Flohrschütz Günther: Seite 112-124
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"Der Adel des ebersbergischen Raumes im Hochmittelalter."

       
                                                12. Das Erbe der Grafen

Wie gewaltig das Besitztum der Grafen von Ebersberg war, zeigt allein schon der Umstand, daß der König persönlich bei den Verhandlungen zugegen war [1
E Chr 1440.]. Wie die Verhandlungen um das Erbe verlaufen sind, wissen wir nur zum Teil; im übrigen müssen wir aus späteren Verhältnissen Schlüsse ziehen. Das Thema ist bisher noch nicht vollständig abgehandelt worden. Störmer hat sich auf einige politische Aspekte beschränkt [2 Störmer, Ebersberger 175.]; Prinz konnte im Rahmen seines weit umfangreicheren Themas - der bayerische Adel bis 1180 - nur einige Stichworte geben [3 F. Prinz, in HBG I 323,351.]. G. Mayr hebt hervor, daß das Erlöschen des Grafen-Hauses vor allem die Macht des Königtums in Bayern gestärkt hat [3a G. Mayr, Ebersberger 117.]. Im Jubiläumsjahr der WITTELSBACHER 1980 stand natürlich die Frage im Vordergrund, ob und wie weit die WITTELSBACHER als Erben der EBERSBERGER zu betrachten sind [4 Zusammenfassend P. Fried, wie Seite 109, Anm. 41. Ausführlich hat sich G. Mayr (Ebersberg 119 f.) zu diesem Thema geäußert. Nach ihm war der von den EBERSBERGERN an die WITTELSBACHER gefallene Besitz zwar nicht so groß wie bisher vermutet, aber auch nicht ganz unbedeutend. Mayr betrachtet nämlich auch Haziga, die Gattin des Grafen Ottos I. von Scheyern, als nahe Verwandte der Grafen von Ebersberg.]. Wenn wir einen methodisch richtigen Einstieg in diesen Fragenkomplex gewinnen wollen, so dürfen wir uns nicht auf räumliche oder genealogische Gesichtspunkte beschränken (indem wir zum Beispiel nach den Verwandten der EBERSBERGER fragen), sondern wir müssen von der Art des Besitzes ausgehen. Wir werden also zunächst danach forschen, was aus den Besitzungen geworden ist, welche die Grafen als Träger von Reichsämtern, als Markgrafen und Grafen, innehatten. Dann wollen wir die Grafen als Lehensherren beachten und zu erkunden versuchen, was aus ihren Vasallen geworden ist. Das Kernstück wird die Untersuchung bilden, wer die Eigengüter geerbt hat. Weiterhin wollen wir die mit den EBERSBERGERN verwandten Familien und Personen zusammenstellen; es geht hier nicht nur um ihr Gütererbe, sondern auch darum, in welchem Umfang ihr Blut in andere Adelsgeschlechter und vielleicht auch Untergeordnete gelangt ist. Zum Abschluß wollen wir auf die von den EBERSBERGERN beherrschten Vogteien eingehen und zusehen, wie sie sich ihr politisches Erbe vorgestellt haben.
Von den Reichsämtern der Grafen kann man als das wichtigste die Markgrafschaft Krain betrachten. Im Raum zwischen Mur und Save waren die EBERSBERGER schon seit den Zeiten des Königs ARNULF tätig; der Name Krain kam erst um 1000 auf [5
Reindel, 244.]. Die Belegstellen sind dünn, doch scheinen nacheinander Adalbero I., Ulrich und Eberhart II. dort gewirkt zu haben [6 Siehe Seite 58.]. Willibirg, die Schwester Eberharts, heiratete den Grafen Wergant von Friaul, Hadamuot, eine Tochter aus dieser Ehe, den Grafen Poppo von Weimar-Orlamünde. Beider Sohn Ulrich erscheint erstmals 1058 als Markgraf von Krain [7 Tyroller, Adel, Tafel 2; siehe auch Reindel, a.a.O., 323 und Lechner, Waldviertel 103. Kläui (Hochmittelalterliche Adelsherrschaften im Zürichgau, in: Mitteilungen der Antiquar. Ges. Zürich, 40/2, Zürich 1960, 20) identifiziert Willibirg, die Schwester der Grafen Eberhart III. und Adalbero II., mit Willibirg von Wölflingen. Widerlegt durch H. Keller (Das Kloster Einsiedeln im ottonischen Schwaben, in: Forschungen zur Oberrheinischen Landesgeschichte. XIII, Freiburg i. Br. 1964, 125 Anm. 212), wobei noch nicht einmal alle Gegenargumente zur Sprache gekommen sind.]. Das politische Gewicht der EBERSBERGER dürfte also in diesem Winkel des deutschen Reiches so groß gewesen sein, daß noch über zwei Generationen hinweg die Markgrafschaft in der Hand ihrer Nachkommen geblieben ist. Kaiser HEINRICH IV. hat Krain zeitweise an sich gezogen, um 1090 aber wieder an Poppo II. von Weimar ausgetan [8 Reindel, 253.].
Die Grafschaft Persenbeug war ebenfalls Reichslehen [9
Prinz, 323; Lechner, Waldviertel 103.]. Stürmer [10 Störmer, Ebersberger 175.] und Lechner [11 K. Lechner, Geschichte der Besiedlung des Waldviertels, in: Jahresher. f. Landeskunde von Niederösterreich 1924, 103.] halten es für fraglich, ob sie den WELFEN zugefallen ist. Da aber andere Reichslehm, nämlich die säkularisierten Güter Tegernsees, sich später ebenfalls in der Hand der WELFEN befinden, scheint der Vertrag, der auf Schloß Persenbeug geschlossen wurde, in Kraft getreten zu sein. Bei der Teilung Bayerns 1156 wurde dieses Gebiet dann dem Herzogtum Österreich zugeschlagen.
