Hermann I.                                              Burggraf von Magdeburg (1080-1118)
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    -22.7.1118
 

Jüngerer Sohn des Grafen Siegfried I. von Spanheim und der Richardis von Lavant, Erbtochter von Graf Engelbert IV.
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 264
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3. HERMANN

Burggraf von Magdeburg (seit Anfang des 12. Jh.); F. siehe 4 zu c 1100
(1090) siehe 2
c 1100 siehe 4
+ 1118 obiit Hermannus Magdeburgensis comes Annalista Saxo SS 6, 755, vielleicht 2277 Admont Necr. 2, 300.



Thiele Andreas: Tafel 495
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II

HERMANN I.
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    + 1118

wurde durch den Bruder Burggraf von Magdeburg und war 1104/05 als kaiserliche Stütze gefangen.

  oo N.N. (von Bilstein?), Tochter von Graf Wigger



Annalen von Hildesheim
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Das Jahr 1104.
 
In  der 9. Indiction, 1104, zu Weihnachten war der Hof des Kaisers in Regensburg, wo Graf Sigehard einen ungerechten Rechtspruch über die Dienstmannen that, weswegen er von ihnen erschlagen wurde. Daraus entstand von Seiten seiner Verwandten und aller Reichsfürsten eine große Verfolgung gegen den Kaiser, weil jener, wenn er ihm hätte zu Hülfe kommen wollen, keineswegs getödtet worden wäre. Da er aber merkte, daß er wegen dieser That nicht wenige Gegner  habe, begann er, rings von ihren Nachstellungen umgeben, eine passende Gelegenheit zur Flucht zu suchen. Endlich kam er fort und ging mit den Seinigen, um das heilige Osterfest zu
feiern, nach Mainz. Nachdem er nun das heilige Osterfest dort feierlich begangen, kam er nach Lüttich. Dorthin sollte Graf Herimann kommen und der Probst der Magedeburger Kirche Namens Hartwig, der Sohn des Grafen Eggelbert, welcher dort als Bischof eingesetzt werden sollte. Als sie nun zusammen auf dem Wege waren, wurden sie selbst und alles Ihrige von dem sächsischen Grafen Theoderich gefangen gehalten und verhindert an den Hof zu gelangen. Als der  Kaiser solches aber erfuhr, zürnte er gar sehr und, nachdem er um das Fest des heiligen Andreas ein Heer gesammelt, kam er in Begleitung seines Sohnes bis nach Fridislare, denn von dort muß man nach Sachsen ziehen. Dort hat in einer  Nacht, am 12. Dezember, der Sohn mit einigen Gefährten seines Vaters, welche er für sich gewann, nämlich Herimann  und Anderen, sich heimlich entfernt und suchte nach Baiern zu gehen. Als nun der Markgraf Thiepald, des oben genannten Grafen Sigehard Neffe, die Trennung des Sohnes vom Vater erfuhr, kam er mit allen Fürsten jener Gegend ihm freudig entgegen, nahm ihn ehrenvoll auf und geleitete ihn aufs Beste, um die Geburt des Herrn in Regensburg zu feiern. Nach Weihnachten aber schickte er Boten nach Rom und fragte den Papst um Rath wegen des Schwurs, den er dem Vater geleistet, daß er niemals ohne dessen Erlaubniß und Beistimmung  der Königswürde sich bemächtigen werde. Wie der Papst aber von dem Zwiespalt zwischen Vater und Sohn hörte, sandte er ihm in der Hoffnung, daß dies von Gott gekommen, durch den Bischof Gebehard von Konstanz den apostolischen Segen, indem er ihm für solches Vergehen Absolution im künftigen Gerichte versprach, wenn er ein gerechter König und Leiter der  Kirche sein wollte, die durch seines Vaters Nachlässigkeit seit langer Zeit verstört war. Sobald er nun die Worte des päpstlichen Trostes und die Lösung aus dem Banne von dem genannten Bischofe empfangen, belagerte er die Burg Nuorenberg und unterwarf sie seinem Befehle. Als aber der Vater am Morgen erfuhr, daß er des Sohnes beraubt sei, wird er von  übergroßem Schmerze ergriffen und kehrt nach Mainz zurück, um dort Weihnachten zu feiern. Der Bischof Johann von Speier starb. [1105 um Mittfasten kam der größte Theil der sächsischen Fürsten in Quidilingaburg zusammen, und da trafen zu ihnen der Markgraf Thiepold und Graf Beringer von Sulzbach, welche vom Könige abgesandt waren und ihnen in seinem Namen alle Treue und Gerechtigkeit zusagten, wenn sie ihm zur Erlangung der Krone ihre Zustimmung gewährten. Darauf meldeten sie ihm nach gemeinsamem Beschluß durch  jene Fürsten ihre Treue und Unterthänigkeit, und luden ihn  ein, zu Ostern zu ihnen zu kommen.] 
Der König kam nach Halverstadt und setzte die Kanoniker, welche Bischof Friderich mit Unrecht vertrieben hatte, in ihre  Stellen und in ihr Eigenthum wieder ein; die übrigen  Kanoniker aber werden aus dem Banne gelöst, in den sie verfallen,  weil sie dem Bischofe des verdammten Königs HEINRICH zugestimmt hatten. Von dort zog der König nach Hildenesheim, und als er sich der Stadt näherte, zog Bischof Udo mit Wenigen davon. Die Kanoniker werden aus dem Banne gelöst; die Geweihten zugleich mit dem, der sie geweiht, ihres Amtes  enthoben. Später aber wurde der Bischof auf den Rath der  Kanoniker zurückgerufen, kam wieder und gewann vom Banne
befreit die Gnade des Königs. In demselben Jahre haben in Northuson unter Vorsitz des jungen Königs der Mainzer Erzbischof Rothard und der Konstanzer Bischof Gebehard, der Legat des apostolischen Stuhles, nach Vorlesung vieler Sätze den Spruch gethan, daß die der Simonie Schuldigen aus der  heiligen Kirche zu stoßen seien. Das Fasten der "vier Zeiten."]

