Friedrich II.                                   Herzog von Schwaben (1105-1147)
---------------
1090-4./6.4.1147
         Schloß Hagenau

Begraben: Benediktinerkloster Sankt Walburg im Heiligen Forst (Unterelsaß)
 

Ältester Sohn des Herzogs Friedrich I. von Schwaben und der Agnes von Waiblingen, Tochter von Kaiser HEINRICH IV.
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 959
********************
Friedrich II. (monoculus), Herzog von Schwaben aus dem Hause der STAUFER
--------------------------------
* 1090, + 6. April 1147

Begraben St. Walburg bei Hagenau

Sohn des Herzogs Friedrich I.

Als Herzog hat Friedrich beim Tode des Vaters 15 Jahre alt, gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder KONRAD die staufische Politik in Schwaben und Franken im Auftrag des Königs weitergeführt, an dessen Unternehmungen er beteiligt war; beim Italienzug 1116 ließ HEINRICH V. die staufischen Brüder in Deutschland mit königlichen Vollmachten zurück. Insbesondere im linksrheinischen Gebiet des Elsaß und der Pfalz hatte Friedrich auf der Basis des salischen Besitzes und des staufischen Hausgutes eine Machtposition aufgebaut und durch Burganlagen gesichert (Beiname: "Burgenbauer"). Auch die Gründung Hagenaus geht auf ihn zurück, und er war an der Stiftung des Klosters St. Walburg beteiligt, in dessen Nähe auch die Klöster Königsbrück und Neuburg entstanden. Nördlich davon, bei Kirchheimbolanden, wurde das Stift Münsterdreisen restituiert, und auch das Prämonstratenser-Kloster Lochgarten (bei Mergentheim) geht auf Friedrich zurück.
Seine um 1120 erfolgte Heirat mit Judith, Tochter des WELFEN-Herzogs Heinrich des Schwarzen, bildete, so sieht es Otto von Freising 30 Jahre später, den "Eckstein" der Einheit von welfischem und staufischem Haus. Da schon damals abzusehen war, dass HEINRICH V. kinderlos bleiben würde, versicherte sich Friedrich mit dieser Heirat der Unterstützung der WELFEN und betrieb nach HEINRICHS Tod 1125 die Königswahl in der Gewißheit, Nachfolger des SALIERS zu werden. Seine Niederlage gegen LOTHAR VON SÜPPLINGENBURG führte zu einem jahrelangen Krieg, wobei Friedrichs Bruder KONRAD dazu ausersehen wurde, LOTHAR als Königskandidat entgegenzutreten.
Die schließliche Unterwerfung der STAUFER 1134 nach einer Kette glückloser Feldzüge brachte dem Reich den Frieden, beließ jedoch den STAUFERN ihre Güter und Rechte, was ihnen nach LOTHARS Tod (Dezember 1137) den erneuten Kampf um das Königtum ermöglichte, in dem KONRAD III. gegen den WELFEN Heinrich den Stolzen, den Schwiegersohn LOTHARS, erfolgreich blieb. In den folgenden Jahren blieb Friedrich ein treuer Gefolgsmann des Bruders. In jahrzehntelangem Ringen und durch kluge Haus- und Territorialpolitik hatte Friedrich die Machtbasis behauptet und sie für das spätere Königtum seines ältesten Sohnes FRIEDRICH BARBAROSSA ausgebaut.

Literatur:
-----------
Friedrich I.: Stälin 39 ff.; Heuermann, 66 ff.; Weller, 284 ff. - NDB V, 589 - J. Dietrich, Hzg. F II. v. Schwaben [Diss. Gießen 1954; ungedr.] - H. Werle, Stauf. Hausmachtpolitik am Rhein im 12. Jh. ZGO 110, 1962, 241 ff. - F. Vollmer, Besitz der Staufer, HABW V, 4, 1977 - H. Schwarzmeier, Die Zeit der Staufer (Lit. ber.), BDLG 117, 1981, 525 ff. - H. Keller, Schwäb. Hzg.e als Thronbewerber, ZGO 131, 1983, 123 ff.



