Ruth Schölkopf

"Die sächsischen Grafen 919-1024"

6. Die Grafen von Walbeck

Das Geschlecht der Grafen von Walbeck (an der Aller) trat mit dem am 5. September 929 in der Schlacht bei Lenzen gefallenen Heerführer Liutharius in das Licht der Geschichte. Mit ihm erlitt zugleich ein zweiter Liutharius, der Stammvater der Grafen von Stade, in der gleichen Stellung als dux den Schlachtentod. Bischof Thietmar von Merseburg als Nachkomme der Grafen von Walbeck väterlicherseits und der Grafen von Stade mütterlicherseits erwähnte beide in seiner Chronik als seine Urgroßväter. Er charakterisierte sie als milites optimi, erwähnte ihre hohe Abstammung: genere clarissimi und verlieh ihnen die ehrenvolle Bezeichnung: decus et solamenpatriae. Auch Widukind, die Annalen von Corvey und Magdeburg verzeichnen ihren Tod. Als Todestag wurde im Merseburger Totenbuch der 5. September notiert.
Liuthar galt nicht als Ahnherr dieses Geschlechts, was aus der Erwähnung seiner hohen  Abstammung bei Thietmar hervorgeht. Unhaltbar ist die Ansicht Walther Grosses, der das Geschlecht der WALBECKER als sächsische Edelherren seit dem 6. Jahrhundert in den östlichen, nordharzischen Gebieten ansässig machen möchte. Nach der Untersuchung von Sabine Krüger kann man wohl jenen älteren Grafen Lothar als Stammvater der WALBECKER in Anspruch nehmen, der von 822 an als Zeuge in den Corveyer Traditionen auftrat und vermutlich mit dem Grafen Lothar identisch ist, der seine Tochter Regenhild Graf Bernhard, einem Enkel des dux Hessi (+ 804), zur Gattin gab. Reginhilds Vater kann nicht mit dem 929 gefallenen Lothar identifiziert werden, wie es Dingelstädt in seiner Walbeckischen Chronik tat, da sich eine Gleichsetzung aus chronologischen Erwägungen als unmöglich erweist. Vielleicht gehörte noch ein jüngerer Graf Lothar, der von 860 an auftrat und 880 im Kampf gegen die Dänen fiel, in diese Familie.
Thietmar nannte als seinen Großvater väterlicherseits und damit als Sohn des gefallenen Lothar ebenfalls einen Grafen Lothar. Dieser Lothar wurde vom sächsischen Annalisten (a. 977, a. 979) als senior de Waldbike näher bestimmt. Die Burg Walbeck (an der Aller) im Nordthüringgau, die nach Grosse vom gleichen Typ war wie die Königspfalzen Werla und Tilleda, war Stammsitz dieses Geschlechts, nach dem es häufig benannt wurde. Über diesen Grafen Lothar sind wir verhältnismäßig gut unterrichtet. Wir wissen, dass er 941 an der Verschwörung Heinrichs von Bayern gegen OTTO DEN GROSSEN teilnahm. Als der König zu Quedlinburg von dem Anschlag erfuhr, sollte auch Lothar mit den übrigen Aufständischen hingerichtet werden. Die Fürbitte seiner Freunde rettete ihm das Leben, so dass er mit einer Schutzhaft bei Graf Bertold in Bayern davonkam. Der König konfiszierte und vergabte alle seine Güter. Schon nach einem Jahr erlangte Lothar zugleich mit der königlichen Gnade und einer Geldentschädigung sein Allod in Santersleben (Klein-Santersleben bei Neuhaldensleben) und Gutenswegen (bei Groß-Santersleben) zurück, die beide im Nordthüringgau im Raume nördlich von Magdeburg lagen. Die Beziehungen zu Graf Berthold waren so freundschaftlich, dass sie durch dauernde Familienbande gefestigt wurden. Nach seiner Entlassung gab ihm Lothar seine einzige Tochter Eila (Heilikswinda) zur Gattin. Thietmar erwähnte Eila als seine Tante und Gattin Bertolds, dem sie die Söhne Heinrich und Bucco (Burchard) schenkte. Sie starb am 19. August 1015 und wurde in dem von ihr errichteten Kloster zu Schweinfurt bestattet. Zur Sühne für seine Untreue errichtete Lothar zu Ehren der Jungfrau Maria in Walbeck ein Kollegiatstift, dem er den zehnten Teil seines Erbes übertrug. Leider wurde der Besitz nicht näher aufgeführt. Er lag wohl in nächster Umgebung von Walbeck. Graf Lothar starb am 21. Januar 964.
