Chronik des Albert von Stade
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Jahr 1093.
 

 . . . . . Dies ist aber die Ursache der Empörung. Kaiser Heinrich begann mit abscheulicher Bosheit seine Frau, die Wittwe Uto's, von welcher wir oben berichteten, zu verfolgen, so daß er sogar, was zu sagen eine Sünde ist, verschiedene Leute anstiftete, sie zu entehren; endlich befahl er seinem eigenen Sohn Chonrad, den er schon gekrönt hatte, zu ihr zu gehen. Dieser, vor einer solchen Schandthat  zurückscheuend, sagte: "Nein, Herr, denn ich bin Euer Sohn und jene Eure Frau." Und der König sagte: "Du bist nicht mein Sohn, sondern der Sohn eines Fremdlings." Es war aber ebenderselbe Chonrad einem gewissen Fremdling, einem Fürsten aus Suevien, sehr ähnlich. Die Königin endlich  entwich aus der Haft, ging nach Italien zu jener sehr mächtigen Mechtilda und in deren Geleit zum Papst Urban, dem sie ihr Leid flehentlich auseinander setzte. Der Papst aber, ergriffen von der Anschuldigung eines so abscheulichen Verbrechens, bannte den Kaiser von Neuem. Die Königin aber kehrte nach Rucia zurück, trat in ein Kloster und wurde endlich Aebtissin. - Zu jenen Zeiten glänzte Anselm, Bischof von Cantuaria. Dieser verabscheute Heinrich, wie auch die übrigen katholischen, er nannte ihn in einem Briefe den Nachfolger Neros und Julians des Apostaten gegen den Stellvertreter Petri.
 

Das Jahr 1112.
 

Zu ebenderselben Zeit erhob Eilmar der Jüngere, Graf von Aldenburg, Sohn des Eilmar und der Rikence, der Tochter der Ida von Elsthorpe, Anspruch an die Erbschaft ebenderselben Ida gegen die Fürsten von Stade, Markgraf  Udo und seinen Sohn Heinrich, welche ebendieselbe Erbschaft,  so lange sie lebten, in Ruhe besaßen. Aber Graf Friderich enthob ihn jenes Anspruches. Denn jene Ida, eine edle Frau aus Suevia gebürtig, welche im Dorfe Elsthorpe wohnte, hatte eine Erbschaft, welche noch jetzt die Erbschaft der Ida genannt wird. Sie war die Tochter eines Bruders Kaiser Heinrichs III, auch eine Tochter der Schwester des Papstes Leo, welcher auch Bruno genannt wird.

Diese heirathete Lippold, Sohn der Herrin Glismodis, und gebar Oda, Nonne von Rinthelen, welche sie nachher vom Kloster ablöste, indem sie an Stelle der Tochter das Dorf  Stedethorp bei Heslinge gab, und sie gab sie dem König von Ruzien, dem sie einen Sohn Warteslaw gebar. Aber nach dem Tode des Königs ließ Oda eine sehr große Summe Geldes an geeigneten Orten vergraben, kehrte nach Saxonien mit dem Sohne und einem Theile des Geldes zurück und ließ die Arbeiter tödten, damit sie nicht plauderten. Und sie heirathete Jemand und gebar ihm die Tochter Aliarina, die Mutter des  Grafen Burchard von Lucken, welchen nachher der Landgraf Hermann von Winzenburg mit List tödtete, da er sein Vasall war. Warteslaw aber regierte, nach Ruzla zurückberufen, für den Vater und erlangte vor seinem Tode das Geld wieder, welches seine Mutter verborgen hatte.

