BERENGAR I.                               König von Italien (888-924)
-------------------                              Römischer Kaiser seit  915
840/45-7.4.924 ermordet               Markgraf von Friaul (873-924)
            Verona
 

Jüngerer Sohn des Markgrafen Eberhard von Friaul aus dem Hause der UNRUOCHINGER und der Gisela, Tochter von Kaiser LUDWIG I. DER FROMME
 

Lexikon des Mittelalters: Band I Seite 1933
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BERENGAR I., König von Italien 888-924, Kaiser seit 915
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ca 850/53-7.4.924
                Verona

Sohn des fränkischen Adligen Eberhard (Familie der UNRUOCHINGER), Markgraf von Friaul, und der Gisela, Tochter Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN, übernahm nach 874 das Amt des friaulischen Markgrafen und unterstützte die Ansprüche der ostfränkischen KAROLINGER auf die italienische Königswürde. BERENGAR, führender Parteigänger Kaiser KARLS III., ging 883 in kaiserlichen Auftrag erfolglos gegen Herzog Wido von Spoleto vor. Die Schwächung der karolingischen Herrschaft in Italien gewährte BERENGAR Freiraum zum Ausbau seiner Macht in Nordosten. Nach der Absetzung KARLS III. durch seinen Neffen ARNULF ("VON KÄRNTEN") ließ sich BERENGAR von seinem Anhang im Januar 888 in Pavia zum König erheben. Der Adel überging, wie in Burgund und in Westfranken, das Thronrecht der verbliebenen KAROLINGER, was indessen nicht als Negierung der Reichsordnung zu werten ist: So anerkannte BERENGAR 888 die Oberhoheit ARNULFS. Rasch entstand BERENGAR in der Person WIDOS VON SPOLETO ein überlegener Rivale. Nach einem Sieg über BERENGAR ließ sich WIDO 889 in Pavia zum senior et rex proklamieren, 891 von Papst Stephan V. zum Kaiser krönen, doch außerhalb der karolingischen Reichsordnung verharrend. Papst Formosus krönte WIDOS Sohn LAMBERT zum Mit-Kaiser. BERENGAR blieb in der Folge auf NO-Italien östlich der Adda beschränkt; seine Lage änderte sich erst mit dem Tod der Kaiser WIDO (894), LAMBERT (898) und ARNULF (899). Der Ungarneinfall 899/900, dem BERENGAR nicht gewachsen war, zog eine Erschütterung seiner Herrschaft nach sich: Die Großen riefen König Ludwig von der Provence ins Land und erhoben ihn 900 in Pavia zum König; doch glückte es BERENGAR 905, den Gegenspieler zu verdrängen. Damit war BERENGAR endlich alleiniger Herr in N-Iitalien; freilich beeinträchtigte der weit fortgeschrittene Feudalisierungsprozeß in seinem Regnum die Herrschaft. BERENGARS Bemühungen um die Kaiserkrone führten jedoch erst 915 zum Erfolg. Obwohl sich 915 der Herrschaftsbereich BERENGARS nicht erweitert hatte, hob die Zusammenarbeit mit dem neuen Papst Johannes X. BERENGARS politische Bedeutung auf eine höhere Ebene (Eingriff als Sachwalter karolingischer Interessen in Lüttich 920). Der Aufgabe des advocatus ecclesiae in karolingischer Tradition war sich BERENGAR wohl bewußt; er trachtete nach Erfüllung dieses Anspruchs, war diesem jedoch nicht wirklich gewachsen. Seine Stellung in N-Italien blieb gefährdet, zumal ihm König Rudolf II. von Burgund 922 das Regnum streitig machte (923 Sieg Rudolfs bei Fiorenzuola). Nach BERENGARS Ermordung in Verona fand das Kaisertum des Westens erst 962 mit OTTO I. eine Fortsetzung.



Brandenburg Erich: Tafel 1 Seite 2
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"Die Nachkommen Karls des Großen."

