Grafen von Falkenstein-Hernstein
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EUROPÄISCHE STAMMTAFELN NEUE FOLGE BAND XVI Tafel 48
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 240
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Falkenstein (Neuburg-Falkenstein)
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Bayerische Grafenfamilie, benannt nach der Burg Falkenstein (Ruine südlich von Rosenheim/Oberbayern). Stammsitz der Familie war seit Anfang des 11. Jh. die Burg Weyarn (westliche Rosenheim, über der Mangfall). Nach Verwandlung des Stammsitzes in ein Augustinerchorherrenstift 1133 ließ sich die Familie weiter nordöstlich in einer neuen Burganlage nieder und nannte sich dementsprechend von Neuburg. Durch die Heirat Gertruds von Weyarn-Neuburg mit Rudolf von Falkenstein-Hernstein um 1125 kamen die NEUBURGER in den reichen Besitz dieser aus Hernstein (westlich Wiener Neustadt/Niederösterreich) stammenden Familie und nannte sich fortan Neuburg-Falkenstein. Siboto IV (* 1126, + um 1200), der Sohn Rudolfs, begründete den Aufstieg des Hauses, das im 12. Jh. eine wichtige Rolle im kirchlich-klösterlichen Leben S-Bayerns spielte. Unter Siboto IV. entstand der einzigartige Codex Falkensteinensis. Mit den Brüdern Siboto VI. (+ 6. Oktober 1244) und Konrad, dem letzten männlichen Vertreter seines Hauses (+ vor 30. Oktober 1260), setzte der schnelle Niedergang des Geschlechts ein, das wie die meisten bayerischen Dynasten dieser Zeit ein Opfer der zielstrebigen Territorialpolitik der WITTELSBACHER wurde.

Literatur:
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R. Bauerreis, Die Gf.en v. Neuburg-F. und die südbayer. Kl. im 12. Jh., SMGB 60, 1943, 77-81 - F. Tyroller, Die Mangfallgrafschaft, Das bayer. Inn-Oberland 29, 1958, 83-140 - Genealogie des altbayer. Adels im HochMA, 1962-69 - J.B. Freed, The Count of F.: Noble Self-Consciousness in Twelfth. Cent. Germany (Translations of the American Philos. Soc. 74/6) 1984 -
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Friedrich Prinz:
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"Bayerns Adel im Hochmittelalter"

Die Grafen von Falkenstein-Herrnstein, seit dem Ende des 11. Jahrhunderts als Adelsgeschlecht fassbar, hatten sich einen relativ geschlossenen Herrschaftsbereich zwischen Chiemsee und Hochgebirge im Unterinntal und im Sunder- und Chiemgau mit den Hauptzentren Falkenstein bei Brannenburg, Neuburg und Mangfalltal, Hadmersberg westlich des Chiemsees aufgebaut; hinzu kamen die Vogteien über das Hauskloster Petersberg (St. Peter am Madron) bei Falkenstein und über Stift Herrenchiemsee . Als Vögte kontrollierten die FALKENSTEINER ausgedehnten Salzburger Besitz, vor allem im Pinzgau, wo sie auch reiches Erbgut besaßen, ebenso in der Ostmark. Als gräfliche Verwalter amtierten Pröpste in Neuenburg, Falkenstein und Oberaudorf sowie in Herrenstein in Niederösterreich, dem 4. Herrschaftszentrum der Familie am Ostrand des Wienerwaldes bei Baden. Genealogisch eng mit den FALKENSTEINERN verbunden sind nach dem berühmten Codex Falkensteinensis (1165/93), dem einzigen uns vollständig erhaltenen Urbar einer weltlichen Grundherrschaft des 12. Jahrhunderts, die Herren von Haunsberg und Bruckberg sowie die Grafen von Weyarn.