Die Grafschaft Steinhöring-Öxing, die sich mindestens für drei Generationen in Händen der EBERSBERGER befand, hat mit deren Erlöschen wahrscheinlich eine starke Einbuße erfahren. Tyroller, der sich in seiner Studie über die Geschichte des Landgerichtes Erding mit den Nachfolgern in dieser Grafschaft beschäftigt, findet keine rechte Erklärung für die Tatsache, daß seit etwa 1050 mehrere Grafen aus verschiedenen Geschlechtern für diese Grafschaft zuständig sind, und muß seine Zuflucht zu Konstruktionen wie „Obergrafen-Untergrafen" nehmen [11a
Fr. Tyroller, Das Landgericht Erding in der Grafenzeit, in: Ob. Arch. 78. Bd. (1953), 116 f.]. Bei der Lösung dieses Problems ist meines Erachtens von der Tatsache auszugehen, daß mit dem Aussterben der EBERSBERGER die gesamte Gütermasse des Klosters Ebersberg aus der Grafschaft ausschied, weil das Kloster die Immunität erlangte [12 MG DD Heinrich III, nr. 15. ]. Nun sehen wir, daß der Vogt dieses Klosters Rotbert von Schleißheim (1045-1050) bei seiner Schenkung den Grafentitel trägt [13 E I 47.], ebenso später der Vogt Walther von Wifling-Kling (ca. 1070-1110). Diese Beobachtung scheint mir dafür zu sprechen, daß die Grafschaft Öxing-Steinhöring nach 1045 geteilt wurde: Das Gebiet, das hauptsächlich von Besitzungen des Klosters durchsetzt war - Raum Sempt, Forst und Raum Ebersberg - wurde abgetrennt, und der Vogt des Klosters nahm auch die noch verbliebenen gräflichen Rechte in diesem Raum wahr. Nun ist zwar Vogt Gerold (1050-1065/70) nicht als Graf bezeugt, doch könnte dies ein Zufall sein: Vermutlich war von gräflicher Zuständigkeit im Bereich der Klosterherrschaft nicht mehr viel übrig geblieben.
Die nördliche Grafschaft müßte etwa den Raum mittlere und untere Sempt - Holzland und Vilsquellen - mittlere Isen umfaßt haben. Um 1055 liegen Landersdorf und Taufkirchen in der Grafschaft eines Fridrich [14
MG DD Heinrich III, 456 f. nr. 334; 489 f. nr. 360. ], den Tyroller mit dem Grafen Fridrich II. von Dießen identifiziert [11a Fr. Tyroller, Das Landgericht Erding in der Grafenzeit, in: Ob. Arch. 78. Bd. (1953), 116 f.]. Nun besaßen zwar die Grafen von Dießen-Andechs in (Ober-, Unter-)Ding einen starken Stützpunkt in dieser Gegend, doch muß hier an die um 1060 erfolgte Schenkung eines Grafen Fridrich an Castulus erinnert werden [15 C 128; auch Gfd 7.], der zu der Dynastie der EPPENSTEINER gehört haben dürfte [16 Tyroller, Adel, Tafel 6 nr. 14.]. Es lag auch sicherlich im Sinn der EBERSBERGER, ihre Grafschaft an die mit ihnen durch Doppelschwägerschaft verbundenen EPPENSTEINER weiterzugeben und nicht an die Grafen von Dießen, zu denen das Verhältnis doch wohl gespannt war [17 Siehe Seite 128 f.]. Dagegen spricht auch nicht die Zeugenschaft des Hallgrafen Arnold (von Dießen) um 1070/80 für Schwillach und Rudersdorf [18 E I 122,123.]; es ist nicht sicher, ob diese Zeugenschaft gräfliche Zuständigkeit bedeutet. Den Nordteil der ehemaligen Grafschaft Steinhöring-Öxing dürfte also der EPPENSTEINER Fridrich übernommen haben.
Die Grafschaft an Amper und Glonn gehört nicht zum Erbe der EBERSBERGERr. Sie wurde von den Brüdern Eberhart I. und Adalbero I. etwa 930 bis 970 verwaltet und ging dann in andere Hände über. Vielleicht erhielt Graf Ulrich stattdessen die Grafschaft Persenbeug.
Die Vasallen der Grafen von Ebersberg sind uns großenteils bekannt; sie sind identisch mit den Edlen, die als Zeugen bei deren Schenkungen zugegen sind. Ein beträchtlicher Teil dieser Vasallen war mit Gütern von Klöstern belehnt, die zur Zeit Herzog Arnulfs enteignet worden waren. Diese Güter galten als Reichslehen. Vom Übergang dieser Güter und der darauf sitzenden Vasallen in andere Hände erfahren wir folgendes:
a) Die einstigen Güter des Klosters Tegernsee wurden im Verhältnis 2 : 1 geteilt, und zwar erhielt zwei Drittel Graf Engilbert (vom Chiemgau) als Stiefsohn der Tuta, Tochter des Grafen Ulrich von Ebersberg, ein Drittel Herzog Welf als Neffe der Richlinde, Witwe des letzten Grafen von Ebersberg.
b) Einen großen Teil der freien Familien, die rings um den Forst in den alten Machtzentren der Grafen um Sempt und Ebersberg hausten und die wir ebenfalls als Vasallen angesprochen haben, finden wir später als Zeugen der Äbte des Klosters Ebersberg. Sie sind nunmehr Klostervasallen und wurden demnach von den Grafen samt ihren Lehensgütern ebenfalls wie Privatbesitz dem Hauskloster als Erben vermacht. Bei diesen Familien handelt es sich meist um Kleinvasallen mit kaum mehr als lokaler Bedeutung.