Er war mit Mathilde vermählt, deren Herkunft uns noch später beschäftigen wird. Sie sorgte unter Mitwirkung ihrer beiden Söhne für die Stiftung ihres Gatten, den sie als Witwe um viele Jahre überlebte, bis sie am 3. Dezember 991 starb. Als beider Söhne nannte der Sächsische Annalist Siegfried und Lothar.
Ob auch Thietmar, der von 983 an als Nachfolger des Abtes Liudolf bis zu seinem Tode am 12. März 1001 das Amt eines Abtes von Corvey versah, ein Sohn Lothars von Walbeck war, bleibe dahingestellt. Ältere Genealogen machten ihn ohne weiteres zum Bruder Siegfrieds und Lothars von Walbeck. Abt Thietmar fand Erwähnung in den Annalen von Corvey (a. 983 und a. 1001), dem Catalogus Corbeiensium und in Erhards Regesten. Thietmar von Merseburg erwähnte ihn zweimal lediglich in seiner Funktion als Abt, ohne ihn als seinen Verwandten zu kennzeichnen. Die Fragmenta Corb., die jedoch mit Vorsicht auszuwerten sind, hielten ihn ebenfalls für einen Sohn Lothars. Sie bezogen die von einem Liudharius für seinen Sohn Thietmar gemachte Schenkung von 44 Morgen in Rothen (wüst bei Warburg) auf Graf Lothar von Walbeck, der den Landbesitz für die Aufnahme seines Sohnes in Corvey übertragen habe. Die Tradition erfolgte jedoch ungefähr um das Jahr 1000, so dass höchstens Markgraf Lothar in Frage käme. Da walbeckscher Besitz in diesem Raum nicht nachweisbar ist, war der Tradent wohl kein Mitglied dieser Familie. Es empfiehlt sich, Abt Thietmar von Corvey der WALBECKER Grafenfamilie einzuordnen, weil enge Beziehungen zwischen der Familie und dem Kloster bestanden, was sich aus der Eintragung wichtiger Ereignisse aus ihrem Leben (Tod der beiden Heerführer 929, Raubüberfall auf die Stader 994) beweisen läßt. Außerdem gelangte eine Abschrift der Chronik Thietmars nach Corvey. Nicht zuletzt redet die Namensgleichheit zwischen Abt Thietmar von Corvey und Bischof Thietmar von Mersburg einer verwandtschaftlichen Bindung eine deutliche Sprache.
Lothar war der Namensgebung nach wohl der älteste Sohn  Er wurde an sechs Stellen von Thietmar als sein Onkel (patruus) bezeichnet. Er trat erstmalig 979 hervor, als ihm zusammen mit seinem Bruder Siegfried die Überwachung Geros von Alsleben anvertraut wurde. Nach dem Tode seiner Mutter und seines Bruders Siegfried im gleichen Jahr 991 versuchte er, seine Schwägerin um das Erbe zu bringen, eine Handlungsweise, die ihm Thietmar nie ganz verzieh. Das schlechte persönliche Verhältnis zu seinem Onkel trug dazu bei, dass er ihn in seiner Darstellung möglichst in den Hintergrund treten ließ. Lothar vergrößerte wesentlich die Macht des Hauses WALBECK. Nach der Absetzung Markgraf Dietrichs ging die markgräfliche Stellung in der Nordmark an ihn über, wie sich aus der Nachricht des sächsischen Annalisten zum Jahre 983 ergibt. Als Markgraf nahm Lothar 993 an einem Feldzug unter Führung Ekkehards von Meißen gegen Brandenburg teil. Thietmar zählte Lothar sicher nicht ohne Absicht an letzter Stelle hinter seinen Oheimen mütterlicherseits und Pfalzgraf Friedrich auf, und zwar ohne seinen markgräflichen Titel anzuführen. Eine Urkunde des gleichen Jahres bezeugte Lothar als Intervenienten. Auch hier rangierte er hinter Markgraf Ekkehard I. und Gero und führte nur den Titel comes. Erst 997 legte ihm Thietmar den Titel marchio anläßlich der unglücklichen Vorgänge bei Arneburg bei. Die Grenzfeste Arneburg wurde nämlich während der Bewachungszeit Erzbischof Giselher von Magdeburg von den Wenden angesteckt, ohne dass es der zur Ablösung eintreffende Lothar verhindern konnte. Lothar wurde deswegen beim König verklagt und mußte sich durch Eid reinigen. Der angeführte Thietmar-Text reicht nicht aus, um eine markgräfliche Stellung Lothars erst von 997 an als