Sohn des N.N.; Neffe des Grafen
Unruoch
Nach E. Hlawitschka Sohn des Grafen
Authecherius im Linzgau und einer Schwester des Grafen Unruoch
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Seite 1261
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Unruochinger
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Zum Geschlecht zählten ein Graf
Albger, der als kaiserlicher Missus und als Begleiter
(baiolus) einer Tochter König
Pippins von Italien fungierte, ein Graf
Berengar von Toulouse und Brioude (+ 835), ein Graf Unruoch
im westlichen Flandern mit seinem Sohn Abt Adalhard
von St. Bertin (+ 864), im gleichen Bereich auch ein
Graf Berengar zur Zeit KARLS
DES GROSSEN.
Borgolte Michael: Seite 46-48
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"Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer
Zeit. Eine Prosopographie."
ALBGAR
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belegt als Lebender 807 IX 11 - 842 VIII 26,
Hegau ?830 V 5)
Belege mit comes-Titel: W I Nr. 331, Das Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau 99A2
Literatur:
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Tumbült, Hegau 624f. - Schultze, Gaugrafschaften
177f. - Hirsch, Erhebung Berengars 34f. mit A. 6 - Knapp, Buchhorner Urkunde
211 - Bauer, Gau und Grafschaft 80f. A. 156 - Tellenbach, Der großfränkische
Adel 58-60 - Hlawitschka, Franken in Oberitalien 120-122 Nr. XVIII - Mitterauer,
Markgrafen 138-144 - Schieffer, Die Urkunden der Karolinger III 177 D Lo
I Nr. 66 - Werner, Adelsfamilien 133-137 - Schulze, Grafschaftsverfassung
104 - Prinz, Handbuch der bayerischen Geschichte I 368 - Brunner, Oppositionelle
Gruppen 30 - Borgolte, Geschichte der Grafschaften Alemanniens, Kap. IX
Die St. Galler Urkunde 331 von ?830 V 3, die Liegenschaften
im Hegau betraf (vgl. bes. Clavadetscher-Staerkle, Dorsualnotizen 78 f.),
enthält am Ende den Vermerk sub Alpkario
comite;
Albgar wird
daher als Graf im Hegau angesehen. Ob es allerdings eine eigene
Hegauer Grafschaft gegeben hat, ist ungewiß (s. Borgolte 202f.).
Weitere Nachweise Albgars konnten aus
alemannischen Urkunden nicht erbracht werden. Im Reichenauer Verbrüderungsbuch
steht ein Albker com(es) im Anlageteil
der NOMINA AMICORUM UIUENTIUM von ca. 824 (Erchanbald; vgl. Probleme einer
Neuedition 59). Er dürfte mit Albgar identisch gewesen sein.
Aus der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts sind aus anderen
Teilen des Frankenreiches Belege für einen gleichnamigen Grafen oder
titellosen Magnaten erhalten geblieben. Sie werden, mehr oder weniger zurecht,
auf
Albgar bezogen. In Mailand prozessierte
zwischen 820 und ca. 842 Alpcharius comes de
Alamania gegen den Diakon Ragipert und dessen Bruder Melfrit
und warf ihnen vor, sich unrechtmäßig seinen Besitz angeeignet
zu haben. Er unterstrich dabei seine Ansprüche durch Vorlage einer
Kaufurkunde aus der Zeit, als er baiolus Adelaide
filie (...) Pippini regis
gewesen war. Das Unrecht seiner Gegner stellt Alpcharius
(auch Albcharius) vor dem Grafen Leo, der das Gericht leitete, wie
folgt dar: (...) [mortuo] domno
Pippino
rege ambolavi cum predicta Aidelaida
in
Franciam ad domnum Carolum imperatorem,
et dum in eius servicio illic demorassem, sua mercede dedit mihi comitum,
et dum pro bis et ceteris palatinis serviis preocupatus venire in hac patria
licenciam non habuissem, tunc iste Ragipertus diaconus et Melfrit germanus
et advocatus eius introierunt et me desvestierunt malo ordine et contra
legem sine ullo iudicio de casis et rebus illis iuris meis (...) (Moroni
Stampa 19; I placiti Nr. 45 mit dem Textanfang: [Postea, dum per iussionem]
domno...). Dass die in der Urkunde genannten Güter tatsächlich
von Alpcharius rechtmäßig
erworben waren, scheint aus einer Verkaufsurkunde vom 11.9.807 hervorzugehen
(Moroni Stampa 17; Codex Diplomaticvs Langobardiae Nr. 84). Sie ist von
Draco
filius quondam Rodemundo für Halcheri ex Alamannorum genere,
filio
Autcherio de fingibus Alamanniae, loco ubi nominatur Lintzicauua
ausgestellt.
