Filippo Maria Visconti                   Herzog von Mailand (1402-1447)
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3.9.1392-13.8.1447
              Pesaro
 

2. Sohn des Herzogs Gian Galeazzo von Mailand aus seiner 2. Ehe mit der Katharina Visconti von Mailand, Tochter von Signore Barnabas
 

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1721
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Visconti, Filippo Maria, 3. Herzog von Mailand
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* 3. September 1392, + 13. August 1447

2. Sohn des Gian Galeazzo und der Tochter Bernabos, Caterina

Nach dem Tod des Vaters (1402) erbte er Titel und Grafschaft Pavia und die Signorie über Novara, Vercelli, Alessandro, Tortona, Verona, Vicenza, Feltre, Belluno,Bassano, Riva di Trento und die Ländereien jenseits des Mincio. Heftige Faktionslkämpfe nach dem Tod Gian Galeazzos schwächten die Regentschaftsregierung und beschleunigten die territoriale Aufsplitterung des Dominiums: Padua, Feltre und Belluno, Verona und Vicenza wurden von Venedig erobert, in anderen Städten versuchten die alten Familien, ihre Autonomie zurückzugewinnen. Um Pavia dem Herzogtum zu bewahren, setzte die Regentin Caterina Visconti 1403 dort ein, um, zumindest nominell, der effektiven Machtergreifung der Familie Beccaria und später des Facino Cane (1410) entgegenzuwirken. Nach der Ermordung Giovanni Marias durch eine Adelsverschwörung heiratete Filippo Maria auf Vorschlag getreuer Ratgeber die Witwe Facinos, Beatrice di Tenda, Gräfin von Biandrate, die zwar beträchtlich älter war, aber die Ländereien, das starke Söldnerheer und den Reichtum ihres Mannes geerbt hatte. Nach dem Sieg über BernabosSohn Astorre und seinen Enkel Giovanni Carlo, die inzwischen in Mailand die Herrschaft angetreten hatten, zog Filippo Maria am 16. Juni 1412 in die Stadt ein. Giovanni flüchtete zu Kaiser SIEGMUND, der danach trachtete, das lombardisache Herzogtum für das Reich zurückzugewinnen und einen Feldzug gegen Filippo Maria zu unternehmen, den er jedoch 1415 abbrechen mußte. Am 15. Februar 1416 erhielt Filippo Mariadie kaiserliche Legitimierung seiner lombardischen Titel und Privilegien und schritt zur Wiedergewinnung aller Teile seines Herrschaftsgebiets. Teils durch Rückeroberung, teils durch Kauf fielen Como, Lodi (1416), Vercelli, Trezzo d'Adda, Piacenza 1418), Cremona (1420), Parma, Reggio, Bergamo und Brescia wieder an dei VISCONTI-Herrschaft. Am 21. Dezember 1421 kapitulierte Genua vor Carmagnola. Kaiser SIEGMUND erkannte die Notwendigkeit von Handelsbeziehungen zwischen Mailand und den rheinischen Städten und zeigte sich in Geheimverhandlungen (1418) bereit, Filippo Maria Viscontials Herzog zu investieren. Obgleich die Allianz- und Friedensverträge Eingriffe des Herzogs jenseits der Linie Pontremoli-Crostolo ausschlossen, griff er als Antagonist von Florenz in Forli ein und eroberte das Zentrum der Signorie der Malatesta, Borgo Sansepolcro (1422-1424). Daraufhin unterstützten das - offiziell neutrale - Venedig und Amadeus VIII. von Savoyen Florenz (1426) und übertrugen Carmagnola die militärische Leitung der Allianz. Die Folgen der schweren Niederlage bei Maclodio (11. Oktober 1427) konnte Filippo Mariadurch ein Bündnis mit dem Herzog von Savoyen mildern (Abtretung von Vercelli 1427, wohl nie vollzogene Ehe mit dessen Tochter Maria). Filippo Maria Visconti, der von Kindheit an kränklich gewesen war, zeigte nun auch Anzeichen mentaler Störungen, die zwar seine politischen Fähigkeiten noch nicht beeinträchtigten, ihn aber zu einem normalen Leben unfähig machten. In dem Vertrag mit Venedig und Florenz geschlossenen Frieden von Ferrara (19. April 1428) trat der Herzog unter anderem Brescia und Bergamo an Venedig ab; Mailand wurde jede Einmischung in der Romagna und Toskana untersagt. Dennoch schickte Filippo Maria seinen besten Heerführer und Verlobten seiner legitimierten natürlichen Tochter Bianca Maria (von seiner Geliebten Agnese del Maino), Francesco Sforza, dem von Florenz bedrängten Lucca zu Hilfe (1430). Durch die Papstwahl des Venezianers G. Condulmer (Eugen IV.) konnte Florenz und Venedig eine massive Offensive gegen Filippo Maria Visconti organisieren, die mit dem zweiten Frieden von Ferrara (26. April 1433) endete. Fillipo Maria konzentrierte seine militärischen Operationen nun auf die Romagna, in der der Papst die Autorität des Hl. Stuhls nicht völlig durchsetzen konnte, und auf den Süden, wo er im Kampf um das Königreich Neapel anfänglich Rene von Anjou unterstützte, dann aber mit Alfons I. (V.) von Aragon ein Geheimabkommen schloß, das die Aufteilung Italiens in zwei große Einflußbereiche (Mittel- und N-Italien bis unterhalb von Bologna unter Fillipo Marias Herrschaft, der Süden unter Alfons) vorsah. Florenz und Venedig (mit Francesco Sforza als Kondottiere) bekämpften daraufhin den Mailänder Vorstoß (Barga 1437, Anghiari 1440) und unterstützte die ANJOU in Neapel. Die Unzuverlässigkeit seiner Heerführer zwang den Herzog zum Friedensschluß (Cavriana, 20. November 1441). Eine unbesonnene Schaukelpolitik trieb Filipo Maria Visconti in den letzten Regeirunsgjahren in die politische Isolation, so daß Venedig daran denken konnte, die Gebiete der VISCONTI-Herrschaft systematisch zu erobern. Als nach dem Sieg über die herzoglichen Truppen bei Casalmaggiore (1446) die Serenissima sogar Mailand bedrohte, rief der letzte, nunmehr schwerkranke, VISCONTI seinen Schwiegersohn zu sich, um den Bestand des Herzogtums zusichern.



