Ratolt                                                Graf von Daglfingen 837,853
--------
   

 

Sohn des Starcholf ?

Störmer Wilhelm: Seite 165-167
***************
"Adelsgruppen im Früh- und hochmittelalterlichen Bayern."

Das Freisinger Urkundenmaterial lässt freilich noch eine ältere Schicht des später nach Ebersberg benannten Geschlechts erkennen. Der in Bayern erstmals fassbare Vorfahre der im 10. Jahrhundert als selbstbewusstes Geschlecht mit königlicher Verwandtschaft sich ausprägenden Familie ist Graf Ratolt. Der nobilis Ratolt, der 839 in Daglfing (München) eine Seelgerätstiftung an die Bischofskirche Freising macht, erscheint geradezu als der Prototyp aristokratischer Lebensart und adeligen Herrschaftsbewusstseins. Er verfügte über fidelis, also eine Vasallenschar; sein Sohn Chunihoh ist episcopus außerhalb Bayerns. Zur Schenkung - es handelt sich um Besitz in Daglfing (Tagolfingas), Gronsdorf (Cramennesdorf) und "Hupphinheim" (Aufham bei Erding?) und um nicht weniger als 34 Mancipien, eine Zahl, die höchst selten bei Schenkungen erreicht wird - ruft er den Bischof zu seiner domus in Daglfing. Inmitten des Saals (trilinium) seines Herrenhauses empfängt Ratolt, "viritiliter circum cinctus gladio", den Bischof, vollzieht hier den Rechtsakt, indem er seinen Besitz coram omnibus vicinis et cognatis dem Heiligtum der heiligen Maria und in die Hand des Bischofs übergibt. Nach der symbolischen Übergabe der Gewere erhält er den Besitz als Freisinger Lehen wieder zurück. Als Bruder Ratolts nennt die Urkunden einen Adalgoz. Dieser Name wird uns noch einmal im Zusammenhang mit den EBERSBERGERN begegnen.
Offensichtlich ist Ratolt auch der Herr der Eggelburg, nur etwa 2 1/2 km westlich der Ebersberger Burganlage des 10. Jahrhunderts. Ratolts Sohn, Bischof Chunihoh, übergibt jedenfalls 850 Besitz an Freising Besitz in Eggelburg, Daglfing und Gronsdorf, den er von seinen parentes ererbt hat. Damals war der Vater Ratolt nicht zugegen, da er gar nicht in der Urkunde erscheint. Bei einer Übergabe eines benefeciums in Eggelburg um 847 an einen Rihmar zeugt als Zweitletzter ein Ratolt comes, was besagt, dass er nicht in seiner Eigenschaft als Graf hier fungierte, sonst stünde der an der ersten Stelle der Zeugenreihe. Dieser comes ist offensichtlich identisch mit dem Vater des Bischofs Chunihoh. Der nobilis Ratolt erwähnt bei seiner spektakulären Schenkung zu Daglfing 839 seinen Vasallen Rihperht. In Eggelburg handelt es sich um einen Mann ähnlichen Namens: Rihmar. Dieser Rihmar bestätigt 826 ein Schenkung in Feldmoching, ferner 846 eine Schenkung in der Umgebung von Aßling (Zeugenreihe: Rumolt, Rihmar, Ratolt... Chuihoh), schließlich einen Tausch zwischen den Bischöfen von Regensburg und Passau, der in Regensburg vorgenommen wurde (Zeugenreihe: Rumolt... Rihmar). Der dem Rihmar mehrmals als Zeugenpartner vergesellschaftete Rumolt tritt auch als erster Zeuge bei der Eggelburger Belehnung Rihmars auf.
Ich halte den mächtigen nobilis Ratolt von Daglfing für identisch mit dem comes Ratolt, der im Dachauer und Mochinger auftritt. Zur Familie der Mochinger zählt offenbar ein um 813 gestorbener Priester Ratolt; in Ampermoching tritt 825/26 dreimal ein Ratolt neben einen Alprat als Zeuge auf. Ein Alprat aber bezeugt 850 als comes auch die Schenkung des Bischofs Chunihoh zu Eggelburg, Daglfing und Gronsdorf. Ratolt erscheint seit 837 als comes. 853 wird er gemeinsam mit Kepolf am Sterbebett Piligrims "von Allerhausen" mit dessen Testament betraut. 848 bezeugten Ratolt comes, Alprat comes, Kepolt und andere eine Schenkung unmittelbar bei Ampermoching. 855 liegt Kienoden bei Dachau in comitatu Ratolti comitis. Damit wird eindeutig, dass der Raum um Dachau wohl bis zur Isar im Osten zu einem Comitat gehört. Ratolt nennt sich daher im Raume östlich von München auch nur einmal comes.
Ob der comes Ratolt ein Sohn jenes Starcholf ist, der 778 in Niklasreut bei Aßling an Freising schenkt, ferner gemeinsam mit seinem Sohn Hiltolf im Jahre 804 eine Remigiuskirche in "Holzhusir", muss schon aus chronologischen Gründen sehr bezweifelt werden. Geschwister dieses Ratolt sind Rimideo, Hiltolf (später Diakon) und seine Schwester Adalfrit, die mit dem comes Cundhart vermählt war.
 