gesichert gelten zu lassen, da nicht anzunehmen ist, dass die von den Wenden dauernd gefährdete Grenzmark von 983 - dem Datum von Dietrichs Absetzung - bis auf diesen Zeitpunkt ohne feste Aufsicht geblieben wäre. Wir erfahren außerdem nichts von der Tätigkeit eines anderen Markgrafen. Diese Thietmar-Stelle darf keineswegs überfordert werden. Ein paar Sätze weiter bezeichnete Thietmar seinen Onkel wiederum nur als comes, wie er überhaupt in der Titulierung sehr willkürlich verfuhr. Lothars Stellung war nicht unbedeutend, was sich aus seinem Einfluß bei der Vorwahl zur Königswahl von 1002 ergibt, bei der seine Anwesenheit an erster Stelle unter den Reichsfürsten bezeugt wurde. Lothar stellte sich entschieden gegen die Ansprüche Ekkehards von Meißen, der Lothars Macht offensichtlich unterschätzte. Er trug nicht unwesentlich dazu bei, dass Heinrich von Bayern die Königswürde erhielt. HEINRICH bestätigte seinem treuen Anhänger Lothar Amt und Lehen. Lothars Einfluß bei HEINRICH II. war bedeutend. Er bewirkte zum Beispiel, dass HEINRICH II. seinen Oheim Richbert wieder in sein altes Grafenamt einsetzte. Wie weit die feindselige Haltung gegen Ekkehard I. von Meißen einer rein persönlichen Feindschaft entsprang, läßt sich nicht feststellen. Lothar hatte sich um enge Beziehungen zu dem mächtigen Markgrafen bemüht und hätte gern Ekkehards Tochter Liudgard seinem Sohne als Gattin zugeführt, was ihm Ekkehard anfänglich zusicherte. Wahrscheinlich hatte Ekkehard in späteren Jahren ehrgeizige Pläne mit seiner Tochter vor. Er widersetzte sich der in Aussicht genommenen Ehe, so dass Werner Liudgard von Quedlinburg, wo sie zur Erziehung weilte, nach Walbeck entführte. Er konnte sie erst nach Ekkehards I. Tod im Jahre 1002 heiraten. Bei dem Aufenthalt HEINRICHS II. in Merseburg im Jahre 1002 befand sich Lothar in seinem Gefolge. Thietmar führte ihn hinter den beiden geistlichen Würdenträgern und den beiden Herzögen als Markgraf auf. Im folgenden Jahr starb er nach dem Genuß eines giftigen Trankes am 25. Januar 1003 in Köln, wo er auf seinen Wunsch bestattet wurde.
Die Beziehungen dieser ostsächsischen Familie zum Westen Deutschlands waren auffallend stark, ohne dass man sie hinreichend erklären könnte. Lothars Bruder Siegfried und dessen Sohn Thietmar hielten sich nachweisbar in Köln auf. Durch Siegfrieds Gattin Kunigunde, die mütterlicherseits aus dem Geschlecht der KONRADINER stammte, wurden Interessen der WALBECKER an Mittel- und Niederrhein geweckt. Markgraf Lothar befestigte die Beziehungen, indem er sich seine Gattin aus dem Westen holte. Auf Anraten OTTOS II., der ihn persönlich hoch schätzte, heiratete Lothar Godila, die Tochter eines (Grafen) Werner aus dem westlichen Teil Sachsens. Dieser Werner war wohl mit Graf Werner identisch, in dessen Grafschaft 955 Norddöllen (bei Vechta in Oldenburg) lag. Der Name Werner war um diese Zeit bei anderen sächsischen Adelsfamilien sehr selten. Godilas Familie gehörte dem hohen Adel an, was sich daraus erhellt, dass ein Verwandter Godilas und Werners (consobrinus) Bischof Wigfrid von Verdun (959-30.8.983) war. Godila schenkte ihrem Gatten Lothar im jugendlichen Alter von 13 Jahren einen Sohn, der nach seinem Großvater mütterlicherseits Werner genannt wurde. Aus der Ehe gingen außerdem die Kinder Bertold, Dietrich und Brigida hervor. Nach Lothars Tod heiratete sie nach 4-jähriger Witwenschaft ihren nahen Blutsverwandten (consanguineus) Hermann. Vermutlich war sie Godila laica, deren Todestag am 18. Juni im Chronicon S. Michaelis verzeichnet wurde. Sie fand wohl deshalb im Lüneburger Totenbuch Aufnahme, weil das Haus WALBECK mit der STADER Grafenfamilie verschwägert, und diese wiederum mit den BILLUNGERN versippt war.