An welche Machthaber die übrigen Vasallen der EBERSBERGER übergegangen sind, wissen wir nicht. Das soll nicht heißen, daß wir über ihre späteren Schicksale gänzlich im unklaren wären. Einen beträchtlichen Teil dieser Familien vermögen wir aufgrund genealogischer Studien über längere Zeit hinweg zu verfolgen, zumal einige Geschlechter zum Hochadel aufrückten. Doch läßt sich nur von ganz wenigen Adeligen präzise sagen, welchem Machthaber sie als Vasallen anhingen. Eine einzige Nachricht dieser Art gibt es, die expressis verbis vorliegt: Um 1082 ist Gotbold von Lern Vasall des Grafen Altman von Grögling [19
F 1652.]. Vergleichen wir den Status der Edlen auf den ehemaligen Tegernseer Klostergütern mit der jüngeren Entfremdungsliste, so können wir nur in einem Fall Übereinstimmung feststellen: bei den WELFEN in Bezug auf Garching und Haching. Anscheinend besaßen die Vasallen schon im späten 11. Jahrhundert die Möglichkeit, den Herren zu wechseln oder vom mehreren Seiten Lehen zu empfangen. Zu dieser Entwicklung werden wir später Stellung nehmen [20 Siehe Seite 145.].
Die Eigengüter der Grafen, das „patrimonium", bildeten die Grundlage ihrer Macht. Sie waren in ganz Bayern verstreut, vom Ammersee bis zur Mur, von Naab und Altmühl bis Bozen. Außerhalb Bayerns ist kein Besitz feststellbar, abgesehen von der Schenkung ARNULFS an der Schutte [21
MG DD Arnulf nr. 158 (898).], von der wir später aber auch nichts mehr hören. Die Eigengüter der Familie in Schwaben und Süd-Franken sind vermutlich den Verwandten des Grafen Sighart [21a Siehe Seite 98 mit Anm. 9a.] verblieben. Rund 150 Jahre waren die EBERSBERGER mit Unterbrechungen Markgrafen im südlichen Karantanien und an der Save; in dieser Zeit wird sich dort einiges Eigengut angesammelt haben, von dem wir freilich nur Mureck kennen. Da aber Hadamuot, die Enkelin Graf Ulrichs, ihrem Gatten Poppo die Markgrafschaft Krain zubrachte, dürfen wir annehmen, daß das Hausgut der Grafen im Südosten an die Familie WEIMAR-ORLAMÜNDE überging. Markgraf Ulrich von Krain, der Sohn der Hadamuot, erhielt außerdem von Richlinde, der Witwe Graf Adalberos, Güter in Kleinweißenfeld und Pöring zwecks Widmung an Kloster Ebersberg. Diese Güter wurden aber von Kaiser HEINRICH III. als Reichsgut eingezogen und das Kloster wurde später anderweitig entschädigt [22E I 44, 11 12.]. Ferner gehörte diesem Ulrich Utzing an der mittleren Isen [23 E I 52.]; sicher haben wir es auch hier mit Hausgut der EBERSBEERGER zu tun. Es ist also damit zu rechnen, daß Ulrich auch anderen Besitz im Hauptmachtraum der Grafen geerbt hat; manches davon mag über seine Tochter Richardis an die Grafen von Scheyern-Wittelsbach übergegangen sein.
Die Allode der Grafen im Raum Persenbeug gehörten anscheinend zuletzt dem Grafen Eberhart II.; er vermachte sie seinem neu gegründeten Kloster Geisenfeld [24
Aufgezählt in der gefälschten Gründungsurkunde (MB 14, 271 f. nr. 1). In den Traditionen wird zunächst nur Karlsbach genannt (Gfd 1).]. Da die „comicia" Persenbeug von ca. 970 bis 1045 im Besitz der EBERSBERGER war, möchte man annehmen, daß die Grafen dort auch Rodungsgüter besessen haben. Vielleicht ist von Gütern der Grafen um Persenbeug deshalb so wenig zu vernehmen, weil der eigentliche Inhaber der Grafschaft ihr Lehensmann Otachar gewesen ist [25 Siehe Seite 58 f.].
Einige Schenkungen an Ebersberg, Emmeram und Obermünster [26
E I 3,37, III 73 (in Regensburg), O'm 10 (Pielenhofen), Ein 215 (Sünching), 218 (Erling bei Regensburg).] bezeugen, daß der Besitz der Grafen im Raum Regensburg nicht unbedeutend gewesen ist, zumal Adalbero im Nekrolog von Obermünster als „Graf von Pielenhofen" bezeichnet wird. Nach seinem Tod verzichten Tuta (die Schwester Adalberos) und ihr Gatte Sighart (VII., Graf im Chiemgau) auf das Gut Pielenhofen. Dieser Verzicht gibt Anlaß zu der Vermutung, daß Tuta und mit ihr die SIGHARTINGER in den Besitz der restlichen Güter der EBERSBERGER im Raum Regensburg eingetreten sind [26a Ca. 1050 war Sizo (Sighart VIII.?) Graf von Cham (MG DD H III nr. 248). ]. Auch zu dem anderen Grafen Sighart, dem Tyroller die Grafschaft um Freising zuschreibt [27 Tyroller, Adel, Tafel 2 nr. 10. Er stützt sich auf F 1180 (ca. 975).], gibt es eine Querverbindung: Anläßlich der Schenkung Berthasvon Preising", der Gattin dieses Grafen Sighart, an Obermünster wird Bertha, eine Tochter des Grafen Ulrich, ausdrücklich in diesen Vertrag mit einbezogen [28 O'm 1 (ca. 1000). Trotter betrachtet die Tradentin Bertha als erste Gattin des Grafen Ulrich, Bertha junior als Tochter aus dieser Ehe (Grafen von Ebersberg, 10).]; sie muß also eine nahe Verwandte der Schenkerin Bertha gewesen sein. Ob allerdings Graf Ulrich von Ebersberg auch Vogt von Obermünster gewesen ist [29 Dies behauptet Tyroller (Adel, Tafel 2 nr. 10). Er stützt sich auf O'm 104, das er ohne Angabe von Gründen auf ca. 995 datiert. Nach der Einreihung und den Zeugen könnte diese Notiz auch in die ersten Jahrzehnte des 12. Jahrhunderts gehören. Graf Ulrich wäre in diesem Fall mit dem Bruder des Grafen Heinrich von Schaumburg identisch.], kann nicht mit Sicherheit erwiesen werden.