                   Starcholf 788,804
                 (Niklasreut, Remigiuskirche)
 

     -------------------------------------------------
   Ratolt     Rimodeo   Diakon Hiltolf       Adalftrit

                                                            oo Graf Cundhart

Schon M. Neumann wies darauf hin, dass im 8./9. Jahrhundert immer wieder der Name Ratolt erscheint in den Zeugenlisten von Traditionen des weiteren Ebersberger Raumes. Sie glaubt auch Beziehungen zum Raume Isen-Tegernsee feststellen zu können, wo auch schon 760 ein Kleriker Chunihoh als Zeuge auftritt, und damit Beziehungen zur Sippe Gramans. In der Tat ist gerade diese Beziehung eindeutig, zumal der nobilis Ratolt und sein Sohn Chunihoh Besitz in Cramannesdorf (Gronsdorf) bei Zorneding. In diesem Zornesding war ebenfalls ein Ratolt begütert.
M. Mitterauer leitete, an Trotter anschließend, die SIGHARDINGER und EBERSBERGER vom Kraichgau-Grafen Sigihart ab und wies darauf hin, dass in Mannheim 776 ein Eberhard (ebenfalls ein EBERSBERGER Name) und sein Sohn Sigihart begütert sind. Im Nachbarort Wallstadt erscheint zur gleichen Zeit (771) auch ein Graman als Tradent; außerdem zeugt dort ein Wago für die Tradition eines Reginboto (771-772). In der "bayerischen" Familie des capellanus Wago tritt wiederum ein Ratolt auf: die Brüder Wagos heißen Cundhart (vielleicht der spätere gleichnamige Graf), Ratolt und Scrot. Obwohl wir nirgends sichere genealogische Filiationen aufstellen können, wird doch deutlich, wie eng verflochten diese Gruppe ist und dass der nobilis bzw. comes Ratolt in eine etablierte Schicht der großen politischen Akteuere gehört, die offenbar weit über Bayern hinauswirken.

Kinder:

  Chuniho Bischof von Freising
        


Ratolt I.                                           Graf 804-839
---------
   

 

Nach Gewin Sohn des Grafen Adalbert I.

HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Gewin Dr. J.P.J.: Seite 39
**************
4. Ratolt I.
--------------

804-839.
839. Dezember 10. Daglfing. Der Edle Ratolt übergibt Land und Unfreie zu Daglfing (Pf. Oberföhring) und Gronsdorf (Pf. Trudering. B. A. München).: F. nr. 634.

Note:
-----
Sein Sohn Bischof Chunihoh erscheint urkundlich 839, F. 634, 845. F. 667ab, 850. F. 721a. Er ist als Ratolts Sohn bezeichnet. Die obenerwähnte Schenkung seines Vaters dehnte er aus und tradierte am 28. Juli 850 diesen Besitz. Bitterauf annotiert im Register: episcopus (mit unbekanntem Sitz).



 
oo N.N.
          
 


Kinder:

  Chuniho Bischof von Freising
        
nach 850




Literatur:
------------
Gewin, Dr. J.P.J.: Herkunft und Geschichte führender bayerisch-österreichischer Geschlechter im Hochmittelalter, s-Gravenhage Druckerei H.L. Smits N.V. 1957 Seite 39 -
Störmer Wilhelm: Adelsgruppen im Früh- und hochmittelalterlichen Bayern. Studien zur bayerischen Verfassungs- und Sozialgeschichte Band IV. Kommission für bayerische Landesgeschichte München 1972 Seite 165-167 - Mitterauer Michael: Karolingische Markgrafen im Südosten. Archiv für österreichische Geschichte Band 123. Hermann Böhlaus Nachf./Graz-Wien-Köln 1963 - Mitterauer Michael: Slawischer und bayrischer Adel am Ausgang der Karolingerzeit. -

-