachtzig Jahre hindurch.
 
[Weil er in allen Reichen seines Vorgängers, ausgenommen Italien und Alamannien, zum Könige erhoben und erwählt war, gedachte er mit Anbruch des Frühjahrs den Herzog Herimann anzugreifen, der diesseits der Alpen allein ihm widerstand.] Dieser Herimann war der Sohn des Herzogs Udo, der mit vielen in Calabrien gefallen ist, als Kaiser Otto II gegen die Sarracenen kriegte.
 

Das Jahr 1046.

 
Markgraf Ekkihard ist vergiftet eines plötzlichen Todes gestorben und seine Mark bekam Willehelm. Dessen Vater war Graf Willehelm von Wimmare, ein ehrwürdiger Greis, welcher durch seine Bitte für das Volk der Thüringer vom Kaiser Heinrich von Babenberg ausgewirkt hatte, daß der Schweinezins erlassen wurde, welchen sie jedes Jahr in die königliche Kasse zahlten. Diesen Zins hatte König Theoderich eingeführt, der die Thüringer zum größten Theile vernichtete und ihr Land den Sachsen gab. Dieser Graf Willehelm hatte drei Söhne: diesen Markgrafen Willehelm, von dem wir sprechen, Otto und Poppo. Auch der Graf der Nordmark Willehelm und sein Bruder Otto, welche nach diesem Willehelm und seinem Bruder Otto benannt waren, waren durch sehr nahe Blutsverwandtschaft mit ihnen verbunden, obwohl der Name und der Gang dieser Verwandschaft nicht genauer bekannt ist. Als aber der oben erwähnte Graf Willehelm todt war, heirathete seine Frau Oda den Markgrafen Dedo, wie oben gesagt ist. - [Als König Heinrich die Aufstände der Pannonier gebändigt hatte, wurde er durch die Noth der Kirche nach Rom gezogen und hatte in seinem Gefolge nebst den übrigen Großen des Reiches den Bremer Erzbischof Adalbert; daselbst wurden die drei Schismatiker Benedict, Gratian und Silvester abgesetzt, welche um den apostolischen Stuhl gestritten hatten] und von denen ein Einsiedler dem Könige geschrieben hatte: "Die Eine Sunamitin hat drei   Männer geheirathet. O König Heinrich, an des Allmächtigen Stelle löse die Ehe, die dreifache, die zweifelhafte!"