Deutlicher vermögen wir den Besitz der Grafen in der Hallertau und nördlich davon zu fassen. Die gesamte Gegend wird bis heute als Machtgebiet der EBERSBERGER betrachtet. Nur war Geisenfeld mit Fahlenbach und Fahlenforst sicher ein Herrschaftsraum, ein Machtzentrum. Die übrigen Besitzungen aber, die Graf Eberhart II. und seine Verwandten dem Kloster Geisenfeld widmen, sind zwar stattlich, aber weit gestreut und voneinander getrennt; es sind Besitzinseln. Auch die Zahl der Vasallen kann hier nicht groß gewesen sein. Bei eingehender Prüfung der Geisenfelder Traditionen entsteht der Eindruck, daß Graf Eberhart und seine Schwester Willibirg alle ihre Güter dem neuen Stift dargebracht haben, daß es hier für ihre Verwandten „nichts zu erben gab".
Befassen wir uns nun mit dem Hauptmachtraum der EBERSBERGER, der von Pfeffenhausen und der Amper-Glonn-Gegend bis zum Tegernsee, vom Wurmsee bis fast zum Inn reichte. Hier wissen wir am besten Bescheid: Nicht nur kennen wir alle Schenkungen von 934 an, wir besitzen auch die letztwilligen Verfügungen des Grafen Adalberos II. und seiner Gattin Richlind [30
E I 35-46.] und können unser Material auch aus anderen Beobachtungen ergänzen. Wer hat sich hier in das Erbe der Grafen geteilt, an wen sind ihre Eigengüter gefallen?
Man pflegt bei Untersuchungen über den Besitz mittelalterlicher Dynasten von einem „Negativbild" zu sprechen und meint damit, daß man davon erst erfährt, wenn er abgestoßen wird. Dieses Bild erscheint auch insofern trügerisch, weil jene Herren oft solche Güter verschenkt oder abgetauscht haben, die in Bezug auf ihre Herrschaftsräume abseits lagen, unbedeutend, vielleicht auch umstritten oder angefochten waren. Dies gilt wohl für die Schenkungen der EBERSBERGER an Emmeram, Obermünster, Benediktbeuern, Freising und Weihenstephan [31
Zu Emmeram und Obermünster siehe Anm. 26; ferner F 1152, 1404; W 21. ], nicht aber für die Schenkungen an Ebersberg und Geisenfeld. Zwar blühte damals, als das Kloster Ebersberg gegründet wurde, das Grafen-Haus noch, aber Eberhart I., der Gründer, war unverheiratet und kinderlos; er widmet alle seine Güter dem Kloster und kümmert sich nicht um den Einspruch seines Bruders, der befürchtet, sein und seiner Kinder Erbe werde dadurch geschmälert. In noch stärkerem Maße gilt das für die Schenkungen Eberharts III. an Geisenfeld und Adalberos III. an Ebersberg. Jetzt war das Grafen-Haus am Erlöschen; der Mentalität dieser Zeit entsprechend brachten die Brüder die allermeisten ihrer Güter - und natürlich die besten Stücke - ihren Klöstern dar, um sie wirtschaftlich abzusichern. Hofften sie doch, daß dort ihr Andenken für alle Zeit bewahrt bleiben würde.
Damit stehen wir vor der Frage: Was verblieb den leiblichen Nachkommen des Grafenhauses nach den Klostergründungen? Nach Auffassung der bisherigen Forschung muß dieser Anteil groß gewesen sein: An allen möglichen Orten im bayrischen Oberland - in der ehemaligen Grafschaft „Hörzhausen", an Sempt und Strogn, im alten Kernraum zwischen Sempt und Markt Grafing, an der Mangfall - überall sieht man alten EBERSBERGER Besitz, der in die Hände anderer Geschlechter, vorzüglich der WITTELSBACHER, übergegangen sei. Vielen schwebt wohl das welfische Beispiel vor: Nach dem Tod Herzog Welfs III. im Jahr 1055 rief dessen Mutter Irmintrut ihren Enkel Welf, den Sohn ihrer Tochter Kuniza, die mit dem Grafen Azzo von Este verheiratet war, zu sich und übergab ihm den gesamten Familienbesitz [32
Hist. Welforum cap. 12.].