Der Name des Empfängers, der auch mit Haltcherius angegeben wird,
und die übereinstimmenden Ortsangaben stellen sicher, dass Dracos
Geschäftspartner der comes de Alamania
war. Allerdings wird
in der Gerichtsurkunde Rodulfus (der Sohn eines Ambrosius?) anstelle Dracos
genannt. Es ist deshalb zweifelhaft, ob Alpchar gerade die überlieferte
Verkaufsurkunde als Beweisstück vorgelegt hat. Nach dem Rechtsstreit,
in dem der Graf siegte, beschenkte Alpchar, offenbar aus dem zurückgewonnen
Besitz, wiederholt das Ambrosius-Kloster in Mailand. Am 2. April 842 handelte
in seinem Auftrag sein Bruder Autcheri (Codex Diploamticus Langobardiae
Nr. 145), am 26. August 842 ist er, Halcario (...) ex genere
Alamannorum (...) filius quondam Authecarii, selbst der
Aussteller (Moroni Stampa 20; Codex Diplomaticus Langobardiae Nr. 146).
Der mit dem Vater gleichnamige Bruder des Halcarius/Halcharius (so Facsimile
bei Moroni Stampa in der Schreiberzeile, anders die Transcription ebd.)
war als Zeuge zugegen.
Die Gleichsetzung des Alpcharius/Albcharius
etc.
mit dem im Hegau bezeugten Grafen, wie sie Bauer, Tellenbach und Hlawitschka
vorgeschlagen haben, ist philologisch gegeben möglich. Das Zweitglied
der in den italienischen Zeugnissen genannten Namen (mit Ausnahme des Halcarius)
muß zwar auf -hari/her zurückgeführt werden, während
-karius und -ker auf dem Namenwort -gair/ger beruht; aber Assimilationen
zwischen diesen so ähnlich lautenden Namengliedern sind leicht möglich
und auch sonst bezeugt. Die Vermutung der Identität stützt sich
auf die Bezeichnung Alpcharsals comes
de Alamania und die Angabe, er sei ex genere Alamannorum hervorgegangen.
Außerdem führt man an, dass Alpchar
für den Kaiser KARL Geleisteten
Dienst comitum, also sicher eine Grafschaft, erhalten hatte und dadurch
außerhalb Italiens festgehalten wurde. Einen weiteren wichtigen Hinweis
gibt ein Gedicht Walahfrid Strabos, des Dichters und Abts der Reichenau
(*ca. 808/09 bis + 849, s. Önner-Fors, Walahfrid 91); es ist für
eine dem hl. Martian geweihte Kirche in Tortona bestimmt gewesen, die der
comes
infimus Alpger erbaut hatte (Poetae latini II 409 Nr. 68).
Die Selbstaussage Alpchars über
seine Tätigkeit im Königsdienst wird anscheinend durch die Annales
Regni Francorum bestätigt; diese berichten zum Jahr 817 (S. 145),
dass Albgarius, Unrochi nepos,
mit Cadolah und einem Gesandten des Kaisers Leo,
Niciforus, zur Regelung von Streitigkeiten ins dalmatinische Grenzgebiet
geschickt wurde (vgl. Tenberken, Die Vita Hludowici Pii auctore Astronomo
81 cap. 27 = Vita Hludowici Imperatoris 621 cap. 27).
Insgesamt passen die zitierten Zeugnisse über einen
Grafen namens
Albgarius etc. so gut
zusammen, dass die Annahme einer Personenidentität gut begründet
erscheint, ohne freilich erwiesen zu sein. Albgarwäre
demnach am Beginn des 9. Jahrhunderts als Erzieher einer Tochter
König Pippins in Italien gewesen, von wo er vor oder nach
Juli 810, dem Todesmonat des Kaisersohnes (Werner, Nachkommen 443 Nr. II.
5), an den Hof KARLS gerufen wurde.