Wenden wir uns zunächst Werner, dem erstgeborenen Sohn Lothars zu. Er war beim Tode seines Vaters noch unmündig. Seiner Mutter gelang es, durch Zahlung von 200 Mark Silber Lehen und Markgrafschaft ihres Gatten ihrem Sohne zu erhalten [Persönlicher Einwurf: Im Jahre 998 war Werner nach den einschlägigen Angaben mit 8 Jahren alt genug, um seine Braut Liutgard aus Quedlinburg zu entführen; beim Tode seines Vaters im Jahre 1003 war er dann wieder unmündig!!]. Lüpke betonte mit Recht, dass der "Kauf" einer Markgrafschaft den einzig belegbaren Fall dieser Art darstellte. Markgraf Werner wurde an vier Stellen von Thietmar als sein Neffe bezeichnet. Er trat in seiner Eigenschaft als Markgraf noch auffallender in den Hintergrund als sein Vater. Er verstand es nicht, das durch die erfolgreiche Wahlunterstützung hergestellte gute Verhältnis seines Vaters zu HEINRICH II. zu pflegen. Schon 1009 brach ein offener Konflikt zwischen ihm und dem König aus. Werner wurde auf Betreiben des Grafen Dedi wegen vieler Angelegenheiten beschuldigt, die uns aber unklar bleiben, weil Thietmar sie vielleicht sogar mit Absicht verschleierte. Werner hätte die königliche Gunst und seine Lehen verloren, wenn ihm nicht eine Krankheit und die Vermittlung des Pfalzgrafen Burchard zu Hilfe gekommen wäre. Die Feindschaft gegen Dedi steigerte sich noch im folgenden Jahre, als dieser die WALBECKER Burg Wolmirstedt (bei Magdeburg) einäscherte. In einem Racheakt stellte er Dedi bei Mose (in der Nähe von Wolmirstedt) und erschlug ihn. Dieser Mord hatte zur Folge, dass der König Werner auf dem Hoftag zu Pöhlde im gleichen Jahr sowohl die Mark als auch die dazu gehörenden Lehen wegen Friedensbruch absprach. Werner erlangte seine frühere Stellung nicht zurück. Das persönliche Verhältnis zum König verschärfte sich eher noch in den kommenden Jahren, als sich Werner 1013 verdächtig machte, ohne Erlaubnis des Königs mit Herzog Boleslaw von Polen verhandelt und gegen den König gewirkt zu haben. Vielleicht spielte Werner mit dem Gedanken, auf diesem fragwürdigen Wege wieder in den Besitz seiner alten Herrschaftsrechte zu gelangen. Als er der Aufforderung des Königs, vor ihm zu erscheinen, nicht nachkam, verfiel er der Acht, aus der er sich unter Einsatz von Geld und Allod löste. Außer durch unkluge politische Handlungsweise lenkte Werner noch durch einen erneuten Brautraub die Aufmerksamkeit auf sich. Wie bereits erwähnt, setzte er auf dem Wege der Entführung das Eheversprechen Ekkehards I. von Meißen in die Wirklichkeit um, konnte trotzdem aber Liudgard erst nach dem Tode seines Schwiegervaters (1002) als Gattin heimführen. Liudgard starb am 13. November 1012 an den Folgen einer Krankheit, die sie plötzlich in Wolmirstedt überfiel. Von Werner tief betrauert, wurde sie in Walbeck, der Familiengrabstätte, beigesetzt. Ihr Todestag steht im Merseburger Necrologium verzeichnet, vermutlich auf Veranlassung Thietmars von Merseburg, zu dem sie in besonders enger Beziehung stand.
Zwei Jahre nach ihrem Tode ging Werner erneut auf Brautschau aus und versuchte, auf dieselbe eigenwillige Weise die domna (Edelfrau) Reinhilde von Beichlingen zu gewinnen. Er zog sich bei diesem abenteuerlichen Unternehmen eine Verwundung zu. Er starb daran am 11. November 1014 und entging somit einer erneuten kaiserlichen Bestrafung. Sein Todestag steht im Merseburger Necrolog und im Lüneburger Totenbuch. Er wurde neben Liudgard bestattet. Außer Thietmar erwähnen nur zwei Diplome seinen Namen. Sie sind insofern von Wichtigkeit, als sie über die Grafschaften Aufklärung geben, die sich in der Hand der WALBECKER befanden. 1006 wurde Werner als Graf im Nordthüringgau erwähnt, wo Rodensleben (Kreis Wolmirstedt) in seiner Grafschaft lag. Diese Grafschaft erbte er wohl von seinem Vater. Die zweite Urkunde aus demselben Jahr bezeugte ihn als Grafen im Gau Belesem, der sich nordöstlich an den Nordthüringgau anschloß. Dieser Gau, in dem Arneburg lag, gehörte wohl ursprünglich nicht zum Walbecker Herrschaftsbereich. Anrechte auf ihn kamen wahrscheinlich durch Versippung an diese Familie, was in anderem Zusammenhange noch untersucht wird. In der Urkunde lautet sein Titel marchio, wie ihn einmal auch Thietmar nannte. Nach seiner Absetzung im Jahre 1009 hieß er nur noch comes. Als solcher wurde er in den Totenbüchern geführt, was seiner tatsächlichen Stellung zur Zeit seines Todes entsprach. Es ist nicht überliefert, ob er Kinder hinterließ. Allem Anschein nach blieb seine Ehe kinderlos.
