Stälin Paul Friedrich: Seite 275-279
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"Geschichte Württembergs"

Das erledigte Herzogtum Schwaben übergab der Kaiser wohl bald, jedoch nur dem Namen nach, seinem Sohne Friedrich V., welcher im September 1168 urkundlich den Titel Herzog von Schwaben führt (+ 1191). Ohne Zweifel traf der Vater zunächst alle bedeutenderen Verfügungen noch selbst und verweilte auch später öfters auf schwäbischen Pfalzen. Wie anderwärts glückte ihm namentlich in der Heimat seines Geschlechts in den nächsten Jahren eine bedeutende Vergrößerung seiner Hausmacht: Sein Oheim der öfters genannte Herzog Welf VI. brachte trostlos über den Tod seines einzigen Sohnes, Welfs VII., und ohne Aussicht auf einen Erben seine späteren Jahre in Oberschwaben und Bayern meist als üppiger Schwelger, aber auch von Dichtern und Klöster gerühmter, guttätiger und freizügiger Fürst zu und geriet daher wiederholt in Geldverlegenheit. Gegen eine bestimmte Geldsumme trat er deshalb dem Kaiser zunächst seine umfassenden Lehen in Italien ab (wahrscheinlich im Jahre 1175). Sein reiches Eigengut in Deutschland dagegen, teils ausgedehnte alt-welfische Ländereien und Rechte in Oberschwaben, Bayern und bis nach Tirol hinein, teils neu erheiratete Calwische Besitzungen wollte Welf zuvörderst seinem Brudersohne Herzog Heinrich dem Löwen zuwenden; allein er überwarf sich mit ihm, weil Heinrich in unkluger Sparsamkeit seinem Oheim nicht, wie er doch versprochen, mit Geldleistungen unter die Arme griff, sondern in Erwartung seines baldigen Todes ihn ohne weitere Kosten zu beerben hoffte. Im Ärger hierüber trat Welf auch diesen Besitz dem reichlich zahlenden Kaiser ab, welcher die ganze Erbschaft alsbald in Besitz nahm, dem Herzoge jedoch meist zu lebenslänglichem Mißbrauche überließ, ja noch einige weitere Güter dazu verlieh (wohl im Jahre 1179). Nicht wenig mochte freilich diese bereits angebahnte Ausschließung von dem welfischen Erbe die Veranlassung sein, dass der geldgierige Herzog Heinrich, trotz einer persönlichen Zusammenkunft mit dem Kaiser in den ersten Monaten des Jahres 1176 zu Chiavenna oder Partenkirchen, sich nicht bestimmen ließ, denselben auf seinem 5. italienischen Zuge zu unterstützen, worauf die Schlacht gegen die lombardischen Städte bei Legnano vom 29. Mai 1176 und der venetianische Friede vom Sommer 1177 zu Ungunsten des Kaisers entschieden. Freilich hatte der Herzog nach einigen Jahren diesen Ungehorsam wie seine sonstigen Verschuldungen schwer zu büßen. Infolge des Prozesses, der gegen ihn angestrengt wurde, verfiel er in die Reichsacht; der Kampf, den er mit dem Reichsheer aufnahm, entschied vollständig gegen ihn. Von all seinen Besitzungen, den Herzogtümern Bayern und Sachsen, reichem Lehens- und Erbgut, behielt er schließlich im Jahre 1181 nach fußfälliger Bitte auf dem Reichstage zu Erfurt nur das zum Teil väterliche, zum Teil mütterliche Erbe: Lüneburg und Braunschweig.