Ist bei den EBERSBEERGERN ähnliches geschehen? Auch bei ihnen hatte doch nur Hadamuot Nachwuchs, die Enkelin Graf Ulrichs [33
E Chr 1330. Trotter (a.a.O., 10) glaubt noch eine weitere Hadamuot, eine Schwester des Grafen Ulrich, entdeckt zu haben und bezieht auf sie den Tausch mit Bischof Altwin von Brixen 1050/65 (Bx 158). Doch finden sich in der Zeugenreihe keine Anhaltspunkte.]. War also Hadamuot die „Erb-Tochter" der EBERSBERGER? Kurz vor seinem Tod spricht Graf Ulrich zu seinen Söhnen: „Solange es sich auf dieser Welt so verhielt, daß jeder sein Eigentum in Ruhe besitzen und anständig leben konnte, hätte es mich gefreut, wenn mir Gott Nachkommen geschenkt hätte. In dieser Zeit aber, da das Böse so angewachsen ist, daß jedermann gezwungen ist, sein Leben entweder schändlich zuzubringen oder Unrecht zu tun, ist es mir lieber, daß ich keine Enkel besitze ..." [34 E Chr 1414.] Natürlich hatte Ulrich seine Enkelin nicht vergessen, aber hier schwingt eben noch jene uralte Anschauung mit, daß die Tochter mit ihrer Heirat in eine andere Sippe übertritt. Hadamuot war seine Enkelin, aber sie war keine
EBERSBERGERIN! Selbstverständlich wurden auch die Töchter standesgemäß ausgestattet. Andeutungen hiefür bieten uns die Geisenfelder Traditionen. Liutgart, die eine Tochter der Willibirg, besaß Sollern, die Gräfin Hadamuot, die andere, Habersdorf; von der Äbtissin Gerbirg, der dritten, ist keine Schenkung vorhanden. Die Gräfin Willibirg selbst gab vor ihrem Tod die Kirchen von Euernbach, Kleinreichertshofen, Gundamsried und Ernsgaden [35
Gfd 3,4,5,20.]; das dürfte ihr „Wittum" gewesen sein, während ihre Mitgift, wie gesagt, wohl in den Hausgütern der Grafen in Krain und Karantanien bestand. Daß aber Willibirg darüber hinaus einen Großteil der Ebersbergischen Güter geerbt hat, ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil die Teilung dieser Güter sicherlich zu einem Zeitpunkt vorgenommen wurde, als man von den Söhnen Graf Ulrichs, Adalbero II. und Eberhart II., noch Nachkommen erwarten durfte. Ebenso unwahrscheinlich ist es, daß die beiden Brüder ihre Schwester Willibirg in ihrem Testament reichlich bedachten; sie gaben vielmehr ihre Güter den Klöstern Ebersberg bzw. Geisenfeld.
Eine besondere Betrachtung verdient das Thema „Die WITTELSBACHER als Erben der EBERSBERGER", das ja schon angeschnitten wurde. Zunächst der verwandtschaftliche Aspekt: Pfalzgraf Otto I. von Wittelsbach war Ur-Ur-Enkel des Grafen Ulrich von Ebersberg über seine Mutter Richardis von Krain [36
Tyroller, Adel, Tafeln 2, 18.] - also eine recht weitläufige Verwandtschaft. Auch war Richardis nicht die Haupterbin; sie besaß einen Bruder, den Markgrafen Poppo II. von Krain, mit dem das Geschlecht im Mannesstamm ausstarb. Dennoch hat sich bis heute das Gerücht erhalten vom reichen Erbe der EBERSBERGER, das an die WITTELSBACHER gefallen sei, insbesondere an Sempt und Strogn [37 F. Prinz, in Handbuch Spindler 323. ]. Da an eine Übernahme von Grafschaftsrechten nicht zu denken ist [38 Siehe Seite 113 f.], müßte es sich um die Vererbung von Eigenbesitz handeln. Als Grundlage für diese Vermutungen dient das Wittelsbachische Urbar, das bald nach 1230 entstanden ist und in der Tat zahlreiche Besitzungen im alten Machtraum der Grafen von Ebersberg aufzählt. Wir wollen versuchen, den wahren Sachverhalt am Beispiel Wartenberg zu ermitteln und bedienen uns zu diesem Zweck dreier Nachrichten aus den Quellen:

980/90: „Ratpoto de Ratpotingun" ist Zeuge unter Edlen für eine Schenkung des Grafen Ulrich (von Ebersberg) [39
E I 15. ].
1116/17: „Bekanntgemacht sei der gesamten Christenheit der Tausch, den der Herr Otto von Wittelsbach mit dem Vogt von Ebersberg
               Eckhart
vorgenommen hat. Es gab nämlich obiger Otto über dem Altar St. Sebastians in die Hände des Vogts Eckhart zwei Joch im
               Dorfe Aufham für zwei andere, welche St. Sebastian gehörten und auf dem Berg Wartenberg liegen." (Folgen die Zeugen) [40
E III 39.].
ca. 1230: Zum herzoglich-wittelsbachischen Amt Preising gehören fünf Höfe in Wartenberg und fünf in Rapoting [41
MB 36/2,44.].

Rapoting ist heute Ortsteil von Wartenberg. Da der Zeuge den Namen des Ortsgründers trägt, haben wir es mit einer Rodungssiedlung der Grafen von Ebersberg zu tun, welche auf dem ursprünglich bewaldeten westlichen Ausläufer des Wartenbergs angelegt worden ist. Was mit der Familie dieses Rapoto geschah, ob sie ausstarb oder sich später nach einem anderen Ort benannte, wissen wir nicht [42
Ein Rapoto E II 21 (ca. 1075) Z. zwischen Gamanolf von Schattenhofen und Dietrich von Hörlkofen; der „Liber" Rapoto gibt zu Wetterling (bei Glonn): E III 5 (ca. 1095).]. Da aber die Vasallen der Grafen, die in der Nähe Ebersbergs saßen, nach dem Erlöschen des Grafenhauses an deren Hauskloster übergingen, dürfte Rapoting nach 1045 dem Kloster Ebersberg gehört haben, sei es als Eigenbesitz oder als ausgetanes Lehen. Der Wartenberg wiederum kann nach seiner Lage nur zur Ortsgemarkung von Rapoting gehört haben.