Bedürftig Friedemann: Seite 81
******************
"Taschenlexikon Staufer"

FRIEDRICH II. DER EINÄUGIGE VON SCHWABEN
-----------------------------------------------------------------------
* 1090, + 6.4.1147

"Herzog Friedrich zog am Schweif seines Pferdes stets eine Burg hinter sich her", heißt es beim staufischen Geschichtsschereiber Otto von Freising über ihn: Friedrich II. von Schwaben mit dem Beinamen "der Einäugige" ist bekannt als Burgenbauer. Sorgfältig sicherte er die staufischen Erwerbungen durch Anlage von befestigten Stützpunkten. Der Sohn Herzog Friedrichs I. von Schwaben war in erster Ehe mit der WELFIN Judith (+ um 1135), der Tochter Herzog Heinrichs IX. des Schwarzen von Bayern, in zweiter mit Agnes, der Tochter des Grafen Friedrich von Saarbrücken, verheiratet. Aus der ersten Ehe stammte der spätere Kaiser FRIEDRICH I. BARBAROSSA. Als Gefolgsmann und Vetter HEINRICHS V., obendrein durch seine Heirat mit dem WELFEN-Haus verwandt, konnte sich Friedrich beim Tod des erbenlosen Kaisers 1125 als dessen legitimen Nachfolger betrachten. Statt seiner wurde jedoch LOTHAR VON SUPPLINBURG gewählt. Die staufische Partei stellte gegen ihn 1127 Friedrichs Bruder KONRAD III. als Gegen-König auf. Das führte zu einem jahrelangen Krieg, an dessen Ende 1134 die Unterwerfung der STAUFER stand. Nach LOTHARS Tod im Dezember 1137 ergab sich aufs neue Gelegenheit, den Kampf um die Königskrone aufzunehmen; diesmal mit Erfolg: Im März 1138 wurde KONRAD gewählt. Gemeinsam legten die Brüder in den folgenden Jahren die Grundlagen des staufischen Königtums, KONRAD durch den Ausbau der Königsmacht, Friedrich durch umsichtige Territorialpolitik (Burgenbau, Klostergründungen).



Brandenburg Erich: Tafel 11 Seite 23
****************
"Die Nachkommen Karls des Großen"

XIII. 113 a. FREIDRICH II., Herzog von Schwaben 1105
-------------------------------------
                   * 1090, + 1147 4. oder 6. IV.

Gemahlinnen:
-----------------
a) ca. 1120 Judith, Tochter des Herzogs Heinrichs des Schwarzen von Bayern (siehe XI 121)
                         + 22.II. nach 1130

b) ca. 1135 Agnes, Tochter des Grafen Friedrich I. von Saarbrücken
                           + ...



Decker-Hauff Hansmartin: Band III Seite 349
**********************
"Die Zeit der Staufer"

VII. GENERATION

35 (21) FRIEDRICH (II.) DER EINÄUGIGE
---------------------------------------------------------
* 1090, + 4.(oder 6.) 4.1147
Burg am südlichen Riesrand Alzey

Begraben: Benediktinerkloster Sankt Walburg im Heiligen Forst (Unterelsaß)

Herzog von Schwaben 1105-1147
1125 nach dem Tod seines Mutter-Bruders Kaiser HEINRICH V. Anwärter auf die deutsche Krone, unterliegt bei der Wahl.

  um 1119/21
  I. oo JUDITH WELF
          * um oder bald nach 1110, + 22.2. (1130 oder 1131)

Begraben: in Kloster Lorch, das Herz wahrscheinlich in Sankt Walburg im Heiligen Forst

Tochter des Herzogs Heinrich der Schwarze von Bayern (1072-1126) und der Wulfhilde von Sachsen (1071/76-1126), Tochter des Herzogs Magnus von Sachsen

