Störmer Wilhelm: Seite 95,131,185,227,245,277-282,414,453-454
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"Früher Adel. Studien zur politischen Führungsschicht im fränkisch-deutschen Reich vom 8. bis 11. Jahrhundert."

Für den bayerischen Raum zeigt sich jedoch, daß der Burgenbau offensichtlich früher einsetzt. Im 9. Jahrhundert besitzt ein Graf Ratold - Vorfahre der EBERSBERGER - fern von seinem Amtsbereich. aber in unmittelbarer Nähe von Ebersberg die Eggelburg [121
Adelsgruppen 166f.]. Diese Anlage auf einem Hügel ist noch heute erkennbar. Die nahe Burg Ebersberg wurde am Anfang des 10. Jahrhunderts aus Holz errichtet und bald mit einem Hauskloster verbunden [122 MG SS XX11 f.]. Außerdem hatten die Grafen von Ebersberg vor ihrem Aussterben 1045 mindestens noch eine weitere Burg: Persenbeug an der Donau. die ein Grafschaftsmittelpunkt war [123 Lechner, Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels 36f; Riezler, Geschichte Baierns I 2, 60.]. Nach Persenbeug nennt sich aber auch schon um 970 ein Vasall der EBERSBERGER [124 Cartular Ebersberg 24 nr. 11 (vgl. nrr. 17,27,28,34,35).].
Hier im östlichen Markengebiet hielten die karolingischen Amtsträger im 9. Jahrhundert die Reichsburgen an der Donau besetzt, die jeweils Grafschaftsmittelpunkte waren, wie sich aus der Zollordnung von Raffelstetten ergibt [125
Mitterauer, Wirtschaft und Verfassung in der Zollordnung von Raffelstetten 364f, 368ff.]. Welche Position diese Herrern der Reichsaristokratie durch solche festen Plätze gewannen, zeigt das Beispiel der Belagerung Mauterns, wo der Markgrafen-Sohn Isanrich sich gegen den Kaiser verschanzt hatte [126 Mitterauer, Karolingische Markgrafen 190. Zum folgenden vgl. ebenda.]. Eine dieser karolingischen Burgen in der Mark war die Eparesburg, vermutlich das heutige Ybbs gegenüber von Persenbeug. Dieser Platz war in den Händen der WILHELMINER, einer Familie, die in der endenden KAROLINGER-Zeit fast ausgerottet, schließlich zum guten Teil von den Grafen von Ebersberg beerbt wurde. Es hat den Anschein, daß der karolingische Burgort Eparesburg den Namen für die Ebersberger Burg im bayerischen Altland abgab, was eine bewußte Traditionsübernahme der WILHELMINER-Herrschaft bedeuten würde. Es muß aber betont werden, daß wir keinen Hinweis dafür haben, daß sich das Geschlecht der »EBERSBERGER« nach dieser neuen Burg vor 1000 benannte, obwohl doch ganz offensichtlich ein starkes Geschlechtsbewußtsein seit der Bevorzugung des Grafen Sigihart durch König ARNULF vorhanden ist.
Beispielhaft für den Akt der Etablierung im Markengebiet ist vor allem das Geschlecht der EBERSBERGER [253
Siehe Adelsgruppen 165 ff; ferner Lechner (wie Anm.251) 36 f ; Mitterauer, Zollfreiheit und Marktbereich 141 ff.]. Schon im 9. Jahrhundert fassen die verwandtschaftlichen Vorläufer der EBERSBERGER im Osten Fuß. Der Kraichgau-Graf Sigihart verlor 861 als Parteigänger Prinz Karlmanns offenbar sowohl seine Grafschaft im Rheingebiet als auch seinen main- und rheinfränkischen Besitz [254 Mitterauer, Karolingische Markgrafen 216. ]. Karlmann aber scheint, als er selbst Herr des Südostens war, diesen Sigihart oder seinen Sohn in Karantanien eingesetzt zu haben. Das Chronicon Eberspergense berichtet jedenfalls, daß Sigihart preses in Norica regione gewesen sei [255 Chronicon Eberspergense (MG SS XX) 10. ], was keineswegs auf den Raum um Ebersberg selbst zutreffen kann, da dort in dieser Zeit ein Graf Orendil und nördlich davon ein Graf Regingar amtieren [256 Siehe Adelsgruppen 168f.]. Das Chronicon berichtet ferner, daß dem Sohne Sighards, Ratolt, der Schutz der Grenze durch Kaiser ARNULF anvertraut worden sei [257 Chronicon. Eberspergense (MG SS XX) 10. Von Ratold wird hier gesagt, daß er »in divinis secularibusque rebus erat ... strenuus, ob quod ei caesar Karentinos terminos tuendos commisit«.]. Mitterauer sucht seinen Amtsbezirk an der oberen Save, da seine Nachkommen in Krain noch lange eine starke Stellung besaßen. 928 wird außerdem ein karantanischer Graf Sigihart genannt [258 Mitterauer, Karolingische Markgrafen 224.], Unklarheit besteht freilich darüber, wie er genealogisch einzuordnen ist.
