Annalen von Magdeburg
********************
 

Das Jahr 968.

 
Die treffliche Königin Machtild, die Mutter der Kaiser, der Großen und Fürsten Herrscherin, der Armen und Bedürftigen Trösterin, die Erbauerin von Klöstern, wurde am 14. März den von ihr bisher um Christi willen mit Muttermilch ernährten Schafen dem Leibe nach genommen. Mit frommen Bestrebungen sehr geziert, hat sie - um aus Vielem Weniges hervorzuheben - von Gottesfurcht erfüllt, das Kloster der heiligen Bekenner Dionysius und Servatius erbaut, welches auf dem Quidilingeburger Berge liegt, ein zweites in derselben Stadt auf dem Königshofe zur Ehre des heiligen Apostels
Jakob und des Bekenners Wikbert, ein drittes für die heilige Gottesmutter Maria in Northusun, ein viertes in Aggeri [Enger] dem heiligen Dionysius, ein fünftes in Polithi [Pöhlde] wieder dem heiligen Servatius. Und obwohl sie die Verhältnisse aller Kirchen, welche sie entweder durch Boten besehen
lassen oder persönlich besuchen konnte, nach Kräften und mit aller Macht zu unterstützen sich bemühte, so ließ sie doch nicht ab, jene Klöster, welche wir eben nannten, mit allem Nützlichen zu pflegen, gleichsam mit innigerer Zuneigung und als wenn sie besonders zu ihr und ihrem Ruhme gehörten.
 
In demselben Jahre schied der ehrwürdige Bischof Bernhard [von Halberstadt] aus dem irdischen Lichte und an seiner Statt wird der Knecht Gottes Hildiward von der Geistlichkeit und allem Volke zugleich erwählt und zur bischöflichen Würde erhoben, ein Mann von größter Keuschheit und Liebe und  löblich in der über menschliches Maß gehenden Tugend der Demuth und Geduld. Dieses Hildiwards Vater Erich wollte mit einigen Genossen den Kaiser Otto zu Quidilingeburg um Ostern
tödten, und wurde auf seinen Befehl enthauptet. Den Grafen Liuthar aber, der an demselben Anschlag betheiligt war, wollte der Kaiser auch verderben, ließ sich jedoch durch die ihm befreundeten Fürsten erweichen und sandte ihn gefangen nach Bawarien zu dem Grafen Bertold, nachdem er ihm alle seine Habe genommen und weithin vertheilt hatte, auf ein volles Jahr. Nachher gewann er die Gnade des Königs und alle seine Habe mit vielem Gelde und einem Allod, das in  Sonterslewo und in Wodeneswege lag. Nachdem er aber sich so gegen seinen Herrn und König vergangen hatte, war er emsig darauf bedacht, diese Schuld zu sühnen, und erbaute ein Kloster in Walbizi zur Ehre der h. Mutter Gottes, indem er den Brüdern für ihr Bedürfniß an Nahrung und Kleidung den zehnten Theil seines Erbgutes überließ. 
Die Gemahlin dieses Grafen hieß Machthild; sie gebar ihm zwei Söhne, Sigifrid und Werinhar. Mit Sigifrid wurde Kunigund vermählt, die Schwester Heinrichs, Sigifrids und Udos [von Stade], welche im Kampfe zur See gegen die Northmannen besiegt und gefangen wurden. Diese gebar ihrem Manne fünf Söhne: Thietmar, Sigifrid, Bruno, Heinrich und Fritherich. Von diesen standen zwei, nämlich  Sigifrid und Bruno, der Abtei des heiligen Täufers Johannes in Magdeburg vor; nachher aber wurde Sigifrid Bischof der Münsterischen Kirche, Bruno der Verdener und Thietmar der Merseburger. Heinrich aber erhielt die Grafschaft des Vaters und Fritherich verwaltete die Burggrafschaft in Magdeburg.
 

Die Jahre 1009-1014.

 
1009. Der heilige Erzbischof Bruno, zubenannt Bonifacius, war zuerst Kanoniker von Sankt Mauricius in Magdeburg, dann nahm er Mönchskleidung an und kam zur Zeit desselben Kaisers nach Merseburg - - Der Vater desselben Bischofs hieß Bruno, die Mutter Ida, sein Bruder Gevehard. Gevehard erzeugte Burchard und Ida, Burchard erzeugte Gevehard, den Vater des Magdeburger Erzbischofs
Conrad. Ida aber gebar den Grafen Gevehard, den Vater des Kaisers Lothar. - - In demselben Jahre starb Alfker der Abt vom Kloster des heiligen Johannes des Täufers in Magdeburg, und ihm folgte dann, von derselben Genossenschaft erwählt, Sigifrid, des vorgenannten Bischofs Thietmar Bruder.
 
1012. In diesem Jahre wurde der Grund zur Kirche des heiligen Täufers Johannes in der Vorstadt von Magdeburg von dem Herrn Abte Sigifrid begonnen, im vierten Jahre seiner Weihe.
 
1014. Vielen erschien mitten im Tage ein Stern.
 

Die Jahre 1018-1021.

 
1018. Auf dem Berge des heiligen Täufers Johannes, welcher nahe bei Parthenopolis ist, ereigneten sich am 21. Juli in der Nacht des Sonntags sehr klägliche Dinge. Denn eine Lampe, welche im Schlafgemache der ehrwürdigen Brüder höher als gewöhnlich aufflackerte und alles in der Nähe ergriff,  verzehrte es mit gefräßiger Flamme, indem die daneben Ruhenden - o Jammer! es zu spät merkten. Als jedoch Alle schon solchem Verderben entronnen waren, verloren sie dennoch einen
von den Ihrigen, der um seine priesterliche Kleidung zu retten plötzlich umgekehrt war und in der Mitte des Feuers seine Sünden beichtete. Sein Name war Hemuco gewesen. Dann ergriffen die Flammen das vom Abte Sigifrid acht Jahre  hindurch mit schönstem Schmuck aufgeführte Münster, und erfüllten Alle mit großer Angst. Auch zwei Kapellen mit dem  Refectorium und den übrigen anstoßenden Wirthschaftsräumen  verzehrte das weit verbreitete Flugfeuer. Die Reste des  verbrannten Körpers sammelten die Brüder sorgfältig am nächsten Morgen und setzten sie bei seinen Vorgängern bei. Ihrem  abwesenden Abte zeigten sie das jämmerliche Ereigniß durch einen Boten an. Der ehrwürdige Abt rechnete das, was er erfuhr, seinen Fehlern an, und weil er es im Augenblicke nicht gut zu machen vermochte, ertrug er es mit ehrenwerther Stirne, indem er Sprach: "Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es  genommen; wie es dem Herrn gefiel, so ist es geschehen: der Name des Herrn sei gelobt!" In allen diesen Aengsten also hat der geduldige Vater mit seinen Lippen nicht gesündigt, noch irgend eine Thorheit gegen Gott geredet.
 
1019. Thietmar frommen Andenkens Bischof von Merseburg ging heim zu Christus und ihm folgte Bruno.
 
1021. Ekkehard, ein Mönch im Kloster des allerheiligsten Täufers Johannes, verlor von Lähmung befallen die Sprache.