  II oo  um 1132/33
         AGNES VON SAARBRÜCKEN
          * um 1115, +  wohl nach 1147

Begraben: in Sankt Walburg im Heiligen Forst

Tochter des Grafen Friedrich I. von Saarbrücken und der Gisela von Langenselbold-Gelnhausen

  III oo zu unbekanntem Zeitpunkt freie Verbindung mit einer
         unbekannten Frau, wahrscheinlich zwischen 1110 und 1120

Kinder erster Ehe: 44 (Friedrich Barbarossa), 45 (Bertha), wohl weitere Kinder

Kinder zweiter Ehe: 46 (Judith/Guta), 47 (Konrad der Pfalzgraf), 48 (Liutgard) und wohl weitere Kinder

Nichtehelicher Sohn: ? 49 (Terricus/Dietrich)



Schnith Karl Rudolf: Seite 263
*****************
"Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern. Von den Karolingern zu den Staufern."

FRIEDRICH (II.) DER EINÄUGIGE
------------------------------------------------
* 1090 im südlichen Riesgau
+ 4./6.4.1147 in Alzay

Grabstätte: Benediktinerabtei St. Walburg im Heiligen Forst (Unterelsaß)

  1. oo um 1119/21
          JUDITH
          * um 1100, + 22.2. (1130 oder 1131)

Grabstätte: Benediktinerabtei Lorch, das Herz wahrscheinlich in der Benediktinerabtei St. Walburg im Heiligen Forst (Unterelsaß)

Tochter Herzog Heinrichs IX. des Schwarzen von Bayern (+ 1126) aus dem Hause der WELFEN und der Wulfhild von Sachsen (+ 1126), Schwester Herzog Heinrichs X. des Stolzen von Bayern und Sachsen (+ 1139)

  2. oo um 1132/33
          AGNES VON SAARBRÜCKEN
           * um 1115, + wohl nach 1147

Grabstätte: Benediktinerabtei St. Walburg im Heiligen Forst (Unterelsaß)

Tochter des Grafen Friedrich I. von Saarbrücken und der Gisela von Langenselbold-Gelnhausen



Schwennicke Detlev: Tafel 14
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

FRIEDRICH II. DER EINÄUGIGE
----------------------------------------------
* 1100, + Alzay 5. (6.) IV 1147

Begraben: Abtei Walburg

1105/47 HERZOG VON SCHWABEN
1116 REICHSVERWESER
1125 THRONKANDIDAT

  1. oo um 1119-1121
           JUDITH VON BAYERN (WELFEN)
           * (1100), + 22. II (1130-1131)

Begraben: Walburg

Tochter von Heinrich dem Schwarzen Herzog von Bayern

  2. oo um 1132-1133
          AGNES VON SAARBRÜCKEN
                      +

Tochter von Friedrich I. Graf im Saargau



Friedrich II. und sein Bruder KONRAD leisteten ihrem Onkel HEINRICH V. im  Investiturstreit und im Kampf gegen LOTHAR VON SUPPLINBURG tatkräftige Hilfe. Als kaiserlicher Feldherr war Friedrich 1110/11 und 1116-1118 mit in Italien und beschwor 1122 mit das Wormser Konkordat. Durch den Tod HEINRICHS V. erbte er mit seinem Bruder das umfangreiche Hausgut des erloschenen Königsgeschlechts am Mainz und Mittelrhein und bewarb sich um die Königsnachfolge. Da er auch den an die Königswürde gebundenen Besitz, das Krongut, an sich gebracht hatte, übergingen ihn die Fürsten auf Veranlassung des Erzbischofs Adalbert I. von Mainz bei der Königswahl und zogen den schwächeren LOTHAR III. VON SUPPLINBURG [Eigene Anmerkung: Dieser These wird in der neueren Forschung in Bezug auf die Rolle Adalbert und auch auf die Stärke LOTHARS widersprochen] vor. Da er sich weigerte, das salische Krongut herauszugeben, wurde Friedrich im Dezember 1125 geächtet. Er stand besonders gegen den Erzbischof Adalbert I. von Mainz, verlor nach und nach bis 1135 alle staufischen Stützpunkte (Speyer, Ulm, Nürnberg) und unterwarf sich mit dem Bruder und behielt dadurch Schwaben und die elsässischen Besitzungen. Er unterstützte 1138 tatkräftig den unglücklichen Bruder und kämpfte besonders in Bayern gegen die WELFEN-Partei.

