Friedrich von Stade                        Ministeriale des Grafen von Stade
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    -13.4.1135
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 961
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Friedrich von Stade
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     + 13. April 1135

Ministeriale des Grafen von Stade (westlich Hamburg, heutiges Niedersachsen)

Entstammte von mütterlicher Seite einer Familie von Eigenleuten des Grafen von Stade, stieg - wie sein Bruder Ulrich - durch Verwaltungsdienst auf und wurde um 1095 vom Grafen Luder Udo III. mit der Verwaltung der Grafschaft beauftragt. War ein Versuch Ulrichs, den unfreien Stand des Ministerialen abzuschütteln, an einer Sentenz des Hofs HEINRICHS IV. gescheitert, so konnte Friedrich während der Minderjährigkeit Heinrichs IV. (+ 1128)in Konkurrenz zu Lothar von Süpplingenburg, gestützt auf König HEINRICH V., seine Stellung ausbauen und den König zur Einberufung eines Gerichtstages über seine Standeszugehörigkeit gewinnen (1111/12). Auf diesem von Markgraf Rudolf von Stade und Herzog Lothar gefangengenommen, wurde Friedrich im Juni 1112 von HEINRICH V. in Salzwedel befreit und lebte lange am Königshof im Exil, bis er - inzwischen Verbündeter LOTHARS - 1124/25 seine Stader Herrschaft zurückerhielt. Die Freiheit wurde ihm spätestens von LOTHAR nach dessen Königswahl (1125) verliehen. Wohl 1128 erfolgte - wahrscheinlich auf königliche Initiative - die Belehnung mit der Grafschaft Stade durch deren Lehnsherrn, Erzbischof Adalbero von Hamburg-Bremen. Eine in diesem Zusammenhang erwähnte Zahlung Friedrichs an den Erzbischof dürfte die Ablösung von Herrenrechten an seiner Person bezweckt haben. Friedrich ist ein früher Fall der Verwaltung einer Grafschaft durch eine unfreien Dienstmann; Verwandte Friedrichs sind im 12.-13. Jh. als Stader Ministeriale bezeugt.

Quelle:
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Albert von Stade, Annales Stadenses, MGH SS 16, 1859, 320-323.

Literatur:
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R. G. Hucke, Die Gf.en v. Stade (900-1144), 1956, 92ff, 104f. - A.E. Hofmeister, Besiedlung und Verfassung der Stader Elbmarschen im MA I, 1979, 190ff.


Hildebrand Ruth: Seite 38-41
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"Herzog Lothar von Sachsen"

