Heinrich
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um 1260/65, angeblich 1262-31.10.1318
                                            im Kerker
 

2. Sohn des Königs Manfred von Sizilien aus seiner 2. Ehe mit der Helena von Epiros, Tochter von Despot Michael
 

Decker-Hauff Hansmartin: Band III Seite 370
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"Die Zeit der Staufer"

XII. GENERATION

113 (91) HEINRICH
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* um 1260/65, angeblich 1262, + 31.10.1318 erblindet
                                               im Kerker

seit 1266 im Kerker Karls von Anjou.
Der Letzte des ehelichen staufischen Mannesstammes, während die von Friedrich von Antiochia begründete Linie noch lange blühte.
Sein angebliches Geburtdatum (30.3.1262) würde zwar in die Chronologie der Kinder König Manfreds gut passen, ist aber doch wohl eine Interpolation, wenn nicht eine Fälschung des sogenannten Anonymus von Trani.



Bedürftig Friedemann: Seite 102
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"Taschenlexikon Staufer"

HEINRICH
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* um 1260-1264, + 31.10.1318
                           im Kerker

„Sie mögen leben, aber leben, als wenn sie nie zur Welt gekommen wären.“ Das war der Spruch, den Papst Klemens IV. (1265-1268) über die Söhne Manfreds fällte, nachdem sie 1266 in die Hände des STAUFER-Gegners Karl von Anjou geraten waren. Der Franzose erfüllte den Auftrag mit schrecklicher Genauigkeit: Er ließ die Kinder, Heinrich und seine beiden Brüder Friedrich und Enzio, von denen keiner älter als sieben Jahre gewesen sein dürfte, hinter Kerkermauern verschwinden und verbreitete offiziell die Nachricht, sie seien gestorben. Als Gefängnis wählte er ausgerechnet das Lustschloß ihres Großvaters FRIEDRICH II., Castel del Monte. Bis etwa 1300 saßen sie hier ein, dann wurden sie nach Neapel ins Castel dell’Ovo verlegt. Auf dem Weg dorthin oder kurz nach der Umsiedlung starben zwei von ihnen, übrig blieb Heinrich, der noch bis 1318, inzwischen erblindet, in Gefangenschaft lebte. Mit ihm erlosch der Mannesstamm des Hauses STAUFEN, jedenfalls in seinen legitimen oder legitimierten Mitgliedern.



Kiesewetter, Andreas: Seite 41,164,285,438
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"Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts"

Als problematisch erwies sich lediglich die Befehlsgewalt über die Kastelle Castel del Monte und Monte Sant’Angelo. Beide Kastelle waren im Investiturdiplom Karl von Salerno ausdrücklich zugesprochen worden, was der König am 4. September 1272 bestätigte. Karl I. machte diese Maßnahme aber bereits zu Ende des Jahres 1272 rückgängig und untersagte dem Vikar seines Sohnes, sich in die Verwaltung der Kastelle einzumischen. Der ANJOU fürchtete offensichtlich, dass das Schicksal der Söhne Manfreds, die als Staatsgefangene im Castel del Monte inhaftiert waren, an die Außenwelt dringen könnte, wenn nicht seinen eigenen Beamten die Aufsicht oblag [Im Kastell Monte Sant’Angelo war zur selben Zeit eine Enkelin FRIEDRICHS II., Filippa von Antiochia, die Gemahlin Manfred Malettas, inhaftiert.].
Persönliche Motive dürften für Konstanze ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Sie wusste ihre drei Halbbrüder immer noch in der Gewalt Karls von Anjou, der bei Hinrichtung seines einzigen Sohnes wohl nicht zögern würde, die Söhne Manfreds als Vergeltung ebenfalls dem Henker zu übergeben.
Die Halsstarrigkeit der Franzosen bezüglich der mallorcanischen Frage zog zwangsläufig eine Verzögerung der endgültigen Einigung nach sich, da nun die Aragonier wieder opponierten und offensichtlich überraschend die Auslieferung der im Castel del Monte gefangengehaltenen Söhne Manfreds forderten [Die Rolle der drei Söhne Manfreds in die Verhandlungen von Anagni war bisher in der Literatur völlig übergangen worden. Doch stand das Schicksal der letzten STAUFER bei den Friedensgesprächen sicherlich zur Diskussion. Entscheidender Beweis ist ein Mandat Karls II. vom 18. Juni 1295 an den Reichsvikar Karl Martell, in welchem der ANGIOVINE die unverzügliche Überführung der drei Manfred-Söhne nach Anagni forderte. Das Thema erledigte sich jedoch bald, da die STAUFER dann weiter in angiovinischer Haft blieben. Vgl. Del Giudice, Famiglia, 242f., 249ff., dessen  Vermutung (248f.), Bonifaz VIII. habe auf der Auslieferung der Manfred-Söhne bestanden, aber kaum zutreffend ist. Diese Forderung wurde sicher durch die aragonesischen Gesandten erhoben, da im Falle der Restitution Siziliens an die Kirche die letzten männlichen STAUFER jede politische Bedeutung für Jakob II. verloren, konnte sie ihm doch als Rivalen um den sizilischen Thron nicht mehr gefährlich werden.].
Selbst die bedeutendsten Anhänger des staufischen Geschlechtes, die unter Karl I. in strenger Einzelhaft gehalten worden waren, erhielten nun die Freiheit oder zumindest Hafterleichterung. Am 5. Juli 1291 erteilte der König auf Bitten Eduards I. von England an Robert von Artois Befehl, Heinrich von Kastilien endlich aus der Kerkerhaft zu entlassen. Im folgenden Jahre wurden die drei Töchter Manfreds Malettas ebenfalls freigelassen, nachdem sie schon am 5. Dezember 1291 von ihren Ketten befreit worden waren. Dem im Castel del Monte arretierten Konrad II. von Caserta wurden 1294 ebenfalls ein höheres Tagegeld gewährt und die Ketten abgenommen. Allein die drei Söhne Manfreds wurden dort weiter in strenger Haft gehalten und hatten sich mit einem Unterhalt von einem Tari je Tag zu begnügen, der ihnen zudem nur unregelmäßig ausgezahlt wurde.
 
 
 
 

Literatur:
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Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Staufer. Piper Verlag GmbH München 2000 Seite 102 - Decker-Hauf Hansmartin: Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band III Seite 370 - Kiesewetter, Andreas: Die Anfänge der Regierung König Karls II. von Anjou (1278-1295). Das Königreich Neapel, die Grafschaft Provence und der Mittelmeerraum zu Ausgang des 13. Jahrhunderts, Matthiesen Verlag 1999 Seite 41,155 A.,164,285,438 -