Die WALBECKER erwiesen sich als Markgrafen nicht als mächtige und kraftvolle Persönlichkeiten. Trotz der lebhaften Kämpfe während ihrer Amtszeit stehen sie in der zeitgenössischen Geschichtsschreibung im Schatten. Es gelang ihnen nicht, die Marken zu befestigen und auszubauen. Schließlich wurden sie aus persönlicher Unzulänglichkeit und Verschuldung ihres Amtes enthoben.
Außer dem erstgeborenen Sohn Werner hatte Markgraf Lothar noch zwei weitere Söhne, was sich aus dem Bericht des Sächsischen Annalisten zum Jahre 1017 schließen läßt. Hier ist von Söhnen Lothars von Walbeck die Rede, und das zu einer Zeit, als Markgraf Werner schon längst gestorben war. Einer dieser Söhne war Graf Bertold, der als solcher ausdrücklich von Thietmar bezeugt ist. Bertold erhielt seinen Namen, der bisher in der WALBECKER Familie  und darüber hinaus in Sachsen nicht üblich war, von seinem Oheim, dem BABENBERGER Bertold, der vielleicht sein Taufpate war. Über Graf Bertold läßt sich aus Mangel an vorhandenen Quellen nur wenig aussagen. Thietmar berichtete, dass er als Anhänger des verhaßten Ehepaares Balderich und Adela an den Kämpfen um Munna im Clevischen teilnahm.
Ebenfalls Lothars Sohn war Dietrich, der an sechs Stellen von Thietmar als sein Vetter bezeichnet wird. Er war Mitglied des Magdeburger Domkapitels und wurde 1012 von den Kanonikern zum Erzbischof gewählt. HEINRICH II. lehnte jedoch seine Ernennung ab, vielleicht auf Grund der schlechten Erfahrungen, die er in den letzten Jahren mit den WALBECKERN gemacht hatte. Er ernannte ihn zur Entschädigung zu seinem Kaplan. Die Gesta der Erzbischöfe von Magdeburg charakterisierte ihn als einen vir secundum carnem nobilissimum und nannte ihn filius matertere Thietmari episcopi, was aber patrui heißen müßte, denn Dietrichs Vater Lothar war bekanntlich ein Vaters-Bruder Thietmars. Vermutlich ist er der Thiedericus subdiaconus, dessen Tod das Magdeburger Necrologium zum 30. Oktober meldet. Dietrich stand in gutem Verhältnis zum König, der ihn 1014 sogar mit einer diplomatischen Mission an den Böhmen-Fürsten Othelrich beauftragte.
Markgraf Lothar hatte wahrscheinlich auch eine Tochter, die Äbtissin des Laurentiusklosters in Magdeburg wurde. Thietmar erwähnte sie einmal als nepis mea Brigida. Sie war vermutlich mit der Brigida abbatissa identisch, deren Todestag im Magdeburger und Merseburger Totenbuch am 29. Januar verzeichnet steht.
