Rudolf II. der Scheerer                              Graf von Tübingen in Herrenberg
------------------------                            Vogt von Sindelfingen
    -12.5.1277
     Wien

Begraben: Kloster Bebenhausen

Jüngerer Sohn des Pfalzgrafen Rudolf II. von Tübingen und der N.N. von Ronsberg, Tochter von Markgraf Heinrich
 

Rudolf II. der Scheerer war der Stifter der Linie Herrenberg.
 
Dr. L. Schmid: Seite 175-191  1853
***********
"Geschichte des Pfalzgrafen von Tübingen"

Rudolf III. führt, zum Unterschied von seinem gleichnamigen Vetter, häufig den Beinamen Scheerer, von der Stadt Scheer an der Donau, auch nennt er sich manchmal, namentlich auf seinen Siegeln "Sohn des Pfalzgrafen" - nämlich Rudolfs II. Wie Pfalzgraf Hugo IV. der Stammvater der Horber, so ist Rudolf der der Herrenberger Linie unseres Hauses, deren Glieder sich nach ihm Scheerer nannten.
Graf Rudolf tritt zum 1. Mal am 1. Juli 1251 als selbständiger Herr in Angelegenheiten seines Schwagers, des Grafen Ulrich von Wirtemberg auf. Dieser setzte nämlich, als er die Burg Wittlingen bei Urach vom Bischof Eberhard von Konstanz erkaufte, unseren Scheerer und dessen beide Vettern, den Grafen Rudolf von "Asperg" und dessen Bruder Ulrich, für den Fall seines Todes zu Bürgen. -
Nach dem Tode seines Bruders, des Pfalzgrafen Hugo IV. (um das Jahr 1267), übernahm Rudolf die Vormundschaft der Söhne desselben, und wohl in Folge hiervon die Schirmvogtei des Klosters Blaubeuren; auch führte er nun nicht selten den Titel Pfalzgraf. Die genannte Vogtei legte er laut einer Urkunde vom 24. Dezember 1267 aber bald nieder. Die Schirmvogtei des Stiftes Sindelfingen ging von Rudolf II. auf seinen Sohn, unseren Scheerer, zu dessen Herrschaft der Ort Sindelfingen gehörte, über.
Von den Anteil, welchen unser Rudolf an den politischen Verhältnissen seiner Zeit genommen, wissen wir nicht viel. - Im Jahr 162 treffen wir ihn mit vielen anderen Großen und Herren Schwabens bei dem unglücklichen, erst 11 Jahre alten Konradin in Konstanz; er führt in einer dort ausgestellten Urkunde den Titel Pfalzgraf und steht an der Spitze der Grafen.
Nachdem RUDOLF von Habsburg den deutschen Königsthron bestiegen, sehen wir unseren Scheerer mit seinen Stammesverwandten von der Horber und Asperger Linie auf der Seite desselben; er ist beim König im Januar 1276 in Nürnberg. - Sein Tod zu Wien, den 12. Mai 1277, weist darauf hin, dass er den Zug des Königs gegen Ottokar von Böhmen mitgemacht hat, und auch nach der Unterwerfung dieses mit anderen schwäbischen Herren bei RUDOLF zu Wien geblieben ist. Dieser ignorierte indes bei Aufstellung von Reichsvögten zur Wahrung der Reichsinteressen die Grafen von Tübingen als Pfalzgrafen, denen somit das genannte Amt hätte zukommen sollen,  - was zum Teil in des Königs nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem Haus HOHENBERG seinen Grund haben mag.
Rudolf der Scheerer hinterließ, nachdem ein Sohn Hugo im Jahr 1272 in der Jugend gestorben war, 2 Söhne, Eberhard und Rudolf, und 1 Tochter, welche an Graf Ulrich von Helfenstein verheiratet war.
Rudolf der Scheerer. starb nach genauer Aufzeichnung der Sindelfinger Chronik am 12. Mai 1277 zu Wien. Er fand, wie sein Großvater, seine Ruhestätte in dem von ihm so begünstigten Kloster Bebenhausen, an der Seite der vor ihm gestorbenen Gemahlin Adelheid. Den 28. Mai wurde sein Leichnam, der somit innerhalb dieser Zeit von Wien hergeführt wurde, dort beigesetzt.
 
 
 
 
 
  1. oo N.N. von Württemberg, Tochter von Graf Ludwig III.
                  -
 
  2. oo Adelheid von Eberstein, Tochter von Graf Eberhard
                  -   1272
 
 
 
 

Kinder:

  Ludwig der Scheerer
         -
 
  Rudolf III. der Scheerer
        -
 
  Eberhard der Scheerer
         -21.4.1302

  Hugo
          -   1277
 
  Uta
        - nach 1302
 
  oo Hermann II. von Geroldseck
              -2.7.1298 gefallen
              Göllheim

  Tochter
         -
 
  oo Ulrich II. Graf von Helfenstein
            - nach 17.5.1294