Wenn wir nun beim Tausch von 1116/17 den Wittelsbachischen Besitzstand des 13. Jahrhunderts zugrunde legen, so hätte Pfalzgraf Otto schon einen Großteil der Orte Wartenberg und Rapoting besessen, ehe er den Berg Wartenberg erwarb. Diese Vorstellung ist aber unsinnig, wie folgende Überlegung zeigt: „Joch" (iugerum) ist ein Flächenmaß; dieses Wort gebrauchen die Schreiber der EBERSBERGER Urkunden für unbebautes Land. Wäre besiedeltes Land gemeint, so wäre ein Ausdruck wie „predium", „mansus" und dergl. verwendet worden. Es ist also weder die Rede von einer Siedlung namens Wartenberg noch auch von Rapoting. Vielmehr wurden die zur Burg gehörenden Höfe erst nach 1116/17 nach und nach angelegt, und, weil sie zur Burg gehörten, hieß diese jüngere Siedlung Wartenberg, nicht Rapoting. Aber auch Rapoting kann den WITTELSBACHERN damals nicht gehört haben; es wäre unverständlich, warum sie den Ort, nicht aber den dazu gehörenden Berg besessen hätten. Es zeigt sich also, daß die WITTELSBACHER 1116/17 nur den Berg erworben haben, wie es die Urkunde ausdrücklich sagt. Die Siedlung Wartenberg ist jüngeren Datums; der Ort Rapoting gehörte wahrscheinlich dem Kloster Ebersberg. Von einem „Erbe" der Grafen von Ebersberg, das an die WITTELSBACHER gefallen wäre, findet sich keine Spur.
Aus diesem Sachverhalt ist zu folgern, daß der Besitz der Pfalzgrafen und späteren Herzöge von Bayern in dem Jahrhundert zwischen 1120 und 1230 rapide angewachsen ist, vor allem im Umkreis ihrer Hauptburgen, zu denen auch Wartenberg gehörte. Auch die geringe Zahl der Wittelsbachischen Dienstmannen in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts zeigt an, daß der Grundbesitz ihrer Herren damals nicht sonderlich umfangreich gewesen sein kann [43
Flohrschütz, Wittelsbach 50.]. Ferner läßt sich nachweisen, daß die Macht dieser Dynastie seit etwa 1115 verblüffend schnell wuchs: Kein Machthaber in Bayern hat in so kurzer Zeit so viele Vogteien erworben wie Pfalzgraf Otto I. [44 Ebendort 53.] Es wuchs also nicht die Macht der Pfalzgrafen und späteren Herzöge aufgrund ihres reichen Grundbesitzes, sondern umgekehrt ihr Grundbesitz durch die Steigerung ihrer Macht. Um 1117/20 gewannen die WITTELSBACHER mit der Pfalzgrafenwürde die Aufsicht über alle königlichen Güter und Rechte in Bayern; 1180 kamen auch die herzoglichen Güter in ihre Hand. Durch Heirat und Erbschaft [44a Die WITTELSBACHER beerbten zum Beispiel die Edlen von Schaumburg (Flohrschütz, Wittelsbacher 84).], durch Kauf und Vertrag [44b Zum Beispiel der Vertrag mit dem Bischof Adalbert von Freising, der eine nackte Erpressung darstellte (Flohrschütz, Wittelsbach 60).] erwarb die Dynastie in kurzer Zeit eine große Zahl von Gütern. Möglicherweise stammt das eine oder andere dieser Güter aus der Ausstattung der Willibirg und der Hadamuot; vielleicht ging auch manches alte Hausgut der EBERSBERGER, das bei ihren Vasallen hängen geblieben war, an die WITTELSBACHER über [45 Um 1170 (Idf 18) besaß Pfalzgraf Fridrich von Wittelsbach aus dem eigentlichen EBERSBERGER Machtbereich nur Kraiß und Seeon. Ein Besitzschwerpunkt liegt zwischen Amper und Glonn, wo die EBERSBERGER zwar vermutlich Vasallen besaßen, wo aber kein Eigenbesitz nachweisbar ist. Zusammenhang mit Alloden der EBERSBERGER ist nicht zu erkennen.]. Die Behauptung aber, daß die EBERSBERGER von den WITTELSBACHERN in großem Maßstab beerbt worden seien, ist nicht nur unbeweisbar, sondern sogar unlogisch.
4. Bei der Frage nach dem Bluterbe der Grafen von Ebersberg, nach ihrem Weiterleben in anderen Geschlechtern, habe ich darauf verzichtet, die Freisinger RATOLDE und die SIGHARTINGER VOM CHIEMGAU mit zu behandeln, da wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen ist, in welchem Grade sie mit den EBERSBERGERN verwandt waren [46
Tyroller stellt beide Familien zu den EBERSBERGERN (im Mannesstamm): Tafel 2.]. Ich beschränke mich also auf die Nachkommenschaft des Grafen Adalberos I. Am besten belegt ist die Nachkommenschaft der Willibirg, Tochter des Grafen Ulrich und Gattin des Wergant von Friaul, die über ihre Tochter Hadamuot zu den Markgrafen von Krain führt. Poppo II., der letzte des Stammes, besaß eine Schwester Richardis, die mit dem Grafen Otto II. von Scheyern verheiratet war [47 Tyroller, Die Ahnen der Wittelsbacher (Jahresber. des Wittelsbacher-Gymn. 1950/ 1951), Anm. 110. Zu seiner Meinung, daß nicht Eckhart I., sondern Otto II. der Gemahl der Richardis war, paßt auch der Umstand, daß Otto II. kurz vor seinem Tod eine Schenkung an Ebersberg vornahm (E III 12: ca. 1105).] und somit Mutter des ersten Pfalzgrafen Ottos von Wittelsbach wurde. Die beiden Erb-Töchter Poppos II. heirateten in die Familien der Grafen von Andechs bzw. Bogen ein, wodurch nicht nur das Blut der EBERSBERGER, sondern auch viel von ihrem alten Hausbesitz im Südosten an diese beiden Dynastien kam [48 F. Prinz, 348; vgl. Tyroller, Tafeln 10 und 17. ]. Tuta, eine weitere Tochter des Grafen Ulrich, die mit einem SIGHARTINGER verheiratet war [49 Obermünster 10.], scheint nach einer Stelle aus der EBERSBERGER Chronik kinderlos geblieben zu sein. Dort wird nämlich klar gesagt, daß nur Willibirg Kinder besäße [50 E Chr 1330.].