Mühlbacher Josef: Seite 23-26
***************
"Lebenswege und Schicksale staufischer Frauen"

Nach dem Tod Kaiser HEINRICHS V., 1125, mit dem das salische Haus ausstarb, erhoffte Friedrich II. Herzog von Schwaben als Enkel Kaiser HEINRICHS IV. seine Wahl zum König. Die Krone fiel Herzog LOTHAR VON SACHSEN-SUPPLINBURG zu. Als dieser 1137 starb, mußte die Wahl zwischen WELFEN und STAUFERNentschieden werden. Der sterbende Kaiser LOTHAR hatte die Reichsinsignien dem WELFEN Heinrich dem Stolzen übergeben, womit er ihn zur Wahl vorschlug. Gewählt ab er wurde 1138 in Koblenz der STAUFER KONRAD, der Bruder Herzog Friedrichs II. KONRAD III. wurde der erste König aus dem staufischen Hause.
Warum Herzog Friedrich II. bei der Königswahl zugunsten seines jüngeren Bruders KONRAD übergangen worden war, wissen wir nicht. Dass Friedrich, der durch einen Unfall oder im Kampf eine Auge verloren hatte, weswegen er "Einaug" genannt wurde, kann als Grund nur vermutet werden. Ein anderer Grund hätte gewesen sein können, dass sich Friedrichwährend der Abwesenheit König HEINRICHS V. als Reichsverweser sehr ländergierig gezeigt und auch nach dem Reichsgut Nürnberg gegriffen hatte, was ihm die Reichsacht eingebracht. - Friedrich stand seinem zum König gewordenen Bruder KONRAD III. im Kampf gegen die WELFEN zur Seite, wie er ihn gegen LOTHAR VON SUPPLINBURG unterstützt hatte.
Herzog Friedrich II. widmete sich um so eifriger der Hausmacht seiner elsässischen und schwäbischen Besitztümer. Der Bischof Otto von Freising, sein Halbbruder, sagte von ihm: "Er ziehe am Schweif seines Rosses stets eine Burg nach sich" und zeichnete von ihm das folgende Charakterbild: "Der Herzog war im Kriege tapfer, in Geschäften gewandt, in Blick und Gemüt heiter, im Gespräch geistreich und mit Geschenken so freigebig, dass deshalb eine sehr große Menge Ritter bei ihm zusammenströmte und sich ihm zu Dienste anbot." Wir erkennen diese Eigenschaften bei seinem Sohn FRIEDRICH BARBAROSSA wieder.
Dieses Bild Herzog Friedrichs II. wird im Hinblick auf seine Nachfahren durch das seiner Gemahlin Judith ergänzt. Sie fügte dem staufischen Geschlecht Züge der WELFEN hinzu, die in späteren STAUFERN, besonders  in Kaiser HEINRICH VI.und dessen Sohn Kaiser FRIEDRICH II., deutlich hervortreten: Stolz, leidenschaftliche Unberechenbarkeit und Härte bis zur Grausamkeit. Den WELFEN fehlte die anziehende Heiterkeit und Lebensart der STAUFER.
Die Ehe zwischen Friedrich II. und Judith wurde zwischen 1120 und 1123 geschlossen. Sie dauerte 10 Jahre und wurde von dem charakterlichen und politischen Gegensatz zwischen STAUFERN und WELFEN überschattet, wenngleich die Ehe mit der Absicht geschlossen worden war, zwischen beiden Häusern Frieden zu stiften. Die Kämpfe zwischen beiden entflammten nach dem Tod Heinrichs des Schwarzen (1126) und erreichten mit dessen Nachfolger, Heinrich dem Löwen, einen Höhepunkt.
Der Gemahl Judiths stand an der Seite seines Bruders König KONRAD III. in diesen nur selten ruhenden Konflikt mit den nächsten Verwandten Judiths. Judith mag an diesem Zwiespalt gelitten haben. Sie starb um 1130, als der Kampf der beiden Geschlechter durch Heinrich den Stolzen unerbittlich wurde.