Kehren wir nun zu Lothars Bruder, dem Grafen Siegfried von Walbeck, zurück. Er ist vom Sächsischen Annalisten (a. 979) als Sohn Lothars (II.) von Walbeck und Bruder des späteren Markgrafen Lothar bezeugt. Siegfried trat erstmalig 972 als junger, unverheirateter Mann - aber schon unter dem Titel eines Grafen - handelnd auf, als er an der Seite des Markgrafen Hodo gegen Herzog Miseco von Polen zu Felde zog und in der unglücklich verlaufenen Schlacht bei Zehden mitfocht. Siegfried kämpfte ebenfalls 983 in der Schlacht am Tanger gegen die Wenden, die - durch die superbia des Markgrafen Theoderich aufgereizt - aufständisch wurden. Bei der Aufzählung der Großen des östlichen Sachsens nahm er seinen Platz hinter dem Markgrafen, dem Grenzgrafen und dem Pfalzgrafen an letzter Stelle ein. 990 befand sich Siegfried in dem Heer, das die Kaiserin Theophanu zur Unterstützung Herzogs Miseco von Polen gegen Herzog Boleslav von Böhmen entsandte. Wiederum stand er am Schluß der aufgeführten Teilnehmer. Siegfried hatte ein unbedingtes Treueverhältnis zur Kaiserin Theophanu und diente ihr in Krieg und Frieden. Noch im gleichen Jahr stürzte er bei einem Unternehmen gegen Brandenburg vom Pferde. Seither wurde seine Gesundheit nicht mehr völlig wiederhergestellt. Schon am 15. März 991 ereilte ihn auf seiner väterlichen Burg Walbeck der Tod. Sein Todestag wurde im Merseburger und im Magdeburger Totenbuch verzeichnet. In dem ersteren fand er wohl durch seinen Sohn Thietmar Aufnahme. Siegfried von Walbeck wurde in keiner Königsurkunde bezeugt. Es besteht jedoch darüber kaum Zweifel, dass er ein Grafenamt bekleidete. Thietmar bezeichnete ihn nämlich ausdrücklich an drei Stellen als comes. Seine Grafschaften lagen wohl im östlichen Sachsen nahe der Grenze, was wir aus seiner häufigen Teilnahme an den Kämpfen schließen dürfen. Thietmar legte ihm deshalb mit Recht die ehrenvolle Bezeichnung defensor patriae bei.
Graf Siegfried war mit Kunigunde vermählt. Sie war eine Tochter des Grafen Heinrich des Kahlen von Stade. Thietmar gab sie als seine Mutter an und somit erweist sie sich als Gattin Siegfrieds, den Thietmar an drei Stellen seinen Vater nannte. Seine Mutter hatte nach dem Tode ihres Gatten einen schweren Stand gegen ihren Schwager Lothar. Mit dem Tode ihrer Schwiegermutter Mathilde, die nicht zuletzt aus Gram über den Verlust ihres Sohnes starb, setzte die Erbauseinandersetzung ein, da Lothar und Siegfrieds Nachkommen zu gleichen Teilen erbten. Lothar versuchte, Kunigunde um das Erbe zu bringen. Es bedurfte des kaiserlichen Eingreifens, um sie wieder in ihren rechtmäßigen Besitz zu setzen. Leider führte Thietmar die strittigen Erbgüter nicht näher auf. Kunigunde starb als Witwe am 13. Juli 997. Ihren Todestag gibt das Merseburger Necrologium wieder, in dem sie als Gräfin verzeichnet steht.
Als Kinder Siegfrieds und Kunigundes führte der Sächsische Annalist auf: Siegfried, den Bischof von Münster, Bruno, den Bischof von Verden, Thietmar, den Bischof von Merseburg, Graf Heinrich und Friedrich, den Burggrafen von Magdeburg. Dieselbe Reihenfolge der Kinder brachten die Magdeburger Annalen. Schwerlich entsprach diese Reihenfolge ihrem natürlichen Alter.
Heinrich übernahm den Magdeburger Annalen zufolge die Grafschaft seines Vaters und war mithin auch der älteste Sohn. Die Lage der Grafschaft wird nicht näher lokalisiert. Vermutlich lag sie im Nordthüringgau. Graf Heinrich von Walbeck trug den Namen seines mütterlichen Großvaters, Graf Heinrich von Stade. Er wurde vom Sächsischen Annalisten als Sohn Siegfrieds von Walbeck und an drei Stellen von Thietmar als sein Bruder bezeichnet. Durchgängig führte er den comes-Titel. 998 unterstützte er zusammen mit seinem Bruder Friedrich den Vetter Werner bei der Entführung Liudgards aus dem Stift in Quedlinburg nach Walbeck. 1002 starb seine Gemahlin unbekannten Namens und unbestimmter Herkunft. Sie erhielt durch Thietmar ihre letzte Ruhestätte. 1004 beteiligte er sich an dem Feldzug HEINRICHS II. gegen Böhmen. Er setzte damit die Tradition der Familie fort, die seit Generationen ihre Aufgabe im Grenzdienst gesehen hatte. An dem zweiten abenteuerlichen Unternehmen seines Vetters Werner nahm er kaum teil. Er wurde nämlich 1014 beauftragt, das Strafverfahren gegen Werner einzuleiten, der sich auf dem Reichstag zu Allstedt verantworten sollte. Weitere Tätigkeit Heinrichs läßt sich nicht ermitteln. Es ist nur noch bekannt, dass er auf Bitten seines Bruders Thietmar und mit Einwilligung seines Bruders Friedrich sein Gut zu Thundersleben der Merseburger Kirche vermachte. Sein Todesjahr ist unbekannt. Vielleicht war er mit dem Grafen Heinrich personengleich, dessen Todestag am 25. November im Magdeburger Necrologium verzeichnet steht.
