Hartwig                                            Bischof von Brixen (1023-1039)
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um 990
31.1.1039
 

Jüngerer Sohn des Grafen Engelbert III. im Chiemgau aus dem Hause der SIEGHARDINGER und der Adela von Bayern, Tochter von Pfalzgraf Hartwig I.


Schwennicke, Detlef: Tafel 28
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"Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band XVI, Bayern und Franken"

HARTWIG
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31.I.1039

Bischof von Brixen


GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 91
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18. Hartwig
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Bischof von Brixen (1023-1039)
31/1 Brixen Dom: Necr. 3, 5 F.
Der Kleriker Hartwich c 1020 (siehe unten) gilt mit Recht für den späteren Bischof gleichen Namens von Brixen, von dem ein Bruder namens Engelbert bekannt ist. Ihr Vater wird in den Quellen nicht genannt, aber es kann kein anderer als Engelbert III. gewesen sein. Engelbert IV. erlangte durch seinen bischöflichen Bruder die Grafschaft am Inn- und Norital und die Grafschaft im Pustertal, welch letztere er auf seinen Schwiegersohn Siegfried von Spanheim vererbte. Er war ja offenbar der Vater jener Richgard von Lavanttal, deren Sohn nach dem Großvater wieder Engelbert hieß und das mächtige Haus der SPANHEIMER in Bayern begründete. Er war auch jener Vogt Engelbert von Salzburg, der c 1035 zuerst auftritt und bei seinem Tode die Vogtei auf seinen Neffen Engelbert V. vererbte, von dem sie für kurze Zeit auch auf seinen SPANHEIMER Vetter Engelbert, Engelberts IV. Enkel, überging. Im Besitz der SPANHEIMER trifft man ferner - und das ist entscheidend - die Herrschaft Kraiburg, deren Anfänge c 1010 schon bei Adala, der Gattin Engelberts V. (11) begegnen. Nicht weniger wichtig ist, dass die Brüder Bernhard und Siegfried von Spanheim (s. d. n 9 und 10), die nicht von der CHIEMGAUER Erbin Uta abstammen, trotzdem im Chiemgau namhaften Besitz haben, der nur von den SIEGHARDINGERN herkommen kann. Adala muss ja auch den Namen Hartwig, den des bekannten Salzburger Erzbischofs, in die Familie gebracht haben, der später auch bei den SPANHEIMERN häufig und den für den geistlichen Stand bestimmten Sprossen vorbehalten war. eV.
c. 1020 der Edle Hartwich, Kleriker und Kanzler der Kirche Salzburg, vertauschte Eigen in Kaser (nördlich Dellach an der Drau) an Salzburg mit dem Vorbehalt der Regelung, falls er Bischof würde Salzb. UB 1, 196 f. n 14
c 1030 Bischof Hartwich von Brixen schenkt seiner Kirche durch die Hand seines Vogtes Engelbert Besitz in Tödtenberg und Aschau (beide bei Kraiburg AG Mühldorf) im Isengau, Spitzenzeuge Meginhard Acta Tirol. 1, 26 n 65
Bruder Engelberts s. 19
Bischof Hartwich schenkt seinem Kapitel ein von seinem Bruder, dem Grafen Engilpreht, erworbenes Gut zu Lienz in der Grafschaft Lurn Acta Tirol 1, 28 f. n 71.


Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Seite 145
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"Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056)"

Deutlicher fassbar wird die Bischofsreihe dann wieder mit Hartwig (1022-1039), dem Sohn des Grafen Engelberg im Chiemgau und der ARIBONIN Adala, einer Schwester Erzbischof Aribos von Mainz. Aus der Sippe der SIEGHARDINGER stammend und, wie sein Vorgänger Albuin, über die Mutter mit den ARIBONEN verwandt, war Hartwig Mitglied der obersten Adelsschicht Bayerns, die in dieser Zeit mit den Erzbischöfen Aribo von Mainz, Pilgrim von Köln und Hartwig von Salzburg die Spitzen des deutschen Episkopates stellte, der wahrscheinlich aber auch Bischof Kadaloh von Zeitz-Naumburg angehört hat. Einer Salzburger Urkunde von ca. 1000 ist zu entnehmen, dass Hartwig damals als Primicerius dem Domkapitel seines Groß-Onkels Erzbischof Hartwigs von Salzburg angehörte. Vielleicht hat dieser oder sein Onkel Aribo von Mainz Einfluß auf seine Erhebung genommen, deren Umstände unbekannt sind. Als Bischof von Brixen begegnet er zuerst 1027 als nach der Unterwerfung Herzog Ernsts von Schwaben dessen Verbündeter Welf die Grafschaft Stegon verlor, die Hartwig erhielt, wodurch verkehrsgeographisch wichtige Teile des Bistums in die Hand des königstreuen Bischofs gelegt wurden. Die Bedeutung des Bistums Brixen als Stützpunkt königlicher Macht in Bayern an der südlichen Grenze des Herzogtums war damit erneut bekräftigt. Wichtig ist hierbei auch die Beobachtung, dass der Bruder Hartwigs, Engelbert, die Grafschaft im Puster- und Inntal erhielt, durch die weitere wichtige Stationen königlichen Einflusses durch die Einsetzung treuer indigener Personen errichtet wurden.
Hartwigs Teilnahme an der Krönung HEINRICHS III. 1028 in Aachen und eine weitere bedeutende Schenkung für Brixen sind wieder Bestätigungen seines vertrauensvollen Verhältnisses zum König. Am 30. Januar 1039 ist er gestorben.
 
 
 
 

Literatur:
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Finckenstein, Albrecht Graf Finck von: Bischof und Reich. Untersuchungen zum Integrationsprozeß des ottonisch-frühsalischen Reiches (919-1056), Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1989 Seite 145 - Schwennicke, Detlef: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der Europäischen Staaten. Neue Folge Band XVI, Bayern und Franken, Verlag von J.A. Stargardt Marburg 1984 Tafel 28 - Wegener, Wilhelm Dr. jur.: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, Heinz Reise-Verlag Göttingen 1962-1969 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 118 -