Annalista Saxo:
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"Reichschronik"

Das Jahr 1104.
 
Am Weihnachtstage hinderte ein großes Unwetter viele in die Kirche zu kommen; einige aber, welche kamen,  ertranken im Flusse Fulda. - Das Kloster in Alesleve brennt ab. - Der Bremer Erzbischof Humbert starb und ihm folgte Friderich. [Nachdem der Kaiser HEINRICH das heilige Osterfest feierlich in Mainz begangen hatte, kam er nach Lüttich.] Inzwischen hatte der sächsische Graf Theoderich, des Kaisers Anverwandter, einige Magadaburger, welche zum Kaiser nach Lüttich zogen, zur Schmach des Kaisers ausgeplündert und unter ihnen einen Kanonikus der Magadaburger Kirche Asikus, dem er vorwarf, daß er durch Simonie nach dem Bisthume strebe, und mit ihm den Magdeburger Grafen Herimann gefangen genommen, welchen er beschuldigte, der Urheber dieses Kaufes zu sein. [Als der Kaiser solches erfuhr, zürnte er gar sehr, sammelte um das Fest des heiligen Andreas ein Heer, und machte, begleitet von seinem Sohne,] dem Könige HEINRICH eine Heerfahrt gegen diesen Theoderich. Aber als er sich in Frideslar gelagert hatte, entstand Mißstimmung zwischen ihm und dem Sohne. Denn der Sohn verabscheute ihn, wie alle Gläubigen, weil er von den Päpsten Gregor, Urban und Paschalis für gebannt erkärt worden war.

Fenske Lutz: Seite 177 A. 409,200,210-214
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"Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen"

[Anm. 409 Erzbischof Hartwig von Magdeburg verschaffte seinem Bruder Hermann die Magdeburger Burggrafschaft. Dazu vgl. UB Magd. Nr. 175 Seite 236; Claude a.a.O. Seite 351,375.]
Aus der Ehe Siegfrieds mit Richgarda gingen drei Söhne hervor: Graf Engelbert I., der zur Zeit Erzbischof Gebhards Hochstiftsvogt von Salzburg war, Hermann, der spätere Burggraf von Magdeburg, und Hartwig. Die drei SPANHEIMER Brüder zählten zu den Gegnern HEINRICHS IV. [Anm. 27 Die wertvollsten Nachrichten zur Geschichte der SPANHEIMER an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert enthält der Traditionskodex des Klosters St. Paul, der von Abt Ulrich (1192-1222) angelegt wurde und auf einen älteren Kodex zurückgeht. Vgl. dazu Jaksch a.a.O. Seite 197 ff.; H. Patze, Adel und Stifterchronik (BllDtLdG 100 1964) Seite 67. Die in diesem Zusammenhang wichtigen ersten acht Kapitel des Traditionskodex sind unter dem Titel Fundatio Monasterii S. Pauli in Caranthia (MGH SS 15,2) Seite 1057 ff. ediert.].
Zur gleichen Zeit soll der Kaiser versucht haben, auf die Verhältnisse in Magdeburg Einfluß zu nehmen, indem er den Burggrafen Hermann wie auch cives der Stadt aufforderte, die Anhänger Heinrichs von Assel zu vertreiben.
Die Hildesheimer Annalen vermerken, daß Kaiser HEINRICH nach der Feier des Osterfestes von Mainz nach Lüttich aufbrach. Auf dem Wege dorthin befanden sich auch Burggraf Hermann und der Magdeburger Dompropst Hartwig, ein Sohn Graf Engelberts I., den HEINRICH IV. zum Erzbischof erheben wollte, als sie von dem sächsischen Grafen Dietrich überfallen wurden, der somit verhinderte, daß sie an den kaiserlichen Hof gelangen konnten [Ann. Hildesh. ad 1104 Seite 51]. Im Unterschied dazu nennt der Annalista Saxo an Stelle Hartwigs einen Domhernn Esiko [Ann. Saxo Seite 738]. Der Hildesheimer Überlieferung zufolge wäre also Hartwig, der Neffe des gleichnamigen Erzbischofs, als Kandidat kaiserlich gesinnter Kräfte in Magdeburg Anwärter auf das Erzbistum gewesen, und Burggraf Hermann, sein Onkel, als besonderer Förderer dieser Absichten aufgetreten.