Wie K. Lechner [259
Lechner, Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels 33,36ff,45 ff,106. Vgl. Mitterauer, Karolingische Markgrafen 178 ff, 212.] erschlossen hat, treten die Grafen von Ebersberg vielfach als Besitznachfolger der WILHELMINER auf, und zwar zu beiden Seiten der Donau etwa zwischen Aist- und Erla-Mündung und der Tulln. Im östlichen und nördlichen Wienerwald erscheinen wiederum die Salzburger SIEGHARDINGER, die von dem oft zitierten Grafen Sigihart abstammen. Die EBERSBERGER sitzen außerdem im Süden der Böhmischen Mark, im Raume Gars und Eggenburg (Nieder-Österreich). Von hier aus erfolgte die Herrschaftsdurchdringung des Horner Beckens, das ein Einfallstor in das eigentliche Waldviertel ist, in dem dann die EBERSBERGER am Landesausbau teilnahmen. Vielfach können freilich die ebersbergischen Einflüsse nur durch die Erfassung der Besitznachfolger festgestellt werden. Unmittelbar urkundlich belegt sind als Besitzungen der EBERSBERGER im Osten nur ganz wenige Orte [260 Cartular. Ebersberg I nrr. 5,11,17,27,28,34,35,46, II nrr. 2,12; Trad. Geisenfeld nr. 5.]. Die einzige unmittelbare Nachricht, die auf Besitz der EBERSBERGER im niederösterreichischen Kamp deutet, ist der Bericht des Cartulars, nach welchem die Witwe des letzten EBERSBERGERS an das Hauskloster 10 Edelhufen in Norico ripensi in predio quod dicitur ad Champa ... in silva que vocatur Nortwalt geschenkt habe [261 Cartular Ebersberg 29 I nr. 42.]. Trotter [262 Trotter, Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte von Innerösterreich I. Die Grafen von Ebersberg und die Ahnen der Grafen von Görz 14. ] bezieht diese Angabe zwar auf Cham im Bayerischen Wald, doch macht Lechner [263 Lechner, Waldviertel 105f.] darauf aufmerksam, daß auch die Nachbarorte dieses Dorfes Kamp Grafenwörth und Grafeneck auf die EBERSBERGER zu beziehen seien. Wahrscheinlich als Reichslehen hatten die EBERSBERGER die Grafschaft Persenbeug an der Donau, die sie in eine Herrschaft umzuwandeln suchten. In dem Persenbeug gegenüber liegenden Ybbs scheint auch die spät-karolingische Ebersburg gelegen zu haben, von der die Raffelstetter Zollordnung berichtet [264 Mitterauer, Wirtschaft und Verfassung in der Zollordnung von Raffelstetten 369.]. Offenbar ist diese Reichsburg zu einem EBERSBERGER Herrschaftsmittelpunkt an der Donau geworden; der repräsentative Hauptsitz der EBERSBERGER scheint bei ihrem Aussterben Persenbeug gewesen zu sein. Eparesburg aber gehörte im 9. Jahrhundert den WILHELMINERN [265 Mitterauer, Karolingische Markgrafen 179f.]. Die jüngeren WILHELMINER sind wie die SIEGHARDINGER in Kärnten und in Salzburg anzutreffen [266 Ebenda 185. ]. Besonders in Nieder-Österreich lassen sich die EBERSBERGER als Besitznachfolger der Wilhelm-Engilschalk-Gruppe deutlich erschließen [267 Ebenda 187f.].
