Widekind II.                                            Graf von Pyrmont
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    -   1188/89
 

Ältester Sohn des Grafen Widekind I. von Schwalenberg und der Lutrud von Itter, Tochter von Graf Folkmar
 

Andreas Thiele: Band I, Teilband 2 Tafel 398
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"Erzählende genealogische Stammatfeln"

Widekind II. von Schwalenberg war ein wüster Fehdetyp, machte etliche Italienfeldzüge von Kaiser FRIEDRICH I. mit und wurde Vogt von Höxter, das er 1152 niederbrannte. Er erschlug dabei Stadtgraf Dietrich, wurde gebannt und jahrelang inhaftiert. Er fiel erst 1181 von Heinrich dem Löwen ab, wurde um 1184 Graf von Pyrmont (= "Mons Petri") als Lehen der Erzbischöfe von Köln. Er bekam die Vogtei Höxter-Corvey zurück, mußte dafür Itter abgeben und stiftete die Linie der Grafen von Pyrmont, die zu völliger Bedeutungslosigkeit herabsank und erst 1494 endete.
 
Karl Jordan: Seite 112,113,121,127
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"Heinrich der Löwe"

Mußte schon diese Tatsache zu Spannungen mit Herzog Heinrich führen, als er selbst nach dem Erwerb der Winzenburger Erbschaft aktiv in diesen Raum eingriff, so machte das aggressive Vorgehen der beiden Brüder Volkwin und Widukind von Schwalenberg gegenüber dem Kloster Corvey Maßnahmen des Herzogs erforderlich. Gerade das Vorgehen Heinrichs gegen die beiden Brüder läßt erkennen, in welcher Form hier der Herzog seine Oberhoheit durchsetzte. Seit dem Ende der 40er Jahre finden wir in den Briefen Abt Wibalds von Corvey immer wieder bewegte Klagen über die schweren Übergriffe, die sich die beiden Brüder dem Kloster und seinen Besitzungen gegenüber zuschulden kommen ließen, ohne dass der Abt mit Hilfe des Bischofs von Paderborn eine Änderung erreichen konnte. Als sie im Jahre 1152 den dem Kloster Corvey gehörenden Ort Höxter überfielen, die Befestigungen des Ortes zerstörten und von den reichen Bürgern ein Lösegeld erpreßten, lud sie FRIEDRICH I. auf Klagen Wibalds vor sein Gericht und forderte gleichzeitig Herzog Heinrich auf, die beiden Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen und ihnen gegenüber volle Gerechtigkeit walten zu lassen. Über den Fortgang dieses Verfahrens ist allerdings nichts bekannt; ob wirklich Gerichtstermine stattgefunden haben, bleibt fraglich.
Da der wegen seiner Gewalttätigkeit berüchtigte Widukind von seiner Burg Desenberg bei Warburg aus seine Angriffe gegen das Kloster fortsetzte und im Jahre 1156 sogar den Stadtgrafen Dietrich von Höxter, einen Ministerialen des Klosters, erschlug, während dieser vor der geweihten Kirchenmauer zu Gericht saß, schritt Heinrich der Löwe - vielleicht wieder auf Veranlassung des Kaisers - gegen ihn ein. Im Mai 1157 hielt er über ihn in Corvey Gericht. Das Urteil fiel allerdings ziemlich milde aus. Widukind mußte sich zwar verpflichten, sowohl dem Abt Wibald wie auch der Witwe und den Kindern des Ermordeten Schadenersatz zu leisten. In einem lehnsrechtlichen Verfahren entzog ihm der Herzog außerdem alle Lehen, insbesondere die Burg Desenberg, um ihn dann nach Landrecht in das Gebiet links des Rheins mit der Auflage zu verbannen, dass Widukind nur mit Genehmigung des Herzogs zurückkehren dürfe. Ob der SCHWALENBERGER wirklich in die Verbannung gegangen ist, bleibt sehr zweifelhaft. Aus einem Brief des Herzogs an Abt Wibald, den er vor seiner Teilnahme am Polenfeldzug FRIEDRICHS I. im August 1157 schrieb, geht hervor, dass Widukind bis zu diesem Zeitpunkt seine Verpflichtungen nicht erfüllt hatte. Zu Beginn der 60-er Jahre sehen wir ihn wieder am Hof des Herzogs; er hat also damals wieder dessen Gnade gefunden. Gerade dieses Verfahren zeigt aber, dass Heinrich die Wahrung des Landfriedens im ganzen Bereich des Stammesgebiets als seine besondere Aufgabe ansah.
Der Bamberger Reichstag des Jahres 1169 hat trotz der Bemühungen des Kaisers noch keinen endgültigen Frieden in Sachsen gebracht. Einmal hat Widukind von Schwalenberg sich nicht an die Vereinbarungen gehalten, sondern den Kampf gegen den Herzog fortgesetzt. Heinrich belagerte ihn deshalb in seiner Burg Desenburg bei Warburg. Durch ihre Lage auf einem nach allen Seiten hin steil abfallenden Berg war aber die Feste so geschützt, dass auch die vom Herzog eingesetzten Belagerungsmaschinen wirkungslos blieben. Deshalb rief Heinrich Bergleute von dem Goslar liegenden Rammelsberg herbei. Diese gruben den Berg an und stießen dabei auf den Brunnen, der zur Versorgung der Burg diente. Der Herzog ließ ihn zuschütten und zwang dadurch Widukind und seine Leute, sich zu ergeben. Der Graf wurde gefangengenommen, später aber wieder freigelassen. Zu Beginn der 70-er Jahre sehen wir ihn wenigstens in der Umgebung des Bischofs Evergisus von Paderborn.
Obwohl Widukind von Schwalenberg nach seiner Verurteilung wegen der schweren Verstöße gegen den Landfrieden, die er sich gegenüber dem Kloster Corvey hatte zuschulden kommen lassen, wie wir bereits sahen, die Gnade des Herzogs wiedererlangt hatte, schloß er sich im Jahre 1166 der großen gegen diesen gerichteten Fürstenkoalition an und hat den Kampf in Sachsen auch nach den ersten Vermittlungsaktionen des Kaisers fortgesetzt.