Er hätte verschiedene Aufgaben, unter anderem in Dalmatien, erhalten
und wäre dafür schließlich durch einen Comitat, der Grafenrechte
im Hegau eingeschlossen hat, entlohnt worden
Da Albgar außer
in Italien und Alemannien in Dalmatien tätig gewesen zu sein scheint,
hat man ihn auch mit dem dux oder comes
Albgarius/Albarius gleichgesetzt, der nach der Conversio Bagoariorum
et Carantanorum (50 c. 10 und 58 c. 3E) in Kärnten Helmwin abgelöst
hat (Tellenbach 58, Mitterauer 142, Prinz). Dieser Schluß scheint
mir nicht so gut begründet zu sein wie die anderen Identifizierungen,
weil aus den Reichsannalen nur hervorgeht, dass Unrochi
nepos im Südosten des Reiches einen Gesandtschaftsauftrag zu erfüllen
hatte (so auch Hlawitschka 121 A. 8). Gleichfalls bleibe hier offen, ob
Albgarjener
Alpcarius,
Getreuer
LOTHARS
I., war, der am 5.2.842 von dem Kaiser Mansen im Moselgau
und in der Grafschaft Woevre als Geschenk erhielt (D Lo I Nr. 66; Wie hier
Brunner, Schiffer, Hlawitschka 121 A. 8, Hirsch; anders Mitterauer 142,
Tumbült).
Der nach Dalmatien entsandte Albgar
gehörte zur Verwandtschaft eines Unruoch. Das nach diesem benannte
Geschlecht der UNRUOCHINGER
könnte
nach den präsentierten Quellen in engen Beziehungen zu Alemannien
gestanden haben. Ungeklärt ist allerdings, ob Albgar
ein Bruder- oder ein Schwestersohn Unruochs gewesen ist (s. Tellenbach
59 mit A. 105 unter anderem gegen Hirsch). Hlawitschka, der die UNRUOCHINGER
für ein fränkisches Geschlecht hielt, entschied sich für
die zweite Möglichkeit; er wies auf die bereits zitierte Aussage einer
Urkunde hin, dass Albgaraus alemannischem
Geschlecht hervorgegangen und der Sohn eines Autcherius gewesen
sei, der im Linzgau lebte. Diese Argumentation ist nicht zwingend, da Albgar
wohl auch dann als Alemanne gelten konnte, wenn erst sein Vater nach dem
Bodenseegebiet gekommen war. Die zu Hlawitschka gegenteilige Auffassung
hat Werner vertreten (Adelsfamilien; vgl. Wenskus, Sächsischer Stammesadel
415). Er glaubte,
UNRUOCHINGER mit dem Namen Albgars
und
dem seines Vaters auch in der Touraine und im Gebiet um Mainz nachweisen
zu können und schloß deshalb, bereits Autcherius müsse
mit Unruoch blutsverwandt gewesen sein. Werners Beweisgang wird
aber erheblich durch einen Irrtum auf namenkundlichem Gebiet entwertet.
Der Name Odalharius in einer Fuldaer Urkunde im Urkundenbuch des Klosters
Fulda I Nr. 193) ist nämlich keineswegs mit Alpcharius etc. identisch;
Haltcherius, Aicherius, Alpicharius oder Albgar
lassen sich nicht, wie Werner schreibt (133), auf die Wurzel Adalcharius
zurückführen (so bereits Wenskus, Sächsischer Stammesadel
271 A. 2426; s. auch Art. AUDRACUS).
Mitterauer (141f.) hielt auch den vor Albgar
im Norden des Hegaus bezeugten Grafen Ruachar (I, II) für einen
UNRUOCHINGER
und
nahm an, die beiden Grafen hätten sich in der Verwaltung am Hochrhein
zwischen 810 und 830 abgewechselt. Die eine Vermutung begründete er
mit der vermeintlichen Identität der Zweitglieder beider Namen, für
die andere legte er keine Argumente vor. Hirsch wies auf einen Eintrag
mit UNRUOCHINGER-Namen im Gedenkbuch von St. Gallen hin (pag. 13
= Piper, Libri Confrat. 30 col. 57, 19-31); ob der an letzter Stelle stehende
Alpger
Albger bezeichnen sollte, läßt sich nicht sicher
entscheiden.
817.