Es hatte auch Ida einen Sohn, den Grafen Ecbert, welchen der erste Markgraf Udo zu Wistede bei Elstorpe tödtete, obwohl er sein Verwandter war. Ida aber, der Erben beraubt, ging nach Rom zu ihren Oheim, dem Papste Leo, und mit heilsamen Erinnerungen, ihren Schuldnern die Schuld zu vergeben, von ihm versehen, kehrte sie nach Elsthorpe zurück; sie vergab Udo die Schuld an dem Tode ihres Sohnes völlig und setzte, um ruhiger ihre Besitzungen genießen zu können, den Udo selbst zu ihrem Erben ein, indem sie ihn an Sohnesstatt annahm, er hingegen übergab der Ida auch von seiner  Erbschaft 300 Hufen zum Besitz, so lange sie lebte, nämlich den Hof Tuschensen, den Hof Otfredhessen, den Hof Hulsinge, den Hof Wasten, den Hof Binnen, den Hof Rotholvingenhusen, den  Hof Sclime, den Hof Ride und außerdem Geld; für einen Theil dieses Geldes, nämlich für 5O Mark, verpfändete er Frogersen und Frankenburstold der Kirche zu Heslinge, welche dieselben noch auf Grund ebendesselben Titels besitzt.
Ida aber hatte außer Lippold zwei Männer, nämlich den Grafen Dedo, und den Grafen Etheler den Weißen, von denen jeder in Tithmarschia getödtet ist, als er dort Graf war. Der eine von ihnen erzeugte von der Ida die Tochter Rikence, welche der Graf Eilmar von Aldemburg heirathete und mit  welcher er einen Sohn Eilmar erzeugte, wie oben gesagt ist. Gleichfalls gebar Ida die Akarina, Mutter Burchards von Lucken. Ebenfalls war ein Sohn der Ida Burchard, Dompropst von Trier, welcher hernach zum Erzbischof gewählt ist. Dieser erbaute ein Gebäude aus Stein in Elsthorp.

Als daher Ida gestorben war, kam die Erbschaft an vorbemeldeten Udo, den ersten Markgrafen, dem dieselbe auch noch aus einem anderen Grunde gebührte. Denn da Niemand von ihrem Geschlechte jene Erbschaft im langen Zeitraum der Jahre für sich forderte, fiel sie in den Rechtsbereich der königlichen Gewalt und gelangte so an die Bremer Kirche, und vorgenannter Udo trug die Grafschaft Stade von der Bremer Kirche zu Lehen; diese Grafschaft umfaßte jene Erbschaft. Daher besaßen dieselbe die vorbenannten Fürsten, Odo der erste und der zweite, und der Sohn des zweiten, Heinrich, ohne allen Widerspruch bis zum gegenwärtigen Jahre des Herrn, in welchem Jahre nämlich Eilmar der jüngere von Aldenburg dieselbe forderte, und von Friderich, welcher die Grafschaft Stade von den oft genannten Fürsten in Verwaltung hatte, nachdem ein Vergleich hinsichtlich der Sachen ihrer Herren stattgefunden, mit seinem Anspruche abgefunden wurde.

Denn die Großmutter und Mutter dieses Friderich erlitten auf der Seefahrt von Anglia in der Grafschaft Stade Schiffbruch und gemäß der Strenge des alten Rechtes fielen sowohl Menschen als Sachen der königlichen Gewalt anheim. Die Frauen wurden in das Gemach der Odo, der Frau des ersten Udo, gebracht. Und die Mutter heirathete einen gewissen, von dem sie drei Töchter hatte, von denen eine den Warding von Blitherstorpe gebar, den Vater Wernos, Waldings und Tezos von Lindena, und die Mutter des Sicco, welcher der Vater Hermanns von Poppenburstolde und Roperts Mulen war. Die andere gebar den Aldo, Vater des Bertold von Elme und Arnolds von Beveren, und den Vater des Arnest von Emelenthorpe und Baldwins von Horechthorpe. Die dritte aber heirathete Reinold, er erzeugte mit ihr die Söhne Friderich und Olrich, die Töchter Odilia, Aebtissin in Heslinge,  und Rocele, welche den Waldesthorpe heirathete. Die Söhne aber wurden in menschenfreundlicher Weise von den Herren erzogen und den Herangereiften die Verwaltung und Leitung  gewisser Höfe übertragen.