IV. 26. BERENGAR I., Markgraf von Friaul vor 875, König von Italien 888
-----------------------------  Kaiser 915 XII.
* wohl zwischen 850 und 860, + 924 7. IV.

Gemahlinnen:
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a) vor 890 3. XI. (ca 880)
Bertila, Tochter des Markgrafen Suppo von Spoleto
      + vor 915 XII.

b) Anna,  oIo vor 915 XII., unbekannte Abstammung
             + nach 936 V.

Anmerkungen: Seite 113
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IV. 26. Berengar I.
Sein Geburtsdatum ist nicht überliefert und kann nur ungefähr aus den sonstigen Lebensdaten erschlossen werden. Im Testament seines Vaters erhielt er Annappes (bei Lille), Hildina (bei Lüttich) und alle Besitzungen im Condroz. Er wird III. 878 (Jaffe 3123) noch als juvenis bezeichnet. Für die übrigen Daten siehe Dümmler, Gesta Berengarii. Zum Kaiser gekrönt wurde er kurz vor dem 8. XII. 915, siehe Schiaparelli Dipl. di Bereng. I n 108. Über das Todesdatum J. Becker in der 3. Auflage von Liutprands Antapodosis 69, Anm. 3.

Gemahlinnen:
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1. Bertila

oo vor 3.XI. 890, Schiaparelli n. 10, wahrscheinlich einige Jahre früher wegen der mutmaßlichen Geburtszeit ihrer Tochter. Gestorben nach 27.VII.910, Schiaparello n. 72, aber einige Zeit vor ihres Gatten Kaiserkrönung, da dessen zweite Gemahlin Anna in einer undatierten Urkunde (Sciaparelli n. 107) als Königin erscheint, also noch vor der Krönung vermählt gewesen sein muß. Die Urkunde von 916, Schiaparelli n. 113, in der Birtila als Kaiserin erscheint, ist wahrscheinlich gefälscht. Über Abstammung siehe Dümmler, Gesta Bereng. 27 und 101.

2. Anna

vermutlich vor 915 vm. (siehe oben) urk. zuerst 8.IX.920, Schiaparelli n. 129, zuletzt 936, Böhmer 1398. Previte Orton, Hist. Review 32, 336 stellt die Hypothese auf, daß Anna eine Tochter des LUDWIG BOSONIDES (VI, 6) aus seiner angeblich ersten Ehe mit einer byzantinischen Prinzessin gewesen sei. Die Begründung ist ganz unzureichend.

Ergänzungen (Werner):
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* 840/45, 874 Herzog in Friaul. [IV 27]



Werner Karl Ferdinand: Seite 452
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"Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation)" in: Braunfels Wolfgang: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben. Band IV

IV. 27.
Zu den Eheverbindungen zwischen UNRUOCHINGERN und SUPPONIDEN siehe Hlawitschka 300ff. und die Tafel 308.



Thiele, Andreas: Tafel 391
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

BERENGAR I. VON FRIAUL
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* um 845, + 924 ermordet