Thiele, Andreas: Tafel 442
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

PHILIPP MARIA
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* 1392,  + 1447
 

Philippo Maria folgte 1402 als Graf von Pavia und formell als Vasall seines Bruders. Er war wohl begabter als dieser, hatte auch etwas vom typischen Mäzenatentum der Familie, war aber auch feige, brutal, verschlagen und sehr wankelmütig. Er wurde bis 1412 mit dem Bruder ganz unselbständig gehalten vom allmächtigen Regenten Graf Facine Cane von Biandrate, der sich große Teile des Herzogtums angeeignet hatte, 1412 starb und alles Philipp Mariavererbte, der aus taktischen Gründen dessen Witwe heiratete, um die Bürgerkriegspartei zu versöhnen. Er gewann unter anderem Varese, Cassano, Abiate, Vallassina, Vercelli, Alessandria und Tortona und schlug 1412/13 Onkel und Cousin zurück und errichtete, gewitzt vom Schicksal des Bruders und der Vorfahren, ein ausgeklügeltes Spitzel- und Polizeisystem und eine schlagkräftige Armee mit fähigen Heerführern. Er konnte als Meister der Verstellung gewinnend und liebenswürdig wirken und gewann nach und nach verlorene Gebiete zurück, unter anderem Asti, Lodi, Como, Cremona, Bergamo und 1421-1435 sogar Genua. Er erreichte nach geschicktem Taktieren die Anerkennung des Herzogtums durch Kaiser SIGISMUND, verbündete sich 1435 mit dem von Genua gefangengesetzten König Alfons V. von Aragon-Neapel, was zum Abfall des erbosten Genuas führte. Er geriet in den letzten Jahren gegen den Schwiegersohn, der in venezianischen Diensten kämpfte und zugunsten von Alfons V. enterbt wurde. Er verlor unter anderem Brescia und Bergamo, Feltre, Belluno, Vicenza, Verona und Padua hatte Venedig schon 1404/05 erobert. Er förderte Handel und Gewerbe und verbündete sich untraditionell mit Florenz gegen Venedig; Gegner waren auch die Malatesta, Savoyen und Montferrat. Da er keine Söhne hinterließ, starb mit ihm die Hauptlinie der VISCONTI im Mannesstamm aus.

  1. oo 1412
           BEATRIX LASKARIS-DI-VENTIMIGLIA
                   + 1412

Tochter des Grafen Wilhelm von Tenda, Witwe des mailändischen regenten Graf Facine Cane von Biandrate

  2. oo 1427
           MARIA VON SAVOYEN, Cousine
                     + 1469

Tochter des Herzogs Amadeus VIII. von Savoyen



    1412
  1. oo 2. Beatrice Laskaris di Ventimiglia, Tochter des Grafen Wilhelm von Tenda
      x        um 1370-13./14.9.1418 hingerichtet
                             Binasco

        1. oo Facine Cane Graf von Biandrate
                       -26.5.1412

  2.12.1427
  2. oo Maria von Savoyen, Tochter des Herzogs Amadeus VIII.
      x    1.1411- vor 22.2.1479
 
 
 
 

Kinder:
Illegitim  von Agnes del Maino, Tochter des Amrosius

  Bianca Maria
  um 1424-23.10.1468

 1441
  oo 2. Francesco I. Sforza Herzog von Mailand
           23.7.1401-6.3.1466
 
 
 
 

Literatur:
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Cleugh James: Die Medici. Macht und Glanz einer europäischen Familie. Bechtermünz Verlag 1996 Seite 48,53,61,73,76,80,85-90,94,98-102,238 - Decembrio, Piercandido: Leben des Filippo Maria Visconti und Taten des Francesco Sforza. Verlag Eugen Diederichs Jena - Hale John R.: Die Medici und Florenz. Die Kunst der Macht Belser Verlag Stuttgart - Zürich 1978 Seite 23,42 - Hoensch, Jörg K.: Die Luxemburger. Eine spätmittelalterliche Dynastie gesamteuropäischer Bedeutung 1308-1437. Verlag W. Kohlhammer 2000 Seite 239,265,275,285,287,291,293 - Hoensch, Jörg K.: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit 1368-1437. Verlag C.H. Beck München 1996 Seite 170,173,182,214,266,280,333,336-341,371-374,376,380,386,390,401,407,413-416,432,479,588 - Simon Kate: Die Gonzaga. Eine Herrscherfamilie der Renaissance. Verlag Kiepenhauer & Witsch Köln 1991 Seite 59 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 442 -