Die wechselseitige Bedingtheit von Königtum und Adel im frühen Mittelalter zeigt sich auch in der Grundherrschaft. Schon am Beispiel des frühmittelalterlichen Ost-Franken konnte beobachtet werden, daß der Adel sich grundherrschaftlich geradezu um Königshöfe und Königszentren gruppiert [120
Störmer, Der Raum Markt Bergel-Windsheim im frühen Mittelalter 335, besonders 546ff; vgl. dazu Karte bei Bosl, Franken um 800, 22. Metz, Eine Adelsgruppe um die Fuldaer Äbte Sturmi und Eigil l3f, 20ff; 27ff. Vgl. dazu Karte bei Bosl, Franken um 800
Austrasische Adelsherrschaft des 8. Jahrhunderts 279ff. Dieses Symptom einer gewissen Umkreisung, königlicher fisci durch Adelsgut läßt sich in fast ganz Ost-Franken beobachten: siehe Hauptkarte bei Bosl, Franken um 800. Dasselbe Bild zeigt sich wieder am Mittelrhein, wo gerade der mächtigste Adel um Königshöfe sitzt: Gockel 221 pass.
]. Das gilt in weitem Maße auch für Bayern, wo sich dieses Symptom nicht nur im Umkreis der Pfalzen, sondern auch in und um königliche Forstgebiet zeigen läßt. Beginnen wir mit der Herrschaft der Grafen von Ebersberg, des wohl mächtigsten Geschlechts im Bauern des 10. und frühen 11. Jahrhunderts [121 Über die Grafen von Ebersberg, ihren Besitz und ihre Herrschaft siehe Adelsgruppen 165 ff.]. Das Bewußtsein vom »Anfang« und Aufstieg dieses Geschlechts ist in den EBERSBERGER Quellen gebunden an den Besitz des fiscale forum Sempt eines königlichen Zentralortes im Norden des EBERSBERGER Reichsforstes. Seit dem 9. Jahrhundert wächst die engere Herrschaft des später als Grafen von Ebersberg bezeichneten Geschlechts fast konzentrisch um den EBERSBERGER Reichsforst [122 Zum EBERSBERGER Reichsforst siehe Puchner, Ebersberg 19; nr. 74a. Vgl. auch Sturm, Preysing 110.] herum. Noch um 1080 ist hier ein regius forestarius [123 Cartular Ebersberg 40, I nr. 127] bezeugt und im 12. Jahrhundert begegnet am Rande dieses Forstes ein Reichsministerialer [124 Puchner; Ebersberg 71, nr. 297: Pöring.]. Der EBERSBERGER Besitz um den Reichsforst, der zumindest teilweise Rodungsbesitz gewesen sein dürfte, läßt sich verhältnismäßig gut rekonstruieren aus dem EBERSBERGER Klostercartular [125 Siehe Karte des Besitzes der Grafen von Ebersberg im Anhang bei Störmer, Adelsgruppen.].
Eine zweite Herrschaft der EBERSBERGER, die sog. Grafschaft Herteshusen (= Hörzhausen, LK Schrobenlrausen) [126
Diepolder, Historischer Atlas Aichach 2. Schon K. Bosl (Reichsministerialität der Salier- und Staufer 161) hat - auf Grund des Vorkommens eines Reichsministerialen Gottfried von Hörzhausen (der wohl Inhaber der ehemaligen EBERSBURGER Burg war) - darauf hingewiesen, daß man in diesem Raum um Schrobenhausen noch mehr Reichsgut vermuten dürfe.] liegt ebenfalls am Rande eines Reichsforstkomplexes, des Forstes Hagenau, der sich ursprünglich offenbar an den großen Reichsgutskomplex Neuburg/Donau [127 Zu diesem königlichen officium ad paludem um Neuburg siehe Hamm, Herzogs- und Königsgut 32 ff.] anschloß. Auch in dieser Grafschaft Herteshusen haben die EBERSBERGER ein Kloster gegründet: Kühbach. Der alte Grundbesitz des Benediktinerinnen-Klosters Kühbach gibt uns daher gleichzeitig eine Vorstellung von der EBERSBERGER Herrschaft um Hörzhausen-Kühbach [128 Diepolder, Landgericht Aichach (HAB; 2. Vgl. unten im Anhang Karte des Besitzes der Grafen von Ebersberg.]. Die meisten KÜHBACHER Besitzungen liegen um die Täler von Ecknach und Paar, einige auch weiter östlich an der Weilach. Die Gründungen Ebersberg und Kuhbach sind denn auch früh Reichsklöster geworden.