1106 war das stadische Fürstenhaus in einer nicht sehr glücklichen politischen Situation. Luder-Udo III. (gestorben 1106) hinterließ nur einen männlichen Erben, den erst 4-jährigen Heinrich, für den der Onkel Rudolf die Vormundschaft übernommen hatte. Außerdem scheint die Doppelrolle als Graf von Stade und Markgraf der Nordmark für seine Inhaber recht schwierig geworden zu sein. Die dauernden Auseinandersetzungen mit dem Bremer Oberlehnsherrn und der Kampf gegen die angriffslustigen slawischen Stämme, beides war zuviel. So hatte sich schon unter Luder-Udo III. ein Ministerialengeschlecht in der Grafschaft Stade unentbehrlich gemacht, Enkelsöhne adliger englischer Frauen, die, durch Schiffbruch an die stadische Küste getrieben, unfrei geworden waren. Die Knaben wurden von den Grafen erzogen und schließlich als Dienstleute in der Verwaltung eingesetzt. Der bedeutendste unter ihnen, Friedrich erhielt schließlich die Verwaltung der gesamten Grafschaft übertragen. Unter dem jungen Markgrafen Heinrich versuchte er, selbstbewußt wie er war, von König HEINRICH V. die Freiheit zu bekommen. Doch da schaltete sich plötzlich Lothar ein. Albert von Stade begründete die Antipathie, die er dem Ministerialen entgegenbrachte, damit, daß dieser sich in den vorangegangenen Kämpfen besonders rücksichtslos gegen ihn verhalten habe. Ein gefährlicher Mann also, der dem Herzog bedrohlich werden könnte, in der Vogtei Bremen genauso wie in seinem Land Holstein. Gerade hatten die Slawen Lothars Lehnsgrafen Gottfried erschlagen, den er sofort durch Adolf von Schaumburg ersetzte. Jederzeit hätte sich hier auch Friedrich feindlich einschalten können. So veranlaßte Lothar, den Erzbischof, Friedrich als Hörigen in Anspruch zu nehmen und damit mattzusetzen. Es kommt zum Königsgericht in Rahmstorf. Erzbischof Friedrich mit Lothar, Rudolf mit seinem Neffen Heinrich sind anwesend, Friedrich mit seiner robusten Gefolgschaft von Königstreuen. Man fürchtet, der Spruch werde zugunsten Friedrichs ausfallen. Ehe noch die Gerichtsverhandlung zuende ist, nehmen Rudolf und Lothar den Ministerialen plötzlich gefangen, schleppen ihn nach Salzwedel und halten ihn dort in Haft. Ein Gewaltakt - das Recht wird gebeugt. 33 Jahre später wird Lothars Enkelsohn Heinrich der Löwe unweit von Rahmstorf, in Ramelsloh, wiederum das Recht brechen und den bremeischen Erzbischof und dessen Propst Hartwig von Stade aus der Gerichtsversammlung heraus gefangennehmen. Friedrich wird aber von HEINRICH V. beschützt, der eine sehr hohe Summe für seine Freilassung bezahlt. Er befreit ihn und behält ihn längere Zeit an seinem Hof. Das Fürstengericht zu Goslar spricht den beiden Missetätern ihre Ämter als Herzog und Markgrafen ab, Lothar und Rudolf unterwerfen sich und erhalten ihre Ämter wieder. Das geschieht in der 1. Hälfte des Jahres 1112.
Als Friedrich schließlich nach Stade zurückkehrt, kann er seine neue Machtstellung unter dem Schutz Lothars wieder aufbauen, trotz des Widerstandes Rudolfs und seines Neffen Heinrich. Heinrich führt später nur noch dem Namen nach die Grafschaft Stade, und als er 1128 stirbt, belehnt Erzbischof Adalbero Friedrich direkt mit der Grafschaft. Lothar bietet - so berichtet Albert von Stade -"totius ducatus Saxoniae vires" für Friedrich auf. Der ehemalige Feind wird mit einem Male zum Bundesgenossen, der sich dem Größeren unterordnet. Lothar baut mitten im Bremischen die Burg Bremervörde. Ist es wirklich ein neu in Anspruch genommenes Herzogsrecht, das Lothar hier dem Grafen von Stade gegenüber durchsetzen will?
Der Ministeriale Friedrich war ein reicher Mann, der aus seiner Grafschaft herausholte, was er konnte. Schließlich war die Stadt Stade deren wesentlichsten Teil er besaß, den beherrschenden Burgberg, die Wik als den Treffpunkt mehrerer Straßenrouten und den Hafen vor Lübeck und Hamburg. So ist zu vermuten, daß Geld und nicht Land für LOTHAR die wichtigste Rolle spielte. Das könnte aus Folgendem geschlossen werden: als LOTHAR 1136 seinen zweiten italienischen Feldzug vorbereitete, sei er - so berichtet Albert - nach Harsefeld gekommen und habe das Geld, das Friedrich jenem Kloster vor seinem Tode 1135 vererbt habe, nämlich 600 Mark Silber, von dem Altar der Heiligen Maria weggenommen. Es ist sicher, daß, als der König 1136 in Harsefeld erschien, der eigentliche Herr der Grafschaft, Rudolf II., bereits vom Bremer Erzbischof neu belehnt worden war. Was also LOTHAR 1136 in Harsefeld tat, war offensichtlich ein Affront gegen den STADER.
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Magdeburg ad a. 1112 - Annalista Saxo: Reichschronik Seite 45,97,120 - Chronik des Albert von Stade - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit, Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979 Seite 187 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Vierter Band Staufer und Welfen. Braunschweig 1877 Seite 112 - Hildebrand Ruth: Herzog Lothar von Sachsen. Verlag August Lax Hildesheim 1986 Seite 38-41 - Hucke, Richard: Die Grafen von Stade 990-1144, Stade 1956 Seite 92,104 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 26,270 -