Zu dieser Zeit waren drei Bischöfe von Danien im Begriff, jenes Land zu durchziehen; sie führten viel Geld bei sich, und nachdem sie selbst mit allen ihren Begleitern von besagten Brüdern in der Albia ertränkt waren, wurde das Geld geraubt, und wiewohl jene deshalb den Zorn Gottes verdient hätten, bereicherten sie sich dennoch sehr mit vergänglichem Gut. Friderich entzog sich zu Lebzeiten sowohl des ersten wie des  zweiten Udo niemals dem Joche seiner Lage, daher wurde er zur Verwaltung der Grafschaft Stade berufen, für welche er sich wegen seiner Geschicklichkeit und Tüchtigkeit geeignet erwies. Olrich aber brüstete sich in den Tagen des zweiten Udo als Freier und ging an den Hof des Kaisers Heinrich; als Udo ihn bei dem Kaiser zu Goslaria gesehen hatte, forderte er einen  Urtheilsspruch, ob er für sich erlaubter Weise seinen Knecht in Anspruch nehmen könnte, wo er ihn fände. Und als der Spruch gefällt war, daß er es könnte, gab er dem Olrich eine heftige Ohrfeige. Daher wurde der Kaiser aufgebracht und man eilt zu den Waffen, aber wegen der Gleichheit der  Parteien wird der Streit mit Leichtigkeit beigelegt. Auf Veranlassung jener Brüder hatte der erste Udo Ecbert, den Sohn der Ida, getödtet. Nach dem Tode Olrichs badete die Aebtissin von Heslinge, seine Schwester, in der Badstube, und da sie den Kamm vergessen, befiehlt sie der Magd, denselben herbeizuholen. Jene kehrt zurück und sagt zitternd, Olrich säße in der Badstube und ein Ethiope kämme ihn mit jenem Kamme. Die Herrin stieß Drohungen aus und befahl den Kamm herbei zu  holen. Jene ging zurück, wurde aber später ebendaselbst todt aufgefunden. Zuletzt starb der zweite Udo, er hinterließ einen Knaben Heinrich, und unter diesem begann Friderich nach der Freiheit zu streben, da er ja sehr reich geworden und die Verwaltung der Grafschaft und aller Besitzungen des Knaben in  seiner Hand war. Er begab sich daher zu Kaiser Heinrich dem Letzten und gab ihm vierzig Mark Gold, welche er alle mit anderen Sachen den drei ertränkten Bischöfen abgenommen haben soll, damit er seine Freiheit in der Grafschaft, der er vorstand, durch ein Zeugniß beweisen könne.

Der Herzog Luder aber war ihm feindlich, weil derselbe sich, als er einst Udo mit Krieg überzog, ihm tapfer entgegengestellt hatte. Es veranlaßte daher der Herzog den Erzbischof von Bremen, daß er selbst den Grafen Friderich als Hörigen seiner Kirche wieder in Anspruch nehmen möge, denn in der  Grafschaft der Bremer Kirche sind die Großmutter und die Mutter desselben auf Grund des Schiffbruchs der Hörigkeit zugesprochen. Es schickte daher der Kaiser in diesem Jahre des Herrn zur  Behandlung dieser Sache seinen Boten, und nachdem in Radolvesthorpe ein Hoftag angesetzt war, kamen daselbst der Erzbischof Friderich mit dem Herzog Luder, Graf Rodolf mit dem Sohne seines Bruders, dem Knaben Heinriche und Graf Friderich mit seinen Zeugen, Bauern nämlich, die er zu jedem Eide bringen konnte, zusammen. Daher führte Graf Rodolf, welcher einen so lange besessenen Gegenstand einem leichtfertigen Zeugnisse nicht aussetzen wollte, da er mit starker Schaar gekommen war, Friderich gefangen fort und hielt ihn in Saltwedele im Gefängniß, bis der Kaiser, um nicht in  schimpflicher Weise das vergebens gegebene Geld zu haben, ihn aus dem Gefängniß befreite und lange Zeit hindurch, da ihm eine Rückkehr in die Heimath nicht offen stand, bei sich behielt. Endlich aber wieder eingesetzt, betrieb er immer aufs eifrigste, seine Herren zu erniedrigen und erreichte es auch in wirksamer Weise, da er ja Ueberfluß an allen Dingen hatte und durch die Gewalt seines Geistes hervorragte. Während daher Markgraf Heinrich den leeren Namen des Fürsten führte und  Friderich sowohl durch den Besitz seines Herrn, als durch dasjenige, was er sich auf verschiedene Weise erworben hatte, Ueberfluß hatte, eilen nach reiflicher Ueberlegung Graf Rodolf und sein Neffe, der jugendliche Markgraf Heinrich, mit vieler  Ritterschaft nach Stade. Aber Friderich entfloh, als er Kunde von dem Eintritt derselben enthalten hatte, aus der andern  Seite des Fleckens, und kaum sowohl durch die Nacht als durch den Wald geschützt, entkam er den Händen der Verfolger.  Nachdem er so entkommen, wandte er sich an den Herzog Luder und gab demselben, was er konnte und was er nicht konnte. Während daher die Stadischen Fürsten alles das, was im Besitze Friderichs gewesen war, für sich nahmen, erbaute Luder die Burg Vorde und bietet alle Kräfte des Herzogthums Saxonien zur Wiedereinführung Friderichs auf. Endlich nach dem Tode Rodolfs wurde Friderich in sein früheres Besitzthum wieder eingesetzt.
 

