Meinfried                                       Burggraf von Magdeburg
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um 1015-27.1.1080 gefallen
              bei Flarchheim
 

Sohn eines hessischen Edlen unbekannten Namens und der Thietberga, Witwe des Grafen Friedrich von Walbeck
 

Fenske Lutz: Seite 78
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

Auch den Burggrafen Meinfried von Magdeburg übergeht Lampert mit Schweigen, obwohl dieser, wie aus anderen Quellen zu erkennen ist, schon 1073 zur Adelsopposition gehörte. Meinfried hatte die Burggrafschaft als Amtsnachfolger seines älteren Halbbruders Konrad erhalten, der als Sohn des Burggrafen Friedrich, eines Bruders Bischof Thietmars von Merseburg, wohl als letzter Vertreter der männlichen Linie der Grafen von Walbeck zu gelten hat. Die Gattin Friedrichs, Thietberga, schloß nach dessen Tod eine zweite Ehe mit einem dem Namen nach unbekannten hessischen Adligen, der Meinfried entstammte. Da seine Mutter mit einem Bruder Thietmars von Merseburg verheiratet gewesen war, müßte ihr Sohn aus zweiter Ehe von der Zeitstellung her während des Sachsenaufstandes schon in vorgerückten Lebensalter gestanden haben. Seine Parteinahme auf sächsicher Seite läßt eine königsfreundliche Quelle, das Carmen de bello Saxonico, erkennen. Aus dieser geht hervor, dass Meinfried 1073 als Führer einer sächsischen Abordnung bevollmächtigt wurde, dem König die Forderungen der zum Aufstand entschlossenen Fürsten zu unterbreiten. Durch diesen Auftrag wird der Burggraf als angesehene Persönlichkeit innerhalb des sächsischen Adels ausgewiesen. 1080 verlor er in der Schlacht bei Flarchheim sein Leben. Die Vermutung, dass er bereits höheren Alters war, findet eine indirekte Bestätigung durch den Hinweis einer schwäbischen Quelle, der Burggraf habe sich damals bereits vom weltlichen Leben zurückgezogen, sei aber, veranlaßt durch die Aussicht auf den Erwerb einiger Güter, seinem Gelübde untreu geworden, so dass sein Tod als göttliche Strafe gewertet werden müsse. Von Meinfried ist ferner bekannt, dass er zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen hatte.

Bruno: Kapitel 52,117 Seite 92,204
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"Buch vom Sächsischen Kriege"

Denn einer Magd Gottes war vor dem Treffen durch ein Gesicht offenbart worden, daß kein Feind die Grenzen des Bistums werden überschreiten können, wenn man das Haupt des heiligen Sebastian, welches in dieser Stadt (Magdeburg) mit großer Verehrung aufbewahrt wird, um diese Grenzmarken tragen würde. Als sie solches dem Burggrafen Meginfrid, der Burggraf aber, bevor sie zum Kriege auszogen, in unserer Gegenwart unserem Erzbischof berichtet hatte, da ließen wir, nachdem die Schlacht schon geschlagen war, dieses Haupt, bevor der König kam, um alle Grenzmarken tragen, und erfuhren durch den Verlauf der Dinge, daß es sich wirklich so verhielt, wie die Maghd Gottes uns bvorher verkündigt hatte.
So kehrten also die Sachsen als Sieger heim [27.1.1080 Schlacht bei Flarchheim], und brachten, wie es sich gebührte, dem Geber aller guten Gabe Lob und Dank. Von unserer Seite aber fiel in jenem Treffen Meginfrid, der Burggraf von Magdeburg, von der anderen Folkmar und der Burggraf von Prag, und mit ihnen eine nicht geringe Anzahl von böhmischen und anderem Kriegsvolk.

Ludat, Herbert: Seite 59;390
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"An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa"

Da die Vermutung wohl richtig, daß Meinfried seinen Namen von einem sächsischen Taufpaten erhalten hat, möglicherweise - da der Name damals nur selten zu belegen ist - von dem Magdeburger Burggrafen Meinfried, der im Jahre 1080 gestorben war, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß Meinfried und sein jüngerer Bruder Pribislav in der Obhut der Stader Markgrafen in Magdeburg aufgewachsen sind [388 Das Wenige, was hierüber schon die ältere Forschung zusammengetragen hatte (insbes. B. Guttmann, F. Curschmann), findet sich jetzt ergänzt durch neuere meist gennealogische Beobachtungen, kritisch gesichtet bei H.-D. Kahl, a.a.O., Seite 588, n. 16, und Seite 594ff., besonders n. 4,19,35a und 48.].
[390 Über die Grafen von Stade vgl. das Buch von R. Hucke, a.a.O.; über Udo II. (+ 1082) und seine Söhne Heinrich III. (+ 1087) und Udo III. (+ 1106) vgl. insbes. Seite 29ff.; 32 ff.; über deren Rolle in der Reichspolitik Seite 84ff., zur Erobberung Brandenburgs Seite 88. - Hinzuweisen ist, daß die STADER offenbar die Erbschaft der WALBECKER angetreten haben und der Burggraf Meinfried von Magdeburg (+ 1079) mit ihnen nah verwandt war (vgl. Stammtafel bei R. G. Hucke). Über ihre rechtselbischen Allode, die aus sehr früher Zeit - schon vor der Mitte des 11. Jhs. - stammen, vgl. R. G. Hucke, a.a.O., Seite 189f.; und H.-D. Kahl, a.a.O., Seite 600, n. 35a.]
 
 
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 67 - Bruno: Das Buch vom Sächsischen Kriege. Übersetzt von Wilhelm Wattenbach, Phaidon Verlag Essen 1986, Seite 52,117 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen, Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977 Seite 78 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar 1995 Seite 59;390 -