Weit problematischer ist der Zusammenhang der EBERSBERGER mit den sogenannten Grafen von Hörzhausen. Ein Teil der Forscher nimmt an, daß beide Geschlechter identisch seien, was ich für unrichtig halte [51
Siehe Seite 109 f.]. Am meisten hat meines Erachtens die Ansicht Tyrollers für sich, der an eine Heirat einer Tochter des Grafen Adalbero I. (? Willibirg) mit einem Grafen an der Paar denkt [52 Tyroller, Adel, Tafel 2, nr. 12.]. Im Gegensatz zu Diepolder [53 Siehe Einleitung zu HAB Aichach (I 2).] und Liebhart [54 W. Liebhart, Kühbach 44 mit Stammtafel.] zieht Tyroller auch die Grafen des Chiemgaus namens Babo aufgrund zweier Belege [55 F 1209 (Nobilis vir Odalschalk et pater Papo: ca. 975), K 1 (Babo ist Neffe des Grafen Adalbero, Gründers von Kühbach: ca. 1000/10). ] zum nämlichen Geschlecht. Mir erscheint diese Annahme deshalb begründet, weil ich vermute, daß der letzte dieser „BABONEN [56 Belege bei Tyroller, Tafel 2, nr. 29.] auch Vogt von Geisenfeld war [57 Gfd 11, 14.] und darüber hinaus zu identifizieren ist mit dem nur einmal erwähnten Grafen Babo von Scheyern [58 Gfd Ukn 1 (in MB 14).]. Als seine Tochter ist Haziga zu betrachten, die in erster Ehe mit einem Grafen von Kastl verheiratet war und in zweiter Ehe ihrem Gatten Otto die Burg Scheyern zubrachte [59 G. Flohrschütz, Graf Babo von Scheyern und Haziga, in: Aichacher Heimatblatt 28. Jahrg., Nr. 6, 1980.]. Demnach sind die WITTELSBACHER auch über diese Linie Abkömmlinge der EBERSBERGER. Nach Tyrollers Stammtafel gelangte das Blut der EBERSBERGER über die Grafen „von Hörzhausen" auch an die Grafen von Grögling-Ottenburg-Dollnstein-Hirschberg, an die Grafen von Dachau und Valley und meines Erachtens [60 Tyroller, Adel, Tafeln 2, 12; Flohrschütz, Stammtafel Seite 3.] auch an die Edlen von Elsendof. Nicht erscheinen in der beigegebenen Nachfahrentafel die Grafen von Rott-Vohburg aus dem Stamm der PILIGRIMIDEN [60a Tyroller, Tafel 8. ], zu denen wohl ebenfalls eine verwandtschaftliche Beziehung bestanden hat [61 Siehe Seite 24.].
Wenn also auch die gesamte Nachkommenschaft der EBERSBERGER bisher nicht erschlossen werden konnte und auch kaum je erschließbar sein dürfte, so geht aus dem Gesagten doch hervor, daß das Blut der EBERSBERGER zunächst in eine Anzahl bayerischer Adelsfamilien einströmte und sich von hier aus verbreitete. Heute dürften wohl die meisten europäischen Hochadels-Geschlechter die EBERSBERGER zu ihren Vorfahren zählen.
Soviel über die ebenbürtige Nachkommenschaft; die unebenbürtige wird bei solchen Untersuchungen meist übergangen, da man darüber nichts weiß. Bei den EBERSBERGERN aber sind wir auf drei Spuren dieser Art gestoßen: auf Abt Altman, der uns ausdrücklich als illegitimer Sproß des Grafen-Hauses genannt wird [62
E Chr 1325.], auf Gotini wegen ihres Namens [63 Siehe Seite 27.] und auf Hiltegunde wegen ihres reichen Besitzes, der als Hausgut der EBERSBERGER anzusprechen ist [64 Siehe Seite 25 f.]. Was wir aber von der „Priesterin" Hiltegunde annehmen, müßte folgerichtig auch für die „Priesterin" Liutbirg gelten und ebenso für die mit ihnen zusammengenannten Priester Gunduni bzw. Berchtgoß. Während wir aber bei den illegitimen Nachkommen der Grafen, die priesterlichen Standes waren, kaum mit Nachkommen zu rechnen haben, sind Goßbert und Gotini die Stammeltern des wichtigsten EBERSBERGER Dienstmannengeschlechts gewesen; sicherlich gehören auch Mitglieder anderer Ministerialen-Familen zu ihren Nachkommen, auch wenn sich solche Verwandtschaften nicht nachweisen lassen. über die natürlichen Sprößlinge der Grafen ist also ihr Blut auch in tiefere Schichten der Bevölkerung eingeströmt.