Graf Friedrich, der zweite Sohn Siegfrieds von Walbeck, wurde von Thietmar ohne jeden Titel, lediglich als sein Bruder, angeführt. Friedrich unterstützte seinen Vetter Werner bei dessen Unternehmungen. Vermutlich erst nach Thietmars Tod wurde er Burggraf von Magdeburg. Thietmar erwähnte ihn nicht in dieser Funktion. Die Magdeburger Annalen und der sächsische Annalist bezeugten ihn als praefectus Magdeburgensis. Die Hildesheimer Annalen führten ihn als comes auf. Er war mit einer Gräfin Thietberga vermählt, deren Herkunft unbekannt ist. Sie schenkte ihm einen Sohn namens Konrad, der seinem Vater im Burggrafenamt folgte. Mit Konrad starb dieser Zweig der Walbeckschen Familie im Mannesstamm aus. Seine Gattin Adelheid, die aus Bayern stammte, gebar ihm nur eine Tochter, Mathilde mit Namen.
Siegfried von Walbeck hatte außer den beiden Söhnen, die weltlich Ämter bekleideten, noch drei weitere Söhne, die hohe geistliche Würdenträger wurden.
Thietmar war der drittgeborene. Da sein Vater auf Grund seiner Aussage erst nach 972 heiratete, wurden Heinrich und Friedrich 973 und 974 geboren, so dass Thietmars Geburtsjahr um oder nach 975 zu setzen ist. Über Thietmars Leben sind wir durch seine Chronik ausführlich unterrichtet. Hier genügt es, die wichtigsten Stufen seiner Entwicklung festzuhalten: seine erste Erziehung erhielt er bei seiner Tante im Stift zu Quedlinburg, seine weitere Ausbildung erfolgte bei Abt Ricdag im Kloster Berge bei Magdeburg. Er trat dann in das Magdeburger Domkapitel ein. Im Jahre 1002 übernahm er die Propstei von Walbeck. 1009 wurde er zum Bischof von Merseburg ordiniert. Er verwaltete sein Amt bis zu seinem Tode am 1. Dezember 1018. Sein Todesjahr hielten die Quedlinburger Annalen fest. Sein Todestag steht im Merseburger und Lüneburger Necrologium. Auch die Magdeburger Annales gedachten seines Todes (a. 1019)
Eine besonders herzliche Zuneigung verband Thietmar mit seinem jüngeren Bruder Siegfried, dem er seine Chronik zueignete. Siegfried, der den Namen seines Vaters erhielt, wird ausdrücklich von Thietmar als sein Bruder bezeichnet. Er kam zur Erziehung in das Kloster Berge bei Magdeburg und wurde dort 1009 Abt. 1010 intervenierte er für sein Kloster. 1012 ließ er dort eine neue Kirche bauen. Bis zum Jahre 1022 stand er dem Kloster als Abt vor. Darauf wurde er Bischof von Münster. Er starb am 27. November 1032.
Der jüngste Sohn Siegfrieds von Walbeck hieß Brun. Er wurde im Kloster Corvey erzogen. 1025 fand er seine Amtstellung als zweiter Nachfolger seines Bruder Siegfried als Abt des Klosters Berge und übernahm ungefähr gleichzeitig die Abtei Nienburg. 1034 erhielt er den Bischofsstuhl von Verden. Er starb am 20. August 1049.
Merkwürdigerweise wurde die einzige Tochter Siegfrieds und Kunigundes und Schwester Thietmars kein einziges Mal erwähnt. Wir sind nur auf das Zeugnis des Sächsischen Annalisten angewiesen, der als Tochter Siegfrieds von Walbeck ausdrücklich bezeugt, so dass keine Verwechslung mit einem anderen Grafen gleichen Namens möglich ist. Oda war mit quidam illustris Gozwinus de Valkenberh vermählt, dem sie zwei Söhne schenkte: die Grafen Gerhard und Goswin.
Graf Siegfried hatte außer den schon erwähnten Söhnen noch einen weiteren Sohn, den Thietmar fratrem meum ex patre nannte. Aus der Bemerkung darf man schließen, dass dieser Willigis ein unehelicher Sohn war; denn von einer früheren Ehe Siegfrieds ist nichts bekannt und außerdem überlebte ihn seine Gattin. Willigis fand Versorgung im Stift Walbeck und wurde 1009 von Thietmar zu seinem Nachfolger bestimmt.
