Adelheid von Rheinfelden             Gräfin von Stade
--------------------------------            Markgräfin der Nordmark
995/1000-7.12. nach 1057
 

Begraben: Alsleben an der Saale
 

Tochter des Pfalzgrafen Kuno von Rheinfelden und der Liutgard
 

Thiele Andreas: Tafel 21
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

KUNO, Graf von Rheinfelden
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    + 1026

Einflußreich in der N-Schweiz, seine Schwester Adelheid heiratet nach Stade-Nordmark



Hucke Richard:
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"Die Grafen von Stade"

Lampert wußte natürlich, - und damit kommen wir auf die Beziehungen, die 1056 noch nicht bestanden -, dass die SALIER mit dem Königshaus durch Luder-Udos Gemahlin Adelheid, liiert waren.
Adelheid ist die Tante RUDOLFS VON RHEINFELDEN. Dessen Gemahlin ist bekanntlich Mathilde, die Schwester HEINRICHS IV.: Der Schwager des Königs (RUDOLF) war also zu Lamperts Zeit ein Neffe der Gattin Luder-Udos. Nach heutigen Begriffen ist das keine sehr nahe Verwandtschaft! Trotzdem rühmen aber die Zeitgenossen des Markgrafen die "Erlesenheit eines solchen Geschlechts". Der deutsche König (HEINRICH IV.) hätte wohl kaum die Witwe eines Markgrafen von Stade, die russische Fürsten-TochterEupraxia-Adelheidgeheiratet, wenn die UDONEN nicht eine besondere Stellung eingenommen hätten. (Näheres weiter unten)!
Neben den Beziehungen zum Königshaus ist die Familie Adelheids  von Rheinfelden noch in anderer Hinsicht zu untersuchen. Kann man bereits über die Familien der CATLENBURGER und BILLUNGER eine Verwandtschaft der UDONEN zu Heinrich dem Löwen nachweisen, so liegt bei Adelheid der Ansatzpunkt für eine weitere Verbindung, dieses Mal von der väterlichen Seite des Herzogs her. Ita von Öhningen, die Gemahlin Rudolfs II. aus dem Hause der WELFENwar die Mutterschwester Adelheids. Für Rudolf von Stade (+ 1144) und Heinrich dem Löwen ist der Vater Itas von Öhningen ein gemeinsamer Ahnherr. Der Löwe lebte in der 7., Rudolf II. von Stade nur in der 5. Generation vom süddeutschen Grafen aus!
Eine Verwandtschaft zwischen WELFEN und STADERN ist dem Verfasser der süddeutschen "Historia Welforum" bekannt gewesen. Er setzt jedoch Ekbert (Verwechslung mit dem Sohne Idas von Elsdorf?), den Sohn Cunos von Öhningen, als STADER Markgrafen. Das kann nicht richtig sein. Sicher ist aber, dass Ekberts Schwager, ein namentlich nicht bekannter Graf von Rheinfelden, durch seine Tochter, das heißt Adelheid, der Schwiegervater des ersten stadischen Markgrafen wurde.
Adelheid erbaute ihrem Gemahl eine Grabkapelle in Harsefeld. Sie ist also erst nach 1057 verstorben. Die Rosenfelder Chronik nennt ihre letzte Ruhestätte zu "Mallesleve". Das ist vermutlich ein Schreibfehler für "in Allesleve", Alsleben an der Saale. Ihr Todestag ist der 7. Dezember.