Die Gesandten Abdirahmans, des Sohnes des Sarrazenenkönigs Abulaz, kamen von Cäsaraugusta her, um über einen Frieden zu verhandeln, sie wurden vom Kaiser in Compendium empfangen und dann ihm voraus nach Aachen sich zu begeben geheißen. Hier empfing er den Gesandten des Kaisers Leo, Niciforus mit Namen, der um der Dalmatiner Sache willen aus Konstantinopel hergeschickt war; weil nun aber Cadolah, in dessen Bereich die Sache jenes Grenzvolkes gehörte, nicht anwesend war, in kurzem jedoch erwartet wurde, so hieß man ihn bis zu dessen Ankunft verweilen. Als er nun eingetroffen war, wurde zwischen ihm und dem kaiserlichen Gesandten über die von dem letzteren vorgebrachten Klagen verhandelt; weil aber die Sache sehr viele Römer sowohl als Slaven anging, und sie ohne deren Beisein nicht abgemacht werden zu können schien, so wurde die Beschlußnahme darüber bis dahin verschoben und zu diesem Zweck mit Cadolah und dem kaiserlichen Gesandten des Unroch Neffe Albgar nach Dalmatien abgeschickt. - Auch die Gesandten Abdirahmans, die bereits an ihrer Rückkehr verzweifeln wollten, erhielten ihren Abschied, nachdem sie drei Monate hingehalten worden waren.
Die Söhne Godofrids, des Dänenkönigs, schickten wegen der unausgesetzten Angriffe, die sie von Heriold zu bestehen hatten, eine Gesandtschaft an den Kaiser und ließen um Frieden bitten, der auch von ihrer Seite gehalten werden solle; weil man dieß aber mehr für Heuchelei als für aufrichtigen Ernst hielt, so kümmerte man sich als um leere Worte nichts darum und gewährte im Gegentheil dem Heriold Beistand gegen sie. - Am fünften Februar war in der zweiten Stunde der Nacht eine Mondfinsterniß und im Zeichen des Schützen erschien ein Komet.
Inzwischen starb Papst Stefanus ungefähr am 25. Januar, noch nicht volle drei Monate nach seiner Rückkehr nach Rom. Zu seinem Nachfolger wurde Paschalis erwählt; sobald er die feierliche Weihe erhalten hatte, sandte er an den Kaiser Geschenke nebst einem Entschuldigungsschreiben ab, in welchem er betheuerte, daß ihm die päpstliche Würde nicht allein ohne seinen Willen, sondern sogar trotz seines entschiedenen Widerstrebens aufgedrungen worden sei. Durch eine zweite Gesandtschaft stellte er sodann die Bitte, daß der mit seinen Vorgängern abgeschlossene Vertrag auch mit ihm in Kraft bleiben und bestätigt werden möchte. Dem Ueberbringer dieser Botschaft, dem Nomenclator Theodorus, ward seine Bitte gewährt.
Als der Kaiser am Gründonnerstag nach Beendigung des heiligen Amts die Kirche verließ, fiel der hölzerne Säulengang, durch den er ging, da er aus schlechtem Stoff gebaut war und die bereits morsch und faul gewordenenBalken, welche das Bretter- und Täfelwerk trugen, das Gewicht nicht mehr auszuhalten vermochten, gerade als der Kaiser durchging, plötzlich zusammen und warf ihn mit mehr als zwanzig Menschen, die ihn begleiteten, zu Boden. Die meisten trugen von diesem Unfall schwere Verletzungen davon, dem Kaiser geschah weiter nichts, als daß er sich mit dem Griff des Schwerts, das er umgürtet hatte, die linke Seite der Brust unten quetschte, sein rechtes Ohr hinten verwundet und auch sein rechter Schenkel von einem schweren Stück Holz an den Weichen verletzt wurde. Jedoch durch die eifrige Sorge der Aerzte, die ihn behandelten, ward er sehr schnell wieder ergestellt. Denn zwanzig Tage bereits nach diesem Unfall reiste er nach Neumagen und lag der Jagd ob. Nach seiner Rückkehr von da hielt er wie gewöhnlich den großen Reichstag zu Aachen; hier krönte er seinen erstgeborenen Sohn Hlothar und theilte mit ihm den Namen und die Gewalt des Kaisers, die andern Söhne nannte er Könige und setzte den einen über Aquitanien, den andern über Baiern.
Als er nach dem Schluß des Reichstags in den Vogesuswald zog, um da zu jagen, begegneten ihm die Gesandten Kaiser Leo's; er empfing sie im Palast zu Ingilenheim bei Mainz, und als er hörte, daß ihre Botschaft keine andere sei, als die, welche erst vor kurzem Niciforus als Gesandter desselben Kaisers überbracht hatte, entließ er sie bald wieder und reiste weiter wohin er wollte.