Aber es gibt noch weitere Beispiele, die den engen Konnex von Königsgut und ebersbergischer Grundherrschaft aufzeigen. 1037 gründete Graf Eberhard von Ebersberg ein weiteres Benediktinerinnen-Kloster, nämlich Geisenfeld, das er mit umfangreichem Besitz, darunter dem Feilenforst, ausstattete. Volker von Volckamer [129
Volckamer, Historischer Atlas Pfaffenhofen-Wolnzach 5ff, vgl. 130f. 153f. Zur Ausstattung dieses Klosters vgl. wiederum die Karte des Besitzes der Grafen von Ebersberg, (Anhang).] konnte eine Reihe von Indizien zusammenstellen, die dafür sprechen, daß nicht nur der Feilenforst, sondern auch der Raum um Geisenfeld einen großen Reichsgutskomplex darstellten, der weitgehend in die Hand der Grafen von Ebersberg gekommen sein muß. Wichtig erscheint uns außerdem, daß im Markt Geisenfeld noch im 19. Jahrhundert der Hausname »Pfalz« begegnet [130 Volckamer 9.].
Schließlich ist zu verweisen auf einen vierten großen Herrschaftskomplex, den die Grafen von Ebersberg im östlichen Donauraum entwickelten: die »comicia« Persenbeug [131
Lechner, Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte des Waldviertels 33; 56f, 42, 47, 64.]. Sie reichte von der Donau bis weit in das Waldviertel hinein, das als Markengebiet offensichtlich ursprünglich Reichsgut war. Karl Lechner [132 Ebenda 57. Freilich ist der fern dieser comitia, wie aus einem spätmittelalterlichen Ebersberger Urbar hervorgeht (Item Castrum in Perssenpeuge cum omnibus suis attinentibus. habet ... dux Austrie), beim Kloster Ebersberg als Lehensherrn geblieben (freundliche Mitteilung von
Herrn Dr. A. Sandberger, München).
] hält auch dafür, daß diese »Grafschaft« Persenbeug nach dem Aussterben der EBERSBERGER an das Reich gefallen sei. Bezeichnend ist, daß unmittelbar gegenüber dem jüngeren Persenbeug die karolingische Reichsburg Eparesburg-Ybbs lag, an der die EBERSBERGER auf dem Erbschaftswege über die WILHELMINER offenbar Anteil erhielten [133 Mitterauer, Zollfreiheit und Marktbereich 1356.]. Meines Erachtens hat das Geschlecht den Namen dieser Burg übertragen auf seine neue »Stammburg« Ebersberg im bayerischen Altland, nach der es sich schließlich benannte.
Es war im Zusammenhang mit den Grafen von Ebersberg schon die Rede von den ausgedehnten Forstgebieten, die sich südlich der Donau zwischen Lech und Abens erstreckten, Forstgebieten, die nur durch einige besiedelte Flußtäler unterbrochen wurden. Hier konnten wir an zwei Punkten die Grafen von Ebersberg herrschaftsbildend erfassen. Unweit der ebersbergischen »Grafschaft« Hörzhausen finden wir bereits wieder eine andere hochadelige Herrschaft, die sich im 11. Jahrhundert am Rande des Forstes ausbildete: Hohenwart. Hier gründete Graf Ortolf aus dem Geschlecht der »RAPOTONEN VON HOHENWART« gemeinsam mit seiner Schwester Wiltrud ein Benediktinerinnen-Kloster, und zwar - wie schon der Name Hohenwart es nahelegt - in seiner Burg [134
Volckamer, Histor. Atlas Pfaffenhofen-Woiznach 60 ff; Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels 208 ff, T. 14c, bes. nrr. 9, 10; Streichele,  Das Bistum Augsburg IV 859ff. ]. Die ausgedehnten, bis nach Süd-Tirol reichenden Besitzungen dieses Klosters sind Indiz für die Macht des Geschlechts, das diese Abtei kurz vor seinem Aussterben gründete. Älterer Herrschaftsschwerpunkt dieser Familie war offenbar Thaur bei Hall im Tiroler Inntal.