Hlawitschka Eduard: Band I Seite 181,184
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"Zur Herkunft und zu den Seitenverwandten des Gegenkönigs Rudolf" in: Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter

Und schließlich scheint man noch eine Tante RUDOLFS, Schwester von RUDOLFS Vater Kuno, in Adelheid, der Gemahlin Markgraf Liuder-Udos I. von Stade und Mutter Udos II. von Stade, zu kennen. In Brunos Buch vom Sachsenkrieg, einer zeitgenössischen Quelle, heißt es in c. 46 zum Jahre 1074, daß Udo noster marchio (= Markgraf Udo II., + 1082) consobrinum suum Rodulfum ducem gladio fortiter percussit in faciem. Er hätte jenem den Kopf halb abgeschlagen, wäre da nicht der Helm gewesen. [Brunos Buch vom Sachsenkrieg c. 46, ed. H.-E. Lohmann, MGH Deutsches Mittelalter 2, Leipzig 1937, Seite 45.]. Und der Annalista Saxo nennt zu 1056 Ludigerum comitem (= Liuder-Udo I., + 1057), cuius uxor Adelheidhis dicebatur, amita Rudolfi regis [Annalista Saxo ad 1056, MGH SS VI, Seite 691]. Albert von Stade hat dies - um 1250 - in seinen Annalen zu 1144 wiederholt: Graf Siegfried von Stade genuit comitem Ludigerum, qui accepit uxorem Adelheithim, amitam Rodulfi regis [Albert von Stade, Annales ad 1144, MGH SS XVI, Seite 325.]. - Adelheid wird zumeist als Schwester von RUDOLFS Vater Kuno angesehen; doch ist im Mittelalter der Begriff amita nicht nur in der klassischen Wortbedeutung "Vatersschwester/Tante" angewendet worden; er hat das Wort matertera (Muttersschwester, Tante) genauso überflügelt und verdrängt wie avunculus (Muttersbruder/Onkel) den Parallelbegriff patruus (Vatersbruder/Onkel), so daß die späteren umfassenden Benennungen Tante und Onkel (ohne die väterliche und mütterliche Seite genauer anzugeben) damals schon vorbereitet wurden. Adelheid könnte deshalb auch eine Schwester der Mutter König RUDOLFS gewesen sein. Aber einerlei, welcher Vorfahrensseite RUDOLFS nun Adelheid angehörte; da ihr Gemahl Liuder-Udo I. offensichtlich nicht lange nach 994 geboren wurde, dürfte ihre und ihres Bruders (oder Schwagers?) Kuno von Rheinfelden Geburtszeit wohl auch um die Jahre 995/1000 liegen
Wilhelm Gisi nahm die oben nachgewiesene Verwandtschaft des Gegen-Königs mit dem STADER Grafenhaus zum Ausgangspunkt und kombinierte die entsprechenden Quellenaussagen mit der Nachricht der 'Genealogia' bzw. 'Historia Welforum' über Egbert von Stade als Sohn "Kunos von Öhningen", wobei nach den Welfenquellen Kuno von Öhningen auch eine Tochter gehabt haben soll, die cuidam de Rinvelden zur Ehe gegeben worden war. Markgraf Udos II. Mutter Adelheid sei - so kombiniert Gisi - eine Tochter Egberts von Öhningen und Stade gewesen; der ungenannte RHEINFELDENER hingegen über das "Prinzip" der Namensvererbung vom Großvater auf den Enkel und über die (aus dem späteren ZÄHRINGER-Besitz - als RHEINFELDENER Erbe - in Burgund vermutbare) burgundische Besitzverankerung der RHEINFELDENER als ein in den Urkunden des letzten Burgunder-Königs Rudolf III. (993-1032) häufig auftretender Intervenient und Fürsprecher Graf Rudolf erschlossen.
 
 
 
 

  oo Lothar-Udo I. Graf von Stade
       nach 994-7.11.1057
 
 
 
 

Kinder:

  Lothar-Udo II.
         -4.3./4.5.1082
 
 
 
 

Literatur:
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Annalista Saxo: Reichschronik Seite 70 ad a. 1056 - Bruno: Das Buch vom Sächsischen Krieg. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1986 - Chronik des Albert von Stade - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I, Seite 181,184,188 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 150-152 - Hucke, Richard: Die Grafen von Stade 990-1144, Stade 1956 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 60 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 21 -