Unruoch I.                                       Graf in Alemannien 802
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    - nach 811 (817?)
 

Sohn des N.N.
 

Thiele, Andreas: Tafel 391
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

UNRUOCH
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    + als Mönch

Graf von Ternois

Aus altem fränkischen Reichadel mit Streubesitz, besonders in Schwaben und den Niederlanden. Er war eine wichtige kaiserliche Stütze und Missus.



Mitterauer Michael: Seite 140
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"Karolingische Markgrafen im Südosten."

Unruoch kennen wir als einen der Großen Kaiser KARLS. Sein Geschlecht gehörte zu den mächtigsten Alemanniens, dürfte aber, wie die meisten, die hier im 8. Jahrhundert Einfluß gewannen, ursprünglich fränkischer Herkunft gewesen sein. Im 9. Jahrhundert lag das Machtzentrum der Familie hauptsächlich in Italien, wo Unruochs Nachkommen durch lange Zeit die Mark Friaul verwalteten und schließlich bis zur Kaiserwürde aufstiegen.

Tellenbach Gerd: Seite 57
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"Der großfränkische Adel und die Regierung Italiens in der Blütezeit des Karolingerreichs." in: Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des Großfränkischen und frühdeutschen Adels

Unruoch muß einer der bedeutendsten Paladine KARLS DES GROSSEN gewesen sein. Denn er gehört zu den fünf fränkischen und sechs sächsischen Grafen,, die 811 an der fernen Eider einen Frieden mit den Dänen abschlossen und er bezeugte mit einigen anderen Magnaten das Testament des Kaisers.
Unruochs Nennung in der erwähnten sächsischen Geiselliste, seine Beziehungen zu Autchar und Alpkar aus Alemannien, die Vererbung von alemannischen Besitz durch seinen Sohn Eberhard macht eine Verflochtenheit der UNRUOCHINGER mit Alemannien sicher. Es ist sogar ernstlich zu beachten, daß Eberhards erstgeborener Sohn außer den langobardischen gerade die alemannischen, nicht etwa die fränkischen Güter erbte. Trotzdem soll nicht behauptet werden, daß die UNRUOCHINGER altalemannischer Herkunft sein müßten und ihre bedeutenden flämischen und nordfranzösischen Besitzungen erst Eberhards Heirat mit der karolingischen Prinzessin verdankten. Manches spricht dafür, daß sie ebenso wie Gerold, Cancor, Ruthard, Warin und gewiß noch viele andere im Zuge der fränkischen Durchdringung Alemanniens ins Land gekommen sind. Es ist möglich, daß nur Unruochs unbekannte Gattin aus einem in Alemannien ansässigen Haus stammte. Aber die UNRUOCHINGER müssen jedenfalls in Alemannien ziemlich stark verwurzelt gewesen sein.

Borgolte Michael: Seite 271
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"Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie."

UNROCH
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belegt als Graf 805/06

belegt als Lebender 817

Literatur:
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Stälin, Geschichte I 332 Nr. 5 - Simson, Jbb. Ludwigs des Frommen I 78,141 a. 2, II 300 - Abel-Simson, Jbb Karl der Große II 453,466 - Hirsch, Erhebung Berengars 33-43 - Tellenbach, Königtum und Stämme 45 - Scherzer, St. Gumbert zu Ansbach 99 mit A. 16 - Tellenbach, Der großfränkische Adel 57-60 - Hlawitschka, Franken in Oberitalien 121f. Nr. XVIII 133,136f. - Wenskus, Sächsischer Stammesadel 322f.,415 - Brunner, Oppositionelle Gruppen 80