Claude, Dietrich: Band I Seite 351,373,375,381,407
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"Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis ins 12. Jahrhundert"

Ebenso wie sein Vorgfänger Werner besaß Hartwig einen ausgeprägten Familiensinn. Sein jüngerer Bruder Hermann [Heinrichsen, Süddeutsche Adelsgeschlechter, p. 47. H. Lötzke, Die Burggrafen von Magdeburg aus dem Querfurter Hause, Diss. (Ms.) Greifswald 1950, p. 8.] begegnet 1100 als Vogt des Erzstiftes. Vermutlich erhielt er dieses Amt bereits um 1080. Im Gegensatz zu den STEUSSLINGERN konnten die SPONHEIMER in Sachsen jedoch nicht Fuß fassen, da Hermann nur eine Tochter hinterließ, die Rudolf von Stade heiratete.
Von großer Bedeutung für das Erzstift schien zunächst die Erwerbung Schweinfurts zu sein. Otto von Schweinfurt, der erblindet war, verkaufte unter Mitwirkung seiner Mutter Beatrix seinen Besitz an Magdeburg. Es handelte sich um Güter, die in und bei Schweinfurt lagen. Die veräußerten Liegenschaften besaßen anscheinend einen erheblichen Wert. Der Verkauf fand am 5. Februar 1100 im Magdeburger Dom vor dem Mauritius-Altar in Gegenwart zahlreicher Edler statt. Anwesend waren außer Beatrix ihr Vogt Sigebodo und der Magdeburger Vogt Hermann, in dessen Hände die symbolische Besitzübergabe erfolgte.
Der Vorwurf, seine Verwandten durch Hergabe von Kirchengut bereichert zu haben, könnte sich auf mögliche Vergabungen an seinen Bruder Hermann, den Magdeburger Vogt, und an seinen Neffen Hartwig beziehen.
Seit der Aussöhnung Hartwigs mit HEINRICH IV. muß sich in Magdeburg eine starke kaisertreue Partei gebildet haben. Da die Verwandten Hartwigs, Burggraf Hermann und Dompropst Hartwig, zu dieser Gruppe gehörten, wird man der Mainung Lüpkes, da Hartwigs Tätigkeit mehr den Gregoriamern als HEINRICH IV. genutzt habe, nicht zustimmen können.
Im Jahre 1118 starb der bisherige Vogt des Erzstiftes, Hermann von Sponheim. Da er keine männlichen Nachkommen hinterließ, konnte das Amt nicht in seiner Familie verbleiben. Adelgot verlieh die Vogtei seinem Verwandten Wiprecht von Groitzsch.
 
 
 
 

  oo NN von Bielstein, Tochter des Grafen Wigger
               -
 
 
 

Kinder:

  Ceizolf
       -

  Richardis Mitstifterin von Kloster Spanheim
        -   1151

  oo Rudolf I. Graf von Stade
            -7.12.1124
 
 
 
 

Literatur:
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Annalen von Hildesheim a. 1104 - Annalista Saxo: Reichschronik a. 1104 - Claude, Dietrich: Geschichte des Erzbistums Magdeburg bis ins 12. Jahrhundert, Mitteldeutsche Forschungen 67, Böhlau Verlag Köln 1972 Band I Seite 351,373,375,381,384,407 - Fenske, Lutz: Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung im östlichen Sachsen. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1977, Seite 177 A. 409,200, 206,210-214 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 495 -