Das Jahr 1123.
 

 . . . . Nach dem Tode Heinrichs erhielt Friderich die Grafschaft Stade, welche er früher in Verwaltung gehabt hatte, durch Geld von dem Erzbischofe Albero als Lehen.
 

Das Jahr 1126.
 

Luder, welcher auchLothar genannt wird, der Sohn des Grafen Gevehard, Herzog von Saxonien, regierte als der 84. von Augustus. Er wurde auf folgende Weise gewählt. Friderich, Herzog von Suevien, empfing nach dem Tode Heinrichs seines Oheims die Reichskleinodien, vollkommen sicher, daß er von den Fürsten gewählt würde. Aber Albert von Moguntia, welcher einst von Heinrich gefangen  genommen war, beabsichtigte die Beleidigung an dem Neffen zu rächen und schmiedete mit seinen von ihm berufenen Verbündeten einen Plan, wie sie die Reichsinsignien der Gewalt Friderichs entreißen und so zu einer anderen Wahl sich stärken möchten. Daher stimmten diejenigen, hinsichtlich deren Herzog Friderich weniger sicher war, ja die er für seine Widersacher hielt, öffentlich seiner Wahl zu. Dadurch sicherer gemacht, gab er, um die Gunst der Fürsten noch mehr zu erwerben und um den Schein zu erwecken, als trete er in redlicherer Weise an die Herrschaft heran, weil er sich ja auch treu in Bezug auf  das Anvertraute zeigte, die Insignien den Fürsten zurück. Und weil es hierzu nöthig war, denselben von der Wahl in schlauer Weise fern zu halten, da er allen wegen seiner Freigebigkeit,  Leutseligkeit, seines Alters und seiner königlichen Abstammung wegen genehm war, so bestimmten sie mit dem Bischofe in listiger Weise einige aus ihrem Anhang, welche nach Verabredung die Last der Herrschaft als ihren Kräften zu schwierig ablehnten, indem sie hinzufügten, daß die geschwächten Rechte des Reiches einen thatkräftigen Verwalter erheischten. Daher wies auch Friderich nach dem Vorgang der anderen demüthig  die Last zurück. Sie wählten daher, die erlangte Gelegenheit sogleich eifrig benutzend, Lothar, der sich freiwillig anbot; man  sagt auch, daß er mehreres versprochen hätte, was er nicht hielt. Nachdem er also feierlich gewählt war, verpflichteten sich ihm die Fürsten sowohl durch Eidschwur als auch durch Lehnsgelübde. Aber hernach setzte sich Friderich, als er die Ränke  entdeckt hatte, dem Könige entgegen. . . . . . . . Unter Mitwirkung Luders vervielfältigten sich die Erfolge Friderichs, Grafen von Stade. . . .
 

Das Jahr 1135.
 

Friderich, Graf von Stade, starb am 13. April.
 

Das Jahr 1136.
 

Der Kaiser Lothar kam nach Hersevelde und nahm das Geld, welches Graf Friderich von Stade jenem Kloster gegeben hatte, nämlich 600 Mark Silber, von dem Altare der heiligen Maria fort, und indem er alle Angelegenheiten in Ordnung brachte, verlieh er das Herzogthum Saxonien seinem  Schwiegersohn Heinrich, Herzog von Bawarien: dieser war der Sohn einer Tochter des Herzogs Magnus, Wulfildis, und des Herzogs Welf von Bawarien.