Versuchen wir zu einem Ergebnis zu kommen. Die Familie der Grafen von Walbeck gehörte zu den angesehensten und edelsten Geschlechtern ihrer Zeit. Über ihre stammesmäßige Herkunft führte Thietmar selber aus: ex clara Thuringiae septentrionalis prosapie editus und legte somit ihr Kerngebiet  in den Nordthüringgau. Die Chronik der Bischöfe von Merseburg sprach von einer stirps perspicua. Thietmar betonte ebenfalls die hohe Abstammung. Durch Verschwägerung mit anderen angesehenen Familien vergrößerten sie ihre Macht. Sie gingen Familienbindungen mit den Grafen von Stade und späteren Markgrafen der Nordmark ein und waren über diese wieder den Grafen von Rheinfranken und dem sächsischen Herzogshaus der BILLUNGER sippenmäßig verbunden. Die Linie der jüngeren BABENBERGER und die Markgrafen von Meißen gehörten zu ihrem Sippenanhang, ebenfalls die Harzgrafen und die Grafen von Querfurt.
Nur wenige Urkunden geben Auskunft über ihre Herrschftsgebiete. Als ihre Grafschaften im Altland kommen vor allem der Nordosten des Nordthüringgaues und vielleicht der benachbarte Teil des Derlingaues in Frage. Zu denken wäre auch an den Nordrand des Harzgaues. Diese Vermutung stützt sich auf eine Intervention des Grafen Lothar von Walbeck, bei der er in der Liste der übrigen Fürbitter mit dem Harzgrafen Friedrich aufgeführt wird. Ihre starke Beteiligung am östlichen Grenzschutz dient ferner als Beweis dafür, dass ihr Aufgabenbereich in O-Sachsen lag. Ihre gräfliche Stellung stützte sich auf erheblichen Eigenbesitz. Das Chronicon der Bischöfe von Merseburg bezeichnete Thietmar - und damit seine Familie - als dives in predio (Besitz). Auf dem Stammsitz Walbeck wurde ein Kollegiatstift errichtet und reich mit Besitz ausgestattet. Die eine Hälfte des Stiftsbesitzes vererbte sich auf Markgraf Lothar, die andere auf die Söhne des Grafen Siegfried. Schon unter Lothar, dem Stifter von Walbeck, gehörten Santersleben und Gutenswegen zum Familienbesitz. Über die weiteren Besitzverhältnisse gibt uns Thietmar selber Aufschluß, der mehrmals auf seinen Eigenbesitz zu sprechen kommt. So erwähnte er seine curtis Rottwerslben (Klein-Rottmersleben an der Olve). Außerdem besaß er einen Hof in Eisdorf (bei Lützen) im Gau Chutizi. Die curtis Heeslingen (an der Oste bei Zeven), die er zu seinem Besitz rechnete, stammte schwerlich aus väterlichem Erbe. Sie lag im Herrschaftsbereich der Stader und wurde vermutlich von seiner Mutter als Heiratsgut zugebracht. Seine Brüder besaßen das Gut Tundersleben, das sie dem Bistum  Merseburg schenkten. Weiterer Eigenbesitz der Familie ergibt sich an Hand der Tradition, die ein nobilis Liuthardus nomine in dem Ort und der Dorfmark Harsleben (bei Halberstadt) in Ostfalen und im Harzgau verfügte. Allod der WALBECKER war ferner Nordgermersleben (bei Alvensleben). In ihrem Besitz befand sich auch Wolmirstadt. Allem Anschein nach wurde er bei der Erbteilung Lothar zugesprochen und vererbte sich auf seinen Sohn Werner weiter. Durch H.-D. Starkes Untersuchungen an Hand von Urkunden des 12. Jahrhunderts gilt als gesichert, dass ferner der Lappwald, ein bewaldeter Höhenzug in unmittelbarer Nähe Walbecks, ältestes Besitztum der WALBECKER war. Sehen wir uns die Lage der Güter auf der Karte an, so schält sich deutlich ein Schwerpunkt der Walbeckschen Herrschaftsstellung im Nordthüringgau im Raume nördlich von Magdeburg heraus. Ein zweiter Güterkomplex, der sich aus Mangel an Quellen nicht weiter differenzieren läßt, lag um ihren Stammsitz Walbeck an der Aller, also im Grenzraum von Nordthüring- und Derlingau.