Um Pfingsten (20. Mai) 1184 erfolgte bei Mainz die Schwertleite, wie seines Bruders, HEINRICHS VI., so auch Herzog Friedrichs. Das bei diesem Anlaß veranstaltete Fest ward mit einer nie gesehenen Pracht gefeiert und lebte in Liedern und Erzählungen noch lange fort; strömten doch auch aus fremden Ländern, wie Frankreich, England, Spanien, Italien, Illyrien, den slawischen Gebieten, Teilnehmer zusammen, so dass 40.000 nach anderer Angabe 70.000 anwesende Ritter gezählt wurden, ohne das andere Volk. HEINRICH war bereits vierjährig im Jahre 1169 zum König gewählt und gekrönt worden und vermählte sich im Jahre 1186 mit der sizilischen Erbtochter Konstanze; Friedrich erhielt wohl erst jetzt das Herzogtum Schwaben förmlich und zu selbständiger Verwaltung übergeben und handelte in den folgenden Jahren öfters in schwäbischen Angelegenheiten. Schon zuvor war er mit den zu erwartenden Erbgütern Welfs VI. und dem Besitz des Grafen Rudolf von Pfullendorf ausgestattet worden. In der Folge erscheint er häufig in Gesellschaft des greisen Vaters, und als die Trauerkunde im Abendlande erscholl, die heilige Stadt sei in die Hände des Sultans Saladin gefallen, ließ er sich, wiederum zu Mainz, zugleich mit dem Kaiser am 27. März 1188 von dem kaiserlichen Kanzler Gottfried, dessen zündende Rede hier besonders wirksam war, das Kreuz feierlichst erteilen.
Der Kreuzzug, von den größeren Zügen der dritte, erfreute sich einer stattlichen Zahl von Teilnehmern, besonders aus Schwaben, und brach am 11. Mai 1189 von Regensburg auf. Von Nissa an ordnete der Kaiser das Heer in vier Abteilungen und übertrug den Oberbefehl über die ersten derselben, Schwaben und Bayern, dem Herzoge Friedrich. Der junge Fürst bewies sich bei den verschiedensten Gelegenheiten als unermüdlich kühnen, aber auch auf das Wohl des Heeres bedachten Krieger. Erwarb er sich durch seine Fürsorge den Beinamen "Herr Schaffner", so schlug er anderseits bei Philippopel ein griechisches Heer in die Flucht, nahm die reiche Stadt Berrhöa ein, erhielt einmal durch einen Steinwurf den Helm vom Haupt geschleudert und einen Zahn ausgeschlagen, und stürmte insbesondere am 18. Mai 1190, mit fünf anderen zuerst in die Stadt eindringend, die Tore Iconiums. Als der Kaiser am 10. Juni des Jahres in den Wellen des Saleph seinen Tod fand, wurde Friedrichvon dem bei weitem größten Teil des Heeres zum Führer gewählt und es wurde ihm gehuldigt. Allein schwere Krankheiten rafften eine Menge Kreuzfahrer dahin, viele kehrten in ihre Heimat zurück und zerstreuten sich. Mit einem kleinen Rest des Heeres - die Angaben schwanken zwischen 1.000 bis 15.000 Mann - gelangte der Herzog am 7. Oktober 1190 vor Akkon und verband sich allda mit den Christen, welche die Feste bereits belagerten, erlag jedoch bereits am 20. Januar 1191 der verheerenden Seuche. Seiner Verordnung gemäß wurde er in der Kirche neben dem deutschen Spital in der Stadt beerdigt, sein Leichenbegängnis aber durch glänzende Beleuchtung des Lagers geehrt. Dass der wegen seiner Tapferkeit, seines frommen Eifers und seiner Wohltätigkeit allgemein beliebte Herzog vor Akkon Gründer des Deutschen Ordens geworden, wie vielfach angenommen wird, ist nicht richtig; er hat vielmehr nur das Spital, aus welchem später, im Jahre 1198, dieser Orden erwachsen ist, begünstigt und unterstützt, indem er die Lübecker und Bremer Kreuzfahrer, welche vor genannter Stadt unter den ausgespannten Segeln ihrer Schiffe ein Feldlazarett errichtet hatten, veranlaßte, dieses Spital mit aller Ausstattung zum Zwecke einer dauernden Wirksamkeit an seinen Kaplan Konrad und seinen Kämmerer Burchard zu übergeben, und indem er sich an seinen Bruder König HEINRICH mit der Bitte wandte, vom Papste eine bestätigende und schützende Bulle für dieses Institut zu erwirken.
Friedrich hatte sich im Jahre 1181 mit einer Tochter König Waldemars I. von Dänemark verlobt, eine Verbindung, welche an dem feindseligen Benehmen des Bruders der Braut, König Knuds VI., scheiterte, sodann - auf dem Kreuzzuge zu Gran - mit einer Tochter König Belas III. von Ungarn.