Kiesewetter, Andreas: Seite 48,82,141,145,149,155 A.,160-163,176,226 A.,271,282,287,295
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

In Aragon hatte nach dem Tode Jakobs des Eroberers 1276 dessen Sohn Peter III. die Nachfolge angetreten.Durch seine Heirat mit Konstanze von Hohenstaufen, eine Tochter König Manfreds aus erster Ehe, betrachtete sich Peter nach dem Ende Konradins als legitimer Erbe des sizilischen Thrones.
1262 hatte Konstanze von Hohenstaufen, die älteste Tochter König Manfreds, Peter, den Erstgeborenen König Jakobs des Eroberers, geheiratet. Mit Konstanze kam eine Reihe süditalienischer Adliger an den aragonesischen Hof, die den Infanten Peter in seinen Ansprüchen auf das Erbe des Schwiegervaters bestärkten.
Zum Glück für den Thronfolger waren Königin Konstanze und der Infant Jakob, der seit der Abreise Peters nach Aragon auf der Insel die Regierungsgeschäfte führte, ebenfalls in Geldschwierigkeiten.
Da weder Robert von Artois noch der Fürst von Salerno eine ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln garantieren konnten, wandten sich zahlreiche Städte an Konstanze von Hohenstaufen und den Infanten Jakob um Hilfe. Als die Königin tatsächlich eine mit Getreide beladene Flotille schickte, liefen die Städte Amantea, San Lucido, Cetraro und Scalea Ende März zu den Aragoniern über.
Im April hatten Königin Konstanze und der Infant Jakob vermutlich von dem Plan Karls I. erfahren, die beiden Flotten aus dem Regno mit der provencalischen Flotte zu vereinigen und in Sizilien zu landen.
[Seite 155 6 Der französische Chronist berichtet, Lauria sei erst nach Messina zurückgekehrt und anschließend auf Befehl Konstanzes noch einmal nach Neapel zur Befreiung des Beatrix gekommen. Quellenmäßig nicht zu belegen ist die Annahme Del Giudices, Famiglia 211, Karl von Salerno habe selbst auf Beatrix hingewiesen, um bei Konstanze in Messina gnädige Aufnahme zu finden.]
Nach Aussage der Quellen war es Konstanze, die den Urteilsspruch der Ständeversammlung über Karl von Salerno aufhob. Welche Gründe haben die Gemahlin Peters III. bewogen, die Entscheidung des Parlaments zu revidieren? Wirklich treibende Kraft hinter der Entscheidung, das Todesurteil aufzuheben, war vielmehr König Peter III. Bei jenem hatte sich rasch die realpolitische Erkenntnis durchgesetzt, daß sich der lebende Thronfolger hervorragend als Faustpfand eignete, um gegen Karl I. als Druckmittel zu verwenden.
Am 11. April 1286 erging an die Sizilianer erneut die Aufforderung, in den Gehorsam der Kirche zurückzukehren. Gegen Jakob und Konstanze wurde der Bann erneuert und beide aufgefordert, die Insel bis Ostern zu verlassen.
[Seite 226 10 Auch gegenüber Konstanze von Aragon legte der Papst in der Folgezeit ein auffallend freundliches Verhalten zu Tage.]
Jakobs Mutter Konstanze suchte der Papst durch Erteilung geistlicher Privilegien dem Friedensschluß gewogen zu machen.
Am 21. Juni 1295 bestätigte der Papst dann definitiv die beiden bilateralen Verträge, welche die aragonischen Gesandten mit den beiden französischen Botschaftern beziehungsweise Karl II. getroffen hatten. Zugleich löste er das Interdikt über Aragon und befreite Jakob und seine fautores von allen Kirchenstrafen, vorausgesetzt Jakob erfülle wirklich die Verpflichtungen, welche seine Gesandten in Anagni eingegangen waren, ehe am folgenden Tage die Exkommunikation über Friedrich und Konstanze von Hohenstaufen aufgehoben wurde und den Sizilianern alle culpe et inuirie vergeben wurden.
Vom 29. Oktober bis 4. November 1295 konnten in Fort de Bellaguarda und Vilabertran die Verträge von Anagni endgültig ratifiziert werden. Der ANGIOVINE vergab am 30. November Jakob, Friedrich und Konstanze die Okkupation Siziliens und verzichtete auf irgendwelche Schadensersatzansprüche.