 . . . . . . . . Dieser Luthmund wurde nachher Propst in Heslinge und verlegte das Kloster nach jenem Ort, wo es jetzt  ist, nämlich in Zcevena. Jener Convent hatte einige Aebtissinen, von denen neun noch in der Kirche zu Heslinge begraben liegen.
 

Das Jahr 1139.
 

 . . . . . Herzog Heinrich, König Lothars Eidam, belagerte die Burg Luneburg mit dem Grafen Rodolf. . . . .  König Conrad geht nach Saxonien in Begleitung des Herzogs von Boemia; gegen ihn kamen die Saxonen entschlossen herbei und schlugen bei Cruciburg ein Lager auf, der Urheber war  Herzog Heinrich. Nachdem also der Krieg durch einen Waffenstillstand unterbrochen war, entbot der König die Fürsten Saxoniens zu einem Reichstag zu Wormacia auf Mariä Reinigung und kehrt zurück. Auch der Herzog kehrte nach Saxonien zurück. Inzwischen gingen Graf Rodulf und Pfalzgraf Friderich mit vereinter Macht nach Bremen und verwüsteten die ganze Stadt, nachdem der Erzbischof Albero nach Rom gereist war. Heinrich, Herzog von Saxonien, starb den 19. September.
 

Das Jahr 1140.
 

König Chonrad feiert Mariä Lichtmeß zu Wormatia, wohin die vorgenannten Fürsten keineswegs kamen, da der König ihnen freies Geleit nicht gewähren wollte. Er setzte ihnen einen anderen Tag zu Frankenevorde. Aber auch hier erschienen sie nicht am ersten Sonntage nach der Osteroctave, indem sie vorbemelte Vergünstigung verlangten und nicht erhielten. Die Fürsten vertreiben den Markgrafen Albert, welcher das Herzogthum von dem Könige empfangen hatte; dessen Mark besetzte Graf Rodulf nach Eroberung der Burgen. Olrich, Herzog von Boemia, Pfalzgraf Wilhelm und Lodewich, Graf von Thüringen, starben. Gevehard von Strazburg starb. Sivard von Minden starb, ihm folgte Abt Heinrich Sonnenfinsterniß am 20. März ungefähr um die zehnte Stunde.
 

Das Jahr 1144.
 

Rodolf, der jüngere Graf, wurde in Thietmarsien in seiner Grafschaft getödtet, und sein Bruder Hartwich, Dompropst zu Bremen, gab sein gesammtes Erbgut der Bremer Kirche, damit ihm dafür die Grafschaft Bremen zugestanden würde. Und so empfing die Bremer Kirche alles, was die Fürsten von Stade in ruhigem Besitz während langer Zeit gehabt hatten, zu ihrem Eigenthum, nämlich die Erbschaft der Fürsten, der Ida und des Friderich; und sie wurde gesetzmäßige Erbin der Eltern des Propstes Hartwich durch eine feierliche und gesetzmäßige Schenkung. Es wurde daher Propst   Hartwich belehnt und Pfalzgraf Friderich, sein Schwager, empfing den Blutbann vom Könige Conrad, und es ward verordnet, daß er sein Coadjutor sein und im Grafending für ihn Recht sprechen sollte. Aber Herzog Heinrich, der noch ein Knabe war, klagte dem Könige und allen Fürsten durch  seine Vormünder, daß der Erzbischof Albero seiner Mutter versprochen hätte, daß die Grafschaft, wenn Rodolf sterben würde, ihrem Sohne, dem Herzoge, zufallen sollte. Daher kamen sie nach langen Streitigkeiten auf Befehl des Königs zu Rameslo zusammen zur Beendigung der Angelegenheit. Der  Erzbischof stand auf der einen Seite dem Schiedsgericht vor, auf der anderen der jugendliche Herzog. Der Propst und der Pfalzgraf waren zur Erörterung der Sachlage bestellt. Urtheiler waren Thietmar, Bischof von Verden, Markgraf Albert, Graf Hermann von Winceberch, sein Bruder Heinrich von Asle und eine große Menge Ritter. Dort ergriffen bei der Darlegung der Streitsache die Leute des Herzogs die Waffen, ein Aufstand entstand, sie nahmen den Erzbischof gefangen und hielten ihn eine Zeit lang in Lunenburg in der Gefangenschaft, um etwas von ihm zu erpressen. Endlich, da sie sahen, daß er weder durch Peinigung noch durch Drohungen sich bewegen ließ, erlaubten sie ihm, frei fortzugehen. Propst Hartwich, von Hermann von Luchouwe gefangen genommen, wurde während die Leute des Herzogs hofften, er würde ihnen übergeben werden und als sie ihm bereits mit dem Tode drohten, zum  Markgrafen Albert gebracht und so befreit.