Sohn des Markgrafen Eberhard

BERENGAR I. folgte dem Bruder als Markgraf von Friaul und war eine treue Stütze der KAROLINGER. Seit 883 war er schroffer Gegner der WIDONEN um die italienische Königskrone. Er wurde nach dem Sturz Kaiser KARLS III., von der Kurie gefördert, von den Lombarden zum König von Italien erhoben und sah sich bald von seinem Gegner WIDO 888 bei Brescia und 889 an der Etsch besiegt. Nach jahrelangen Krieg kam es 896 zum Frieden, in dem BERENGAR nördlich der Etsch und östlich der Adda anerkannt wurde. Anders als WIDO erkannte er die Oberhoheit des ostfränkischen Königs ARNULF VON KÄRNTEN an und erhielt deshalb von diesem zeitweise militärische Hilfe. Nach dem Tode von Kaiser WIDOS Sohn LAMBERT (898) zunächst in Norditalien allgemein anerkannt, wurde er am 24.9.899 an der Brenta von den Ungarn geschlagen und zu Tributzahlungen gezwungen. Er verbündete sich später mit ihnen im Thronkrieg gegen Kaiser LUDWIG III. VON BURGUND, nahm ihn in Verona gefangen und ließ ihn blenden. Er scheiterte mit eigenen Kaiserplänen jahrelang an den Häusern TUSZIEN und SPOLETO, die die Straßen und Pässe nach Rom beherrschten. Er kam erst nach dem Tod der beiden Markgrafen 915 nach Rom und wurde von Papst Johannes X. zum Kaiser gekrönt. Er besiegte die Sarazenen, geriet ab 920 verstärkt gegen eine große Opposition unter dem Schwiegersohn und anderer Adelshäuser, die König Rudolf II. von Hoch-Burgund nach Italien riefen. BERENGAR siegte 921 in der Schlacht bei Brescia mit ungarischer Hilfe, unterlag aber 922 bei Fiorenzuola, wurde verjagt und auf Verona beschränkt. Bei einem Rückeroberungsversuch wurde er gefangengenommen und ermordet. Sein Kaisertum stellte eine völlige Entleerung dieser Würde dar, auch wenn er sich als Nachfolger KARLS DES GROSSEN (dessen Urenkel) sehen konnte.

  oo BERTILLA VON SPOLETO
               + 915 hingerichtet wegen angeblichen Ehebruchs

Tochter des Herzogs Suppo von Spoleto und Camerino



    880/90
  1. oo Bertila von Spoleto, Tochter des Herzogs Suppo
                 -   915 hingerichtet
                   wegen angeblichen Ehebruch

    915
  2. oo Anna
                   -   936
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Gisela
  880/85-13.6.910

 900
  oo Adalbert I. Markgraf von Ivrea
              -   923

  Bertha Äbtissin von S. Salvatore Brescia
        -   952
 
 
 
 

Literatur:
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Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 18-20,37,39,51 - Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 271 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen. Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 1 Seite 2,113 - Brunhofer, Ursula: Arduin von Ivrea. Untersuchungen zum letzten italienischen Königtum des Mittelalters. Arethousa Verlag Augsburg 1999 Seite 27,28,30,47,66,133,144,148,149,152,167,193,247, 290,309,319,323,349,373 - Bühler, Heinz: Adel, Klöster und Burgherren im alten Herzogtum Schwaben. Gesammelte Aufsätze. Anton H. Konrad Verlag 1997 Seite 121,144745,752/53,761,1031,1033 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 87,111,116-117 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 15,66,76,80,92, 178,183,221,276,313,324-326,361-365,369,371-373,414,423,432,505,507,533-535,600 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 81 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998 Seite 20,26 - Hlawitschka, Eduard: Die verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen dem hochburgundischen und dem niederburgundischen Königshaus. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte Burgunds in der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts, in: Schlögl, Waldemar und Peter Herde: Grundwissenschaften und Geschichte, Festschrift für Peter Acht; Kallmünz 1976 (Münchener historische Studien: Abteilung geschichtliche Hilfswissenschaften Band 15) Seite 32, 39-43 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1960 Seite 30,66,68-74,76-84,93,97,100-105,112,115-117,120,123,128,132-135,148,154, 156,162,167,171,176,178,183,186,190,193,196,199-201,209-211,226-228,230,237,241-243,247,250, 258,260,262,265,267,271,275-277,279-282,286,288,291,299,300,302,308 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 24,37,40,66,74,82-84,87,93,95,98,103,123,129,131,142,144,149,153-155,158,216 - Hlawitschka Eduard: Stirps Regia. Forschungen zum Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze. Festgabe zu seinem 60. Geburtstag. Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris Seite 134,144,169,183,196,207,210,222,249,255,270,284,303,561, 562 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 17,97,102,139 - Jahrbücher von Fulda. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VII Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1969 Seite 136,142-146, 164 - Jahrbücher von St. Bertin. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VI Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1972 Seite 238 - Jahrbücher von St. Vaast. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte Band VI Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1972 Seite 316 - Liudprands von Cremona: Werke in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. 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