Engels Odilo: Seite 41-43,98,104,153,256
***********
"Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert"

Otto von Freising schreibt in seiner Chronik über seinen Halbbruder: Beim Tode HEINRICHS V. hätten sich dessen Neffen eines solchen Ansehens im Reiche erfreut, dass sie sich auf der Höhe ihrer Macht der Königsnachfolge sicher fühlten. Doch sie wurden bei der Wahl übergangen und anschließend aufs tiefste gedemütigt.
Die Absicht LOTHARS III. nach seiner Wahl, Reichsgut aus der salischen Hinterlassenschaft herauszubrechen, muß deshalb die STAUFERüber ihren angefallenen Machtzuwachs hinaus getroffen haben. Insofern hinterläßt die Königserhebung von 1127 den Eindruck einer Flucht nach vorn, die den aus Reichs- und Hausgut zusammengewachsenen salisch-staufischen Komplex am Rhein vor einer territorialpolitischen Entwertung bewahren sollte. Inwieweit dieser Gesichtspunkt auch 1138 von seiten KONRAD ausschlaggebend war, hängt von der Beurteilung der Bamberger Aussöhnung im Jahre 1135 ab. Es heißt zwar, KONRAD habe alle seine Güter zurückerhalten, die ihm entzogen worden seien; das betraf aber nur seinen mainfränkischen, aus der Zeit HEINRICHS V. stammenden  Besitz. Für seinen Bruder Friedrich darf man eine ähnliche Restitution in Rheinfranken annehmen, nachdem die STAUFER 1131 von dort vollständig verdrängt worden waren.
Nach dem Bericht Ekkehards von Aura, unserem wichtigsten Gewährsmann, befanden sich die Kaiserin Mathilde, Friedrich II. von Schwaben und andere Große am Sterbelager HEINRICHS V. in Utrecht; und der Kaiser vertraute nach Rat über den Stand der Reichsherrschaft seine proprietates sowie seine Gattin der ObhutFriedrichs, seines Erben, an. Interpretiert man den Satz streng, dann bezeichnet er den Schwaben-Herzog zwar als Erben, aber nicht als Universalerben, so dass Friedrich hier durchaus als Sachwalter einer nicht näher umschriebenen Erbengemeinschaft, der er selbst angehörte, gedeutet werden kann. Dafür sprechen auch andere Gründe. Will man proprietates mit Eigengütern, also salischem Hausgut, übersetzen, dann war dem Schwaben-Herzog auch die in jedem Falle konfliktreiche Absonderung des Hausgutes vom Reichsgut überlassen, es sei denn, der sterbende Kaiser kalkulierte bereits die königliche Rechtsnachfolge seines Neffen ein, ohne sie mit seiner Verfügung jedoch zu präjudizieren. Und Friedrich teilte das salischeErbe tatsächlich in einer Form auf, die wie eine Fortsetzung der vorausgegangenen staufischen Hausmachtexpansion erscheint; alles Gut westlich des Rheins fiel an Friedrich selbst, das östlich des Rheins gelegene Gut an KONRAD, ebenfalls ein proximus heres des SALIERS. Und es ist auch keineswegs ausgeschlossen, dass auch die BABENBERGER bei dieser Gelegenheit mit salischer Hinterlassenschaft in der Oberpfalz bedacht worden sind.