Wie stark die Aufsplitterung der gräflichen Gewalt durch Ausstattung eines Grafen mit Königsgut im Amtsbereich eines anderen Grafen sein konnte, zeigen am besten die Anfänge der EBERSBERGER [114
Adelsgruppen 165ff.]. Graf Sighard, ein Favorit und Verwandter König ARNULFS, wurde von diesem reich mit Königsgütern im weiteren Ebersberger Umland beschenkt. Alle diese Güter lagen im comitatus eines anderen Grafen: die Capella in Lorenzenberg im Comitat Orendils, der Besitz in Kaging und in Wörth im Comitat Reginars, wobei Wörth bisher bereits Königslehen des Grafen Goteschalk war [115 MG D Arn nr. 144.]. Die Schenkung des fiscale forum Sempt ist uns leider nur im Ebersberger Cartular überliefert, in dem comitatus-Angaben fehlen. Der übrige Schenkungsbesitz, der dem Grafen Sighart zufiel, lag in Schwaben. Der große Komplex der ebersbergischen Herrschaft zwischen Isar und Inn baut also nicht auf einer karolingischen Grafschaft auf, vielmehr offensichtlich auf verschiedenen Rechten und auf königlicher Gunst, wobei freilich der Besitz des fiscale forum Sempt und des Ebersberger Reichsforstes entscheidend sein konnte für die frühe und mächtige Herrschaftsbildung. Der Hauptsitz, nach dem das Geschlecht schließlich benannt wurde, lag am Südrand dieses Forstes, nicht im fiskalischen Schwerpunkt. Wenige Kilometer südlich von Ebersberg setzte bereits ein anderer gräflicher Herr mit der Herrschaftsbildung an: den Ort nannte er programmatisch und offensichtlich gegen Ebersberg gerichtet Grafing.
Sie erklären uns aber die defensores der linken Kolumne: Heuticus, Adalber, Oudalschalch, dann eine weiter unten stehende Person: Oudalricus comes huius loci defensor. Sie ist ohne Zweifel mit dem Vater Adalberos II., Graf Ulrich von Ebersberg (
1029) identisch, der gleichzeitig auch Vogt von Obermünster und Tegernsee war [191 Wie Anm. 189. Siehe ferner oben unter den Vögten von Tegernsee. Tyroller kennt die Benediktbeurer Beziehungen Ulrichs nicht.]. Vielleicht hat er mit Abt Ellinger von Tegernsee die Neubesetzung Benediktbeuerns mit Tegernseer Benediktinern vorbereitet. Oudalschalch huius loci defensor ist offensichtlich jener EBERSBERGER, der um die Jahrtausendwende Freisinger Domvogt, Graf an der Paar und auch im Nordgau war [192 Tyroller, Genealogie des altbayerischen Adels 67 nr. 18. ]. Einer seiner Brüder hieß Adalbero. Er ist der Gründer des Klosters Kühbach, wird demnach auch einmal Adalbero de Chuopach preses genannt. Er besitzt den comitatus Herteshusa im Bereich der Paar, außerdem einen comitatus um Polling und damit vielleicht auch um Benediktbeuern [193 Ebenda 67 nr. 20.]. Mit diesem Grafen ist offensichtlich der Adalber huius loci defensor der Liste identisch. Es bleibt uns zunächst noch Heuticus huius loci defensor. Der Name erscheint sonst nirgends im bayerischen Quellenmaterial; er dürfte aber identisch sein mit dem WELFEN-Namen Etich. Heuticus könnte identisch sein mit dem WELFEN Eticho II., der als Graf 928 bezeugt ist und der die EBERSBERGERIN Willibirg ( 980/85) heiratete [194 Ebenda 206, ferner 64f nr. 5. Vgl. Fleckenstein, Über die Herkunft der Welfen 80f, 88, 95; 136.]. Er ist der Sohn jenes Heinrich »mit dem goldenen Pflug«, der mit Ata »von Hohenwart« vermählt war und wohl als erster WELFE stärker in den westbayerischen Raum vordrang.