SLAVNIKIDEN
 

Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 2004
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Slavnikiden
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Fürstengeschlecht in Böhmen, benannt nach Slavnik (+ 981), Fürst in Libice und Ostböhmen, oo Strezislava (= Adilburc?), 6 Söhne: Sobebor oder Sobeslav, Spytimir, Pobraslav, Porej, Caslav und Vojtech-Adalbert (später Bischof von Prag); Sohn einer unbekannten Gemahlin: Radim-Gaudentius (später Erzbischof von Gnesen). Vielleicht stand Slavnik in einem Verwandtschaftsverhältnis zu HEINRICH II., vielleicht war er mit einem Fürsten von Kourim (Radoslav?) und auch mit den PREMYSLIDEN verwandt. Schon die Adalberts-Legenden schreiben ihm eine besondere Machtstellung zu, nach Cosmas von Prag gehörte zu seinem Herrschaftsbereich sogar mehr als die Hälfte Böhmens. Die ältere Forschung sah daher in den SLAVNIKIDEN ein altes Fürstengeschlecht der böhmischen Kroaten, das einen Konkurrenzkampf mit den PREMYSLIDEN führte. Die neuere Forschung bezweifelt diese Interpretation und hält die SLAVNIKIDEN für ein mit den PREMYSLIDEN verwandtes Geschlecht, das an der neuen staatlichen Organisierung Böhmens durch Boleslav I. teilgenommen hat. Um 950 kam Slavnik nach Libice, offenbar als ein Beamter Boleslavs I., und regierte von dort einen größeren Teil O-Böhmens. Slavniks Nachfolger Sobebor ließ sogar (nach 985) eigene Münzen prägen, zum Teil auch für seinen Bruder Adalbert, den Bischof von Prag. Als Böhmen seine Ausdehnung im Osten gegen die Angriffe Mieszkos I. von Polen nicht halten konnte und 990 Kleinpolen und Schlesien verlor, machte man vor allem Adalbert für die dadurch ausgelöste Krise verantwortlich. Ende September 995 wurde Libice von Bolelsav II. überfallen und geplündert, wobei auch die 4 Brüder Sobebors fielen. Sobebor, der damals mit dem tschechischen Heer an dem Kriegszug OTTOS III. gegen die Abodriten teilgenommen hatte, suchte Zuflucht bei Boleslaw I. Chrobry. Er kam mit diesem 1003 nach Böhmen, fiel aber bei dem Rückzug Boleslaws aus Prag im Jahre 1004. Spätere Nachrichten von seinen Nachkommen in Polen sind ohne Wert.

Literatur:
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J. Losert, Der Sturz des Hauses Slavnik, AÖG 65, 1883, 327-348.
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