Es ist nothwendig, auf früheres ein wenig zurückzukehren, um die Genealogie ebendesselben Hartwich darzulegen. Zur Zeit Kaiser Heinrichs II, hatte Heinrich der Kahle, welcher in der Burg Hersevelde lebte, ein tüchtiger und friedliebender Herr, zur Frau die Hildigarda; diese überlebte nur ein Sohn, Heinrich, Canoniker in Hildensem. Als dieser von den Seinigen dem geistlichen Stande entzogen war, errichtete er, um den Abfall durch Almosen wieder gut zu machen, nachdem die Burg Hersevelde zu Zeit Libentius des Aelteren, Erzbischofs von Bremen, und Bernards, Herzogs von Saxonien, zerstört war, ebendaselbst einen Convent für Geistliche. Dieser kaufte sich, gleichsam als  ob er gesetzlich verurtheilt wäre, dreifach durch Landgüter, Kostbarkeiten und andere Besitzungen frei, übertrug alles derselben Kirche und gründete ebendaselbst eine Propstei, indem Erzbischof Libentius zustimmte und die Kirche einweihte. Dieser wurde Heinrich der Gute genannt, und zeugte zwei Söhne, den Grafen Sifrid, welcher Stade erbaute. Dieser wurde, nachdem die Burg von Seeräubern genommen war, mit seinem Bruder gefangen genommen. Während der Bruder nun an der  Ruderbank mit Fußschellen gefesselt saß, sprang er in das Schiff eines Fischers, und wurde so davongeführt und befreit. Die Seeräuber nämlich hatten denjenigen, welche Gefangene loskaufen wollten, friedlichen Zutritt gewährt, und so stand dem Fischer der Zutritt frei. Die Barbaren waren daher durch die Flucht des Fürsten erzürnt, hieben Sifrid beide Hände ab und tödteten alle Gefangenen mit verschiedenen Qualen. Der Entkommene aber sammelte die Nachbarn und besiegte die Seeräuber und alle, die er lebend fängt, hängt er bei Stade an einem Orte auf, welcher von ebendemselben Ereigniß Wargabor genannt wird. Der verstümmelte aber wurde befreit, heirathete  eine Frau aus Bawarien und erzeugte einen Sohn Sifrid, während der Bruder ohne Erben starb. Der jüngere Sifrid nahm Adala zur Frau und gab Hersevelde die Güter Trebenece bei Berneburg. Dieser zeugte den Grafen Luder, welcher die Adelheithis zur Frau nahm, die Muhme Rodolfs, welchen die Saxonen zum König gegen Heinrich erwählten, und  erzeugte mit ihr Udo den Ersten, welcher Markgraf geworden  ist. Zur Zeit dieses Udo wurde die Grafschaft Stade der Bremer Kirche geschenkt und von ihm zum Lehn empfangen.

Dieser Udo heirathete Odo, die Stieftochter Herzogs Otto, und erzeugte mit ihr Heinrich den Langen, Udo den Zweiten, welcher auch Luder genannt wird, Rodolf und Sifrid, Magdaburgischen Probst zum heiligen Nicolaus und Canoniker an der Domkirche und zwei Töchter, von denen die eine  Aebtissin zu Alesleve war, die andere, Adelheidis, heirathete Lodowich und gebar den zweiten Lodewich, welcher von dem Könige Lothar die Landgrafschaft in Thüringien erhielt, als Hermann von Wincenburg derselben durch einen Urtheilsspruch beraubt war. Der zweite Lothewich erzeugte den dritten, der dritte den vierten, welcher ein Sohn der Schwester Kaiser Friderichs ist.

