Jahrbücher von St. Bertin: Seite 238
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in: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VI

Das Jahr 876.
 

Im Jahre des Herrn 876, am Tage der Geburt des Herrn, wurde Karl, nachdem er dem heiligen Petrus große und werthvolle Geschenke dargebracht hatte zum Kaiser gesalbt und gekrönt und als Kaiser der Römer ausgerufen. Am 5. Januar verließ er Rom und kehrte nach Papia zurück, wo er einen Reichstag abhielt. Und nachdem er Boso, den Bruder seiner Gemahlin, zum Herzog des Landes bestellt und mit der herzoglichen Krone geschmückt hatte, eilte er, ihn nebst den Kollegen, welche Boso sich selbst ausgebeten hatte, zurücklassend, über den Berg des Jupiter und das Kloster des heiligen Mauricius nach seinem Reich zurück, (um noch das Osterfest im Kloster des heiligen Dionysius feiern zu können. Als dies Richildis hörte, welche zu Silvacus weilte, brach sie sofort von da am 6. März auf, um ihrem Gemahl entgegen zu gehen und kam, in größter Eile reisend, über Remis, Catalaunis und Lingonas zum 14. März jenseit Vesontium an einen Ort, der Warnarii-Fontana heißt; mit ihr zusammen reiste der Kaiser nun) über die Städte Vesontium, Lingonas, (Catalaunis), Remis und die königliche Pfalz Compendium nach dem Kloster des heiligen Dionysius, und feierte daselbst das Osterfest. Hierhin ließ
er auch die Legaten des Papstes, nämlich Johannes, Bischof von Tuscanum, Johannes von Aritium und Ansegisus von Senones kommen und berief kraft päpstlichen Auftrags, auf den Rath jener und nach seinem Willen eine Synode auf die Mitte des Monats Juni nach Pontigo, wohin er sich über Remis und Catalaunis begab.

Nachdem der Kaiser aus Italien nach Francien zurückgekehrt war, nahm Boso mit Hülfe Berengars, des Sohnes von Everard, die Tochter des Kaisers Hludowich, Hirmengard, welche bei ihm sich aufhielt, auf betrügliche Weise zu seinem Weibe.