Lüpke Siegfried: Seite 17
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"Die Markgrafen der Sächsischen Ostmarken in der Zeit von Gero bis zum Beginn des Investiturstreites (940-1075)"

Eigenartig ist bei ihm schon der Antritt der Markgrafschaft. Werners Mutter Godila entrichtete 200 Talente an den König, um ihrem Sohne, der vermutlich noch sehr jung war, Lehen und Mark seines Vaters zu erhalten. Wohl ließ HEINRICH II. die Erbfolge gelten, aber nicht ohne dass er sich ihre Anerkennung gut bezahlen ließ; ein Grundsatz, den dieser Herrscher im Reich noch öfter befolgte. In den Marken des deutschen Ostens ist es aber der einzige Fall dieser Art, der von den Schriftstellern erwähnt wird. Von Werners Tätigkeit als Markgraf erfahren wir überhaupt nichts. Desto mehr erzählt Thietmar von seinen Abenteuern. Die Geschichte seines Brautraubes mit allen Weiterungen ist bereits erzählt worden. Auf einem Fürstentag in Magdeburg 1009 trat dann in einer unbekannten Sache der König selbst als Kläger gegen Werner auf. Graf Dedi, der Anherr des Hauses WETTIN, hatte HEINRICH II. die Veranlassung dazu gegeben. Obwohl Thietmar die Gründe der Klage verschweigt, müssen sie schwerwiegend gewesen sein, denn er deutet an, Werner hätte bereits jetzt die Mark verloren, wenn nicht plötzliche Krankheit ihn dem Urteil des Richters entzogen hätte. Hier erscheint Dedi noch als etwas dunkler Hintermann unter Werners Gegnern. Kurz darauf tritt er offen als sein Feind auf. Auf seinen Rat und unter seiner Mithilfe wurde die den WALBECKERN gehörige Burg Wolmirstedt verbrannt. Nun eilte Werner herbei, stellte Dedi bei dem Dorf Mose bei Wolmirstedt zum Kampf und erschlug ihn. Die tieferen Gründe der Feindschaft zwischen Werner und Dedi bleiben trotz allem im Dunkeln, aber mit dieser Tat hatte sich Werner als Markgraf unmöglich gemacht, und auch die Verdienste seines Vaters um HEINRICH II. konnten den Sohn nicht vor dem gerechten Spruch des königlichen Richters retten.Werner mußte die Mark an Bernhard, den Sohn des Markgrafen Dietrich, abtreten. Auf diese Weise kam die Nordmark vom Hause WALBECK an die Familie Dietrichs zurück. Das geschah am 25. Dezember 1009 in Pöhlde. Wenn Werner sich zu dieser Untat auch nicht ungereizt hatte hinreißen lassen, so konnte er doch in seiner Stellung als ein Schützer des Reiches auf gefahrvollem Posten nicht verbleiben, sondern mußte den Platz einem anderen räumen. Wir erfahren nichts von einem Versuch Werners, die verlorene Mark zurück zu erlangen, wenn nicht etwa seine verdächtigen Verbindungen mit den Polen darauf abzielten. Thietmar sagt: "Ferner kam es dem Könige zu Ohren, dass mein Vetter Markgraf Werner mit Ekkehard, dem Bruder des Markgrafen Hermann, ohne dazu Erlaubnis vom Könige erhalten zu haben, zum Boleslaw sich begeben und dort viele die königliche Gnade verwirkende Reden geführt habe, auch von demselben zu Hause oft geheime Boten empfangen habe. Das alles sehr übel vermerkend, befahl der König beiden, vor ihm zu erscheinen. Da sie es nun nicht wagten, diesem Gebote zu gehorchen, so ward ihre sämtliche Habe in Beschlag genommen und sie als widerspenstige Untertanen ob ihres Ungehorsams gegen die Gewalt des Königs geächtet. Mein Vetter erkaufte zuletzt doch noch des Königs Gnade und sein Heimatrecht mit seinem Landbesitze und Gelde". Trotz dieser empfindlichen Buße trieb es den unruhigen Sinn des ehemaligen Markgrafen schon bald zu neuem Abenteuer. Es sollte sein letztes werden. Als er Reinhild von Beichlingen raubte, um sie an Stelle der 1012 verstorbenen Liutgard heimzuführen, wurde er durch Steinwürfe schwer verwundet. Am 11. November 1014 erlag er in Allstedt seinen Verletzungen und entging nur so einer neuen Bestrafung. In allem ist ganz unzweideutig zu erkennen, dass das Ansehen des Königs sich volle Geltung verschafft hatte. Über Werners Gaugrafschaften ist schon oben gesprochen worden.