Zum Abschluß müssen wir uns noch mit dem politischen Erbe der Grafen von Ebersberg befassen. Nicht von ihrer Wirkung für die Folgezeit soll hier die Rede sein; dazu hat sich schon W. Störmer geäußert [65
Störmer, Adelsgruppen 175.], sondern von ihrer politischen Konzeption, wie sie beim Erlöschen des Grafen-Hauses bestand, von der Machtverteilung in dem Raum, wo sie den Ton angaben. An den Grafschaften läßt sich diese Konzeption nicht erkennen - hier bestehen zu viele Unklarheiten - wohl aber an den Vogteien.
Als Vögte von Geisenfeld werden in dieser Zeit genannt Hartwig [65a
Gfd 4.], wohl identisch mit Hartwig von Berghofen, der mehrmals im Gefolge des Grafen Adalbero begegnet [65b E I 30,36,44,47, III 1; auch Gfd 1,2.], und Erchanger von Schambach (südlich Riedenburg) [66 Gfd 1,2,6,8 o. A., 9 („Archo").], sehr wahrscheinlich ein Sohn oder Enkel des Erchanger von Schammach, welcher ebenfalls in Ebersberg bekannt war [67 E I 11,14.]. Beide Vögte waren also Vasallen der EBERSBERGER. Hauptvogt des Bischofs von Freising war von 1039 bis ca. 1045/47 Graf Sighart VII. [68 Z. B. F 1442,1445,1337,1457; Seite 34.], der Schwager der letzten Grafen von Ebersberg; er bevogtete damals auch Weihenstephan [69 W 38, 39. Zu ihm siehe Uhl, Einleitung zu den Weihenstephaner Traditionen 128*.]. Die Vogtei von Ebersberg besaß schon zu Lebzeiten der Gräfin Richlinde, der Witwe Graf Adalberos II., Rotbert I. von Schleißheim [70 E I 46.], der einmal auch als Graf bezeichnet wird [71 E I 53.]. Er stammte aus einem alten Vasallen-Geschlecht der EBERSBERGER und war auch Vogt von Tegernsee [72 Zum Beispiel T 8, 12, 26.]. Nun entfaltete zwar damals die Vogtei noch nicht die gleiche herrschaftsbildende Kraft wie im 12. Jahrhundert; auch war um die Mitte des 11. die Erblichkeit von Kirchenvogteien eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch waren auch damals schon die Vogteien gewichtige Machtpositionen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie groß die Macht der Grafen von Ebersberg gewesen ist, so zeigt sie sich bei ihrem Erlöschen noch einmal besonders eindrucksvoll: Sämtliche wichtigen Kirchenvogteien, vom Alpenrand bis zur Donau hinunter, waren innerhalb ihres Machtbereiches von ihren Verwandten, Verbündeten, Vasallen besetzt!

DIE NACHFAHREN DER EBERSBERGER  

                                                                    Adalbero I.
                                                                   Gf v. Ebersberg
                                                                  928/34-65/69

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       Ulrich    1                                                                                                                          NN (?Willibirg)
      Gf v. Ebersberg                                                                                                                 oo Babo I. Graf an der Paar
      960/65-1029                                                                                                                           957-ca. 975                                                                                                                                                      
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Willibirg                           Tuta                                 Gf Babo II.                Adalbero                  Liutgart                      Hildegart
ca. 1020-50                 oo Sighart (VII.)                   ca. 980-1008/9   Graf von Hörzhausen      oo Altman I.              1008/9-ca. 1025
oo Werigant                     Gf im Chiemgau                                         Gründer von Kühbach    Gf an der Paar            I. oo Gf Adalbero
Gf von Friaul                   1010-46                                                      ca. 995-nach 1011                1007                      II. oo Konrad/Kuno Graf
                                          ? kinderlos                                                                                                                                    von Sualafeld
                                                                                                                  
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Hadamuot                                                                       Babo III.                                         Altman II.          Adalbero von       Willibirg
ca. 1050                                                                         Graf im Chiemgau                        Graf an der Paar  Badershausen        1008/8-ca.1025
oo Poppo I. Graf von                                                     Vogt von Geisenfeld                     ca. 1020-1047     1008/09-1017/27 oo ? Odalschalk      
von Weimar-Orlamünde                                               Graf von Scheyern                                                                                 von Eisendorf
                                                                                    1008/9-ca. 64                                                                                           ca.1025-1039/47   
     I                                                                                      I                                                        I                          I                   
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Ulrich                                                                               Haziga                                             Aviza                   Kuno von
Markgraf von Krain                                                               
ca. 1104                            oo Hartwig von        Reipertshofen
 
1070                                                                        I. oo Herman Graf                          ? Berghofen                ca. 1060                  +
                                                                                              von Kastl,1050/56                     1035-68/9                              ELSENDORFER
                                                                                     II. oo Otto I.
                                                                                              Graf von Scheyern
                                                                                                    
1070/72

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Poppo II.                                                            Richardis                                                    GRÖGLINGER     Beatrix
Markgraf von Krain                                      oo Otto II.                                                                                       oo Arnold Graf
 
1101                                                             Graf von Scheyern                                                                          von Scheyern-Dachau
                                                                          ca. 1078-1107                                                                                 ca. 1080-n.1104
                                                                                                                                                                                            
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Sophia                            Hadwig   
oo Berthold IV.            oo Adalbert I. Graf          +                               +                                                                                     +
Graf von Andechs            von Bogen            Grafen von            Grafen von Kastl                                            DACHAUER,VALLEYER
1151                              1146                   Scheyern-Wittelsbach                                                                                                     
                                                        
   +                             +
ANDECHSER       BOGENER