Als die STAUFER-Brüder während der zweiten Italienfahrt HEINRICHS V. die Adelsopposition in Schach zu halten und in den Königslandschaften am Rhein und in Mainfranken die Machtstellung des SALIERS wieder zu festigen, konnten sie noch nicht wissen, dass die erst 1114 geschlossene Ehe HEINRICHS V. kinderlos bleiben werde. Die mit dem Reichsauftrag einhergehende Hausmachtpolitik der STAUFER aus diesem Grunde als Dienst an der kaiserlichen Reichspolitik zu bezeichnen, ist eine unzulässige Deutung. Eine selbstlose Identifizierung mit der salischen Politik scheidet schon deshalb aus, weil Friedrich II.sein Hauskloster Lorch dem Apostolischen Stuhl zu Eigen auftrug, ausgerechnet nachdem kurz vorher Pasachalis II. den Kaiser mit dem Bann belegt hatte; die Eigenstiftung dem päpstlichen Schutz zu unterstellen, war alles andere als ungewöhlich, macht in diesem Falle aber das mangelhafte innere Engagement an der prinzipiellen Auseinandersetzung des Investiturstreites deutlich. Und nachdem HEINRICH V. 1120 einen Ausgleich mit der Fürstenopposition gesucht hatte, unterstützten die STAUFER in Würzburg eine dem Kaiser nicht genehme Bischofskandidatur und verhalfen Burchard II. von Worms zur Rückkehr in seine Bischofsstadt, was den Kaiser zum Abbruch seiner Heerfahrt nach Frankreich zwang.
Herzog Friedrich II. habe im Anschluß an die Königswahl von 1138 die Bischofswahl Adalberts II. betrieben und dessen Bestätigung durch KONRAD III. gleich mitgebracht. Nicht die Verwandtschaft mit der Frau Friedrichs II. dürfte den Ausschlag für die Wahl Adalberts II. gegeben haben, sondern die Absicht, den Verwandtenkreis des Mainzer Adels durch dieses Entgegenkommen zum Anschluß an den neuen König zu bewegen.
Unter HEINRICH V. wurden die STAUFER in die Territorialpolitik des Königs einbezogen. Als der Kaiser 1116 nach Italien aufbrach, bestellte er den Pfalzgrafen Gottfried von Calw und die STAUFER-Brüder Friedrich II. von Schwaben sowie den späteren KönigKONRAD III. zu Verwesern des Reiches. KONRAD hatte sich um Würzburg und die nach Schwaben führenden Verbindungsstücke Frankens zu kümmern, Friedrich um das linke Rheinufer, wo "die größte Stärke des Reiches" lag, wie Otto von Freising schreibt. Dort habe Friedrich "am Schwanz seines Pferdes stets eine Burg hinter sich" hergezogen, das heißt, er brachte den dichten Streubesitz an Reichsgut und salischem Hausbesitz, der etwa vom Elsaß den Rhein abwärts bis Boppard reichte, wieder in die Hand des Königs.

