Gerold                                                      Graf im Zürich- und Thurgau 826-867
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    - nach 867
 

Sohn des Grafen Udalrich II.

 
Michael Mitterauer: Seite 21-22
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"Karolingische Markgrafen im Südosten"

Graf Gerold ist seit 826 im Zürichgau nachzuweisen. Dieser Gau hatte ursprünglich mit dem anschließenden Thurgau eine Einheit gebildet. Gerold war der erste Graf, der den Zürichgau allein verwaltete. Wahrscheinlich erhielt er den vom Thurgau abgetrennten Amtsbezirk als Entschädigung für die Bodenseegrafschaften, die seine Familie ein Jahrzehnt zuvor verloren hatte. 832/34 wurde ihm nach dem Tode Graf Erchanpolds auch der Thurgau übertragen, so daß die ursprüngliche Einheit wiederhergestellt war. Schon wenige Jahre später verlor er jedoch den Thurgau an die HUNFRIDINGER. Diese Umstellung dürfte mit den Ereignissen von 838/40 zusammenhängen. Im Zürichgau ist Gerold weiterhin bis 867 nachzuweisen.
Dieser Graf Gerold stellt vielleicht das Zwischenglied zu den jüngeren UDALRICHEN dar. Graf Udalrich, der 860 wiederum die alte Stellung seines Geschlechts in den Bodenseegrafschaften erhielt, könnte sein Sohn oder Neffe gewesen sein.

Michael Borgolte
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"Die Grafen Alemanniens"

GEROLD (IV)
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belegt als Graf 848 IV 2 - 868 V 10,
Zürichgau 848 VII 25 - 865 III 10, ?867 IX 3,
Thurgau 860 I 17, ?860 III 25, 868 V 20

Belege mit comes-Titel:
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W II Nrn. 491f.,429,436f.,441,455f.,459,465,427,448,531,565f.,584, 506, 526, 528,578, III Anh. Nr.5,11 Nr. 567

Literatur:
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MEYER VON KNONAU, Thurgau und Zürichgau 209f. - VON WYSS, Verfassung der Stadt Zürich 345f. - KNAPP, Buchhorner Urkunde 208f. - SPEIDEL, Zürichgau 24f. - BAUER, Gau und Grafschaft 109,111f.- KLÄUI, Oberwinterthur 48 - SCHULZE, Grafschaftsverfassung 81 mit A. 23,90,97, 99,117,122 - BORGOLTE, Geschichte der Grafschaften Alemanniens, s. v.

Vielleicht schon im Mai 846 (W II Nrn. 491f.), mindestens aber im Juli 848 (Nr. 436), ist zum 1. Mal seit 10 Jahren wieder ein Graf Gerold im Zürichgau nachgewiesen. Aus chronologischen Gründen und wegen des Grafen ATO (I) von 844 trenne ich die von nun an über einen Zeitraum von 2 Dezennien verstreuten Belege von früheren Zeugnissen für GEROLD (III). Gerold (IV) wird bis 865 (Nr. 506) oder 867 (Nrn. 526,528) wenigstens in 14 St. Galler Urkunden genannt (außer den erwähnten in Nrn. 437,441, 455f.,459,427,448, 484, örtlich nicht sicher 465; zu Nrn. 441 und 567 s.u.). Obwohl die Datierung einiger dieser cartae nicht feststeht (bes. 455f.), muß man annehmen, dass der in den fünfziger Jahren für den Zürichgau belegte ADALHELM zeitweise neben Gerold als Graf angesehen wurde (s. BORGOLTE 97). Von den am selben Tag und Ort ausgestellten Nrn. 459 und 460 wird nämlich in der einen Urkunde Gerold, in der anderen Adalheim in der Grafenformei erwähnt; eine räumliche Trennung der Zuständigkeiten, wie sie BAUER (112) erschließen wollte, läßt sich aus den Schriftstücken nicht ableiten (s. Art. ADALHELM). Anders verhält es sich mit der St. Galler Urkunde 441 vom April 849; Posso hat danach dem Steinachkloster Güter in Illnau, Hinwil und Mönchaltorf sub Oadalricho et Geroldo Doms übertragen. Der Vermerk UDALRICHs (III) bezieht sich, wie man nach der Abgrenzung der Comitate annehmen darf (s. BORGOLTE 98), auf Illnau, die Nennung Gerolds auf Hinwil und Mönchaltorf (vgl. dagegen SCHULZE 81, KLÄUI, MEYER VON KNONAU).
Nach ADALHELM, aber wohl in der Anfangsphase ADALBERTs (II), wird ein Graf Gerold auch für den Comitat im Thurgau genannt (W II Nrn. 531, 565f.;  s.a. Art. GEROLD III zu W II Nr. 388). Ein späterer Nachweis von 868 (Nr. 578) ist kaum als Anzeichen einer Ablösung  ADALBERTs (II) zu werten, da dessen damalige Belegreihe dicht geschlossen erscheint. Zu einem unbekannten Zeitpunkt, aber wahrscheinlich um die Mitte des 9. Jahrhunderts, wurde vor Beauftragten des Grafen Gerold die Grenze zwischen Uzwil (Karte bei BORGOLTE, Kommentar. N 18) und Flawil (O 18) festgelegt (W III Anh. Nr. 5; vgl. SCHULZE 97,99). Ob der Vermerk sub Keroldo comiti einer weiteren St. Galler Urkunde aus der Zeit Abt Grimalds ebenfalls auf den Thurgau bezogen werden muß, ist nicht ganz sicher (W II Nr. 567). Das Rechtsgeschäft wurde in Egg durchgeführt und betraf einen Tausch von Gütern im Arbongau und in der Gegend von Oetwil und Eßlingen beim Zürichsee.
Die zeitliche Nähe zu dem Beleg Gerolds in Nr. 436 spricht dafür, dass Gerold auch jener Graf Geroldus gewesen ist, der am 2. April 848 eine Schenkung aus dem Breisgau für St. Gallen bezeugt hat (Nr. 429). Zur Frage der Herkunft Gerolds vgl. Art. GEROLD (III).
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Kinder:

  Udalrich III.
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