Heinrich der Lange starb ohne Erben, er hatte eine Frau aus Rucia. Markgraf Udo beabsichtigte Eilika zu heirathen, die Tochter des Herzog Magnus, kehrte aber ein im Hause des Grafen Helprich von Ploceke, und als er dessen sehr schöne Schwester, Ermengarda, sah, führte er sie heim. Daher  wurden seine Vasallen sehr entrüstet, weil sie Standesgenossen des Helprich waren und einige von ihnen hervorragender. Er erzeugte aber mit ihr Heinrich, welche Adelheithis heirathete, Schwester des Markgrafen Albert, welche, als er ohne Erben starb, sein Vasall Werner von Velthem heirathete, dieser erzielte Albert von Asterburg und die übrige Nachkommenschaft. Gleichfalls erzeugte Markgraf Udo mit Ermengarda eine Tochter, welche Markgraf Heinrich heirathete, der vermeintliche Bruder der Kaiserin Rikence, welchen sie, obwohl von einer Slavin geboren, deßhalb ihren Bruder nannte, damit sie die Erbschaft nicht verlöre, welche, von vielen erstrebt, streitig war.  Endlich besaß Frau Rikencenach der Vergiftung ihres Bruders allein die Erbschaft; diese heirathete Lothar. Sie hatte  aber eine Schwester, Frau des Pfalzgrafen Otto von Rinekge, von welcher die Brüder von Hollant abstammten. Es hatte auch Udo eine Tochter, welche Poppo von Hinneberch  heirathete. Nachdem nun Udo gestorben war und auch sein Sohn Heinrich, heirathete Ermengardis Gherard von Heinsberche, Bruder Gozwins; von ihm hatte sie einen Sohn Sifrid, welcher auf dem Zuge Lothars bei Baris in Appulien durch einen Pfeil ums Leben kam; ferner eine Tochter Uda, welche Sifrid von Erteneburg heirathete, welcher genannt wurde "Mit dem  Schwein"; mit ihr erzeugte er drei Töchter, Alheida, welche der Burggraf von Groche, Luder, heirathete, der ohne Erben starb, Oda, welche Albert von Osterburg heirathete, und viele Nachkommenschaft erzeugte.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ferner Rodolf, der Sohn Udos des Ersten, heirathete  Richardis von Franconien mit reicher Erbschaft. Mit dieser  erzeugte er Udo, welcher die Schwester des Hermann  heiratete, der zu Wincenburg getödtet ist; aber bevor er einen  Erben erzielte, wurde er bei Ascergsleve von den Vasallen  des Markgrafen Albert getödtet. Ferner den Rodolf, welcher  Elizabeth heirathete, Schwester Ottokkars von Stire; aber vor  Erzielung eines Nachkommen wurde er von den Thietmarchen  getödtet. Gleichfalls den Erzbischof Hardwig.

Gleichfalls Lutgardis, welche Friderich, Pfalzgraf von  Sommersgenburg heirathete und mit ihr den Pfalzgrafen Albert  erzeugte, welcher die Tochter Poppos von Hinnenberch heirathete,  und er starb ohne Erben; gleichfalls die Aebtissin von  Quidelingeburg.  Endlich, nachdem Lutgardis auf Grund der Verwandtschaft  vom Pfalzgrafen getrennt war, heirathete sie Erich, welcher Lam  genannt wurde, König der Dänen. Und nachdem derselbe  gestorben, kehrte sie zurück und heirathete Hermann von Winceburg;  aus dieser Ehe stammen drei Töchter. Eine heirathete Hinrich -  welcher nachher zu Erfordia in einer Latrine ertrank - Graf  von Svarceburg. Diese heirathete nachher Olrich von Witin.  Die zweite heirathete Magnus Burtzius, Herzog von Danien.  Nachdem dieser von dem Könige Waldemar geblendet und  entmannt war, kehrte sie nach Saxonien zurück und durch ein  beklagenswerthes Geschick wurde sie von einem Sclaven durch  Abschneiden der Nase verstümmelt.