Köhne Carl Ernst: Seite 29-41
***************
"Die Hohenstaufen" in "Die großen Dynastien "

Der nächste Friedrich heiratet die Tochter Judith Herzog Heinrichs des Stolzen von Bayern. Seither sind die mächtigsten süddeutschen Stammesfürsten, STAUFER und WELFEN, miteinander verschwägert. Dies sollte schon in der nächsten Generation zu einem das Gefüge des Reiches erschütternden, ja die ganze europäische Politik in Mitleidenschaft ziehenden Machtkampf zwischen beiden Familien führen.
Ein Wetterleuchten zeichnet sich bereits ab, als 1125 mit Kaiser HEINRICH V. das vor allem am Mittelrhein begüterte salisch-fränkische Herrscherhaus ausstirbt und der Schwager Friedrich von Schwaben, zugleich Anwärter auf den bayerischen Herzogshut, automatisch zur Thronnachfolge ansteht. Vor soviel Hausmacht graust es vielen Reichs- und Kirchenfürsten. Eine Mehrheit erhebt deshalb Herzog Lothar von Sachsen auf den Schild. Vergeblich versucht er den heftigen Widerstand besonders süddeutscher Reichsstädte mit Gewalt zu brechen.
 
 
 
 

     1119/21
  1. oo Judith von Bayern, Tochter des Herzogs Heinrich IX.
          1107/11-22.2.1130

    1135
  2. oo Agnes von Saarbrücken, Tochter des Grafen Friedrich I.
           um 1115- um 1147
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  FRIEDRICH I. BARBAROSSA
  1123/25-10.6.1190

  Bertha
  1120/25-   1179/95

25.3.1139
  oo Matthäus I. Herzog von Ober-Lothringen
              -13.5.1176

2. Ehe

  Judith (Guta)
  1136/39-7.7.1191

 1150
  oo Ludwig II. Landgraf von Thüringen
       1128-14.10.1172

  Konrad Pfalzgraf bei Rhein
  1136/40-26.7.1195

  Liutgard
        - nach 1155
 
 
 
 

Literatur:
----------
Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Staufer. Piper Verlag GmbH München 2000 Seite 81 - Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 11 Seite 23 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 16,25,30,34,39,69 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 25,26 - Decker-Hauf Hansmartin: Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung Stuttgart 1977 Band III Seite 349 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 221,268/ Band Seite 149, 218,223/Band III Seite 322 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 15,18, 19,22-26,31,34,35,44,48,93 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 41-43,62,68,72,94,96, 98,102,118,153 A,155,177 A,180 A,227,256,322 - Frommer, Hansjörg: Die Salier und das Herzogtum Schwaben, INFO Verlagsgesellschaft Karlsruhe 1992 Seite 87-113 - Giesebrecht Wilhelm von: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. Band 1- Band 6, Mundus Verlag 2000 - Höflinger Klaus: König Konrad III. (1138-1152), in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern, Hg. von Karl Rudolf Schnith, Seite 263 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag München, Seite 7,18, 25, 27,36 - Keller, Hagen: Schwäbische Herzöge als Thronbewerber: Hermann II. (1002), Rudolf von Rheinfelden (1077), Friedrich von Staufen 1125). Zur Entwicklung von Reichsidee und Fürstenverantwortung, Wahlverständnis und Wahlverfahren im 11. und 12. Jahrhundert, in  Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins Band 131 1983 - Köhne, Carl Ernst: Die Hohenstaufen, in: Die großen Dynastien Karl Müller Verlag Erlangen 1996 Seite 29-41 - Lehmann, Johannes: Die Staufer. Glanz und Elend eines deutschen Kaisergeschlechts, Gondrom Verlag Bindlach 1991, Seite 36-40,44,57 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246,Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 136,144,148,151 - Mühlbacher, Josef: Lebensweg und Schicksale der staufischen Frauen, Bechtle Verlag Esslingen 1977 Seite 23-26 - Opll Ferdinand: Friedrich Barbarossa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1998 - Pleticha, Heinrich: Deutsche Geschichte in 12 Bänden. Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH/Lexikothek Verlag GmbH, Gütersloh 1982 - Schmid Karl: Gebetsgedenken und adliges Selbstverständnis im Mittelalter. Ausgewählte Beiträge, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1983, Seite 151,155,158,165 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 19,21,155,157 - Schulze Hans K: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag - Schwarzmaier, Hansmartin: Die Heimat der Staufer. Bilder und Dokumente aus einhundert Jahren staufischer Geschichte in Südwestdeutschland, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1976 Seite 16,31, 33-37,41-47,54-56,75,112,132 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 14 - Stälin, Paul Friedrich: Geschichte Württembergs, Gotha 1882 Seite 255-268 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 36,41 -