Als darauf der Abfall der Abodriten und des Sclaomir ihm gemeldet wurde, ließ er durch einen Gesandten nur den Grafen, die zum Schutz des Landes an der Elbe ihren Sitz hatten, den Befehl zugehen, die ihnen anvertrauten Grenzen zu sichern. Die Ursache des Abfalls war, daß Sclaomir die königliche Gewalt, die er seit dem Tode Thrasko's bis jetzt allein unter den Abodriten ausgeübt hatte, mit Thrasko's Sohn Ceadragus theilen sollte. Dieß erbitterte ihn so gewaltig, daß er erklärte, er werde fortan nie wieder über die Elbe gehen und bei Hofe erscheinen. Er ließ sofort eine Gesandtschaft über die See zu den Söhnen Godofrids abgehen, schloß Freundschaft mit ihnen und bestimmte sie, ein Heer in das überelbische Sachsen einrücken zu lassen. Auch kam ihre Flotte die Elbe herauf bis vor die Feste Esesfeld, und verwüstete das ganze Gestade der Stör; zugleich zog auch Gluomi, der Befehlshaber im nordmannischen Grenzbezirk, mit seinem Fußvolk und den Abodriten zu Lande vor die Feste. Da jedoch die unsrigen tapfern Widerstand leisteten, standen sie von der Belagerung ab und zogen wieder davon.
Als der Kaiser inzwischen aus dem Wasgau von der Jagd nach Aachen zurückkehrte, wurde ihm berichtet, daß sein Neffe Bernhard, der König von Italien, von einigen schlechten Menschen verführt, damit umgehe, sich unabhängig zu machen; er habe bereits alle nach Italien führenden Pässe, die Klausen stark besetzt und sich von allen italienischen Städten huldigen lassen, was zur Hälfte wahr, zur Hälfte aber falsch war. Um diese Bewegung zu unterdrücken bot der Kaiser augenblicklich aus ganz Gallien und Deutschland ein zahlreiches Heer auf und rückte in Eilmärschen nach Italien. Da verzweifelte Bernhard an seiner Sache, zumal da er sah, wie seine eigenen Leute tagtäglich ihn verließen; er legte die Waffen nieder und ergab sich dem Kaiser in Cavillio. Ihm folgten auch seine Anhänger, streckten die Waffen und ergaben sich nicht nur, sondern legten auch gleich bei dem ersten Verhör von freien Stücken den ganzen Verlauf der Sache offen dar. Die Häupter dieser Verschwörung waren Eggideo, der nächste Freund des Königs, sodann sein Kämmerer Reginhard und Reginhar der Sohn des Grafen Meginhar, dessen Großvater von mütterlicher Seite Hardrad sich einst in Deutschland mit viel Edeln dieses Landes gegen den Kaiser Karl verschworen hatte. Noch viele andere hochgestellte und vornehme Männer stellten sich als Mitschuldige heraus, darunter auch die Bischöfe Anshelm von Mailand, Wolfold von Cremona und Theodulf von Aureliani.
Hlawitschka, Eduard: Seite 120-122
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"Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien
(774-962)", in: Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte Band VIII
XVIII. ALPCAR
zählt zu den angeseheneren Adligen Oberitaliens der
Zeit KARLS DES GROSSEN und König
Pippins. Als baiolus der Tochter König
Pippins Adelheid - also als Erzieher, Beschützer und Hofmeister
einer karolingischen Prinzessin - war
er nach Italien gekommen. Wie er in einer undatierten Gerichtsurkunde aus
den Jahren zwischen 820 und 840 erklären ließ, habe er damals
verschiedene Besitzungen im Gebiet südlich des Lago Maggiore, in den
Comitaten von Seprio und Stazzona, gekauft. Doch als er darauf mit der
Prinzessin einmal zu KARL DEN GROSSEN
an den Hof gekommen sei, habe dieser ihm eine Grafschaft übertragen.
Durch dieses Amt und durch andere Pfalzdienste beansprucht, habe er aber
nicht mehr nach Italien und zu seinen Besitzungen kommen können. Er
verlangte nun seine Güter, die von zwei Brüdern widerrechtlich
besetzt wurden, wieder zurück. Seine Ansprüche stützte er
auf die Kaufurkunde vom 11. September 807, die uns glücklicherweise
erhalten ist. - Erhalten ist weiterhin die Urkunde, mit der er nach gewonnenem
Prozeß am 26. August 842 seine umstrittenen Güter dem Mailänder
S. Ambrosiuskloster übertrug, nachdem er schon am 9. April des Jahres
einige dieser Besitzungen durch seinen Bruder Autkar der Gewalt
jenes Klosters hatte unterstellen lassen.