Nach der 805/06 entstandenen Liste sächsischer Geiseln hat Unrocus comes den Westfalen Adalgaud, Sohn des Suigaut, in Verwahrung gehabt (Indiculus obsidum Saxonum 233; s. Art. RIHWIN). Da zahlreiche alemannische Große mit der gleichen Aufgabe betraut waren, darf man vermuten, auch Unroch habe in Kontakt zu Alemannien gestanden. Allerdings ist ein Sprengel für ihn nicht nachgewiesen.
Unroch gilt als bedeutender Magnat mit reichsweiten Beziehungen, der bei KARL DEM GROSSEN hohes Ansehen genoß (zum Folgenden Hirsch). Er muß sehr wahrscheinlich von einem jüngeren Unroch getrennt werden, der vielleicht zu seinen Söhnen gehörte und in Flandern lebte (vgl. Hirsch 36ff. mit Belegen). Bereits zwischen 786 und 800 (Scherzer, St. Gumbert zu Ansbach 114ff., mit Hinweis auf D KdGr Nr. 152; BM Nr.971: 794-800; zum Episkopat Berowelfs von Würzburg s. Lindner, Würzburg 218-221), und dann im Jahr 806 soll Unroch als Königsbote tätig gewesen sein (Capitula a missis dominicis ad comites directa 183, Datum nach Ganshof, Kapitularien 167, und Dems., Charlemagne et les institutions 371 A. 159, vgl. A. 163). 811 war er wohl beim Friedensschluß mit den Dänen an der Eider beteiligt (Annales Regni Francorum 134, Annales Maximiani 24), und im selben Jahr ließ KARL Unrochs Namen in seinem sog. Testament vermerken (Einhardi Vita Karoli Magni 41; vgl. Brunner). 817 wird Albgarius, Unrochi nepos, in kaiserlichem Dienst nach Dalmatien entsandt (Annales Regni Francorum 145). Albgar, den man als Neffen Unrochs betrachtet, darf mit dem gleichnamigen Grafen im Hegau identifiziert werden (s. Art. ALBGAR). Als Sohn Unrochs gilt nach einer Bemerkung der Vita Hludowici Imperatores (642 cap. 57 mit Note a, jetzt Tenberken, Die Vita Hludowici Pii auctore Astronomo 207, dazu Simson II 300) Berengar von Toulouse, der in Septimanien und der spanischen Mark agierte (Hirsch 35f., Brunner 80). Zu Unrochs Nachkommen rechnet man auch Eberhard von Friaul, den Vater Kaiser BERENGARS (Hirsch 37f.). Eberhard verfügt in seinem Testament von 867 unter anderem über Güter in Alemannien, die auf Unrochs Grafentätigkeit zurückgehen könnten (Cartulaire de l'abbaye de Cysoing 1-5 Nr.1).
Wohl kaum auf Unroch kann man den Eintrag Unruoch proavus Liutoldi comitis beziehen, der im Necrologium Zwifaltense (265) dem 18.11. zugeordnet ist (vgl. Scherzer; s. auch Liber Viventium Fabariensis pag. 141 = Piper, Libri Confrat. 392 col. 152, 1-2). Namenbelege im Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg (pag. 12, Ab; Cc; 28, De), die Scherzer mit Unroch in Verbindung gebracht hat, dürfen nicht als Personennachweise mißverstanden werden. Der von Scherzer ebenfalls angeführte Graf Unroch, dessen Tochter nach der Mainzer Fassung der Annales Fuldenses (105f.) im Jahr 887 von Liutward von Vercelli aus einem Frauenkloster von Brescia entführt worden sein soll, gehört einer anderen Generation an (vgl. zuletzt Schmid, Liutbert von Mainz und Liutward von Vercelli 44-46).
Die Stammeszugehörigkeit Unrochs und damit die Herkunft der UNRUOCHINGER ist umstritten. Außer fränkischem (Hlawitschka 171f., Ganshof, Charlemagne et les institutions) und schwäbischen Bezügen (vgl. Tellenbach; s.a. Art. ALBGAR) wird neuerdings eine sächsische Komponente betont (Wenskus).



Hlawitschka, Eduard: Seite 121,172
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962)"

Wenn er dabei Unroci nepos genannt wird, dann wird damit erwiesen, daß er mit der Familie der berühmten fränkischen UNRUOCHINGER in engsten Beziehungen stand. Da Alpcar aber - wie die zitierten Urkunden betonen - ex genere alamannorum war, und zwar der Sohn eines Autcherio de finibus Alamanniae, loco ubi nominatetur Lintzicavua (= Linzgau), kann nur seine Mutter eine Schwester Unruochs gewesen und die Nepos-Veerwandtschaft nur auf diese Weise zustande gekommen sein.
Den konretesten Anhalt für seine Stammeszugehörigkeit bietet noch immer die in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts verfaßte Translatio S. Calixti, in der vom vir nobilissimis Francorum natalibus oriuindus nomine Evrardus die Rede ist und die auch noch dadurch eine kräftige Stütze erhält, daß der Hauptteil der Besitzungen Eberhards in den fränkischen Kernlanden am Niederrhein lag und sein Ahn Unruoch auch in das westfränkische Kloster Sithui eintrat, während die alemannischen Besitzungen wohl aus der Zeit einer früheren Grafentätigkeit des alten Unruoch in Alemannien oder aus der Mitgift seiner Gemahlin gestammt haben könnte [7 Giselas Mutter Judith entstammte ja dem in Alemannien begüterten Hause der WELFEN. - Zur Herkunft Eberhards vgl. auch MG Poetae Lat. III Seite 220, nr. 67.].
 

Bühler, Heinz: Seite 772
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"Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze."

Die genannten Namen finden sich vorher alle im burgundischen Königshaus und dessen nächstem Verwandtenkreis. Das zwingt uns zu dem Schluß, daß sie durch Mathilde von Burgund vermittelt sind. Sie muß die Mutter der Brüder Egino und Rudolf gewesen sein, die die Burg Achalm erbauten. Damit findet der Eintrag im Totenbuch des Klosters Zwiefalten, wonach Graf Unruoch (ca. 790-811) der proavus des Klostergründers Liutold von Achalm sei, eine überraschende Bestätigung.
 
 
 
 

  oo N.N.
             -
 
 
 
 

Kinder:

  Berengar
         -   837 gefallen

  Eberhard Markgraf von Friaul
  um 810-   866

  Tochter
        -

  oo Suppo III. Markgraf von Spoleto
              - um 879

  Adalhard Abt von St. Amand und St. Bertin
          -   864
 
 
 
 

Literatur:
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Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 47,271 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 752/53,760,772,784/85,801,803,805,816/17 - Die Reichsannalen mit Zusätzen aus den sogenannten Einhardsannalen. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band V Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1974 Seite 98,110 - Einhard: Das Leben Karls des Großen. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band V Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1974 Seite 210 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 121,163,172 - Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963 Seite 140 - Stälin, Paul Friedrich: Geschichte Württembergs, Gotha 1882 Seite 332 - Tellenbach Gerd: Der großfränkische Adel und die Regierung Italiens in der Blütezeit des Karolingerreichs. in: Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des Großfränkischen und frühdeutschen Adels Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1957, Seite 57 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 391 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 322,415 -