Josef Heinzelmann

Genealogische Randnotizen
zu Erzbischof Aribo von Mainz und den „Aribonen“

2. Aribos und Kunigundes Eltern

Der Vater ist der bayerische Pfalzgraf Aribo IV., der von ca. 979 bis 999 als handelnd belegt ist. [7 Belege bei Franz Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels im Hochmittelalter. In: Genealogische Tafeln zur mitteleuropäischen Geschichte, hrsgg. v. Wilhelm Wegener, 1962, Seite 56ff. Ich übernehme der Einfachheit halber die Zählweise der Personen gleichen Namens von Tyroller, ohne sie deshalb als richtig anzuerkennen. Tyrollers Arbeit ist wertvoll durch ihre auf Quellenbelegen beruhenden Prosopographien. Filiationen unterstellt er freilich oft entweder willkürlich oder nach missverstandenen Leitnamenregeln.] Er (oder seine allerdings nicht erwähnte Frau) wird 999 als blutsverwandt mit Herzog Heinrich IV. (dem späteren Kaiser) genannt.[8 MG D OIII nr. 319. Herzog Heinrich ist Petent für Aribo quod sibi coagulatione consanguinitatis proximus esset. Der Text ist nicht unbedingt zuverlässig (nur in der Briefsammlung des Froumund von Tegernsee überliefert) und nicht gerade konkret.] Aribo IV. war Bruder oder Schwager und Burggraf des später als heilig verehrten Erzbischofs Hartwig III. von Salzburg († 1023 Dezember 5) und wohl Großvater von Pilgrim, der 1021 Erzbischof von Köln wurde ( 1036 August 25).
Wer war nun aber des Erzbischofs Mutter Adala, die einzig bei der Gösser Schenkung des Sohnes erwähnt wurde, also auch zweite oder dritte Frau des Vaters gewesen sein könnte? Adala comitissa uxor Aribonis steht September 7 im Nekrolog des Klosters Seeon, das sie mit ihrem Mann wohl 996, spätestens 999 gegründet hatte, sowie (Adala com.) in dem von Niedermünster. [9 MG Necr 2, S. 230 und Necr. 3, S. 292. Das uxor kann in Nekrologen immer auch für vidua stehen.] Unter September 8 erscheint sie aber auch im Merseburger Nekrolog, und zwar in dessen Ergänzungsschicht, die spätestens 1018 eingetragen wurde. [10 Gerd Althoff, Joachim Wollasch, Die Necrologien von Merseburg, Magdeburg und Lüneburg (MGH Libri Memoriales et Necrologia Nova Series 2), 1983. Gerd Althoff, Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen (Münstersche MASchrr 47), 1984, S. 412.] Mithin ist sie vor 1018 gestorben. Die Urkunde für Göß besagt keineswegs, dass Adala noch am Leben war.
Wegen Namens- und Besitzvererbung und aus chronologischen Gründen galt sie als Mutter einer gleichnamigen Tochter, die als Frau des SIEGHARDINGERS Engelbert III. Mutter des Brixener Bischofs Hartwig (1023–1029) geworden sein dürfte. [11 Zuletzt Tyroller, Genealogie…, Seite 59.] Seit Mitscha-Märheim [12 Herbert Mitscha-Märheim, Awarische Wohnsitze und Regensburger Besitz zwischen Hainburg und Kittsee, in: Burgenländische Heimatblätter 14 (1952), Seite 150–156.] und Gewin hält man diese beiden Adala jedoch für identisch und meint, dass Engelbert die Witwe Aribos geheiratet habe. [13 J.P.J. Gewin, Herkunft und Geschichte führender bayerisch-schwäbischer Geschlechter im Hochmittelalter, 's-Gravenhage, 1957, S. 54. Dopsch, Aribonen - Stifter … folgt dem im Text und der Tafel auf Seite 62f., in der Tafel Seite 70f. spricht er allerdings von vier Töchtern.] Danach wäre in der September 7 bzw. 8 memorierten Dame die „edle Frau Adala“ zu sehen, die mit der Hand ihres Sohnes Sigehard Seelgerät für ihren verstorbenen [14 Auf Dopschs (Die Aribonen - Stifter…, S. 63) Tafel erscheint er als 1020 noch lebend!] Gatten Engelbert an die Abtei St. Peter in Salzburg übergibt. [15 Salzburger Urkundenbuch, hrsg. v. d. Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 1 Traditionscodices, gesammelt und bearbeitet v. Abt Willibald Hauthaler O. S. B., Salzburg 1910, Seite 274, Nr. 43, hier datiert auf „vor 1025 Februar 18“. Mal datiert man die Urkunde auf 1010, mal auf „vor 1025“. Falls es sich um die Witwe Aribos handelt, muss es auf alle Fälle heißen „vor 1018“.] Diese Annahme verträgt sich chronologisch auf keinen Fall mit derjenigen, sie sei aus zweiter Ehe Mutter Bischof Hartwigs, der den Namen ihres angeblichen Vaters von ihr bekam und noch im 10. Jahrhundert geboren sein muss. Adala war mindestens bis 1000 mit Aribo verheiratet, ein früheres Todesdatum ist für ihn nicht möglich.
Eine zweite Ehe der älteren Adala erscheint auch aus weiteren Gründen fragwürdig. Schließlich wird sie im Seeoner Eintrag ausdrücklich als uxor Aribonis bezeichnet, ohne Andeutung einer zweiten Ehe. Es ist zwar nicht sicher, wie viele Kinder Engelbert mit seiner Adala hatte, es scheinen aber mindestens drei gewesen zu sein, bei deren erstem sie fast 50 Jahre alt gewesen wäre. Auch führt das Argument, dass Sieghard und Pfalzgraf Hartwig IV. bei Ekkehard von Aura als Brüder bezeichnet würden zu ganz anderen Lösungen (Vgl. 8), da Pfalzgraf Hartwig IV. nicht Sohn sondern Enkel Aribos war und es sich um germani, nicht fratres uterini handelt.
Auch das bisher gewichtigste Gegenargument – dass im Seeoner Necrolog keine Adala als Tochter Aribos genannt ist – wird sich gleich entkräften, wenn nicht widerlegen lassen.
Mit anderen Worten: Diese wohl schon um 990 den SIEGHARDINGER Engelbert heiratende Adala war eine jüngere Verwandte, und wegen der Namensvererbung mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit die Tochter der anderen, die nach dem Tode Aribos wohl keine weitere Ehe geschlossen hat und für die die Einträge in Seeon und Merseburg gelten. Die Mutter dürfte Aribo Anfang der 970-er Jahre geheiratet haben, wie gleich nachzuweisen ist, also kaum später als 955 geboren sein. War sie wegen der Namenvererbung die leibliche Mutter der jüngeren Adala, dann wohl auch der Kunigunde und der übrigen Kinder Aribos IV. Erzbischof Aribo war gewiss einer ihrer jüngeren Söhne, sonst hätte er kaum die geistliche Laufbahn einschlagen dürfen oder müssen.