Die Grafschaft, die Alpcar nach seinem Italieneinsatz
von KARL DEM GROSSEN erhielt, lag nicht
in Italien, sondern in Alemannien. Comes de Alemannia wird
er in der Gerichtsurkunde genannt; es findet dazu auch eine im Hegau sub
Alpcario comite ausgestellte Urkunde.
Versuche der italienischen Forschung, Alpcar auf
der Grundlage eines von ihm bei Walahfried Strabo (auf der Reichenau) bestellten
Gedichtes zu einem Grafen von Tortona zu erklären, müssen zurückgewiesen
werden. Alpcar bekannte in der Gerichtsurkunde ausdrücklich:
venire
in hac patria (= Italien) licenciam non habuissem. Das für
eine Kirchenschrift bestimmte Gedicht dagegen besagt nur, daß Alpcar
den hl. Martianus, Bischof von Tortona in der Zeit
Kaiser
Hadrians, zum Patron für eine von ihm erbaute Kirche auserkor;
es besagt nicht, daß die Kirche in Tortona erbaut wurde, noch gar,
daß Alpcar Graf von Tortona war, wenn es heißt:
Martianus praesul Terdona
primus in urbe
moribus et meritis inclitus
emicuit.
.............................................
Huis in obsequium sancti
comes infimus Alpger
hanc aedem extruxi auxiliante
Deo,
laudibus ut Domini societur
palma patroni
illius ut meritis dona superna
metam.
Die Beziehungen Alpcars zu Italien in der Spanne
zwischen seiner "Versetzung" nach Alermannien und der Rückkehr zur
Abhaltung des Prozesses entwickelten sich auf der Ebene von palatinis
serviciis. So wurde er etwa nach dem Zeugnis der Annales regni Francorum
817 als Königsbote nach Friaul und Dalmatien gesandt [8
Ann.
regni Franc. ad 817, Seite 145. - Ob er auch identisch ist mit dem Albgarius,
der im Libellus de conversione Bagoar. et Carantan. (MG SS XI Seite 11
und 15) als zweiter comes von Kärnten genannt wird,
oder mit dem fidelis Alpcarius, dem Kaiser
LOTHAR am 5. Februar 842 Land im Moselgau und im Gau Woevre
zu freien Eigen schenkte (BM² nr. 1091), lasse ich unentschieden.].
Wenn er dabei Unroci nepos genannt wird,
dann wird damit erwiesen, daß er mit der Familie der berühmten
fränkischen UNRUOCHINGER in engsten Beziehungen stand. Da Alpcar
aber - wie die zitierten Urkunden betonen - ex genere alamannorum
war, und zwar der Sohn eines Autcherio de finibus Alamanniae,
loco ubi nominatur Lintzicavua (= Linzgau), kann nur seine Mutter eine
Schwester Unruochs gewesen und die Nepos-Verwandtschaft nur auf
diese Weise zustande gekommen sein [11 So schon P. Hirsch, Erhebung
Berengars Seite 34, wo auch die Nennungen Alpkars in den alemannischen
Verbrüderungsbüchern verzeichnet sind. Unentschieden läßt
diese Frage G. Tellenbach, Der großfränkische Adel Seite 58ff.].
Literatur:
-----------
Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer
und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen
1986 Seite 46-48,214,271 - Borgolte Michael: Geschichte der
Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen
Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 - Das Leben
Kaiser Ludwigs vom sogenannten Astronomus. Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte
Band V Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1974 Seite 298 - Die
Reichsannalen mit Zusätzen aus den sogenannten Einhardsannalen. Quellen
zur karolingischen Reichsgeschichte Band V Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Darmstadt 1974 Seite 111 - Hlawitschka, Eduard: Franken, Alemannen,
Bayern und Burgunder in Oberitalien (774-962), in Forschungen zur Oberrheinischen
Landesgeschichte Band VIII Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau
1960 Seite 26,34,36,39,120-122,163,194,219,278 - Hlawitschka Eduard:
Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton
Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 55 - Mitterauer Michael: Karolingische
Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte
Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963 Seite 138,144
-ellenbach Gerd: Der großfränkische Adel und die Regierung Italiens
in der Blütezeit des Karolingerreichs. in: Studien und Vorarbeiten
zur Geschichte des Großfränkischen und frühdeutschen Adels
Eberhard Albert Verlag Freiburg im Breisgau 1957, Seite 58 -